Dienstag, 3. Dezember 2013

Acht auf einen Streich: Panettone im Miniformat




Bin ich eigentlich ganz von Sinnen? Ich backe Panettone!
Dabei kann ich mich um die Weihnachtszeit vor Panettoni kaum noch retten. Stapelweise in den Läden - meist angereichert mit untrinkbarem Spumante in der praktischen Geschenkebox - scheinen sie alle anderen Waren aus den Regalen zu verdrängen. Bei jedem Autogrill, den Raststätten Italiens, entlang der Autostrada del Sole - und nicht nur dort - muss man sich den Weg zur Bar, um schnell einen Caffé zu trinken, durch die Schachteln beinahe erkämpfen. Und wenn es auf Weihnachten zugeht, dann kommen sie an, die kleinen kulinarischen Präsente - angeführt von, ja richtig: Panettone!
Aus Verzweiflung verschenkt man sie dann ebenfalls weiter, sonst hätte man das ganze Jahr über genügend Vorräte bis zur nächsten Saison.
Ich glaube, das mit dem Weiterschenken machen in ihrer "Not" viele so.
Kennt Ihr Ephraim Kishon? Von ihm gibt es diese herrliche Kurzgeschichte über eine Pralinenschachtel, die über die Jahre unverschlossen weitergereicht wird, bis der Autor, den es nach Schokolade gelüstet, gierig die Packung aufreißt. Statt Pralinen glotzten ihm dann kieselsteinartige und mit Moosbelag überzogene Teilchen entgegen. In einer anschließenden Recherche ließ sich die Schachtel bis in die Gründungsjahre Israels zurückverfolgen.
Ob das wohl auch das Schicksal so manchen Panettone ist?
Panettone gehört zu einer italienischen Weihnacht wie bei uns der Weihnachtsbaum - der in Italien übrigens schon am 8. Dezember aufgestellt wird. Meist ist er aus Plastik.




Vor ein paar Wochen gab es bei italienischen Bekannten in Frankfurt Panettone zum Brunch. Er war ziemlich trocken, gar nicht gut, und die Hausherrin meinte, kein Wunder, den habe sie ja auch in Deutschland gekauft, der könne ja nie so gut wie ein in Italien hergestellter sein.
Ich meinte nur, na - wenigstens bekommt man italienisches Gebäck in Deutschland...
Aber es ist schon richtig: Bei Panettone gibt es große Qualitätsunterschiede, je nachdem, ob es sich um einen "industriale", oder aber einen "artigianale", also vom Bäcker hergestellten, handelt.
Die Ursprünge dieser Spezialität aus Mailand lassen sich bis zur die Mitte das 18. Jahrhunderts zurückverfolgen. Damals war das Gebäck noch unter dem Namen Pan Grande, also "Großes Brot", bekannt. Sicher aber geht auch dieser Hefekuchen auf die seit dem Mittelalter bekannten süßen und gewürzten Backwerke zurück.
Zu Weihnachten öffnen auch wir immer ein bis zwei Schachteln (über die übrigen freuen sich Freunde und Verwandte in Deutschland), und der Panettone ist stets frisch, fluffig und teilt sich brav die Kaffeetafel mit meinen selbstgebackenen Plätzchen.
Das klassische Rezept für einen Panettone sieht viele Stunden vor, in dem der Teig immer wieder gehen muss. Praktisch braucht man einen ganzen Tag für die Zubereitung. Ich habe mich für eine schnellere Variante entschieden, die zudem noch aus einem - horribile dictu - deutschen Weihnachtsback- und Kochbuch stammt. Wie in Italien üblich, habe ich aber zusätzlich die Panettoni noch mit ungeschälten Mandeln und etwas Hagelzucker bestreut.
Ob das was werden kann?





