Sonntag, 31. Mai 2015

Ein Dorf sieht rot: Nemi und seine Erdbeeren


Wer von Rom aus mit dem Auto nach Nemi, einer kleiner Ortschaft in den Albaner Bergen fährt, sollte Geduld mitbringen und auch gut zu Fuß sein. Da ist zunächst die Anfahrt. Zwar liegen nur etwas mehr als dreißig Kilometer zwischen der römischen Innenstadt und dem Dorf Nemi, aber je nach Verkehrslage kann das auch schon mal weit über eine Stunde dauern, bis man endlich am Zielort angekommen ist. Dann folgt die obligatorische Parkplatzsuche an der Strasse, die nach und durch Nemi führt, und da man meist nur weit außerhalb der Ortschaft fündig wird, ist dann ist ein Fußmarsch ins historische Zentrum angesagt.





Besonders an den Wochenenden bevölkern sich die kleinen Ortschaften der Albaner Berge, den Colli Albani. In den Colli Albani haben im Mittelalter zeitweise römische Adelsfamilien um die Vorherrschaft gekämpft. Oft waren es reine Stellvertreterkriege, die die Machtkämpfe von Kaiser und Papst widergespiegelt haben. Viele Adelsfamilien haben sich dort auch ihre Burgen errichtet, daher trägt diese Hügellandschaft auch den Namen Castelli Romani.



Die Landschaft der Albaner Berge ist geprägt von den Resten von Vulkankegeln, deren höchste Erhebung fast 1000 Meter erreicht, und von zwei in den ehemaligen Kratern gelegenen Seen. Oberhalb von einem dieser Seen liegt die Ortschaft Nemi.




Dem vulkanischen Boden, der geschützten Lage und dem Klimaausgleich durch den See verdankt der malerische Ort die einzigartige Qualität seiner Erdbeeren, die praktisch ganzjährig geerntet werden können. Einst suchten die Bewohner in den Wäldern rund um Nemi die kleinen, hocharomatischen Walderdbeeren. Dann wurden die kleinen Waldfrüchte und die regulären Erdbeeren auf den Feldern rund um den Vulkansee angebaut. Inzwischen hat man Methoden entwickelt, die Saison der roten Früchte immer weiter auszudehnen - mit einem Vlies zum Schutz vor Kälte in den ersten Wochen des Frühjahrs, dann mit Schatten spendenden "Dächern" während des Sommers, Ein regelrechter Kult ist um die Beere entstanden; den Höhepunkt jedes Erdbeerjahres bildet jedes Jahr ein Fest Ende Mai und Anfang Juni, die "Sagra delle fragole".












Bis zum ersten Sonntag im Juni lässt man die Erdbeere hochleben, mit Musik, folkloristischen Umzügen und Blumendekorationen. Dokumentiert ist dieses Fest in Nemi seit 1922, aber Umzüge, in deren Mittelpunkt die Erdbeere stand, gab es schon viel früher in Rom selbst, am Campo de' fiori. "Trionfo delle fragole" - Triumph der Erdbeere - nannte sich das einst. Man zog mit einem mit Erdbeeren geschmückten Karren, in deren Mitte eine Figur des heiligen Antonius stand, durch die Stadt und sang Lobeshymnen auf die Früchte, die dann nahe am Pantheon an die Bevölkerung verteilt wurden.





Das alles nahm ein jähes Ende, als im Jahr 1870 der päpstliche Kirchenstadt vom Königreich Italien einverleibt wurde. Der Papst zog sich in den Vatikan zurück, und Rom blieb ohne sein Erdbeerfest, das aber wahrscheinlich weiterhin in Nemi, woher die Erdbeeren kamen, gefeiert wurde.





Erdbeeren prägen in Nemi noch heute fast jede Häuserecke: In unzähligen Läden locken Erdbeeren frisch gepflückt in Schälchen, zu Marmelade gekocht oder Likör verarbeitet, und sogar die Kosmetik hat sich die rote Beere einverleibt und hat sie in eine Körpercrème geschmuggelt.










