Mittwoch, 31. Dezember 2014

Ein frohes neues Jahr - Buon Anno!



Mit meinen "italienischen" Schneemännern wünschen ich allen meinen Leserinnen und Lesern  ein großartiges, glückliches und vor allem gesundes neues Jahr!

Für die Pupazzi di neve braucht man:

Büffelmozzarella
Karottennasen
Augen aus Pfefferkörnern
Knöpfe aus Salzkapern
Schal aus Südtiroler Speck
Hütchen aus Tomaten
Ärmchen aus Rosmarin
und Wirbelsäule aus Zahnstocher





♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Sonntag, 28. Dezember 2014

Und "zwischen den Jahren" leichte Kost: Rotkrautsalat mit Orangen und Bresaola-Röllchen



Nach der ganzen Weihnachtsschlemmerei inklusive Plätzchen ist nun ein wenig Fasten vonnöten, bevor Silvester kalorienmäßig wieder zuschlägt; gestern haben wir prophylaktisch schon einmal Raclette besorgt, was mit einer nervenaufreibenden Einkaufstour - halb Rom war in den großen Einkaufszentren am Stadtrand unterwegs - verbunden war.
Wenn man bei dem Fastenvorhaben noch die sich im Kühlschrank angesammelten Reste verwerten kann, umso besser! Bei mir war es ein ein halber Rotkohl, der im Gemüsefach einem ungewissen Schicksal entgegensah. Zunächst wollte ich auch diese zweite Hälfte noch einmal für jenes wunderbare Rezept verwenden, das uns schon am ersten Weihnachtsfeiertag begeistert hatte. Dafür wurde der gehobelte Rotkohl in Portwein mit vielen Gewürzen eingelegt und im Kühlschrank zwei Tage lang  mariniert. Als Ergebnis hatten wir das beste Rotkraut auf den Tellern, das ich je zubereitet hatte. Dazu gab es Sauerbraten und Spätzle - ein einfaches, aber wunderbares Feiertagsessen!
Nun war aber Leichtes gefragt, und so entschied ich mich, die verbliebene Rotkohlhälfte zu einem leichten, aber doch raffinierten Salat zu verarbeiten.



Zutaten

1/2 Rotkohl (ca. 500 g)
3 El Aceto Balsamico (und etwas Aceto Balsamico Tradizionale di Modena zum Beträufeln)
3 El Walnussöl
1 El Olivenöl
1 El Johannisbeergelee
2 unbehandelte Orangen
Salz, frisch gemahlener Pfeffer

100 g Bresaola
100 Robiola (ital. Frischkäse)
50 g Walnusskerne

Den Rotkohl vom Strunk befreien, säubern und in feine Streifen hobeln. Diese in kochendem Salzwasser ca. 1 Minute blanchieren, abgießen und kalt abbrausen. Gut abtropfen lassen.
Aus dem Balsamessig, den Ölen, Salz und Pfeffer eine Vinaigrette zubereiten und einen El Johannisbeergelee unterrühren.
Die Schale einer Orangen mit dem Zestenreißer in feine Streifen schneiden. Die Orangen schälen und filettieren, dabei den Saft auffangen. Walnüsse grob zerkleinern.
Rotkraut mit der Vinaigrette mischen, die Orangenfilets (einige zum Dekorieren zurückbehalten), den Saft, die Hälfte der Walnüsse und die Zesten untermengen.



Jeweils eine Bresaolascheibe mit etwas Robiola bestreichen, eine zweite Scheibe darauflegen, ebenfalls mit etwas Frischkäse bestreichen und aufrollen. Die Röllchen im Ganzen oder in Scheiben geschnitten auf den Salat legen. Nach Belieben mit Aceto Balsamico Tradizionale di Modena beträufeln und mit den restlichen gehackten Walnüssen bestreuen.




♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Frohe Weihnachten - Merry Christmas - Buon Natale - Feliz Navidad - Joyeux Noël!




Allen meinen Leserinnen und Lesern 
wünsche ich ein frohes Weihnachtsfest!

