Dienstag, 24. Juni 2014

Sommerpasta Teil IV: Spaghettini con pesto alla Trapanese



Mit diesem Pastagericht endet vorerst meine diesjährige kleine Sommerpasta-Serie, die ich ganz den Spaghettini gewidmet habe. Wer weiß, der Sommer ist ja noch lang, und sicher gibt es in den kommenden Monaten noch öfters Pasta und auch Spaghetti, und sicher auch noch das ein oder andere sommerliche Pastarezept.
Diese Pesto-Spezialität aus dem sizilianischen Tràpani ist schnell zubereitet, hält sich - gut verschlossen und mit Olivenöl bedeckt - ein paar Tage im Kühlschrank und ist außerdem wegen des hier nur sparsam verwendeten Öls etwas leichter als das klassische Pesto aus Genua. Natürlich gibt es auch hier wieder mehrere Varianten; sicher hat da jede sizilianische Familie ihr eigenes Rezept: mit getoasteten Semmelbröseln, was ja ganz typisch für die sizilianische Küche ist, mit Thunfisch oder auch mit Bottarga. Mit oder ohne Käse.


Das Originalrezept sieht auch bei diesem Pesto die Zubereitung in einem Mörser vor. Zunächst werden die Mandeln separat zerkleinert, dann wird das Basilikum mit grobem Salz und Knoblauch zermörsert, dann die enthäuteten Tomaten. Ich habe es mir mal wieder einfacher gemacht (aktuelle Ausrede: mein Mörser ist zu klein!), den Mixer genommen und bin wie immer intervallartig bei der Zubereitung vorgegangen.
Die Zutaten sollten möglichst aus Sizilien kommen wie der Pecorino, der spezielle rote Knoblauch (Aglio rosso di Nubia) und das Olivenöl. Zufällig hatte ich sogar sizilianisches Olivenöl im Hause, aber beim Pecorino musste ich auf den "Romano" zurückgreifen. Und diesen Knoblauch habe ich auch nicht bekommen.
Übrigens nimmt man an, dass diese sizilianische Pesto-Variante auch auf das ligurische Pesto zurückgeht, das die aus Genua kommenden Schiffe bis nach Sizilien gebracht hatten. Dort erst wurde es mit dem regionalen Angebot der Insel wie Mandeln und Tomaten weiterentwickelt.




Zutaten
(die Menge reicht für ca. 350 g Pasta)

50 g geschälte Mandeln
50 g Basilikum
250 g Tomaten (ich habe die Sorte "Datterini" genommen)
1 Knoblauchzehe
1 El Pecorino, frisch gerieben
40 ml Olivenöl extra vergine
grobes Salz
frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
Spaghettini

Basilikumblätter waschen und trockenschleudern. Die Tomaten kreuzweise einritzen, mit kochendem Wasser übergießen, nach zwei Minuten kalt abschrecken und häuten.
Basilikum mit den Mandeln, der Knoblauchzehe und etwas grobem Salz in den Mixer geben und intervallartig zerkleinern. Dann die Tomaten hinzufügen und ebenfalls untermixen. Olivenöl dazugießen und den Mixer nochmal kurz einschalten. Dann den Pecorino unterrühren und das Pesto mit frisch gemahlenem Pfeffer und eventuell noch etwas Salz abschmecken.
Mit der heißen Pasta vermischen.





♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Sonntag, 22. Juni 2014

Mein Kartoffelsalat-ABC - und ein ligurisch angehauchtes Rezept für Julia


Julia sucht auf ihrem schönen Blog mit dem genialen Namen German Abendbrot  nach Kartoffelsalaten aus allen Himmelsrichtungen!
Dazu erst einmal ein paar Fakten rund um meinen Kartoffelsalat-Konsum:

