Freitag, 3. Juli 2015

Crema di nocciole - (weltbeste!) Nuss-Nougat-Crème



Eine berühmte Nussnougat-Crème ist zur Zeit buchstäblich in aller Munde; gerade bei ihren Kritikern. Zunächst stänkerte vor wenigen Tagen die französische Umwelt-Ministerin Ségolène Royal gegen die von Italienern heißgeliebte Nutella wegen des enthaltenen Palmöls, woraufhin sich die Frau des italienischen Ministerpräsidenten, Agnese Renzi, am Stand von Ferrero auf der EXPO in Mailand demonstrativ eine mit der Nusscrème bestrichene Crêpe schmecken ließ.
Das alles konnten die Italiener gerade noch so verkraften, als aber dann die Kochzeitschrift  La Cucina Italiana über eine Analyse der Verbraucherzentrale Hamburg berichtete, die kein gutes Haar an Nutella ließ, indem sie in einer anschaulichen Illustration das Verhältnis der Zutaten aufschlüsselte, brach der Shitstorm bei Facebook los. Wie können ausgerechnet die Deutschen es nur wagen, ihren geradezu heiligen Brotaufstrich auch nur anzutasten. Wir Deutschen, die wir den ganzen Tag nur Würstchen in uns hineinstopfen - und wer weiß, was da alles verwurschtelt wird! Wir ernähren uns schließlich nur mit "Schifezze" (ekelhaftes Zeug) - Wurstel und Birra! Auch eine Erklärung hat man schnell gefunden: Die Deutschen sind ja nur neidisch, weil sie selbst nie so einen Renner auf den Markt gebracht haben, und jetzt wollen sie dieses Erfolgsprodukt eben niedermachen. So sehr steigerten sich einige in ihre Hasstiraden, dass selbst die deutsche Kanzlerin dafür herhalten musste: "Guckt euch nur diese "Culona" (Culo ist ein unfeines Wort für das Gesäß, und die "Culona" macht das "Ganze" noch größer...) von Merkel an!" Die bösen Deutschen und ihr Fraß - mal wieder! Sachlich war an diesem Punkt die Diskussion schon lange nicht mehr, und die übelsten Kommentare schienen selbst der Redaktion zuviel und waren am folgenden Tage verschwunden und wohl glöscht.
Aber vielleicht kannten die Hitzigsten unter den Kommentatoren nicht einmal die historischen Fakten, die doch soviel interessanter sind, wenn man sich einem Produkt und dessen Geschichte ein wenig auseinandersetzen möchte. Die im Jahr 1964 im piemontesischen Alba erfundene berühmte Nuss-Nougat-Crème, die wir heute unter dem Namen Nutella kennen, hat nämlich ihre kulinarischen Vorläufer. Aus einer Notlage heraus - während der britischen Seeblockade gegen Napoleon, gelangten nicht mehr genug Kakaobohnen ins Piemont - kamen die findigen Turiner zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf die Idee, die Schokoladenmasse mit gemahlenen Haselnüssen zu strecken, um den Schokoladenhunger der Aristokratie weiterhin stillen zu können. Die Nuss-Nougat-Crème war damit erfunden und bildete die Grundlage für eine weitere piemontesische Spezialität: den Gianduiotti, kleine Nougat-Pralinen, die für Turin die gleiche Bedeutung haben wie etwa die Mozartkugeln für Salzburg oder die Sachertorte für Wien.
Ferrero ist heutzutage übrigens nicht der einzige Hersteller von Nuss-Nougat-Crème, und es gibt auch durchaus hochwertigere Produkte anderer Hersteller, die allerdings ihren Preis haben und auch in Italien nur in ausgewählten Spezialitätenläden zu finden sind.
Mein Mann ist ein großer Liebhaber von Nutella - ein Nutellone, wie einige Italiener die Liebhaber der Crème nennen. Und derer gibt es viel in Italien - und wahrscheinlich auch auf der ganzen Welt. Der italienische Regisseur und Schauspieler Nanni Moretti posiert in einer berühmt geworden Filmszene hinter einem riesigen Nutellaglas, so dass es fast aussieht, als bade er darin. Ich dagegen habe Nutella noch nie gemocht und bin auch eher mit Erdnussbutter aus dem Reformhaus auf dem Pausenbrot großgeworden.
Allein ein Blick auf die Inhaltsstoffe der Crème verursacht mir Magengrummeln: Zuviel Zucker, zuviel Palmöl, Milchpulver und nur verhältnismäßig geringe Mengen an Haselnüssen und Kakao! Mein Mann allerdings lässt das eher kalt - ganz nach dem Motto: ein Nutellabrot am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen schadet ja nicht. Nun gut, aber dann sollte die Crème wenigstens selbstgemacht sein; ich bin mal gespannt, was er morgen beim Frühstück dazu sagt...