♥♥
Un abbraccio
Ariane

Sonntag, 21. Dezember 2014

Bunt und fröhlich, ganz wie neapolitanische Weihnachten: Struffoli



In Neapel gehören Struffoli zu einem traditionellen Weihnachtsfest wie die berühmten Krippen, auch wenn die honigtriefenden, frittierten Kügelchen mit ihren bunten Zuckerstreuseln eigentlich eher an Karnevalsgebäck denken lassen
Schade, dass diese so fröhlich aussehenden Struffoli sehr viel weniger bekannt sind als nord- und mittelitalienisches Weihnachtsgebäck: Panettone und auch Panforte haben längst ihren kulinarischen Siegeszug rund um die Welt angetreten und teilen sich brav den Plätzchenteller mit Lebkuchen und Co..
Man sagt, diese Süßigkeit sei griechischen Ursprungs, denn in dem Wort Struffoli stecke das griechische Strongoulos, was "kleine Kugel" bedeutet. Abwegig ist diese These nicht, denn Neapel - Neapolis (Neustadt) - war eine Gründung griechischer Siedler und daher ein Teil der antiken "Magna Grecia". In Honig getauchtes Gebäck ist noch heute in der griechischen Küche allgegenwärtig.
Etymologie ist eine interessante Wissenschaft, und so besagt eine andere These, der Name dieses Gebäcks leite sich von dem Verb "strofinare" ab, das die typische Bewegung bezeichne, mit der man die kleinen Rollen forme, bevor man sie dann in Stücke teile. Wiederum andere Experten lesen darin - im übertragenen Sinne - das "Streicheln" des Gaumens durch das wunderbare Aroma dieser Leckerei.


Auch wenn in ganz Süditalien ähnliches Gebäck verbreitet ist, mit jeweils unterschiedlichen Bezeichnungen - so nennt man sie in Palermo "Strufoli" oder in Kalabrien "Turdiddi oder "Cicirata" -, ist die neapolitanische Version die bekannteste.
Im 18. Jahrhundert waren es Nonnen aus neapolitanischen Klöstern, die das Rezept verfeinerten: mit geriebener Zitronenschale, Limoncello oder Anislikör und kandierten Früchten. Erst später kamen die Zuckerperlchen, die "Diavulilli", hinzu.
Es macht nicht wenig Arbeit, die Kügelchen zu formen, und so wundert es nicht, dass man sie zur Zeit fertig in Tüten zu kaufen bekommt, ganz zu schweigen von den schon glasierten Struffoli in den Auslagen der Bäckereien.
Ich muss gestehen, ich habe sie noch niemals vorher gekostet, und meine ersten selbstgemachten Struffoli sind auch meine allerersten probierten. Daher habe ich keinen Vergleich. Aber meine italienischen Gäste am 4. Advent waren begeistert!
Was will man mehr!




Zutaten

400 g Mehl
40 g Zucker
1 Prise Salz
60 g Butter
3 Eier + 1 Eigelb
Abrieb einer unbehandelten Orange
15 g Limoncello (ich habe meinen selbstgemachten genommen,
 Rezept folgt, wenn ich wieder ansetze,
 ersatzweise Rum oder Anislikör)
Erdnussöl

Butter zerlassen und abkühlen lassen. Mehl in eine Schüssel sieben, in dieses eine Mulde drücken und alle Zutaten hineingeben. Einen geschmeidigen Teig kneten, auf die Arbeitsfläche legen, mit einem sauberen Küchenhandtuch abdecken und 30 Minuten ruhen lassen.
Nach dieser Zeit den Teig portionsweise mit den Händen in grissini-dünne Stangen rollen, kleine Stücke abschneiden und zu Kugeln formen. Die einzelnen Kügelchen sollten die Größe von Kichererbsen haben.
Das Öl erhitzen und die Kügelchen goldgelb (sie sollen nicht braun werden!) frittieren. Mit einer Schaumkelle herausheben und auf mit Küchenpapier ausgelegten Tellern verteilen und vollständig erkalten lassen; gerne auch über Nacht.





400 g Blütenhonig
50 g Orangeat
50 g Zitronat
50 g bunte Zuckerstreusel und Silberperlen

Den Honig in einer Pfanne erhitzen und verflüssigen. Die Struffoli sowie die kandierten Früchte und die Hälfte der Zuckerstreusel unter den Honig rühren.
Die Struffoli auf einer Platte zu einem Berg formen; dabei mit angefeuchteten Händen arbeiten.
Mit den restlichen Zuckerstreuseln bestreuen.







Ihr Lieben
 Euch allen ein gesegnetes Weihnachtsfest 
und einen guten Rutsch in ein 
glückliches und gesundes Neues Jahr!