I: Ich esse Kartoffelsalat mindestens einmal, höchstens zweimal im Jahr.
Nicht, dass er mir nicht schmeckte! Ich weiß auch nicht so genau, warum es diesen Salat so selten gibt.
Ein fest eingeplanter Kartoffelsalat-Tag ist der Heiligabend - nach guter, alter Frankfurter Tradition. Das habe ich auch in Rom weiter durchgehalten. Halte ich mich in der Adventszeit  für ein paar Tage in Frankfurt -  meiner Heimatstadt - auf, kaufe ich meistens auf der Fressgass' (die Große Bockenheimer Strasse) einen Ringel Flaaschworscht (für alle Nicht-Frankfurter: Fleischwurst), der eingeschweißt samt Adventskranz über die Grenzen geschmuggelt wird (also natürlich nicht zusammen eingeschweißt!).

II: Ich kenne folgende Varianten.
In den Basis-Salat mit einer Öl-Essig-Vinaigrette, klein gehackten Zwiebelchen und Fleischbrühe (die muss!! sein) kommen entweder:
a. knusprig ausgebratene Speckstückchen (Festtag)
b. Feldsalat (Winter)
c. gehobelte Salatgurken (Frühling/Sommer)
a., b. und c. sind untereinander kombinierbar.
An Heiligabend behauptet sich in der Regel Version a.

III: Ich esse Kartoffelsalat nur, wenn ich ihn selbst gemacht habe. Punkt! (Das bezieht sich in der Hauptsache auf diese schrecklichen, an sogenannte "Beilagensalate" drangeklatschte Vertreter dieser Spezies)

Kartoffelsalate erfreuen sich in Italien nicht allzu großer Beliebtheit. Als erstes fällt mir da immer diese schreckliche "Insalata russa" ein, die es in den italienischen Feinkostläden und Antipasti-Auslagen der Supermärkte auch fertig zu kaufen gibt: Ein zusammengematschtes Etwas aus Kartoffelstückchen, Dosenerbsen und Dosenmöhren, begraben unter einem Berg von Mayonnaise, dessen "kunstvoll" aufgespritzte Verzierungen oft schon glasig-gelblich verfärbt sind - Ihr wisst, was ich meine. Eine kleine Auswahl des Mayo-Grauens findet man, wenn man bei Google das entsprechende Stichwort eingibt und sich dann die Fotos anschaut. Am besten, nachdem man schon gegessen hat, aber behauptet nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt!
Auf der sizilianischen Insel Pantelleria dagegen kennt man einen wunderbar erfrischenden Salat, dessen Hauptzutat die Kartoffeln sind: Die Insalata Pantesca. Auf meinem Blog gibt hier ein Rezept dazu.
Meine aktuelle, für diesen Event ausgedachte Version eines italienischen Kartoffelsalats führt nicht ganz so weit in den Süden, sondern nur nach Ligurien. Ob ein solcher Salat dort existiert, kann ich nicht auf Anhieb sagen, aber die Zutaten sind in ihrer Kombination typisch für diese Region.
Ursprünglich wollte ich Fave, Saubohnen, verwenden, aber da sagte man mir Samstagmorgen auf dem Markt, dass die Saison vorbei sei! Und das, wo doch überall auf deutschen Blogs zur Zeit gepult und gepalt wird, was das Zeug hält! Aber hier im Süden ist man halt mit der Gemüse- und Obstsaison immer schon einen Schritt voraus.
Klassischer sind ja auch einfache grüne Bohnen - und nebenbei: sie machen auch weniger Arbeit!
Dazu ein selbstgemachtes Pesto, ein paar getrocknete Tomaten und kleine Quenelles von Schafsricotta - und fertig ist meine ligurische Salatphantasie für Julia!