Zutaten (für 8 kleine Panettoni)


  • 600 g Mehl + Mehl zur weiteren Verarbeitung
  • 42 g frische Hefe
  • 250 ml Milch
  • 100 g Zucker
  • 200 g Butter + Butter zum Fetten der Förmchen
  • 1 Prise Salz 
  • (im Original: frisch geriebene Muskatnuss)
  • abgeriebene Schale eine unbehandelten Zitronen und einer unbehandelten Orange
  • 6 Eigelbe
  • 100 g Zitronat
  • 100 g Orangeat
  • 150 g Sultaninen
  • 80 g gehackte Mandeln


  • ganze ungeschälte Mandelkerne
  • Hagelzucker


  • 8 Förmchen von ca. 10 cm Durchmesser, 6 cm Höhe und 350 ml Inhalt 
  • Backpapier


Mehl in eine Schüssel sieben, eine Mulde hineindrücken und die zerbröselte Hefe hinzufügen. Milch erwärmen und lauwarm zur Hefe geben. Mit wenig Mehl verrühren, die Schüssel abdecken und für 20 Minuten den Vorteig an einem warmen Ort gehenlassen.
Die Butter in einem Topf schmelzen und wieder abkühlen lassen. Die Eier trennen, Eigelb mit dem Zucker, der Prise Salz ( und eventuell frisch geriebener Muskatnuss) sowie Zitronen- und Orangenabrieb sehr schaumig schlagen, dabei die Butter unterrühren. Es sollte eine weiß-schaumige Masse entstehen.
Die Schaummasse zum Hefevorteig geben und mit dem Knethaken alles gut mit dem Mehl verarbeiten.
Die Schüssel wieder abdecken und für weitere 30 Minuten an einen warmen Ort stellen.
Nach dieser Zeit die Sultaninen, Zitronat, Orangeat und die gehackten Mandeln unterkneten, eventuell noch etwas Mehl unterarbeiten.





Nochmals 30 Minuten abgedeckt gehen lassen.
In der Zwischenzeit die Förmchen einfetten und den Rand mit einem Streifen Backpapier auskleiden.
Den Teig in 8 Teile schneiden und auf die Förmchen verteilen.
Abgedeckt weitere 20 Minuten gehen lassen.



Den Backofen auf 180 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.
Die Panettoni mit Hagelzucker und Mandelkernen belegen und für 25 - 30 Minuten in den Ofen schieben.
Nach der Backzeit aus den Förmchen nehmen und auf einem Kuchengitter auskühlen lassen.

Quelle: Weihnachten - Das Goldene von GU, Gräfe und Unzer Verlag, München, 2013




♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Kommentare:

  1. Oh du hast es gewagt!!! Ich hab mich bis jetzt noch nicht getraut Panettone zu backen....die sehen toll aus!!!

    LG Wilma

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    1. Das kann ich verstehen. Ich habe mich nie an einen Panettone getraut. Eigentlich ist es aber ganz einfach, nur braucht man etwas Zeit...
      Saluti
      Ariane

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  2. Was zauberst du nur immer für Leckereien. ��

    Verrätst du noch wieviel Zucker du dem Panettoneteig gegönnt hast?
    Ciao Werner

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    1. Da hatten wohl die Düfte meine Sinne umnebelt. :-) Ich reiche den Zucker dann mal nach...
      Saluti
      Ariane

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  3. Die schaffen es sogar bis nach Deutschland und machen sich hier breit! Vielleicht bekomme ich es aber nur mit, weil der Schwiegervater Italiener ist ;)

    Und das Rezept nehme ich mit, den Panettone steht auch noch auf meiner ToDo-Liste, ich konnte mich nur noch nicht für ein Rezept entscheiden :D

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    1. Es ist natürlich ein vereinfachtes Rezept, aber für meine Amateurbäckerei bestens geeignet. :-) Ein richtiger Panettone ist sehr viel (zeit-) aufwendiger in der Herstellung.
      Aber ich backe den sicher noch öfters.
      Saluti
      Ariane

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  4. Hallo, das sieht ja lecker aus und ist auch eine schöne Geschenkidee.

    Könntest Du bitte noch dazuschreiben, wie groß die 8 Förmchen in etwa sind?

    Vielen Dank!