Zutaten
(für 4 Gläser à 160 ml)

300 g Haselnüsse, beste Qualität (ich verwende piemontesische)
120 ml Ahornsirup
120 ml Mandelmilch, möglichst ungesüßt, fertig gekauft oder selbstgemacht
110 g dunkles Kakaopulver
1 Tl Vanilleextrakt
1 Prise Salz
2 El Kokosöl (Bio-Qualität)

Haselnüsse in einem Standmixer intervallartig zerkleinern, dabei den Mixer zwischendurch ausschalten und die Nüsse von den Mixerwänden kratzen. Nach und nach die Zutaten einarbeiten, bis eine cremige Masse entstanden ist. Allerdings ist die Crème im Gegensatz zu industriell hergestellten Produkten nicht ganz so glatt.
Die fertige Crème auf die Gläser verteilen und im Kühlschrank aufbewahren. Vor dem Verzehr rechtzeitig herausnehmen.
Wie lange sich die Nuss-Nougat-Crème ohne Aromaverlust hält, kann ich an dieser Stelle nicht sagen, aber nach einem ersten Geschmackstest muss ich mir darum wohl auch keine Sorgen machen...




Rezeptquelle: Fit for Fun, 01.07.2015, Nutella selber machen










tierfreitag


♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Kommentare:

  1. Mhhhjam..... Das klingt ganz und gar köstlich! Und wie immer vielen Dank für den kleinen Einblick in das, was die italienische Gesellschaft gerade so bewegt. ;)

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    1. Ja, das sind Sorgen ;-). Aber ist schon witzig, welche hitzigen Diskussionen es rund um Nutella gab. Auf jeden Fall schmeckt diese selbstgemachte Crème sogar mir, obwohl ich sie weiterhin auf das Frühstücksbrot meines Mannes verbanne; ich mag am Morgen nichts Süßes. Aber ich darf zum Schluss den Löffel abschlecken. :-)
      Saluti
      Ariane

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  2. Am schönsten bei diesem Beitrag finde ich Deine Geschichte rund um die Nutellone, liebe Ariane. Und wir haben etwas gemeinsam, Nutella mag ich gar nicht, allerdings auch keine Erdnussbutter. Mit Süssem habe ich es nicht so. Bei dieser Hitze esse ich morgens lieber einen selbst gemachten Joghurt mit echten Früchten. Übrigesn, den Ausdruck Culona verwenden die Spanier auch. Die verschärfte Version ist dann " un culo como una plaza de toros) ... ;-) Ein schönes Wochenende

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    1. Herrlich, der Ausdruck! So einen schönen Vergleich haben die Italiener nicht - glücklicherweise muss man sagen, denn es gibt hier Gott sei Dank keinen Stierkampf.
      Mein "Nutellone" ist übrigens überglücklich mit der selbstgemachten Crème...:-)
      Saluti
      Ariane

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  3. Ich hatte mir einmal eine Dokum über die Herstellung einer Nougatcreme angesehen. Da gab es eigentlich nichts zu bemängeln. Was mir bei Nutella nicht gefällt ist, dass wir für den Namen einiges mehr zahlen, als für eine No Name Marke mit besseren Inhalt. Zu meiner Überraschung stellte ich auch fest, dass je nach Land der Haselnussanteil unterschiedlich hoch ist, da die Geschmäcker der einzelnen Völker eben unterschiedlich sind. Ein Glas Nutella hat daher in Italien andere Inhaltsstoffe als in Deutschland. Die Deutschen mögen es mehr schokoladiger und die Italiener mehr nussiger.

    Selbstgemacht ist einfach schon wegen der Liebe, mit der sie zubereitet wird, unbezahlbar und um einiges leckerer. Aber der Klang des bekannten Markennamen ist fast wie Hypnose. Manche werden dennoch behaupten, dass Nutella einfach besser ist.

    Liebe Grüße
    Anna

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    1. Ja, das ist wie bei Coca Cola, die schmeckt in jedem Land anders, da wohl auch unterschiedlich stark gezuckert. Ich habe lange Zeit meinen Mann von anderen Nuss-Nougat-crèmes überzeugen wollen; hier in Italien gibt es ja gerade aus Turin sehr hochwertige Produkte. Und am Ende wollte er immer wieder Nutella :-).
      Saluti
      Ariane

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