♥♥♥
Un abbraccio
Ariane


Freitag, 19. Dezember 2014

Mit der "Winterblume": Crespelle al radicchio e pere



Birnen! Da müssen Birnen hinein, dachte ich mir gestern, als ich von meinen Weihnachtseinkäufen nach Hause eilte. Manchmal fallen mir die besten Ideen unterwegs ein, und noch während des Gehens schreibe ich dann gedanklich an einem Rezept. Dabei hatte ich am Morgen schon Maronen gekauft; Maronen und Radicchio sind nämlich ein bewährtes Dream Team - ob in der Lasagne oder zur Pasta überhaupt. Nun also Birnen anstelle der Maronen!
Da in meinem Viertel nur am Vormittag Markt ist, muss ich bei Spontankäufen am Nachmittag Supermärkte ansteuern, die in der Innenstadt von Rom in ihrem Angebot sehr an den Besuchern der Stadt ausgerichtet sind. Ich kaufte also drei Birnen, und erlebte beim Bezahlen wieder eine jener absurden Situationen, die man eigentlich nur noch mit Humor nehmen kann. Jahrelanger Drill an den Kassen haben Spuren hinterlassen, und ich bezahlte brav mit Kleingeld. "Spiccioli, per favore" (Kleingeld/Münzen), lautet das Mantra hier beim Bezahlen.
Man kann Kassierer in höchste Verzweiflung stürzen, wenn man Scheine zückt, denn die Kassen zeichnen sich durch chronischen Wechselgeldmangel aus; seltsam eigentlich, da alle immer an der Kasse ihr Kleingeld abzählen müssen. Was das an Zeit kostet, wenn man vor der Kasse in
der Schlange steht - vor sich noch der Sprache unkundige Touristen - kann man sich ausrechnen.
Also ganz brav die 1.59 Euro in Kleingeld aus meinem Portemonnaie gekramt: 1 Euro + 50 Cent + 10 Cent.
Schiebt mir die Kassiererin die 10 Cent wieder zurück mit der Aufforderung, sie hätte gerne die 9 Cent abgezählt: "Chiedo troppo?" ("Ist das zuviel verlangt"). Ich muss sagen, es war ihr selber peinlich, wir haben beide gegrinst - und ich habe sie mit Ein- und Zwei-Cent-Münzen glücklich gemacht. Ich hätte natürlich auch "großzügig" sein können und ihr 1 Cent erlassen, aber dann hätte ja wieder Kleingeld in der Kasse gefehlt.
Sind sie nicht schön, diese römischen Alltagsgeschichten?
Zurück zum Wesentlichen, dem Rezept. Crespelle, also auf gut Deutsch: Pfannkuchen, bereite ich nicht sehr oft zu. Der Begriff Pfannkuchen wäre darüber hinaus auch unvollständig, denn in Italien werden sie meist gefüllt und überbacken und finden sich auf den Speisekarten unter den Primi wieder. Da entscheide ich mich aber doch meistens für ein Pastagericht. Ein einziges Rezept mit Crespelle gibt es demnach erst auf meinem Blog: Eine üppige. mit Pilzen und Trüffelcrème gefüllte und mit Käsesauce überbackene Version. Wer gerne noch etwas Winterspeck ansetzen möchte, der sollte sich dieses Rezept einmal näher anschauen...
Nicht viel leichter, aber genauso gut sind die mit Pancetta, Radicchio und Birnen gefüllten Crespelle.
Ein herzhafter Ausgleich bei all der Plätzchennascherei in diesen Tagen!




Zutaten
(für 3 Personen)

Pfannkuchen

50 g Butter + Butter oder Butterschmalz zum Backen der Crespelle und zum Ausfetten einer feuerfesten Form
2 Eier
200 ml Milch
100 g Mehl (gesiebt)
Salz

Für die Crespelle  die Butter zerlassen. Die zerlassene Butter mit den Eiern, der Milch und dem Mehl zu einem Pfannkuchenteig verrühren, mit Salz abschmecken und den Teig zehn Minuten quellen lassen. Danach in einer Pfanne (21 cm Ø) das Butterschmalz erhitzen und aus dem Teig sechs bis 7 dünne Pfannkuchen backen.

