Sonntag, 27. Mai 2012

Das Beste, was aus einer Wassermelone werden kann: Gelo di mellone

Sicher haben sich einige, die mein Blog von Anfang an verfolgt haben, schon gefragt, was wohl diese puddingartigen roten Teilchen auf meinem alten Header waren. Das Foto habe ich nun aktualisiert, das Dessert aber ist dasselbe geblieben - und heute soll das Geheimnis gelüftet werden!





Zu meinen Lieblingsdesserts aus Sizilien gehört unangefochten Gelo di mellone. Wenn im deutschsprachigen Raum von Melonen die Rede ist, so schließt das auch die Wassermelonen ein. In Italien aber gibt es für eine Wassermelone unterschiedliche Bezeichnungen je nach Region. Nur in Sizilien, und auch in einigen Teilen Süditalien, wird eine Wassermelone als "mellone" bezeichnet - und auch nur dort wird sie mit zwei "l" geschrieben. Darüber hinaus gibt es noch verschiedene dialektale Bezeichnungen wie etwa "miluni". Im übrigen Italien meint man eine Honig- oder Netzmelone, wenn man von "Melone" spricht. Zurück zur Wassermelone: Im Norden und in den östlichen Teilen des Stiefels einschließlich der oberen Adriaküste  werden diese als "Anguria", im westlichen Mittelitalien bis zur Südspitze Latiums als "Cocomero" bezeichnet.
Mir ist es auch schon passiert, dass ich in Norditalien einmal Cocomero bestellte und nur groß angeschaut wurde. In Sardinien heißen Wassermelonen übrigen "Sindria", in Pescara "Citrone" und in einem Teil Kalabriens "Zi pangolo".


Woher kommen nun aber alle diese unterschiedlichen Bezeichnungen? Dazu ein kleiner etymologischer Exkurs. Der wissenschaftliche Name für die Wassermelone ist "Citrullus vulgaris".  Die Bezeichnung "Anguria" geht auf das griechische Wort für Gurke zurück - "angóurion". Im 12. Jahrhundert brachten Kreuzritter die Wassermelone nach Europa mit, die im unreifen Zustand große Ähnlichkeit mit Gurken hat. Aus dem griechischen Wort für Gurke wurde dann im Norden und Osten Italiens, dem byzantinisch geprägten Teil des Landes mit dem Zentrum Ravenna, "Anguria".
Die englischen Bezeichnung  "Cucumber" bezieht sich  nach wie vor nur auf Gurken, auch wenn das Wort denselben Ursprung wie "Cocomero" hat.



Für mich ist Gelo di mellone der Inbegriff einer jasminblütenduftgeschwängerten Sommernacht in Palermo. Typisch für Sizilien ist hier auch die Verwendung von Stärkemehl und nicht von Gelatine, um der Crème Stabilität zu verleihen, so dass man sie auch stürzen kann wie hier auf einem älteren Foto zu sehen:


Viele Dolci in Sizilien sind über die Maßen süß, arabische Einflüsse haben auch hier ihre Spuren hinterlassen, dieser Wassermelonenpudding aber ist bei hohen Temperaturen pure Erfrischung, und der Duft der Jasminblüten schickt mich stets auf eine Zeitreise - zurück zu meinem ersten Besuch von Palermo.



Zutaten (für 6 Portionen)

  • 1 Wassermelone (davon 1 kg Fruchtfleisch)
  • 150 g Zucker
  • 70 g Stärkemehl
  • 1 Zimtstange

  • eine Handvoll Jasminblüten
  • ein Glas Wasser
  • dunkle Schokoladentröpfchen, gehackte Pistazien, Jasminblüten

Zunächst bereite ich etwas Jasminblütenwasser. Dafür ein Glas Wasser aufkochen, Jasminblüten hineingeben und ziehen lassen. Es gibt auch Jasminblütenessenz zu kaufen, aber diese hatte ich nicht. Das Dessert schmeckt aber auch ohne dieses zusätzliche Aroma, das nur sehr schwach wahrzunehmen war. Vielleicht sollte man, soll das Aroma der Jasminblüten stärker vorherrschen, auf Essenzen zurückgreifen. Wer mag, kann auch eine Prise Nelkenpulver hinzufügen.
Von der Wassermelone benötige ich 1 kg Fruchtfleisch, das nun entkernt werden muß. (Diesen Arbeitsgang würde ich mir wirklich gerne ersparen und warte nach wie vor sehnsüchtig auf eine kernlose Züchtung, von der ich schon gehört habe...) Dabei auch den Saft auffangen.


