Dienstag, 25. September 2018

Handliche Energiespender: Mini Plum Cakes mit Feigen und Walnüssen



Die berühmte Stiefelform Italiens macht Reisen innerhalb des Landes nicht gerade zu Kurztrips. Man reist gewöhnlich von Norden nach Süden und umgekehrt - und die Ausmaße dieses Landes zeigen sich in ihrer ganzen langgezogenen Pracht. Dagegen ist ist West-Ost-Route fast ein kleiner Hüpfer. Ein paar  Zahlen gefällig? Wer von Frankfurt nach Rom fährt, hat an der schweizerisch-italienischen Grenze bei Chiasso gerade mal die Hälfte der Strecke geschafft; nach Rom sind es weitere 650 Kilometer auf der Autostrada del sole, der A1 - auf der leider auch nicht immer die Sonne scheint. Wer von Rom mit dem Auto nach Palermo fahren möchte, der hat eine Strecke von rund 900 Kilometern vor sich, und in Kalabrien ist die Dichte der Raststätten wahrlich noch ausbaufähig, womit wir bei der "Marschverpflegung" entlang der Route wären.

Gerade wer wie mein Mann viel beruflich - und auch nachts - unterwegs ist, kennt die auf Dauer ermüdenden Strecken bestens. Zwar sind die "Autogrills" 24 Stunden geöffnet und spenden bei Bedarf kräftigen Caffè sowie frisch gepresste Säfte, aber die sowieso eher trockenen und oft lieblos belegten Panini machen nachts um halb drei keine Freude mehr. Da gebe ich, wenn möglich, meinem Mann lieber ein paar selbstgemachte Leckereien wie diese saftigen kleinen Kastenküchlein mit.
Die helfen übrigens auch gegen ein nachmittägliches Tief...





Zutaten
(für 6 Plum Cakes)


  • 100 g weiche Butter
  • 70 g brauner Rohrzucker
  • 1 Tl Zimt
  • 1 Prise Salz
  • 1 Ei
  • 100 g Mehl
  • 2 Tl Backpulver
  • 30 g Walnüsse
  • 50 g getrocknete Feigen + 3-4 Feigen für die Deko





Den Backofen auf 180 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.
Silikonförmchen, wie ich sie verwende, müssen nicht gefettet werden; andere Förmchen mit etwas Butter ausstreichen.
Die Walnüsse grob hacken, die Feigen in kleine Würfel sowie die Feigen für den Belag in Scheiben schneiden.
Die weiche Butter mit dem Zucker, dem Zimt und der Prise Salz mit der Küchenmaschine oder dem Handrührgerät gut verrühren und das Ei zufügen. So lange weiterrühren, bis sich der Zucker aufgelöst hat.
Das mit dem Backpulver gemischte und gesiebte Mehl unterrühren und die Walnüsse sowie die Feigenstücke unterheben. Den Teig in die Förmchen füllen, mit den Feigenscheiben belegen und 25 Minuten backen.




Dienstag, 18. September 2018

Spaghettini ai funghi - oder auch: Wie aus Muscheln Pilze wurden



Zu meiner Lieblingspasta, den Spaghettini, wollte ich dieses Mal Champignons, die in Italien meist unter dem Überbegriff  Funghi - Pilze - angeboten werden, ganz puristisch ins Spiel bringen! Und nebenbei: Es muss nicht immer eine Sahnesößchen antreten, wenn Champignons untergebracht werden sollen! Bei den Zutaten für dieses Pastagericht habe ich mich dabei an einem Klassiker der Cucina del mare - der Meeresküche - orientiert, der bei mir - treue LeserInnen werden es wissen - weder in den Topf noch gar auf den Teller kommt: Pasta con le (oder alle) vongole - Pasta mit kleinen Venusmuscheln.

Wenn man nicht so genau hinguckt, ähnelt das Gericht schon äußerlich dieser in Italien sehr beliebten Spezialität aus Kampanien. Wie sehr da die richtige Pastasorte entscheidend ist, hatte ich vor längerer Zeit schon einmal augenzwinkernd geschildert. Die kleine Anekdote beweist, dass man sich in Italien mit falschen Kombinationen keine Freunde macht.