Füllung

1 Radicchio rosso di Treviso precoce (ca. 650 g)
100 g Pancetta affumicata (geräucherte Pancetta) in nicht zu dünnen Scheiben
1 rote Zwiebel
1/2 Birne (meine Sorte: Abate)
60 g Taleggio
Olivenöl extra vergine
Salz, frisch gemahlener Pfeffer

Den Radicchio waschen, putzen und in Streifen schneiden. Pancetta von Schwarte und Knorpelstückchen befreien und fein würfeln. Zwiebel und die halbe Birne würfeln.
Pancetta in etwas Olivenöl knusprig ausbraten, und dann die Zwiebelwürfel hinzufügen und weichdünsten. Den in Streifen geschnittenen Radicchio in die Pfanne geben und zusammenfallen lassen. Den Taleggio grob zerkleinern, zum Radicchio geben und darin schmelzen lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Zum Schluss die Birnenstückchen untermischen.
Die Füllung auf den Pfannkuchen verteilen, Pfannkuchen aufrollen und nebeneinander in eine gebutterte feuerfeste Form legen.

Bèchamelsauce

30 g Butter
20 g Mehl
300 ml Milch
50 g Taleggio
Salz, frisch gemahlener Pfeffer
frisch geriebene Muskatnuss


Butter in einem Topf schmelzen und das Mehl unterrühren. Unter Rühren mit dem Schneebesen die Milch dazugießen und dicklich einkochen lassen. Den Taleggio in der Sauce schmelzen lassen. Mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss abschmecken.
Den Backofen auf 180 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.
Die Bèchamelsauce über die gefüllten Pfannkuchen gießen und mit

50 g Parmigiano Reggiano

bestreuen. Die Form für 20 Minuten in den vorgeheizten Ofen schieben. In den letzten Minuten den Grill zuschalten und die Pfannkuchen goldbraun überbacken.


Links: Radicchio rosso di Treviso precoce, rechts: Radicchio rosso di Treviso tardivo



Kleine Radicchiokunde:
Man unterscheidet zwischen Radicchio rosso di Treviso precoce und Radicchio rosso di Treviso tardivo. Ersterer wird nach dem Sommer angebaut und zeichnet sich durch ein bitteres Aroma aus. Radicchio tardivo ist sehr viel zarter und seidiger im Geschmack, er sollte zwei Frostperioden durchlebt haben, und der höhere Preis ergibt sich durch einen aufwendigen Anbau und Veredelungsprozess.




♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Dienstag, 16. Dezember 2014

Back-Erinnerungen - Schwabebrötli



Sie glitzern nicht, sie funkeln nicht, sie sind nicht aufwendig - blogtauglich - verziert.
Sie sind einfach nur gut! Unscheinbar, aber gut!
Diese einfachen Ausstechplätzchen - Schwabebrötli - erinnern mich immer wieder an eine liebe Freundin, eine Freundin, die ich von allen meinen Freundinnen am längsten kenne - seit der Grundschule. Auch wenn wir nicht stetig in Kontakt sind, so haben wir uns nie aus dem Augen verloren, selbst in jener Zeit nicht, in der sie mit ihren Eltern in Saudi-Arabien lebte. Ich war sehr traurig, als sie für ein paar Jahre so weit wegzog. Was haben wir uns für Briefe hin und hergeschickt, und ihre Geschichten aus dem für mich so exotischen Land fand ich immer wieder spannend zu lesen! Leider sehen wir uns nicht sehr oft, denn nun bin ich es, die außerhalb Deutschlands lebt, trotzdem ist da immer wieder diese alte Vertrautheit, auch wenn wir nur miteinander telefonieren.
Immer wenn ich diese Plätzchen backe, muss ich an unseren vorweihnachtlichen Backmarathon in der Küche ihrer Mutter denken. Wir waren fast noch Kinder, ich durfte, glaube ich, bei ihr übernachten - etwas, was selten vorkam. Plätzchen wollten wir backen, und so fanden wir in irgendeinem Backbuch dieses Rezept. Unsere Wahl fiel auf diese einfachen Ausstecherle, die doch ganz schön viel Zeit in Anspruch nahmen, denn vier Bleche mussten vorbereitet und gebacken werden.
Das Rezept selbst habe ich auf einem Zettel festgehalten, der, mit den Jahren vergilbt und fleckig geworden, heute noch existiert. Und so tummeln sich die Schwabebrötli mit ihren liebgewonnenen Erinnerungen alle paar Jahre auf meinem weihnachtlichen Plätzchenteller, denn Ausstechplätzchen dürfen in keiner Weihnachtszeit fehlen.