Saft und Fruchtfleisch werden nun fein püriert und danach durch ein Sieb in einen Topf gestrichen. Etwas Saft mit dem Stärkemehl verrühren und mit dem Zucker und der Zimtstange sowie 3-5 EL von dem Jasminblütenwasser wieder in den Topf geben. Den Saft unter Rühren aufkochen und 3 Minuten sprudelnd köcheln lassen - die blasse Farbe des Safts wir nun wieder zu einem kräftigen Wassermelonenrot und der Saft wird dicklich. Noch einmal durch ein Sieb in eine Schüssel giessen und entweder in kalt ausgespülte Förmchen zum Stürzen oder in Schälchen oder Gläser verteilen.
Nun kommt der Gelo für ein paar Stunden in den Kühlschrank.
Dieses Dolce nun mit Schokoladentröpfchen, sie symbolisieren die vorher mühsam entfernten Kerne, mit gehackten Pistazien und Jasminblüten dekorieren.


Da man dieses Dessert wirklich eisgekühlt (direkt aus dem Kühlschrank) geniessen sollte, paßt es hervorragend zum Blogevent vom Amika bei Zorras Kochtopf:

♥♥♥
Un abbraccio
Ariane


Blog-Event LXXVIII - EISgekühlt (Einsendeschluss 15. Juni 2012)

Kommentare:

  1. Liebe Ariane, Deine Fotos sind mal wieder traumhaft schön geworden und die neue Version auf Deinem Header gefällt mir jetzt noch besser als die vorherige. Beim Anblick Deines Jasminblüten-Fotos gerate ich ins Schwärmen und Träumen und habe augenblicklich diesen Duft in der Nase ... ach... seufz...

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    1. :-)) Grazie! Ja der Duft ist traumhaft - besonders in den frühen Morgenstunden ist er sehr intensiv. Die Dach-Terrasse unserer Nachbarn ist ein weißes Blütenmeer, wir haben dagegen nur einen Busch, der nun ein paar Blüten lassen mußte.
      LG Ariane

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  2. Das habe ich gestern noch genossen, allerdings nicht mit Jasmin. Nach der Jasminblütenessenz halte ich mal Ausschau. Saluti da Bagheria!

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    1. Das würde mich interessieren, wo es diese zu kaufen gibt. Bewußt habe ich noch nie danach gesucht, aber nun werde ich hier in Rom mal bei Castroni, diesem Spezialitätengeschäft, nachfragen.
      Noch ganz viel Spaß in Bagheria mit seinen wunderbaren Barockvillen; da war ich leider schon länger nicht mehr.
      Saluti Ariane

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  3. großes Kompliment, schaut SUPER aus!!!

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  4. Hmmmm. Das klingt köstlich und sieht großartig aus - und das auch noch ohne Gelatine. Also, ganz genau mein Fall. :)

    Liebe Grüße,
    Sarah

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    1. Ja, ich glaube, in dem es ohne Gelatine gebunden wird, ist es auch für Vegetarier/Veganer geeignet.
      LG Ariane

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  5. Ja Wahnsinn! Was für schöne Fotos!
    Das Rezept speichere ich mir auf jeden Fall ab, vielleicht komme ich ja einmal an Jasminblüten, wobei die Wahrscheinlichkeit eher klein sein dürfte.

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    1. Vielleicht findest Du ja in einer Gärtnerei einen kleinen Jasminstrauch. Aber es schmeckt auch so :-)) Danke für's Lob!! :-))
      LG Ariane

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  6. Oh man,

    ich sitze hier im grauen Deutschland und sehe durch Zufall deinen Blog! Ich bin hin und weg von den Bildern! Das riecht förmlich nach Urlaub! Bin gespannt wie unser Urlaub jetzt wir in Italien. Kennst du diese Region wo sich unser Club befindet?

    http://www.robinson.com/unsere-clubs/italien/apulia/sommer-2012/club-fakten/?searchloc=menu

    Hoffe die 10 Tage werden ein kleiner Traum.

    Gruß Patrick

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    1. Hallo Patrick,
      ich kenne einige Gegenden in Apulien, die sehr reizvoll sind. Dann wünsche ich Euch einen wunderbaren Urlaub!
      LG Ariane

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  7. Schaut echt gut aus!!! Ach, Italien... ich fliege übers Wochenende für 4 Tage nach Mailand, bin schon sehr gespannt und freu mich!! Vielleicht find ich ja ein Gelo di Mellone ;-)

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    1. Dann wünsche ich auf jeden Fall wunderschöne Tage in Mailand! Ob es da allerdings dieses so typische sizilianische "dolce" gibt.....??? Ich bin öfters in Mailand, aber habe es noch nie dort gesehen.
      Aber es gibt ja so viele andere feine Sachen....
      Saluti
      Ariane

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  8. Sag einmal Ariane, ist Stärkemehl das gleiche wie Speisestärke hier in D?
    Ich wollte das ja mal nachmachen, bin mit aber nicht sicher ob die beiden Sachen identisch sind.
    lg
    grimmel

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    1. Hallo grimmel,

      ja, ist das gleiche. Ich verwende Mondamin.

      Liebe Grüße
      Ariane

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    2. Sorry, ich muß mich korrigieren. Es heißt Maizena.

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  9. ok, dann weiss ich Bescheid. Danke. Schönen Abend noch. lg grimmel

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