Auch wenn ich selbst Pasta mit Muscheln niemals essen würde, es ist ein Gericht, das in seiner Schlichtheit trotzdem appetitlich für mich aussieht - bei einigen Zutaten aus dem Meer muss ich auch schon einmal wegschauen -; vielleicht auch, weil ich Muscheln so dekorativ finde. Warum also nicht schummeln und die Muscheln einfach durch Pilze ersetzen?

Meinem Mann, der Meeresgetier ab und an ganz gerne auf dem Teller hat - auswärts, versteht sich -, hat diese Schummelei geschmeckt. Und eines hat das Ergebnis wieder einmal gezeigt: Champignons, die ja oft im Schatten von Steinpilzen, Pfifferlingen und Konsorten ein Dasein als mykologische Langweiler fristen, muss man nicht schamhaft verstecken  - nicht unter Sahnesößchen noch sonstwo.





Zutaten
(für 2-3 Personen)


  • ca. 500 g Champignons
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 Chilischote
  • ca. 1/2 Glas Weißwein
  • ein Bund glatte Petersilie (ca. 80 g)
  • Salz,
  • Olivenöl extra vergine
  • ein wenig Butter (für eine vegane Version einfach weglassen)
  • 250 g Spaghettini


Die Champignons putzen und mit einem feuchten Tuch abwischen; wenn sie stärker verschmutzt sind, kurz unter fließendem Wasser abbrausen und trockentupfen. In Scheiben schneiden.
Chilischote in feine Ringe schneiden oder fein hacken, Knoblauchzehe schälen.

In einer Pfanne Olivenöl und etwas Butter erhitzen und die Pilze zusammen mit dem Chili und der ganzen Knoblauchzehe (sie kann vor dem Servieren entfernt werden) scharf anbraten. Salzen und mit dem Wein ablöschen. Den Wein etwas verdampfen lassen.

In der Zwischenzeit die Spaghettini al dente kochen. Ich koche sie immer 1-2 Minuten kürzer als auf der Packung angegeben. Abseihen und zu den Pilzen in die Pfanne geben und alles zusammen noch einmal für eine Minute erhitzen; eventuell noch etwas Pastakochwasser hinzufügen. Zum Schluss die feingehackte Petersilie und noch einen guten Schuss Olivenöl untermischen.






Sonntag, 26. August 2018

Mit Turboteig für Ungeduldige: Käse-Lauch-Quiche



Manchmal reicht der Blick in den Kühlschrank, der über das Abendessen bestimmt. Im vorliegenden Fall war es ein riesiges Stück Gruyère, das seinem ungewissen Schicksal seit Tagen entgegenfieberte. Angesichts der Menge des feinen Käsestücks hatte ich nun die Wahl zwischen meinen geliebten Kässpatzen (mit gaaaaanz viel Zwiebeln) und einer Lauchquiche. Letztere machte das Rennen, denn für sie gibt es ein bewährtes Rezept mit einem meiner Lieblingsteige. Ich weiß gar nicht, wie oft ich diese Lauchquiche schon gebacken habe!
Kein Vorteig, kein Gehenlassen oder Ruhezeiten im Kühlschrank. Kein mühsames Kneten und kein Ausrollen. So ein Quark-Öl-Teig - ob salzig oder süß - ist mir einfach sympathisch!  (Während ich hier schreibe, habe ich gerade einen Pflaumenkuchen im Ofen. Dreimal dürft Ihr raten, mit welchem Teig.)
Der fertige Teig wird dann einfach sorgfältig in die Form gedrückt - schön gleichmäßig, ohne einen unschönen verdickten Übergang zwischen Boden und Rand zu fabrizieren; soviel Geduld muss schon sein! Und bald heißt es nur noch: Nase an der Backofentür plattdrücken und sich der Vorfreude hingeben!





Zutaten
(für eine Springform von 24 cm Ø)˙


Teigboden - Quark-Öl-Teig

  • 200 g Mehl
  • 0,5 Tl Salz
  • 0,5 Tl Backpulver
  • 100 g Quark
  • 4-5 El neutrales Pflanzenöl
  • 4-5 El Milch
  • Butter für die Form


Aus den Zutaten einen Teig kneten und sorgfältig in die gebutterte Form drücken. Dabei einen Rand hochziehen.
Den Backofen auf 200 Grad (Ober- und Unterhitze vorheizen).