Insalata di patate alla genovese a modo mio

Zutaten
(für 4-5 Personen)

1 kg Kartoffeln
300 g grüne Bohnen
150 g Pesto alla genovese (selbstgemacht, hier geht es zu meinem Rezept)
6 in Olivenöl eingelegte Tomaten
150 g Ricotta di pecora (Schafskäse-Ricotta)
Salz, frisch gemahlener Pfeffer
Olivenöl extra vergine

Die Kartoffel gar kochen, schälen, abkühlen lassen und in Scheiben schneiden. Die geputzten grünen Bohnen für ungefähr 15 Minuten in kochendes Salzwasser geben, dann abgießen und kurz in Eiswasser tauchen.
Ein Basilikum-Pesto nach Eurem/meinem Rezept herstellen.
Die eingelegten Tomaten in einem Sieb abrtopfen lassen und in feine Streifen schneiden.
Kartoffelscheiben, Bohnen und Tomatenstreifen in einer flachen Schale verteilen, leicht pfeffern, Pesto in Flöckchen daraufsetzen und aus der Schafsricotta kleine Quenelle abstechen und ebenfalls auf dem Salat verteilen. Etwas Olivenöl über die Insalata träufeln.


Blogevent – Kartoffelsalate aus allen Himmelsrichtungen


♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Freitag, 20. Juni 2014

Ciao Emma!

Wir haben es uns nicht leicht gemacht mit dieser Entscheidung!
Nach mehreren Telefonaten mit dem italienischen Vogelschutzbund Lipu habe ich mich mit einer Nachbarin geeinigt, die kleine Möwe Emma, wie vorgeschlagen, an das Tiberufer zu bringen. "La Baronessa", unsere andere Nachbarin, war zunächst dagegen, der Vogel hätte doch alles: Futter und Wasser.
Was die kleine Möwe aber nicht hatte, war ihre Freiheit. Und die Gesellschaft anderer Möwen, die sie dringend für die weitere Sozialisation in einer Möwenkolonie brauchte! Schließlich ist eine Möwe ja kein Huhn, das man in einem eingeschränkten Bereich unbegrenzt halten kann!
Groß genug war Emma ja schon, als wir sie im dem Topf gefunden hatte - ich hatte hier davon berichtet -, längst kein kleines Küken mehr, aber die kleine Möwe vegetierte die vergangenen Tage mehr oder weniger in einer an den Garten angeschlossen, stets geöffneten Garage vor sich hin. Nicht gerade ein geeigneter Platz für Flugversuche, ja es schien uns auch unmöglich, dass sie irgendwann aus dem Innenhof in den Himmel starten könne. Sie war zutraulich geworden, wenn ich sie fütterte, und hätte mir sicher auch aus der Hand gefressen. Dann traute sie sich aus der Garage hervor, ging ein wenig im Garten spazieren, zog sich dann aber wieder in die dunkle, schützende Umgebung zurück.
Zweimal schon war auch die Nachbarskatze aus der Wohnung ausgebüchst und hatte Emma doch einen gehörigen Schreck eingejagt. Glücklicherweise ist nichts passiert, aber auf die Dauer wäre das sicher nicht gutgegangen!



Dann also am späten Nachmittag, während die Strassen wegen des Fussballspiels erstaunlich menschenarm waren, zum Tiberufer. Emma hatten wir in den Katzenkäfig verfrachtet, nachdem ich sie vorher noch etwas gefüttert hatte.
Wir haben Emma dann, wie Lipu es geraten hatte, ungefähr 100 Meter Luftlinie entfernt von unserem Palazzo freigelassen. Mir war das Herz mittlerweile ziemlich schwer geworden. Ich habe noch etwas Hackfleisch in der Nähe in einem Gestrüpp deponiert.
Das saß sie nun, und ja, ich war sehr besorgt, wie es denn mit ihr nun weitergehen sollte. War es die richtige, dem Tier angemessene Entscheidung? War es noch zu früh dafür?
Wird Emma Futter finden, werden andere Möwen sie nicht verjagen?
Trotzdem denke ich, es war an der Zeit, ihr ihre Freiheit zu schenken! Außerdem hatten wir ja die Experten konsultiert.
Wir gingen dann wieder die Treppen zum Lungotevere hinauf, der Strasse, die oberhalb des Tibers entlangläuft, und liefen dem Punkt oberhalb der Stelle, wo wir sie ausgesetzt (welch schreckliches Wort!) hatten. Dann blickte ich hinunter, da saß sie noch, und als ob sie auf diesen Augenblick gewartet hätte, spreizte sie auf einmal ihre Flügel - und flog viele Meter über den Tiber hinweg davon, landete schließlich auf dem Wasser und schaukelte auf der Oberfläche, ließ sich treiben...
Ciao Emma, mach's gut, werde groß und stark und eine prächtige Möwe!



♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Mittwoch, 18. Juni 2014

Sommerpasta Teil III: Spaghettini in salsa di cannellini, rucola e salame - und ein Gast namens Emma



Darf das eigentlich noch "Sommerpasta" heißen? Seit drei Tagen regnet und donnert es immer wieder, und das zum Teil heftig! Die Sonne blitzt nur ab und an mal durch die Wolkendecke. Umso mehr braucht man dann einen Teller mit Pasta, um die Laune im Gleichgewicht zu halten.
Das folgende Gericht, das ich ausprobiert habe (und auch hier habe ich wieder in der neuesten Ausgabe von Sale & Pepe gespickt), bringt uns mit seinen Zutaten in die Toskana: Cannellini-Bohnen und Salami mit Fenchelsamen. Im Original-Rezept wird  nur eine "pikante" Salami verwendet, aber da ich bei den Cannellini-Bohnen sofort an die Toskana denken musste, deren Bewohner böse Zungen auch den Spitznamen "Mangiafagioli" (Bohnenfresser) verpasst haben, musste es für mich auf jeden Fall eine mit Fenchel gewürzte Salami sein! Allerdings habe ich hier keine Finocchiona verwendet, die berühmteste mit Fenchel aromatisierte Wurstspezialität aus der Toskana, denn sie hat eine zu weiche Konsistenz.
In der kleinen Antica Norceneria Viola auf dem Campo de' fiori, einem mit Würsten und Schinken vollgestopften Laden mit überwiegend umbrischen Spezialitäten, habe ich mich dann beraten lassen und zwei verschiedene, härtere Salamisorten zur Auswahl gekauft, die ich hauchfein hobeln kann.
Seit heute gibt es übrigens im Haus noch einen dritten Gast, der mit Essen versorgt werden muss, aber davon später mehr.




Zutaten
(für 2 Personen)

1 Glas Cannellini-Bohnen (250 g Abtropfgewicht)
60 g harte, italienische Salami (mit Fenchelsamen gewürzt,
 im Original wird zu einer "salame piccante" geraten)
ca. 70 g Rucola
3 Salbeiblätter (im Original: 1 Lorbeerblatt)
1 Knoblauchzehe
etwas Bio-Gemüsebrühe (ca. 50 ml)
Olivenöl extra vergine
Salz, frisch gemahlener Pfeffer
250 g Spaghettini

Die Cannellini-Bohnen in ein Sieb geben und mit kaltem Wasser abbrausen. Knoblauchzehe schälen und in einer Pfanne zusammen mit den Salbeiblättern in 4 El Olivenöl leicht anschwitzen. Die abgetropften Bohnen hinzufügen, mit Salz und Pfeffer abschmecken und wenige Minuten erhitzen, dann die Gemüsebrühe hinzufügen und nochmals 4 Minuten köcheln lassen.
Knoblauchzehe (ich habe sie bei den Bohnen gelassen) und den Salbei entfernen und die Bohnen in einem Mixer oder mit dem Pürierstab zu einer feinen Crème verarbeiten und wieder in die Pfanne geben.
Die Spaghettini al dente kochen, Rucola waschen und trockenschleudern sowie die Salami in ganz feine Scheibchen schneiden oder hobeln.
Die Pasta zusammen mit den Salamischeibchen und 2/3 der Rucola mit der Bohnencrème vermengen und kurz erhitzen, eventuell noch etwas Nudelkochwasser hinzufügen, auf den Tellern verteilen, übrigen Rucola darüberstreuen und jede Portion noch mit etwas Olivenöl beträufeln und schwarzen Pfeffer darübermahlen.