Zutaten
(für 4 Bleche)

375 g Mehl + Mehl zum Ausrollen
250 g Mandeln, frisch gemahlen
250 g Zucker
250 g Butter
20 g Zimt
1 Msp. gemahlene Nelken
abgeriebene Schale einer unbehandelten Zitrone
1 Ei
3-4 Eigelb
gehackte Mandeln oder Hagelzucker zum Verzieren

Das Mehl in eine Schüssel sieben, in dieses eine Mulde drücken und das Ei hineingeben. Kalte Butter in Flöckchen auf den Rand setzen und die Mandeln, den Zucker, Zimt, Nelkenpulver und die abgeriebene Zitronenschale hinzufügen. Den Teig verkneten und für eine Stunde in Folie gewickelt kaltstellen.
Den Teig nicht allzu dünn ausrollen und Motive ausstechen. Auf mit Backpapier ausgelegten Blechen über Nacht ruhen lassen.
Am folgenden Tag den Backofen auf 200 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.
Die Plätzchen mit den verquirlten Eigelben bestreichen, nach Belieben mit den gehackten Mandeln oder dem Hagelzucker verzieren und im vorgeheizten Ofen 7-9 Minuten backen.




♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Sonntag, 14. Dezember 2014

Pikante Winzlinge: Cranberry-Ziegenkäse-Pralinen



Es gibt Tage, die ziehen sich so endlos lang hin, da liest man sogar die Apotheken-Umschau! So geschehen bei unserem jüngsten Deutschland-Besuch.
Wir waren um den 2. Advent in der alten Heimat unterwegs -  erst in Frankfurt, dann in Bayern, wieder zurück nach Frankfurt, alles mit dem Auto und darüber hinaus in fünf Tagen! Oft sind diese kurzen Deutschland-Aufenthalte wahrlich kein Vergnügen, denn leidige Ämter- oder auch Arztbesuche lassen kaum Zeit für Familie und Freunde. Auch sitzt die tägliche Arbeit meinem Mann stets im Nacken, und da hilft auch kein angemeldeter Urlaub, denn der interessiert weder den Leser noch die Redaktion, wenn Aktuelles in der Welt geschieht. Journalisten-Los eben!
Am 2. Advent waren wir dann bei meiner Schwiegermutter, und mein Mann war dort den ganzen Tag mit zwar lästiger, aber notwendiger Bürokratie für seine Mutter beschäftigt. Ich zog mich mit meiner mitgebrachten Lektüre in ein Zimmer zurück; was macht man schon sonst in einem kleinen niederbayerischen Dorf an einem Sonntag?
Mein Blick fiel ziemlich verwundert auf eine Ausgabe der Apotheken-Umschau. Verwundert, weil solche Blättchen nicht zur bevorzugten Lektüre meiner Schwiegermutter gehören.
Schnell war die Zeitschrift durchgeblättert, und ich wollte sie schon zur Seite legen, als ich auf ein paar Rezepte stieß, die einen zweiten Blick wert waren.
Mini-Muffins mit Ziegenkäse und Cranberries, die mich an Pralinen erinnern - das klang mehr als verlockend, zumal ich immer  auf der Suche nach kleinen Snacks oder Fingerfood bin, das man zum Aperitif reichen kann. Von ihrem unscheinbaren Äußeren sollte man sich nicht täuschen lassen; die Verbindung der säuerlichen Cranberries mit dem herzhaften Ziegenkäse schmeckt herrlich. Nach dem ersten Bissen stellt sich sofort ein "Chips-Effekt" ein: Man kann einfach nicht aufhören, bis alle Mini-Muffins wegfuttert sind!






Zutaten
(für 12 Mini-Muffins)

70 g Mehl
40 g kalte Butter + Butter für das Muffinblech
1 El kaltes Wasser
Salz

Aus den Zutaten einen Mürbeteig kneten, ausrollen und 12 Kreise von 6 cm Durchmesser ausstechen. Die Mulden eines gefetteten Mini-Muffin-Blechs mit den Teigkreisen auslegen und bis zur weiteren Verwendung kaltstellen.

40 g getrocknete Cranberries
2 El Orangensaft, frisch gepresst
65 g Ziegenfrischkäse
2 El Pecorino Romano (im Original: Ziegenkäse), frisch gerieben
1 Eigelb
2 Zweige frischen Thymian
1 Msp. Kardamon
Salz, frisch gemahlener Pfeffer

Den Backofen auf 200 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.
Cranberries mit dem Orangensaft erhitzen, Kardamon hinzufügen und zur Seite stellen.
Käsesorten mit dem Eigelb und den abgezupften Thymianblättchen verrühren, die Cranberries hinzufügen und mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Die Füllung in den Teigschälchen verteilen, und die Muffins ca. 18 Minuten backen.