Den süßen Törtchen konnte auch ich nicht widerstehen, und mit einem zauberhaften Ausblick über den See und auf die Erdbeerplantagen ließ ich es mir bei Caffè und einem Tortino di fragoline di bosco (Walderdbeer-Törtchen) gutgehen.
Welchen Eindruck diese Törtchen hinterlassen haben und was ich mit meinen ErdbeerGROSSeinkäufen noch so angestellt habe, das erfahrt Ihr demnächst...







♥♥♥
Un abbraccio
Ariane
 

Freitag, 22. Mai 2015

Doppelt gespargelt: Ravioli di asparagi



Es wird "weitergespargelt" im Wonnemonat Mai  - und wie! Frei nach dem Motto "doppelt hält besser" umgarnen hier die grünen Stangen die Pasta. Die zarten Köpfchen wollten draußen bleiben, der Rest versteckt sich in den Ravioli: Mehr Spargelverwertung auf einem Teller geht kaum!
Dennoch ist es ein sehr puristisches, auf das Wesentliche - den Spargel - konzentriertes Pastagericht, das mit wenigen guten Zutaten auskommt. Typisch italienisch eben!





Zutaten
(für 3-4 Personen)

Ravioliteig

150 g Mehl
50 g Hartweizengrieß
2 Eier 
1 Prise Salz
ein paar Tröpfchen Olivenöl extra vergine
etwas Kurkuma (fakultativ)


Aus den Zutaten nach meinem Grundrezept einen Pastateig herstellen.




Füllung

600 g grüner Spargel
130 g Schafskäse-Ricotta (Ricotta di pecora),
ersatzweise Ricotta aus Kuhmilch
60 g Parmigiano Reggiano, frisch gerieben
2 El Semmelbrösel
Salz, frisch gemahlener Pfeffer

1 Eiweiß zum Beistreichen der Teigplatten

Den geputzten Spargel in grobe Stücke schneiden, dabei die Spargelköpfchen zur Seite legen; sie werden später verwendet.
Spargelstücke weich garen; ich benutze dazu einen Dampfgartopf. Die gegarten Spargelstücke abkühlen lassen und mit den übrigen Zutaten pürieren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Die Füllung in einen Spritzbeutel füllen.
Die ausgerollten Pastabahnen mit der gut bemehlten Seite auf eine sogenannte "Raviolamp" legen, mit Hilfe des Spritzbeutels (oder eines kleines Löffels) die Füllung in den Vertiefungen verteilen, eine zweite Pastaplatte mit Eiweiß bestreichen und auf die Platte mir der Füllung legen. Gut andrücken und mit dem Nudelholz darüberrollen, Raviolamp umdrehen und die Pasta auf die Arbeitsplatte stürzen. Die Ravioli mit Hilfe eines Teigrädchens trennen.
Ravioli in Salzwasser zirka 3 Minuten kochen, dann mit einem Schaumlöffel aus dem Wasser heben.

Sugo

100 g Pancetta affumicata in dünnen Scheiben
ein paar Salbeiblätter
Spargelköpfe
Olivenöl extra vergine
Salz, frisch gemahlener Pfeffer
Parmigiano Reggiano, frisch gerieben

Die Pancetta von Schwarte und Knorpelstückchen befreien und in grobe Streifen schneiden. Salbeiblätter ebenfalls in Streifen schneiden.
Die Spargelköpfe in kochendem Salzwasser zwei Minuten blanchieren.
Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und die Pancetta knusprig ausbraten, dabei den Salbei hinzufügen. Die Spargelköpfe in die Pfanne geben und ebenfalls kurz darin schwenken.
Mit Salz und Peffer abschmecken und die Ravioli untermischen.
Parmigiano dazu reichen.





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♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Dienstag, 19. Mai 2015

Apropos EXPO...



Im vorangegangenen Posting hatte ich es schon angedeutet: ich war kurz auf der EXPO, die in diesem Jahr in Mailand ausgerichtet wird. Zum ersten Mal stehen nicht technische Errungenschaften im Mittelpunkt, sondern hauptsächlich die Themen Ernährung und Energien der Zukunft.
Auch wenn sich im Vorfeld der Weltausstellung die Berichterstattung vornehmlich um Korruptionsskandale und Terminprobleme drehte, so konnte die Expo am 1. Mai dennoch ihre Pforten öffnen.