Frei nach einem Rezept aus Sale & Pepe, Juni 2014

Und jetzt noch schnell zu einem Gast mit Namen Emma

Emma

Seltsame Geräusche, die aus einem Tongefäß zu kommen schienen, haben meinen Mann gestern stutzig gemacht, als er kurz am Nachmittag nach Hause musste. Ein Umstand, der vielleicht ein kleines Tierleben gerettet hat. Urheber der scharrenden Geräusche war eine junge Möwe, die sich irgendwie Zugang ins Haus verschafft zu haben schien - fliegen kann sie noch nicht -, die Treppen hinaufwatschelte und dann bei ersten Flugversuchen in dieses Gefäß geplumpst war. Die Panik, die dieses arme Tier in dem dunkeln, tiefen Behälter überkommen haben muss, konnte man an den "Spuren" ablesen, die es dort hinterlassen hatte.


Unheimliche Geräusche aus dem Topf

Mein Mann hat den Vogel dann befreit und die Fenster des Treppenhauses geöffnet, in der Hoffnung, dass sie wieder davonflattert. Das konnte sie aber noch nicht. So habe ich die kleine Möwe vorsichtig die Treppen hinunter geleitet und zu ihrem Schutz in den innen liegenden Garten des Hauses geführt.


Hier lässt es sich gut leben!

Da hat sie nun vorerst ihr Domizil, geschützt vor anderen Tieren wie streunenden Katzen und vor allem vor dem römischen Verkehr, gefunden. Natürlich muss sie gefüttert werden, eine Aufgabe, die ich nun zusammen mit einer Nachbarin übernommen habe. Im Internet habe ich mich ein bisschen in die Ernährung von jungen Möwen eingelesen.
Heute gab es schon zweimal  Rinderhack, das Emma, so habe ich sie (oder ihn?) getauft, mit Genuss verspeist hat.


Allerdings fürchte ich mittlerweile um den einzig verbliebenen Goldfisch in dem kleinen Wasserbecken, den Emma glücklicherweise aber noch nicht entdeckt zu haben scheint...

Vor zwei Jahren lebten da noch mehrere Fische...


Einkaufstipp:

Antica Norceneria Viola
Piazza Campo de' fiori 43
Google+

♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Samstag, 14. Juni 2014

Sommerpasta Teil II: Spaghettini con le cipolle di Tropea caramellate



Habe ich eigentlich schon erzählt, dass Spaghettini zu meinen Lieblingspastasorten zählen?
Neben der Pasta all'uovo - den Eiernudeln - versteht sich. Aber die mache ich meist selbst. Wenn ich dagegen mal Pasta nur aus Hartweizengrieß und Wasser kaufe, greife ich gerne zu Spaghetti und ihren Derivaten. Spaghettini können für mich nur noch von Capellini übertroffen werden. Die sind noch dünner und ergeben ein wunderbares Mundgefühl. Denn auch das ist bei dem Genuss entscheidend: Nicht nur die Qualität und die perfekte Garzeit, sondern auch die Form. Neben persönlichen Vorlieben bestimmt auch der Sugo die Form; da sind die Italiener gnadenlos!
Ich erinnere mich an eine kleine Begebenheit, die sich vor Jahren bei einem Restaurantbesuch mit guten Freunden zugetragen hat. Wir waren eine größere Gesellschaft, und dementsprechend ging es schon bei der Bestellung etwas turbulent zu. Die Tochter meiner Freundin, damals noch ein kleines Mädchen, war auch dabei, und für sie wurde wie üblich Pasta corta, also eine "kurze" Pastasorte, bestellt, damit sich die Kleckerei in Grenzen halten sollte. Unsere Freundin dagegen, eine Napolitana "docg" (Denominazione di origine controllata e garantita - ich weiß, Lucia, Du musst jetzt sicher lachen, wenn Du das liest), freute sich wie eine Verrückte auf "un bel piatto di spaghetti alle vongole" (Spaghetti mit Venusmuscheln).
Als Frau eines Diplomaten lebt sie die meiste Zeit im Ausland, und dementsprechend konnte sie es auf ihrem "Heimaturlaub" kaum erwarten, endlich mal wieder in süditalienischen Spezialitäten zu schwelgen.
Wie schon gesagt, bei der Bestellung ging es drunter und drüber, die kurze Pasta für das Töchterchen (mit Tomatensauce - das lieben ja alle Kinder), und der Kellner brachte da einiges durcheinander mit dem Ergebnis, dass unsere Freundin einen Teller Penne mit Vongole vorgesetzt bekam.
Nach einem kurzem Moment stillen Entsetzens blitzte ihr neapolitanisches Temperament auf! Wie man ihr nur Kinderpasta(!) vorsetzen könne! Wie man überhaupt diese Kombination von Penne mit Muscheln auch nur andenken könne! Der Abend war für sie gelaufen, und wir zogen sie noch ein wenig damit auf. Da wurde mir zum ersten Mal bewußt, wie heilig doch den Italienern ihre Pastagerichte sind!
Jedenfalls bereitete ich mir heute zu Mittag auch "un bel piatto di spaghettini" zu. Und da ich heute alleine bin, besteht der Sugo aus einer Zutat, für die ich meinen Mann noch immer nicht recht begeistern kann. Der Protagonist ist nämlich die Zwiebel, genauer gesagt: die Cipolla di Tropea, eine unvergleichlich milde, aromatische und leicht süßliche rote Zwiebel, die oft zu Zöpfen gebunden auf dem Markt angeboten wird. So führt uns die Hauptzutat des "Sugo" heute nach Kalabrien.
Zu Marmelade verkocht ist diese Zwiebel ein wunderbarer Begleiter zu Käse, und so mag sie ausnahmsweise auch mein Mann. Heute aber leistet sie meinen geliebten Spaghettini Gesellschaft, die im Mittelpunkt meiner kleinen Sommerpasta-Serie stehen.



Zutaten
(für 1 Person)

1 rote Tropea-Zwiebel (ca. 120 g)
1 Tl Butter
1 El Olivenöl extra vergine
1 Tl brauner Zucker
1 El Apfelessig
Salz
grob zermörserter rosa Pfeffer
1 El Pistazienkerne
Parmigiano Reggiano
etwas wildes Fenchelkraut
80 g Spaghettini

Die Zwiebel schälen, der Länge nach halbieren und in feine Spalten schneiden. In einer Pfanne Butter und Olivenöl erhitzen und die Zwiebelspalten ungefähr drei bis vier Minuten darin andünsten. Dann den Zucker hinzufügen, kurz karamellisieren lassen und mit dem Apfelessig ablöschen.
Die Pistazienkerne grob zerhacken und mit etwas rosa Pfeffer zu den Zwiebeln geben. Mit Salz abschmecken.
In der Zwischenzeit die Spaghettini eine Minute kürzer, als auf der Packung angegeben, kochen lassen, abgießen, mit wenig Kochwasser zu den Zwiebeln in die Pfanne geben und darin noch einmal kurz erhitzen.
Die Spaghettini auf einen Teller geben, etwas Fenchelkraut darauf verteilen (wer mag noch etwas rosa Pfeffer und zerhackte Pistazien) und Parmesan darüberhobeln.



Nach einer Idee aus Sale & Pepe, Juni 2014


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♥♥♥
Un abbraccio
Ariane


Freitag, 13. Juni 2014

Gesucht wird Sommerpasta! Teil I: Spaghettini con peperoni, mandorle e cioccolato