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♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Montag, 1. Dezember 2014

La Corona di Avvento - oder: Was in Rom ein echter Adventskranz mit dem iPhone gemein hat


Kebo von Kebo Homing, ein Blog, der mich immer wieder wegen seiner minimalistische Ästhetik begeistert, möchte in diesem Jahr unsere Adventskränze sehen. Beim Anblick von Kebos Fotos auf ihrem Blog breitet sich in mir oft eine Ruhe aus, die den Alltag für ein paar Augenblicke vergessen lässt - so schlicht, so schön! Wie auch ihr Adventskranz.
Fast schäme ich mich ein wenig, meinen Adventskranz hier zu zeigen, denn Kebos Vorgabe besticht wieder einmal durch seine puristische Eleganz.
Aber zumindest kann ich zum Thema Adventskranz einiges erzählen.
Jahrelang begann nämlich ab Mitte November bei mir der "Adventskranz-Stress", und zwar mit der Frage: Komme ich denn vor Weihnachten, genauer vor dem 1. Advent, noch einmal nach Deutschland? Denn in der alten Heimat wurden nicht nur die Zutaten für meine Weihnachtsbäckerei zusammengesucht, sondern eben auch die zu schmückenden Kränze (und Adventskalender, mit ganz viel Glitzer; da bin ich immer noch Kind!). Und ein Kranz muss es - wie auch bei  Kebo - schon sein, bei dieser Tradition bin ich nämlich sehr konservativ! So werden noch immer zwei Kränze besorgt, einer für die Kerzen, und ein zweiter, der mit schlichter Dekoration vor die Haustür gehängt wird. 
Die deutschen Kirchengemeinden in Rom, die evangelische wie die katholische, verkaufen zwar auf ihren vorweihnachtlichen Basaren auch Adventskränze, aber das läuft ab wie vor dem Erscheinen einen neuen iPhones: Man muss wohl die Nacht vor den Kirchen kampieren, um noch einen zu ergattern.
In Italien war der Kranz vor Jahren noch völlig unbekannt. Vielleicht liegt das auch daran, dass der Brauch eigentlich in der evangelischen Tradition verankert ist. Der Hamburger Pfarrer Johann Hinrich Wichern (1808-1881), der sich Kindern aus ärmlichen Verhältnissen annahm, bastelte diesen mit ursprünglich 24 Kerzen geschmückten Kranz, um den Kindern, die Weihnachten kaum erwarten konnten und immer wieder danach fragten, wann es denn soweit sei, aus einem Wagenrad eine Art Kalender.* 
Einmal beschrieb ich in einem Blumenladen den Kranz. Kein Problem, meinte der Verkäufer, er fertige mir einen an! Am Tag darauf stand ich da, mit einer Art Trauergebinde in der Hand: Ein riesiges, struppeliges Etwas, das sich kaum bändigen, geschweige denn dekorieren ließ. Schwer atmend schleppte ich es nach Hause und wuchtete es auf den Tisch. 
Oft ließ ich mir, wenn es sich ergab, zwei Kränze von Besuchern aus Deutschland mitbringen. Eine Freundin vor mir, die an einem Novembertag vor Jahren mit dem Flieger nach Rom gekommen war, musste die Kränze während des Fluges auf dem Schoss balancieren - unter den verwunderten Blicken sowohl der deutschen als auch der italienischen Passagiere. 
Mittlerweile gibt es Adventskränze in verschiedenen Größen auf dem Campo de’fiori zu kaufen – und zwar echte! Warum die Italiener so einen Faible für falsche Weihnachtsbäume etc. habe, erschließt sich mir auch nach Jahren noch nicht. Ist Italien für mich doch auch das Land der Mode, der Kunst und des Designs. 
Nur die Bedeutung der Kränze ist auch unseren italienischen Freunden, die oft beruflich in der ganzen Welt herumgekommen sind, noch immer unbekannt. Warum ich denn nicht alle Kerzen angezündet hätte, meinte eine italienische Freundin bei einem Abendessen während der Adventszeit  verwundert und griff nach Streichzölzern. Ob sie es für mich tun könne.
In Kürze beginnt übrigens die Suche nach einem Weihnachtsbaum, nach einem echten...

*Quelle: Wikipedia

♥♥♥
Un abbraccio
Ariane