Sonntag, 14. Juli 2013

Heiliger Wein für die Hühner



Nach den Cantuccini sind auch die Hühner auf den Geschmack gekommen: Sie baden gerne in Vin Santo - zumindest in toskanischen Töpfen und jüngst auch in meinen.
Warum dieser Wein ein ganz heiliger sein soll, dazu gibt es mehrere fromme Legenden. So soll ein franziskanischer Geistlicher im 14. Jahrhundert während einer Pestepidemie die Kranken mit dem Messwein geheilt haben, so dass sich überall die Kunde verbreitete, dieser Wein hätte heilende Kräfte.
Das ist die Version aus Siena.
Eine andere Geschichte erzählte man sich dagegen in Florenz. Während des Konzils von Florenz von 1439 sprach der griechische Metropolit Bessarione die Worte: "Das ist der Wein aus Xantos" und spielte damit auf den auf Santorin gekelterten Süßwein an. Seine Zuhörer verwechselten nun die Worte Xantos und Santos und glaubten, Bessarione hätte einen "heiligen" Wein entdeckt. In einer anderen Version dieser Geschichte, in der Bessarione von dem Wein sprach, mag auch das griechische Wort für die Farbe Gelb - Xanthos - zu einigen Missverständnissen geführt haben.
Naheliegend bleibt, dass die Bezeichnung für diesen Süßwein auf die Tatsache zurückgeht, dass dieser Typ von Wein bei Messen verwendet wurde.


Bei mir ging es nun etwas profaner zu. Vor ein paar Monaten hatte ich in der Toskana in Vin Santo geschmortes Hühnchen gegessen. Ein Rezept dazu hatte ich nicht, also wurde am Samstagabend experimentiert. Am Vormittag hatte ich drei ganze Hühnerkeulen mit Bruststück gekauft - O-Ton mein Mann: Für welche Fussballmannschaft willst Du denn heute kochen?
Nun gut, darauf hin legte ich eines dieser Riesenteile in den Kälteschlaf, und meinen Mann schickte ich in die Küche - eine absolute Ausnahme, denn das ist sonst mein Reich -, damit er die Teile noch von den letzten Kielen befreie. Er ist danach ins Büro geflüchtet, wer weiß, welch "niedere" Arbeiten sonst noch auf ihn gewartet hätten...
Das Ergebnis meines Experiments war jedenfalls ein Gedicht. Zartestes Fleisch in einer hocharomatischen und sämigen Sauce, von der kein Tropfen übrigblieb.
Wie sagt man so schön in Italien: "Da leccarsi i baffi!" (Zum Schnurrbart ablecken)
Da rupft mein Mann gerne weiter Hühnchen!




Pollo al Vin Santo
(für 2 Personen)


  • 2 ganze Hühnerkeulen mit noch Teilen der Brust, vom Metzger halbiert
  • 2 Knoblauchzehen
  • 3 Zweige Rosmarin
  • 30 g Rosinen
  • 100 ml Hühnerfond oder Brühe
  • 200 ml Vin Santo
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer
  • Olivenöl extra vergine


Den Backofen auf 200 Grad vorheizen.
Etwas Olivenöl in einem Bräter (ich habe einen gusseisernen Doufeu verwendet) erhitzen und die Hühnerteile von allen Seiten kräftig anbraten. Salzen, pfeffern, die ganzen Knoblauchzehen hinzufügen und Brühe sowie Vin Santo angießen. Die Rosinen hinzufügen und die Rosmarinzweige auflegen. Deckel auf den Bräter setzen und für ungefähr eine Stunde in den Ofen geben.
Knoblauchzehen und Rosmarinzweige entfernen, die Hähnchenteile auf einen Teller legen und mit etwas Sauce übergiessen.



Vin Santo zählt zu den sogenannten Vini da Meditazione. Bekannt ist er vor allem als Begleiter zu  Cantuccini. Dieses harte toskanische Mandelgebäck taucht man dabei genießerisch in den Wein.



Kochrezepte Basar -teilen,inspirieren,stöbern,entdecken- immer Freitag bis Sonntag - tobias kocht!


♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

15 Kommentare:

  1. Das könnte ich jetzt auch essen.... schmeckt bestimmt herrlich und ist eine gute Idee für das nächste Hühnchen- Essen.