Füllung und Fertigstellung

  • 4 Stangen Lauch
  • 150 g Gruyère, frisch gerieben
  • 2 Eier
  • 200 ml süße Sahne
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer
  • frisch geriebene Muskatnuss


Den Lauch putzen, dabei die dunkelgrünen Teile entfernen, in Ringe schneiden und in kochendem Salzwasser 3-4 Minuten blanchieren. Abgießen und kurz kalt abbrausen.
Die Eier mit der Sahne verquirlen, den Käse unterrühren und mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss abschmecken. Die Eier-Käse-Sahne-Mischung unter den Lauch rühren und in die mit dem Teig ausgekleidete Form geben.
Auf der untersten Schiene des Backofens 40 Minuten backen.




Ein weiteres Rezept für Lauchquiche gibt es hier.




Freitag, 10. August 2018

Ein Rezept gegen den Augustblues: Frozen Yogurt mit Himbeeren, Pistazien und Meringue




Es sind wieder jene langen heißen Augusttage, die mich in melancholische Stimmung versetzen. War dieser Monat, als ich noch in Deutschland lebte, paradoxerweiser der Sommermonat schlechthin, der mich schon als Kind in Hochstimmung versetzte, ahne ich mit den Jahren vermehrt das nahende Ende der Jahreszeit. Der August, das bedeutet bei der Hochsommerhitze  aber auch, dass man "drinnen" lebt. Die Wohnung ist zwar klimatisiert, trotzdem bleiben viele Fensterläden schlossen. Es ist in der Vorstellung für mich mittlerweile auch eine "dunkler" Monat: Draußen gleißendes Licht - drinnen das stille Halbdunkel. Könnt Ihr die Atmosphäre nachvollziehen?
Am letzten Tag im August kommt noch mein Geburtstag hinzu, und das Verhältnis zu diesem Ereignis verändert sich wohl  auch mit zunehmendem Lebensalter; man wird eben nachdenklicher. Wenn ich dann am 1. September aufwache, erwische ich mich immer wieder dabei, dass ich ich September morn von Neil Diamond summe. Ich sehe fallendes Laub, denke mit Grausen daran, dass Strümpfe in Kürze wieder zum Einsatz kommen und meine Sommerkleider in den Schrank verbannt werden. Die Jahreszeit, die für mich weder Fisch noch Fleisch ist, steht bevor! Ich mag es doch entweder heiß oder richtig winterlich! Hier in Italien legt sich aber diese Herbststimmung wieder nach ein paar Tagen, denn der Sommer ist noch lange nicht vorüber. Warum nur falle ich immer wieder mit dem Anbrechen des 1. September auf diese Vorstellungen herein?
Wirklich alles paradox das Ganze!

Aber zurück in den August! Wir gehören zu jenen, die den August in der Stadt verbringen, während viele ans Meer, in die Berge oder eben ihre aktuellen Urlaubsorte fliehen, wo vielfach dann auch das römische Chaos mitreist. Der Stau ist dann eben nicht mehr den Lungotevere entlang, sondern erwacht in irgendeinem Ort an der Küste zu neuem Leben - nein, danke! Man spricht in diesem Zusammenhang gerne von "fliehen", denn in Zeiten ohne Klimaanlage war die Hitze für viele wohl kaum auszuhalten.
Ich kann mich an meine ersten Sommer in Rom erinnern, und besonders an die Augusttage. Das alles war noch vor dem Ansturm von Touristen in den vergangenen Jahren, der die Stadt gefühlt 12 Monate in seinem Würgegriff hält.
Noch in den neunziger Jahren war alles anders. Die Stadt war "tot"! Die Strassen leer, die Geschäfte geschlossen oder nur im Turnus geöffnet. Ich ging die Strasse, in der wir wohnen, entlang und kam mir vor wie in einer Geisterstadt - ja ich fand es direkt unheimlich! An manchen Tagen, wenn ich alleine unterwegs war, nahm ich sogar andere, durch ein wenig Autoverkehr belebtere Wege. Gut kann ich mich noch an eine zierliche ältere Dame erinnern, die mich ganz verzweifelt auf der Strasse ansprach, ob ich denn noch eine offene Bäckerei wüsste. Gerade älteren und alleinstehenden Menschen, die nicht mit den Familien abgereist waren, ging es oft richtig schlecht. Die Supermärkte, die in den Nullerjahren überall aus dem Boden schossen, gab es damals noch nicht.





