Samstag, 29. Januar 2022

10 Jahre zwischen süß und bitter




Zehn Jahre ist es nun her, dass ich an ungemütlichenen Januartagen frierend in unserer römischen Wohnung saß und noch immer über einen Namen für mein Blogprojekt nachdachte. Eine Zeitlang stand "Grand Tour in pentola" -  "Grand Tour im Topf" -  ganz oben auf meiner Favoritenliste. Aber der französischer Begriff für die klassische Bildungsreise des 18. und 19. Jahrhunderts und dazu noch die italienische Bezeichnung für einen Topf - das erschien mir dann doch zu elitär.  Konnte ich so Menschen erreichen, die meine große Liebe zu Italien und seiner Küche teilten? In meinem Blog sollte es vornehmlich um kleine Geschichten rund um mein Alltagsleben gehen, "gewürzt" mit Rezepten aus den verschiedenen Regionen. Aufräumen wollten ich auch mit Klischees, denn mal so unter uns: Gibt es ein Land, das - im Guten wie im Schlechten - mehr mit Allgemeinplätzen zu kämpfen hat als Italien? 

An einem dieser Wintertage sehnten wir uns nach entspannender Wärme und Wellness, und so organisierten wir uns einen Termin in einer Therme in der südlichen Toskana. Wie immer kamen wir zu spät weg aus Rom und wie immer standen wir erst einmal wieder im Stau auf dem Autobahnring und zitterten um unseren Slot. Selbst schuld, mögen jetzt einige denken, wärt ihr mal rechtzeitig losgefahren. Aber irgend was war/ist halt immer - gerade in Rom. Rund 170 Kilometer lagen vor uns für ein bisschen bezahlbares Wellness, das nicht an eine Hotelübernachtung geknüpft war. Die Römer mögen die Thermenkultur erfunden haben, aber Verhältnisse wie in Deutschland, wo jede mittlere Kleinstadt ein Spaßbad mit Saunen sein eigen nennen darf, sucht man in Italien vergebens. Natürlich kann man sich auch in Rom verwöhnen lassen, aber die an Hotels gebundenen SPAs bieten eher teure Schönheitsbehandlungen für die sehr betuchte Kundschaft an. 

Ich könnte noch heute die Stelle markieren, an der mir der Name für mein Blog einfiel. Es war auf der A1 Richtung Toskana, kurz vor der Mautstation, den ersten Stau hatten wir gerade hinter uns gelassen. Ich kontrollierte ständig die Uhr, denn die Therme hatte uns eine feste Einlasszeit mit drei Stunden Aufenthalt zugewiesen. Irgendwie musste ich über die ganze Situation schmunzeln. La dolce vita, ging es mir durch den Kopf. Alles so leicht und unbeschwert. Hat nicht jeder diese Vorstellung im Kopf, wenn er an Italien denkt? Ja, auch die Freizeit war oft etwas kompliziert zu organisieren. La dolce vita - das süße Leben. Wir würden also für ein bisschen Wellness von drei Stunden mehr als 4 Stunden (hin und zurück) im Auto fahren. Und später dann ginge es wieder Richtung Rom, was den Tag nicht gerade entspannt ausklingen lassen würde. Denn da waren wieder Kilometer auf der Autobahn zu bewältigen und danach der "ganz normale Wahnsinn" mit Staus und Chaos in Rom. Das Auto wurde dann im öffentlichen Parkhaus nahe am Vatikan geparkt, danach würden wir wieder unsere Badetaschen 20 Minuten durch die Stadt nach Hause schleppen. Inmitten der schönsten Kulisse der Welt allerdings! Im Kleinen zeigte sich hier, was ein Alltagsleben in Italien auch manchmal bedeuten konnte (auf einmal erscheint mir vieles hier in Deutschland so einfach und bequem)! Ein Leben zwischen "süß" und "bitter" - tra dolce ed amaro. Jammern auf hohem Niveau? Mitnichten. An diesem Tag rissen wir ein paar Witze über diesen Aufwand, um einmal den großen Zeh  in einer Therme in warmes Wasser tauchen zu können. Ein paar Wortspiele weiter, dann hatte ich - Heureka - die Lösung meines kleinen "Problems": Tra dolce ed amaro - so sollte mein Blog heißen! Mein Mann hatte noch ein paar Bedenken wegen des italienischen Titels - geschenkt! Dass zudem ein dolce im Italienischen eine Süßigkeit ist und ein Amaro ein Kräuterbitter, der das Essen besser verdaulich macht, erschien mir nur passend für ein Foodblog! Das versteht jeder, dafür braucht man keine Italienischkenntnisse! Wieder in Rom zurück, fuhr ich noch spät abends meinen Laptop hoch und legte mit dem nun erwählten Namen mein Blog an. 

