Samstag, 18. März 2017

Don't call it "Polpettone": Meatloaf Italian Style



So stellt sich Uncle Joe aus Texas einen italienischen Hackbraten vor. Word!
Und auch wir Deutschen stehen dem in nichts nach: Man schmeiße ein paar italienische Zutaten zusammen, und schon hat man da irgend etwas zusammengemischt, das ja sooo italienisch ist. Möglichst knoblauchlastig, höllenscharf - und immer mit viel "italienischen" Kräutern angereichert. (Okay, ich habe bei meiner Version sogar den Oregano vergessen und natürlich auch die Chilischoten - unverzeihlich!)

Ich habe jetzt natürlich etwas übertrieben, aber es gibt auch ein paar populäre deutsche Kochzeitschriften - und nein, ich nenne da keine Namen -, die ernsthaft ähnliche Rezepte als "italienisch" verkaufen. Da lobe ich mir viele meiner Blogger-Kolleginnen und Kollegen, die viele Spezialitäten der italienischen Küche authentisch nachkochen.

Man kennt Polpettone - Hackbraten - natürlich auch in Italien. Aber meist ist das eine ziemlich fade Angelegenheit. Mein Metzger verkauft fertige Hackbraten im Aluschälchen, und ich hatte das zweifelhafte Vergnügen, mal ein solches Teil vorgesetzt bekommen zu haben. Der schmeckte nämlich, Ihr ahnt es schon, nach nichts. Genau so blass, wie er auch aussah. Ich schätze, der Anteil an Paniermehl zwecks Streckens  war unverhältnismäßig hoch. Von Gewürzen keine Spur. Der Metzger verkauft auch Hackbällchen. Die sehen ebenfalls ungesund bleich aus und heißen in dem Laden auch noch "Semplicine" ("die Banalen"). Muss ich mehr sagen? Samstags macht er übrigens das größte Geschäft damit.

Da ist mir diese Phantasie-Version doch tausendmal lieber, bei der ich mal so richtig in die Klischee-Kiste langen konnte. Die Zutaten sind so italienisch, wie sie italienischer nicht sein könnten: Mozzarella di Bufala, Parmigiano, Pomodori secchi, Lardo di Colonnata.
Manchmal schmeckt sie eben, diese pseudo-italienische Küche!



Zutaten


  • 400 g Rinderhack
  • 2 kleine Schalotten
  • 1 Knoblauchzehe, durchgepresst
  • 40 g in Öl eingelegte Tomaten
  • 1 Mozzarella di Bufala, ca. 100 g
  • 2-3 El Parmigiano Reggiano, frisch gerieben
  • 1 El Salzkapern, gut abgespült
  • 1 Ei
  • 2 El Semmelbrösel
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer
  • gerebelter Thymian
  • 70 g Lardo di Colonnata in Scheiben


Den Backofen auf 180 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.
Die Schalotten fein hacken, Mozzarella in kleine Würfelchen und die abgetropften Tomaten in Streifen schneiden.
Rinderhack mit allen Zutaten außer dem Lardo mischen und mit Salz, Pfeffer und Thymian abschmecken.
Eine Kastenform mit dem Lardo auslegen, so dass die Scheiben über den Rand hinausragen.
Die Fleischmasse einfüllen und den überstehen Lardo darüberschlagen.
Hackbraten für ungefähr 40-45 Minuten im Ofen backen.


♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Kommentare:

  1. Ach Ariane, erwartest Du nach mehr als 20 Jahren (wieviel sind's genau?) in Italien im Durchschnittshaushalt tatsächlich noch raffiniert gewürzte Speisen? Irgendwo habe ich mal geschrieben, dass die meisten Italiener keine Gewürzakrobaten seien und zum Würzen ihrer Gerichte hauptsächlich Salz, Pfeffer, Peperoncino, Zitrone, ein paar wenige Kräuter und Olivenöl verwenden, für wagemutige Köche auch noch Sardellen und Kapern, das war's dann aber auch schon. Die ganze Vielfalt z. B. asiatischer und arabischer Gewürze wird meist sehr skeptisch betrachtet und kommt leider eher selten in den Kochtopf, was sicher teils auch daran liegt, dass viele Zutaten wegen der mangelnden Nachfrage hier gar nicht oder nur sehr schwer zu bekommen sind. Ich fürchte, damit werden wir wohl leben müssen...

    Fertige Polpette, Polpettoni und auch Svizzere vom Metzger werden von mir ebenfalls verschmäht, denn wie Du schon sagtest, sehen sie ungesund bleich aus und schmecken wahrscheinlich auch so nichtssagend trocken wie leider Gottes viele italienische Fleischzubereitungen. Dabei ist ein guter Hackbratenteig doch so einfach und mit Fantasie immer wieder anders zuzubereiten - siehe Dein leckeres Rezept, das ich schon recht bald auf den Tisch bringen werde, denn die Zubereitung scheint wenig aufwändig und das Resultat ist sicher sehr schmackhaft.

    Danke dafür und ganz liebe Grüße
    Elvira

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    1. Hackbraten sind ja generell schnell gemacht - warum also da zu fertigen Teilen greifen?
      Wobei ich sagen muss, dass sich in Hinblick auf ethnische Küche - Speisen, Gewürze - doch einiges tut. Ich sehe das am Angebot.
      Raffiniert gewürzte Speisen - gerade durch die arabischen Einflüsse - findet man oft in Sizilien. Römische Küche ist dagegen eher "derb".
      Also, ich sehe trotzdem eine erfreuliche Entwicklung. Vieles lässt hoffen... ;-)

      Saluti
      Ariane

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