Ab und an schaue ich mir neugierig die Suchanfragen an, die zu meiner Seite führen. Manchmal sind in der entsprechenden Suchbegriff-Liste witzige, ja gar skurrile Stichwörter zu finden, und vielleicht ist die Enttäuschung auf der anderen Seite oft groß, wenn man bei mir dann (nur) auf einem Rezept landet. Ich weiß, dass es anderen Bloggern genauso geht, und wir haben uns schon ab und an über die abwegigsten Suchanfragen lustig gemacht. Ja, es gab sogar vor einiger Zeit einen Blogevent zu diesem Thema, mit der Aufgabe, gerade die skurrilsten Begriffe in einen Blogbeitrag umzusetzen. Leider bin ich damals nicht dazu gekommen, aber ich hoffe auf eine Neuauflage.
In den meisten Fällen wird auf meinem Blog jedoch nach italienischen Spezialitäten gesucht, und mein Spitzenreiter bleibt unangefochten ein sizilianisches Dolce, die Cannoli Siciliani. Diese kleinen, süßen, ricottagefüllten Röhrchen scheinen sich auch nördlich der Alpen großer Beliebtheit zu erfreuen. Sie sind, was die Treffer auf meinem Blog betrifft, wirklich ein fast unerklärliches Phänomen.
In diesen Tagen aber  wird darüber hinaus nach leichten Gerichten gesucht - und wieder einmal nach Pasta.
Nach sommerlicher Pasta!
Die Juniausgabe von Sale & Pepe kam mir da gerade recht. Ein ganzes Kapitel widmet sich im Heft nämlich den, Zitat: "unwiderstehlichen", Spaghetti.
Und ich weiß schon jetzt, dass ich einige von diesen Rezept-Vorschlägen unbedingt nachkochen muss.
Heute mache ich den Anfang mit:



Spaghettini con dadolata piccante di peperoni, mandorle e cioccolato

Bei diesem Gericht wird nicht, wie oft üblich, Parmesan über die Spaghetti gerieben, sondern Schokolade - Chilischokolade -  aus dem sizilianischen Modica. Typisch für die Schokoladenspezialitäten aus Modica ist die raue, nicht glänzende Oberfläche, was aber nicht auf schlechte Lagerung oder gar mangelnde Qualität schließen lässt.
Ganz im Gegenteil!
Die Schokolade erhält ihr typisches Aussehen, weil sie nicht conchiert wird und die Zuckerkristalle bei der speziellen Herstellung nicht aufgelöst werden. Die Schokolade wird dadurch leicht körnig und krümelig, das Mundgefühl ist rauh, das Kakaoaroma sehr intensiv.
Diese Schokolade enthält keine tierischen Zutaten wie Milch oder Butter, kein Pflanzenfett und kein Lecithin.
Quelle: Wikipedia





Zutaten
(für 2 Personen)

1 kleine rote Paprikaschote
1 kleine gelbe (oder grüne) Paprikaschote
20 g geschälte Mandeln
30 g Butter
ca. 10 g cioccolato fondente al peperoncino (Bitterschokolade mit Chilis)
Minzblättchen
Salz, frisch gemahlener Pfeffer
Nelkenpulver
Rosenpaprika
250 g Spaghettini

Die beiden Paprikaschoten putzen und in kleine Würfelchen schneiden.
Die Mandeln auf einem Holzbrett grob hacken.
Butter in einer Pfanne zerlassen und die gehackten Mandeln kurz anrösten, dann die Paprikawürfel hinzufügen und bei kleine Hitze mit anbraten. Mit Salz, Pfeffer, einer Prise Nelkenpulver und dem Rosenpaprika abschmecken und die Paprika weitere zehn Minuten weichdünsten.
Die Spaghetti al dente kochen und zu den Paprikawürfeln in die Pfanne geben.
Mit Minzblättchen und geriebener Chilischokolade servieren.




Rezeptquelle: Sale & Pepe, Juni 2014



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♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Mittwoch, 4. Juni 2014

Leicht und sommerlich: Verdure grigliate e marinate con roastbeef, crostini di pane e ravanelli



