Mittwoch, 1. April 2015

Wie in Venedig - oder auch nicht: Riso al latte con lo zafferano e scaglie di mandorle



"Come a Venezia" - "wie in Venedig", das ist hier die Frage. Generell bin ich ja eher misstrauisch, wenn mir nicht-italienische Kochbücher italienische Rezepte verklickern wollen, und so wurde ich auch bei diesem Milchreisrezept hellhörig. Gut, wenn man venezianische Freunde hat! Am vergangenen Sonntag, auf einer wunderschönen Terrasse in der Toskana beim Mittagessen, kamen wir auf das Thema zu sprechen. Erste Reaktion: "Brrrrr"! Ja, Milchreis, ganz einfach Milchreis nur in Milch gekocht, nicht einmal gesüßt, das kannten sie aus ihrer Kindheit. In Italien scheint Milchreis wirklich nur eine Speise - vielleicht zum Frühstück oder als "Merenda" (Zwischenmahlzeit) - für Kinder zu sein. In Griechenland, so durfte ich letzte Woche wieder feststellen, erfreut sich dagegen Milchreis großer Beliebtheit. Auf dem Frühstücksbuffet standen kleine Schälchen mit Milchreis, und in den Kühlregalen der Supermärkte findet sich immer eine reiche Auswahl dieser Süßspeise, meist mit Zimt verfeinert.
Ich gebe zu, auch ich bin nicht so der große Milchreis-Fan. In meiner Kindheit gab es das ab und an einmal  - ebenfalls mit Zucker und Zimt - und ersetzte dann eine Hauptmahlzeit, denn dieses Gericht ist ja an sich sehr sättigend. Nur wenige Löffel bekam ich damals herunter, war ich als Kind noch weniger "süß" veranlagt als heute.
Mit meinen Eltern war ich in ganz jungen Jahren öfters auf der Insel Sylt, und ich erinnere mich noch ganz lebhaft an ein Restaurant, das "Milchstübchen" oder vielleicht auch "Milchreisstübchen" hieß. Dort gab es vor allem - ja, Ihr ahnt es schon - Milchreis! Aber auch in diesen Urlauben war mir eine Tüte Pommes Frites mit Mayonnaise immer lieber. Etwas, was ich sonst nie bekam, aber das war wohl der Urlaubsbonus. Ansonsten wurde ich auch im Urlaub immer eifrig mit Quark als Zwischenmahlzeit gefüttert, damit ich kräftige Knochen und Zähne bekam!
Das sind also meine Erinnerungen an Milchreis, und da kann ich die Reaktion meiner venezianischen Freunden sehr gut nachvollziehen.
Wenn aber in einem hübschen französischen Kochbuch, von dem ich eine italienische Ausgabe habe und das ganz dem Kochen mit Milch gewidmet ist, appetitanregend ästhetische Fotos von Milchreis locken, dann wage auch ich mal einen Versuch; meinen allerersten, denn ich hatte ihn vorher noch nie selbst zubereitet. In der Konsistenz war der Milchreis etwas fester und nicht so breiig wie in meiner Erinnerung. Wer das nicht mag, kann einfach die Menge an Milch und Sahne erhöhen. Statt Milchreis, wie man ihn in Deutschland zu kaufen bekommt, habe ich auf Risotto-Reis (Carnaroli) zurückgegriffen.




Aber wie ist das denn nun mit Venedig? Irgend eine Quelle mussten die Autoren ja gehabt haben. Auf einen Reispudding mit Rosinen bin ich bei meiner Recherche gestoßen, der typisch für die Region Friaul-Julisch Venetien sein soll. Ich kann mir nur denken, dass der Safran, eines der teuersten Gewürze überhaupt, in Venedig als Seerepublik und Handelshafen hier eine Rolle spielt. Aber vielleicht stolpere ich ja an anderer Stelle noch einmal über einen original venezianischen Milchreis.




Zutaten
(für 2 Personen)

300 ml Milch
100 ml Sahne
50 g Zucker
90 g Risotto- oder Milchreis
1 El Butter
40 g Mandelblättchen
einige Safranfäden

Reis in einem Sieb mit kaltem Wasser abbrausen. Milch, Sahne und Zucker langsam erhitzen, bevor dieser zu Kochen beginnt, den Reis und einige Safranfäden hinzugeben. Bei milder Hitze ca. 25 bis 30 Minuten köcheln lassen, dabei öfters umrühren, besonders gegen Ende der Garzeit.
Die Mandelblättchen in der Butter hellbraun anrösten und zum Schluss unter den Reis heben (einige Mandelblättchen für die Verzierung zurückbehalten.
Lauwarm oder kalt genießen.



Rezeptinspiration: Laurence e Gilles Laurendon, Delizie di latte, Guido Tommasi Editore,  2004


♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Kommentare:

  1. Liebe Ariane,
    ich mag Milchreis und deshalb werde ich Deine Variante auf jeden Fall mal ausprobieren (auch wenn ich jetzt schon weiß, dass die Kinder sagen werden, das ist kein Milchreis, der ist zu gelb, das ist der Reis zum Ossobuco :-))
    Buona Pasqua,
    Kebo

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    1. Wenn Du ihn etwas cremiger magst, auf jeden Fall mehr Milch verwenden. Im erkalteten Zustand war er dann schon sehr fest. Das Safranaroma fand ich wunderbar, aber Du kannst den Safran ja vielleicht durch das Mark einer Vanilleschote ersetzen. Dann mögen es sicher auch Deine Süßmäulchen. :-)
      Saluti e buona Pasqua anche a Te!
      Ariane

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  2. Da werden Kindheitserinnerungen wach - Milchreis und Grießbrei, alles gekrönt von brauner Butter und Zimt zucker - da könnte ich glatt abheben! Beides esse ich auch heute noch sehr gern, allerdings eher selten, denn für Don A. (und wahrscheinlich die meisten "echten" Kerle) ist das ja eher ein Dessert, denn ein Hauptgericht!

    Aber ital. Risotto behält doch eigentlich immer einen leicht bissfesten Kern, wäre da richtiger Milchreis nicht besser geeignet?

    Ach, ich muss mir doch mal wieder einen Topf nur für mich ganz alleine zubereiten, da kann er dann meinetwegen zuschauen, der Don, wenn ich das glücklich genieße...

    Saluti
    Elvira

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    1. Mnachmal bereite ich mir auch ein winziges Schälchen Grießbrei zu; viel kann ich davon nicht essen. Aber es so eine tröstende, wärmende Mahlzeit, die man ab und an braucht.
      Zu den Milchreis-Sorten kann ich nichts sagen (ich weiß, was du meinst, den Milchreis, den man in D. zu kaufen bekommt, also ausgesprochener Rundkornreis). Aber Risottoreis war wohl ein ganz guter Ersatz.

      Saluti
      Ariane

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