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    1. Gegen eines Deiner wunderbaren Walnuss-Meringues tausche ich gerne so ein Hühnerbeinchen ...;-)
      Saluti
      Ariane

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    2. hab heute Hühnerbeinchen gekauft....

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  2. Ich liebe immer wieder die Geschichten zu Deinen Rezepten - die Rezepte natürlich sowieso ;-)
    Vin Santo als Dessertwein mag ich nicht, aber in dieser Kombination kann ich mir das ausgesprochen gut vorstellen. Vielleicht würde ich die Keulen kurz vor dem Servieren noch kurz unter den Grill geben. Ich habe eine Abneigung gegen diese Wabbelhaut beim Hähnchen, seit man mir gefühlte mindestens 3-mal wöchentlich an der Mensa der Uni von Narbonne dieses gummiartige Etwas vorgesetzt hat.

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    1. Wabbelhaut, das mag ich auch gar nicht, da kann ich Dich gut verstehen! Ehrlich gesagt, mag ich überhaupt keine Hühnerhaut essen.
      Bei diesem Rezept hat es aber schon einmal geholfen, die Teile gut von allen Seiten anzubraten; da war sie eigentlich gut verzehrbar. Ansonsten wie Du sagst: Ab unter den Grill. Nur sollte das schöne Aroma des Weins da nicht gleich mit verdampfen.
      Freut mich, wenn Du als treue Leserin immer wieder auf meine Seite findest! :-)
      Saluti
      Ariane

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  3. Jaaa, dass das geschmeckt hat, können sich meine Geschmacksknospen sabbernd vorstellen! Die Kombination mit Rosinen weist aber doch eigentlich mehr nach Sizilien als in die bäuerlich toskanische Küche oder irre ich da? Nun ja, egal wo die Wurzeln für dieses köstliche Rezept liegen, es ist eine Nachahmung wert. Da wir relativ oft Geflügel essen, wäre das auch mal eine Abwechslung - aber den Don kriege ich deshalb noch lange nicht in die Küche, seufz... Danke für dieses schöne Rezept und sei ganz lieb gegrüßt von Elvira (immer noch durch Erdstöße leicht geschüttelt)

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    1. So süße Komponenten liebe ich ja in Gerichten! Wie Du richtig schreibst, findet man das gerade auch in der sizilianischen Küche wieder.
      An Rosinen nur scheiden sich ja leider die Geister; viele mögen sie gar nicht, weder im Müsli noch im Kuchen.
      Ich dagegen mag sie, und so hat mir das Gericht auch gleich gefallen, als ich es in der nördlichen Toskana in einem Restaurant gegessen hatte.
      Freut mich, wenn Du es mal nachkochen möchtest.
      Da hoffe ich nur, dass sich die kleinen Beben endlich verziehen. Eigentlich ist ja nur Kampanien dafür bekannt, dass es täglich etwas wackelt.
      Wie schrieb schon Goethe in diesem Zusammenhang: "Unterm reinsten Himmel der unsicherste Boden".
      Saluti
      Ariane

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  4. Leider ist mein Vin Santo momentan alle... muss mal wieder nachbestellen, mit Hühnchen ist der bestimmt auch extrem gut :-)
    Ich mag eigentlich keine Rosinen im Essen, koche sie aber trotzdem manchmal mit für den Geschmack und sortiere sie dann auf dem Teller wieder fein säuberlich aus ;-)

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    1. Rosinen liebe ich ja! :-) Auch in pikanten Gerichten. Macht aber sicher nichts, wenn Du sie einfach weglässt.
      Hauptsache, die Hühnchen bekommen ihren Wein ;-)...
      Saluti
      Ariane

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  5. Hach, das wär was für mich, nur leider die Mitesser...
    Aber wenn ich mal groß bin, dann!

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    1. Keine Hühnchenliebhaber in der Familie?
      Übrigens, so ein Hühnerbein für sich genommen ist doch fast schon "Ugly Food" ;-)...
      Saluti
      Ariane

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    2. Hähnchen schon, aber leider nicht in dieser Kombination.
      Ugly? Ja geh! :)

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  6. Das ist doch genau das richtige für mich. Danke Ariane.
    lg grimmel

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