Gleich in meinem ersten Blogpost nahm ich meine Leserinnen und Leser mit in den Süden Italiens, nach Sizilien. Rezepte und Geschichten aus fast allen Regionen Italiens sollten folgen in den darauf folgenden10 Jahren. Später kam noch Griechenland hinzu. Es reut mich nur, dass ich nie einen Beitrag aus Malta verfasst habe. Auch dort werde ich in Zukunft wohl seltener zu Gast sein. Diese drei Länder nämlich bestimmten fast drei Jahrzehnte mein Leben. Zu gerne hätte ich mein kleines Jubiläum ja noch in Rom gefeiert. Aber nun war ja alles anders gekommen. 

In den vergangenen Jahren hieß es beim jährlichen Rückblick: ein Monat - ein Blogpost. Im vergangenen Jahr war es dann leider auch etwas ruhiger geworden. Deswegen möchte ich an dieser Stelle noch einmal alle Rezepte der vergangenen Monate, die oft schwierig für mich waren, hier im Schnelldurchlauf vorstellen. 


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Der Februar startete süß mit Faschingsgebäck. An Schmalzgebackenem mangelt es in der italienischen Küche nicht, und obwohl ich nicht gerne zum Frittiertopf greife und lieber diese Leckereien in einer Bäckerei kaufe, konnte ich doch den hausgemachten Frittelle annodate nicht widerstehen. 

Vom Dolce zu einer Vorspeise. Wie phantasievoll ein italienisches Antipasto sein kann, bewiesen die kleinen Budini di zucca. Getoppt mit einer pikanten Granola sind diese kleinen Kürbisflans fast nicht zu toppen! 

Gar so hässlich sind diese "schlecht gemachten" Spinat-Ricotta-Nocken nun auch wieder nicht. Aber ganz bescheiden nennen sie sich einfach Malfatti

Im März gab es endlich wieder Pasta auf dem Blog. Und war für eine Pasta! Leuchtend rot ziehen die Tagliatelle alle barbabietole alle Blicke auf sich. 

In den Monat April fiel das Osterfest. Auf kleinen, mit Anis aromatisierten Hefekränzen, den Pagnotelle di Pasqua, ließ es sich für die Eier gut ruhen. 

Ich packte den Frühling auf den Teller, und da durften natürlich die ersten Spargel nicht fehlen. Maltagliati con asparagi, prosciutto e burrata spielten zusammen in einem Dreamteam. 

Da war er nun, der letzte Blogpost aus Rom! Im Mai ließ ich mit einem den Umständen würdigen Klassiker der römischen Pastaküche eine Ära zu Ende gehen. Es gab Mezze maniche rigate alla gricia con i carciofi

Im Juni war Sendepause. Nichts ging mehr, denn der aufwendige Umzug, zudem in Zeiten der Pandemie und mit unserer verwirrten römischen Katze Kringel im "Gepäck", hatte meine Kraftressourcen vollständig aufgebraucht. 

In einem melancholischen Blogpost im Juli  - Arrivederci Roma - berichtete ich dann über die einschneidenden Veränderungen in unserem Leben. Selbst das Schreiben darüber tat weh. Und das tut es noch immer...

Nach Jahren wieder der erste "Sommer" - wenn man diese in jeder Hinsicht trübe Zeit so bezeichnen mag - in Deutschland. Es gibt aber auch Positives. Fast hatten wir vergessen, wie lang die Tage im "Norden" auch im Monat August noch sind. Nachdem wir erste Erfahrung mit der italienischen Gastronomie gemacht hatten, die eher enttäuschend ausfielen, holte ich mir den Süden wieder in die eigene Küche. So gab es einen sizilianisch angehauchten Polpettone ai pistacchi.

Es war spannend, die ganzen italienischen Händler abzuklappern, auch wenn das Angebot oft enttäuschte. Aber meine Quellen für rote Zwiebeln aus Tropea hatte ich unterdessen gefunden.  Im September schmuggelte ich diese Königin aller Zwiebeln in frittierte Calzoncelli alle cipolle di Tropea. Streetfood vom Feinsten!  

Italienisches und Französisches - Sommerliches und Winterliches - vereinigte sich im Oktober auf dem Teller: Polenta gratinata con ratatouille.

Eine Augenweide sind für mich diese feinen Sformatini di parmigiano con composta di fichi. Fast ein Angeber-Antipasto: Viel Schein und wenig Aufwand. 

Einen herzhaften Snack für alle Homeoffice-Geschädigten servierte ich im November. Hauchdünnes Pane Carasau wickelte sich um Zutaten, die nach Süden schmecken. Wer träumt in diesem Monat nicht von Stränden wie denen rund um Sardinien? 

Endlich nahte meine geliebte Advents- und Weihnachtszeit! Plätzchenbacken stand im Dezember auf dem Programm, und wie im jedem Jahr musste natürlich auch etwas Italienisches mit auf den Plätzchenteller. Die Caprilù weckten viele Erinnerungen an Capri.