Der Juni ist da, und damit werden die Tage deutlich heißer. Nachdem wir zehn wundervolle Tage auf Kreta genießen durften, in denen wir uns mit exzellenter griechischer Küche verwöhnen ließen, muss - nein - darf ich jetzt endlich wieder an den Herd.
Obwohl mir noch immer einige griechische Spezialitäten im Kopf herumspuken (und ein sehr interessantes Kochbuch habe ich auch erstanden, davon vielleicht demnächst mehr), steht vorerst wieder Italienisches auf dem Speiseplan.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich die klassischen Gemüse-Antipasti noch nie auf meinem Blog vorgestellt habe. Gegrilltes Gemüse findet man gerade in Rom in jeder noch so einfachen Trattoria. Auf großen Platten angerichtet, sind sie der erste Blickfang, betritt man ein Ristorante, und lassen den Magen schon einmal vor Vorfreude knurren, bevor man dann zum Primo, zum Pastagang, oder gleich zum Secondo, dem Hauptgericht, übergehen kann. Selten schaffe ich alle drei Gänge, und auf ein Dolce verzichte ich meist und schließe nur mit einem Caffè ab.
Mit Roastbeef ergibt dieses gegrillte und in etwas Aceto Balsamico marinierte Gemüse eine vollwertige Mahlzeit.
Gestehen muss ich nur noch, dass ich mir selbst etwas untreu geworden bin, da ich hier zum ersten Mal essbare Blüten über das Gericht gestreut habe. Bislang habe ich solche "Blumenwiesen" auf den Tellern eher mit - sagen wir mal - Ablehnung Skepsis betrachtet. Kaum entdeckte ich jedoch so ein Schälchen mit Blüten in einer neu eröffneten Feinkostabteilung, bin schwach geworden.
Also - bitte: So ist das ganz und gar unitalienisch!



Zutaten
(für 2 Personen)

250 g kalter Roastbeef-Aufschnitt
1 kleine Aubergine
2 Zucchini Romanesco
1 rote Paprikaschote
1 Knoblauchzehe
50 ml Aceto Balsamico di Modena (es muss kein "tradizionale" sein,
aber eine sehr gute Qualität ist für den Geschmack entscheidend!)
Olivenöl extra vergine
4 Radieschen
ein paar Basilikum-Blättchen
2 etwas dickere Scheiben Brot (Baguette oder Ciabatta, ich verwende
 italienisches Sauerteigbrot "Pane Rustico a pasta acida")
ein paar Schnittlauchhalme (fakultativ)
(*räusper*) essbare Blüten (sehr fakultativ)
Fleur de sel, frisch gemahlener Pfeffer


Das Gemüse sollte man ein paar Stunden im Voraus zubereiten, damit es Zeit hat, die Aromen aufzunehmen.
Den Backofen auf 225 Grad aufheizen und die geviertelten Paprikaschoten mit der Hautseite nach oben unter dem Grill den Grill legen. Nach 10-15 Minuten die Paprika kontrollieren, die Haut sollte schwarze Blasen werfen. Danach aus dem Ofen nehmen und die Paprikaschoten mit einem sauberen, feuchten Küchenhandtuch abdecken und auskühlen lassen. Dann die Haut abziehen und die Viertel in eine flache Schüssel legen.
Aubergine und Zucchini jeweils in dünne Scheiben schneiden und portionsweise in wenig Olivenöl in einer Grillpfanne anbraten. Danach salzen und pfeffern und zu den Paprika in die Schüssel geben.
Die Basilikumblättchen in feine Streifen schneiden und die Knoblauchzehe fein hacken. Zum Aceto Balsamico geben und diesen über das Gemüse gießen. Die Schüssel abgedeckt für ein paar Stunden in den Kühlschrank stellen.
Das Brot in Würfel schneiden und in Olivenöl knusprig braten.
Zum Anrichten die Brotwürfel auf den Teller verteilen und die Roastbeefscheiben darauf anrichten. Mit in feine Scheiben geschnittenen Radieschen und Schnittlauch belegen.
Die Verdure Grigliate ebenfalls auf den Teller geben.




P.S. Die restlichen Blüten haben es sich jetzt in Gesellschaft einer Schwimmkerze in einer mit Wasser gefüllten Schale gemütlich gemacht.
So sind sie mir - ehrlich gesagt - lieber!



♥♥♥
Un abbraccio
Ariane