Noch immer müssen wir uns im August ein wenig "organisieren". Gerade in der bevorstehenden "Ferragosto"-Woche bleiben viele Läden, wie zum Beispiel Metzgereien, geschlossen, die sonst im August wenigstens am Vormittag noch geöffnet sind. Fleisch wird also auf Vorrat eingefroren. Der Markt verkauft zunehmend nur noch Touristenkitsch; auch das Gemüse macht "Urlaub". Schnell habe ich noch das Lieblingsfutter für Kringel besorgt, das es in den Supermärkten nicht gibt.
Zurückgebliebene tun sich zusammen; gestern waren wir mit ein paar Journalisten und Diplomaten auf einer "Stallwächterparty" auf einer schönen, luftigen Terrasse hoch über den Dächern von Rom.Viele erzählten dort, wie sehr sie die ruhigere Stimmung in der Stadt schätzten. Das sind Moment, in denen die Melancholie ein wenig schwindet...






Gegen trübe Stimmung hilft allerdings auch ein Dolce, das so richtig nach Sommer schmeckt wie diese Frozen-Yogurt-Kreation. Dieses Eisdessert ist blitzschnell zubereitet, und man braucht dafür nicht einmal eine Eismaschine. Allerdings etwas Geduld, bevor man endlich den Löffel darin versenken darf.





Zutaten
(für 8 Personen und eine Kastenkuchenform von ca. 750 ml Inhalt)



  • 600 g griechischer Joghurt
  • 1 Tube gesüßte Kondensmilch (170 g)
  • 5 El Zitrusblütenhonig (ersatzweise Akazienhonig)
  • 30 g Pistazien, grob gehackt
  • 20 g Meringue (Baisers), grob zerbröselt
  • 125 g Himbeeren


  • Himbeeren, Pistazien und Meringue für die Dekoration


Den Joghurt mit der Kondensmilch und dem Honig glattrühren. Dann vorsichtig die Himbeeren, die Meringue und die Pistazien unterheben.
Die Kuchenform mit Backpapier auslegen und die Joghurtmasse hineinfüllen. Diese mit Folie gut verschließen und für mindestens 6 Stunden in das Gefrierfach geben.
Vor dem Servieren kurz in heißes Wasser tauchen, stürzen, Papier abziehen und mit Himbeeren, Pistazien und Meringue-Stückchen garnieren. In Scheiben schneiden.

Nach einer Idee aus SALE&PEPE, August 2018

Wollt Ihr noch mehr über die August-Stimmung in Rom lesen - so, wie wir den Monat oft erleben? Dann schaut mal hier.


Samstag, 4. August 2018

Rotolo di frittata farcito - oder auch: Wie kommt der Spinat ins Ei?



Eltern stehen sicher oft vor der Frage: Wie bekomme ich den Spinat ins Kind? Da kann ich leider auch nicht mit bombensicheren Tricks aufwarten. Allerdings möchte ich Euch gerne verraten, wie man den Spinat ins Ei bekommt. Das leuchtend grüne, im Ofen gebackene und später mit einer herzhaften Füllung aufgerollte Omelette verlockt sicher auch hartnäckige Spinatverweigerer. Und übrigens: die Geschichte mit dem Kommafehler und dem Eisengehalt kennt Ihr ja bestimmt. Wenn das Kind keinen Spinat mag, wird es sicher trotzdem groß und kräftig werden! Aber vielleicht locken bei dieser Roulade ja die starken Farben zu einer kleinen Kostprobe. Falls das wieder ausgespuckt werden sollte, halten sich die Flecken in Grenzen.








Dieses hitzetaugliche und so farbenfrohe Rezept habe ich mal wieder geklaut; die Grundidee stammt aus einer italienischen Kochzeitschrift. Bei der Füllung aber ging ich eigene Wege; hier kann jeder seiner Phantasie freien Lauf lassen.