Der erste Blogpost in neuem Jahr, der letzte im alten Blogjahr: Im Januar gab es gefüllte Pasta - und ich glaube, die Ravioli di cipolle con fonduta di Taleggio sind schon jetzt meine neuen Lieblinge. 


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Meine Lieben, danke fürs Lesen und danke für Eure Treue!

Ich wünsche Euch weiterhin viele Genussmomente, vor allem aber bleibt gesund!





Freitag, 14. Januar 2022

Versteckspiele: Ravioli di cipolle con fonduta di taleggio


Jeder kennt sie, die sogenannten "Herrgottsbescheißerle" (Maultaschen), unsere deutsche Pastaspezialität aus dem schwäbischen Raum. Irgendwie ist die in der Bezeichnung steckende Naivität ja niedlich, ganz nach dem Motto: In der Fastenzeit verpacken wir das Fleisch einfach in Nudelteig, der liebe Gott wird es schon nicht merken! Angeblich geht dieses Täuschungsmanöver sogar auf die Zisterziensermönche zurück. Die Maultaschen selbst sollen wiederum ein kulinarisches Mitbringsel der aus Italien geflohenen Waldenser sein: Fleisch, Spinat und Gewürze, alles umkleidet mit Pastateig - wer denkt da nicht sofort an einen Raviolone!

Auch ich habe in der Füllung meiner Ravioli etwas verstecken müssen. Mein Mann und die Zwiebel werden nämlich in diesem Leben keine Freunde mehr. Allenfalls als Katalysator gehen die tränentreibenden Knollen bei ihm durch. Aber Zwiebelsuppe oder Zwiebelkuchen kann ich ihm - sehr zu meinem Leidwesen - dann doch nicht vorsetzen. Ich dagegen liebe Zwiebeln!

Nachdem es seinerseits bereits vorsichtige Annäherungen in Richtung Zwiebelmarmelade - Marmellata di cipolla di Tropea - gab, ging ich nun einen Schritt weiter. Leicht süßlich karamellisierte Zwiebeln spielen in den Ravioli endlich mal eine Hauptrolle. Was soll ich sagen: es hat ihm geschmeckt! Sehr sogar! Demnächst gibt es Zwiebelkuchen!




Zutaten und Zubereitung
(für 4 Personen)


Ravioli 

  • 150 g Mehl (Typ 00)
  • 50 g gemahlener Hartweizengrieß (Semola di grano duro rimacinata)
  • 2 Eier
  • Salz
  • ein wenig Olivenöl extra vergine



Einen Pastateig nach meinem Grundrezept herstellen und nach der angegebenen Ruhezeit wie dort beschrieben durch die Nudelmaschine drehen. Pastabahnen bis auf Stufe 7 ausrollen.









Füllung

  • 2 große rote Zwiebeln, ca. 350 g (möglichst Cipolle di Tropea)
  • 40 g Butter
  • etwas Olivenöl extra vergine
  • 1 El brauner Zucker
  • 1 El Rotweinessig (oder Aceto Balsamico)
  • 120 g Ricotta
  • 40 g Parmigiano Reggiano, frisch gerieben
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer

Die Zwiebeln schälen und fein hacken. In etwas Olivenöl und Butter langsam weichdünsten, dabei etwas salzen. Den Zucker hinzufügen und leicht karamellisieren. Dann den Essig einrühren und kurz aufkochen, bis der Essig verdampft. Von der Kochstelle nehmen und abkühlen lassen.

Die Ricotta mit dem Parmigiano und den Zwiebeln vermengen und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Aus den Pastabahnen Kreise (ca. 7 cm Ø) ausstechen und jeweils eine kleine Menge der Füllung daraufsetzen. Den Kreis zu einem Halbkreis falten und gut mit den Fingerspitzen verschließen. Die äußeren Ende der Halbkreise miteinander verbinden und den Pastarand umstülpen. Diese Ravioli werden auch als Ravioli a doppia chiusura (zweifach geschlossene Ravioli) bezeichnet.

Die Ravioli für 1-2 Minuten in köchelndes Salzwasser geben.



Fonduta/Anrichten

  • 160 g Taleggio
  • 150 ml Milch
  • 40 g Butter
  • 40 g getrocknete Cranberries
  • 20 g Pistazien (bevorzugt Pistacchi di Bronte)


Den Taleggio in Würfel schneiden und zusammen mit der Butter in der Milch unter ständigem Rühren schmelzen lassen.
Die so entstandene Fonduta auf die Teller verteilen, Ravioli darauf setzen und mit Cranberries und gehackten Pistazien bestreuen.

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Rezeptquelle: Frei nach einem Rezept aus Sale&Pepe, Dezember 2021





Samstag, 1. Januar 2022

Buon Anno - Frohes Neues Jahr - Happy New Year!

 



Allen meinen Leserinnen und Lesern
 wünsche ich ein frohes und vor allem gesundes 2022
 mit vielen persönlichen Glücksmomenten! 



🍀🍀🍀