Dienstag, 28. Februar 2012

Mein kleines rosa Buch...



Es erzählt mir, dass


- am 31.12.2002 bis zur letzten Minute nicht klar war, wie viele Gäste kommen, wir aber das neue Jahr mit einem Champagne Ruinart Brut 1992 begrüßten. Nach 17 Uhr schnippelte ich erneut Fleisch für das Fondue - für alle Fälle...
- ich am 09.04.2011 den Tisch mit Unmengen von rosa Rosenköpfchen und Muscheln dekorierte und lieben Besuch von einer Food-Community bewirten durfte. Als Dessert gab es Limoncello-Crème - aus selbstgemachtem Limoncello - und Schokotörtchen.
- uns am 20.01.2004 Freunde aus Brüssel mit Pralinen aus der belgischen Hauptstadt beschenkten und ich für sie ein indisches Curry kochte.
- am 08.02.2002 die Frau eines hohen Diplomaten zwischen jedem Gang am Tisch rauchen mußte und mir ein Journalist aus Frankfurt "Asterix auf Hessisch" als Gastgeschenk aus meiner Heimatstadt mitbrachte. Zum Hauptgang gab es Involtini al Marsala.
- dass wir am 10.09.2005 eine Magnumflasche Tomaresca/Masseria Maime (Negromaro) schlachteten und sich unsere Gäste (einer aus dem fernen Mexiko)  bei dem - natürlich - italienischen Essen "sauwohl" fühlten.
- wir am 04.04.2006 einen Ehrengast des deutschen Kulturinstituts Villa Massimo bewirteten und eine dazu eingeladende italienische Künstlerin sich freute, einige ihrer Werke bei uns nach Jahren wiederzusehen. Als Beilage gab es die berühmten Carciofi alla Romana
-  ich am 12.01.2007 ein "kleines Schwarzes" trug und auf dem Tisch kleine Gläschen mit rosa und zartgelben Rosen standen. Als Dessert liessen wir uns einen Kranz aus Weintrauben in Gewürztraminergelee schmecken.
- am 27.11.2002 in meinem Ofen ein wunderbares Filet Wellington seiner Vollendung entgegenstrebte und ich einen der Gäste erst ein paar Tage zuvor in New York kennengelernt hatte.
- ich im Juni 2002 für ein internationales Buffet für ebenso internationale Gäste zwei Tage lang in der Küche stand und mich unser Freund Guido gegenüber einem anderen Gast als "Terroristin" bezeichnete - wegen meines Angriffs auf seine Linie. Ein italienischer Gast weigerte sich angesichts der roten Farbe, mein Tandoori-Chicken zu probieren. Das sei sicher zu scharf für seinen Gaumen!




...und  dass Herr Y, der keinen Knoblauch mag, sogar die Schnittlauchröllchen aus der Suppe fischt, Frau X dagegen allergisch auf Paprika reagiert, ich manchmal schwarze Kieselsteine oder rote Rosenblätter auf das Tischtuch streue, wir auch den italienischen Gästen am Silvesterabend "Dinner for One" aufgezwungen haben, ich meist ein klassisches weißes Tischtuch wähle und manchmal Schleifchen um die Servietten binde, ich froh war, wenn es beim Tischgespräch nicht nur um die italienische Wirtschaft ging - und überhaupt!
Es nimmt Rücksicht auf die Vorlieben und Abneigungen unserer Freunde und Bekannten, erinnert an rot-gespülte Hände, bewahrt mich davor, wiederholt dasselbe Kleid bei bei denselben Gästen anziehen - und mich vor allem nicht beim Menü zu wiederholen -, ermahnt mich, religiöse Speisevorschriften, auf die ich bei einigen Gästen achten muß, zu wahren und wird langsam immer dicker, weil ich auch Fotos von der Tischdekoration und nette schriftliche Danksagungen zwischen die Seiten quetsche.
Es ist das erste, was ich bei der Planung eines Menüs noch vor einem Kochbuch aufschlage:
Mein kleines rosa Buch.




Das kleine rosa Buch - und viele andere schöne und nützliche (und überflüssige) Sachen - gibt es hier:

 Il Papiro



♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Kommentare:

  1. Wow, das hört sich ja nach Druckreife an Freuden und Leiden einer passionierten Gastgeberin... Wir haben nicht so viele unterschiedliche Gäste, Ihr habt ja durch den Beruf Deines Mannes bedingt viel mehr "Durchlauf"...;-D, ... lustig fand ich die Anmerkung, mit dem Kleid nicht zwei Mal anziehen... da hab ich nämlich überhaupt keine Hemmungen, schon gar nicht bei einm kleinen Schwarzen, was man ja komplett umstylen kann....
    Ich finde es wieder einen supertollen Einblick in Deine Welt! Danke!!!

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    1. Ach, ich ziehe viele Sachen auch zehnmal an...man muß es nur geschickt anstellen :-)).
      LG Ariane

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    2. P.S. Und die Bezeichnung "Durchlauf" trifft es manchmal - leider. Am wohlsten fühle ich mich immer noch an einem Abend mit guten Freunden, die mir auch verzeihen würden, wenn der Braten anbrennt, die Gelatine nicht festgeworden ist und mit denen ich einfach lachen kann. :-))

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