Zutaten
(für eine flache Auflaufform in den Maßen 22x30 cm)


  • 6 Eier (möglichst Bio - von glücklichen Hühnern)
  • 200 g junger Spinat
  • 300 Robiola (italienischer Frischkäse)
  • 100 g getrocknete Tomaten in Öl, sehr gut abgetropft und eventuell trockengetupft
  • 40 g Pinienkerne
  • 1 Bund wildes Fenchelkraut
  • 1 junge Tropeazwiebel mit Grün (ersatzweise eine Frühlingszwiebel)
  • 1 unbehandelte Zitrone
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer


Den Backofen auf  170 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen und die Auflaufform mit Backpapier auslegen. Den jungen Spinat gut waschen und in Salzwasser wenige Sekunden blanchieren. Abgießen und sofort in Eiswasser legen. Dann herausnehmen und sehr gut ausdrücken.
Den Spinat in einem Mixer mit den aufgeschlagenen Eiern fein pürieren und alles zu einer schaumigen Masse verquirlen. Diese in die Auflaufform gießen und im Ofen 20 Minuten backen.
Danach herausnehmen, kurz abkühlen lassen, auf die Arbeitsfläche stürzen, Papier abziehen und vorsichtig von der kurzen Seite her aufrollen. Auskühlen lassen.

Die Pinienkerne in einer beschichteten Pfanne anrösten, dann abkühlen lassen. Die Frühlingszwiebel in feine Ringe schneiden und die gut abgetropften Tomaten etwas kleinschneiden. Das Fenchelkraut hacken.
Den Frischkäse glattrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Die Frittata vorsichtig entrollen und den Frischkäse darauf verstreichen. Dann die Pinienkerne, die Frühlingszwiebelringe, die Tomatenstücke und das gehackte Fenchelkraut darauf verteilen. Alles wieder zu einer Rolle formen und fest in Folie einpacken. Für mehrere Stunden in den Kühlschrank legen.
Die Rolle in Scheiben schneiden und diese mit Zitronenzesten bestreuen.
Als Vorspeise servieren; mit einer Salatbeilage ergibt das eine erfrischende Hauptmahlzeit.

Rezeptquelle: Frei nach SALE&PEPE, August 2018





Mittwoch, 1. August 2018

So schlicht - so toskanisch: Ceci al rosmarino



Italien ist nicht nur das Land, wo die Zitronen blühen, sondern auch das der wunderbaren aromatischen Kräuter. Am häufigsten, so mein ganz subjektiver Eindruck, kommt neben Basilikum Rosmarin in der Küche zum Einsatz. Für mich ist das ein Glücksfall, denn ich liebe den Duft von Rosmarin. Rosmarinbüsche mit ihren zarten blau-lila Blüten findet man gerade in Mittel- und Süditalien überall wild wuchern: entlang der Straßen, an Pfaden und in Gärten. Ich kann mich nie zurückhalten, mit meinen Händen über die Zweige zu streichen, ein paar Nadeln abzuzupfen, sie zwischen den Fingerspitzen zu zerreiben, um dann genießerisch den Duft zu inhalieren. Das ist für mich der Duft des Südens!