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    1. Jetzt habe ich noch die ml-Angabe hinzugefügt. Im Originaltext ist von 170 ml Inhalt die Rede; so wachsen die Panettoni eher noch etwas in die Höhe. Meine Förmchen waren allerdings größer (siehe Text).
      Saluti
      Ariane

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  5. Das ist jetzt wieder so ein Posting, wo ich mir denk: So muss die Ariane auch in Wirklichkeit sein! Also ich kenn dich ja nicht, aber dieses Kleine, Feine, das passt für mich so ganz und gar zu den Fotos, die ich von dir kenne.
    Verrat mal, wie groß bist du denn?

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    1. :-) Also, ich bringe es gerade mal auf 1,66. Mehr sind es nicht geworden...
      Vielleicht wird es noch was, wenn ich genügend Panettone futtere - aber wahrscheinlich ginge es dann in die Breite...
      Saluti
      Ariane

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    2. Ah, hat mich meine Vorstellung doch nicht ganz getäuscht. :)

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  6. Sie sehen köstlich aus - hoffentlich wissen die Beschenkten das " fatto da sé " zu schätzen !!! ;0)
    LG Doris

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    1. Doch, ich glaube, sie freuen sich über das süße Mitbringsel :-).
      Saluti
      Ariane

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  7. Hihi, die Geschichte mit den Pralinen ist ja witzig! Sicher geht das auch vielen Panettone so, aber deinen bestimmt nicht! Die sehen schon so total toll und süß aus und dann auch noch so hübsch eingepackt!!! <3

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    1. Die Geschichte ist auch sehr lustig geschrieben, typisch Kishon eben :-)!
      Saluti
      Ariane

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  8. Ach Ariane, ich finde mich in allen Deinen Worten wieder...

    Schon lange backe ich Mini-Panettoni zu Weihnachten und zwar meist in kleinen Blumentöpfchen aus Ton, das sieht als Geschenk sehr nett aus. Ich möchte demnächst mal versuchen, Panettone im Weckglas zu backen und so in Erfahrung bringen, wie lange sich die Küchlein auf diese Art halten. Auch das wäre ein schönes Geschenk und vor allem müsste man es nicht gleich aufessen! Dein Rezept ist etwas anders als meines, aber das werde ich auch einmal ausprobieren. Eine ruhige (!!!) Adventszeit wünschen Euch Elvira und Don A.

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    1. Das ist ja gerade zum Verschenken eine wunderbare Idee! Panettone in kleinen Blumentöpfchen. :-)
      Mal sehen, wann bei uns endlich etwas Ruhe einkehrt - danke für Eure guten Wünsche!
      Genießt die Zeit!
      Saluti (auch an den Don)
      Ariane

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  9. MIt Panettone hab ich bislang nicht die besten Erfahrungen gemacht, bin mehr so der Stollen- und Früchtebrot-Typ.... so ein kleiner, das wäre wohl was Anderes. Übrigens den ersten French-Toast mit Schoko-Banana-Cream http://ninivepisces.wordpress.com/2013/10/03/french-toast-mit-bananen-schoko-creme-and-banana-chocolate-cream/ hab ich aus Panettone gemacht, da war der fabelhaft für weil so luftig.

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    1. Danke für diesen Panettone-Verwertungstipp - da ist sicher auch Elvira dankbar, die das "Problem" mit den Panettone-Bergen ja auch bestens kennt :-)
      Stollen hat immer meine Mutter gebacken; ich kann mich an diese riesigen Teile noch gut erinnern, die dann immer sorgfältig verpackt auf ihren Einsatz zu Weihnachten warteten.
      Saluti
      Ariane

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  10. Zwei Menschen und ein Gedanke, auch ich habe vor kurzem 12 Mini-Panettoni gebacken. Es ist ebenfalls als Geschenk gedacht im Freundeskreis. Die kl.Kuchen habe ich in Einweckgläsern gebacken und anschließend ähnlich wie Du verpackt, Ariane. :-)

    LG Biggi

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    1. Generell halte ich gerade in der Advents- und Weihnachtszeit selbstgebackene (oder gebastelte) Mitbringsel für etwas sehr Schönes! Man hat nicht nur einfach etwas gekauft, sondern sich Mühe gegeben, um den anderen eine Freude zu machen.
      Eine süße Idee mit den kleinen Einweckgläsern. :-)
      Saluti
      Ariane

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