Am Abend der Eröffnung machte dann auch ich bei regnerischem Wetter einen ersten, kleinen Rundgang mit einem anschließenden Abendessen im spanischen Pavillon, denn der Hunger meldete sich hartnäckig, nachdem ich am Nachmittag schon eine begleitende Ausstellung zur EXPO besucht hatte, die im Mailänder Design-Museum "Triennale" noch bis zum 1. November zu sehen ist: Arts & Foods.







 





Zurück zur EXPO: Ausdauer, gutes Schuhwerk und Geduld sind hier gefordert. Die 1,7 Kilometer lange Hauptstrasse, der sogenannte "Decumano" will abgelaufen, die 54 internationalen Pavillons sowie die Themencluster, die sich etwa Gewürzen, Tee, Früchten oder Kakao widmen, wollen besichtigt werden.




China





Mein kurzer Besuch der EXPO erinnerte mich schon ein wenig auch an die zurückliegenden Besuche von Disneyland; die langen Schlangen vor den Pavillons, die von außen oft mehr versprachen, als sie innen hielten - und auch die Parade, die bei dem Spektakel natürlich nicht fehlen durfte.





Leider überwog auf meiner Seite oft die Enttäuschung, weil ich das Motto der EXPO inhaltlich nicht wiederfand. So erinnerte zum Beispiel im kolumbianischen Pavillon die Präsentation eher an eine eine groß aufgezogene Tourismuskampagne für das Land selbst. Vergeblich suchte ich hier nach dem vorgegebenen Thema Ernährung. Dafür hatte ich aber fast eine halbe Stunde in der Schlange warten müssen, um das schließlich festzustellen.

Kolumbien



Brasilien

Vietnam


Malaysia

Ecuador

Vereinigte Arabische Emirate

Ganz anders bei der Schweiz, für deren Pavillon mit leider die Zeit fehlte: Hier wird dem  Besucher in einem ungewöhnlichen Experiment  vor Augen geführt, dass Lebensmittel auch in der Zukunft knapp und nicht unerschöpflich sein werden. In großen Türmen stehen Lebensmittel und Spezialiäten der Schweiz für jeden Besucher zum Zugreifen zur Auswahl, und jeder darf sich auch soviel davon nehmen, wie er möchte. Allerdings werden diese großen Silos während der Dauer der Ausstellung nicht mehr aufgefüllt werden. So liegt es in der Verantwortung des Einzelnen, wie er mit diesem Angebot umgeht und welche Konsequenzen es für die Allgemeinheit haben wird.


Deutschland





Die Neugier trieb mich natürlich noch in den deutschen Pavillon: Auch in diesem großzügig angelegten Gebäude war man um das eigentliche Thema bemüht: Ernährung der Zukunft, Nachhaltigkeit, Auswirkungen des Klimawandels etc. Ausgerüstet mit einem sogenannten "Seedboard", einem Stück aufklappbarer weißer Pappe, auf das Informationen projiziert werden können, begibt sich der Besucher auf eine Reise durch das Gebäude. Das ist durchaus spannend, sehr didaktisch in der Präsentation und erinnerte einen deutschen Besucher doch eher an ein "Kindermuseum", wie ich zufällig mitbekam.
Zum Schluss wurde mit Hilfe des Seedboards auch noch gemeinsam musiziert - ganz nach dem Motto des Pavillons: Be active!

Italien


Leider war meine Zeit beschränkt, da wir noch am Abend nach Frankfurt fahren mussten, und so konnte ich vieles nicht ausgiebig besichtigen wie etwa den spektakulären Pavillon des Gastgebers Italien - sicher eines der eindruckvollsten Gebäude der EXPO. Aber vielleicht komme ich in den kommenden Monaten noch einmal zurück und setze meinen Streifzug fort - dann aber auf jeden Fall gekrönt mit einem Essen bei einem der 26 geladenen Spitzenköche aus Italien und dem "Rest der Welt" für das Projekt "Identità golose EXPO".
Das Erlebnis EXPO ist also durchaus noch ausbaufähig.






EXPO Milano
noch bis zum 31. Oktober 2015
alle Informationen zu Tickets, Verkehrsverbindungen etc. finde man auf der Homepage der Ausstellung:
Home

Identità golose EXPO
Verzeichnis der Restaurants und Chefs


Triennale di Milano
Ausstellung "Arts & Foods"
noch bis zum 1. November
Home


♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

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