Mit der eigenen Kräuterzucht bin ich nach einem gescheiterten Versuch mit Basilikum nicht weit gekommen. Auf einer römischen Dachterrasse kann man im Sommer vielleicht Spiegeleier braten, aber die Kräuter sterben in kürzester Zeit den Hitzetod. Einzig allein ein kleiner Topf mit unverwüstlichem Schnittlauch hält mysteriöserweise den Extremtemperaturen stand. Dieser unscheinbare Schnittlauchtopf zwischen all dem bunten Hibiskus, den Geranien und Jasminbüschen hat für mich eine besondere Bedeutung, denn er war das Geschenk einer schon vor einigen Jahren verstorbenen lieben Nachbarin. Sie verstand mein Klagen, dass Schnittlauch Mangelware in Italien sei, und schenkte mir daraufhin einen Ableger, den sie an einem schattigen Plätzchen ihrer großen Dachterrasse herangezogen hatte. Selbst der exotischen Küche zugeneigt - sie hatte thailändische und irische Wurzeln - hegte und pflegte sie in Italien selten benutzte Kräuter wie zum Beispiel auch frischen Estragon.
Allein liebe Erinnerungen lassen diesem Schnittlauch meine besondere Aufmerksamkeit angedeihen. Die Sorge ist aber überflüssig: Die zarten Halme machen weder in der Sommerhitze schlapp (Wässern natürlich immer vorausgesetzt), noch können ihnen winterlich tiefe Nachttemperaturen einschließlich Schneefall etwas anhaben; letzteren hat übrigens auch mein Zitronenbaum überstanden.
Witzigerweise verwende ich diesen Schnittlauch nicht, denn es gibt noch einen anderen Grund, der mich vor der Kräuterzucht auf der Terrasse abhält: Allzu oft lassen nämlich die Möwen des nahe iegenden Tibers ihre "Hinterlassenschaften" zurück...
Aber zurück zu dem Rosmarin. Sein Aroma ist einfach unvergleichlich und adelt auch eine so einfache bäuerliche Beilage wie die Ceci al rosmarino - die mit Knoblauch und Rosmarin geschmorten Kichererbsen.






Die Verwendung von Kichererbsen ist typisch in der Cucina povera der Toskana, weil sie günstig, trotzdem gesund und sättigend sind. Allerdings liegen die Ursprünge dieser Pflanze in der Türkei, wo sie angeblich schon in der Bronzezeit kultiviert wurden. Die italienische Bezeichnung Ceci geht auf das griechische kikus zurück, was soviel wie Stärke oder Kraft bedeutet. Angeblich gehörten Kichererbsen auch zur Ernährung der ägyptischen Sklaven beim Bau der Pyramiden (wie übrigens auch Zwiebeln). Die lateinische Bezeichnung Cicer arietinum hingegen hat einen ganz witzigen Bezug zu dem berühmten Marcus Tullius Cicero, dessen Nase angeblich an eine Kichererbse erinnert haben soll. Andere Quellen sprechen von einem Vorfahren Ciceros, dem dieser Namen wegen der auffälligen Nase zunächst als spöttische Bezeichnung verpasst worden sei. Diesen Spitznamen zu ändern, lehnte Cicero aber ab. Da man in der Antike in der Kichererbse auch eine Ähnlichkeit mit einem Widder zu erkennen glaubte, kam das Epitheton arietinum (lat.: aries, ital.: ariete) hinzu.

Falls Ihr also mal wieder die Toskana bereist, werdet Ihr um ein Kicherbsengericht nicht herumkommen - ob als Suppe oder als Beilage. Apropos Beilage: Als "Beilage" zu den Ceci al rosmarino gab es eine saftige Bistecca...




Zutaten
(für zwei Personen)



  • 250 g getrocknete Kichererbsen
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 getrockneter oder frischer Peperoncino oder Chilischote (fakultativ)
  • 2 Zweige Rosmarin
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer
  • Olivenöl extra vergine


Die Kichererbsen in einem Sieb abbrausen und dann in reichlich kaltem Wasser über Nacht einweichen.
Am folgenden Tag die Kichererbsen in ein Sieb schütten, erneut abbrausen, in reichlich kaltem Wasser aufsetzen und zum Kochen bringen. Ungefähr zweieinhalb Stunden köcheln, bis sie weich sind, aber nicht zerfallen. Dann in einem Sieb abgießen.

In einer Pfanne das Olivenöl mit der in feine Scheiben geschnittenen Knoblauchzehe, den von den Stängeln gezupften Rosmarinnadeln und der zerkleinerten Chilischote erhitzen. Man kann auch die ganze Knoblauchzehe unzerkleinert verwenden und diese vor dem Servieren entfernen. So macht man das oft in Italien, da Italiener zu intensiven Knoblauchgeschmack scheuen.
Die Kicherbsen hinzugeben und alles mit etwas Wasser ca. zwanzig Minuten zugedeckt schmoren lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Eventuell noch mit etwas Flüssigkeit aufgießen, sollten die Kichererbsen zu trocken werden.

Die andere Version: In einer Pfanne Olivenöl zusammen mit kleingeschnittenem Knoblauch und Rosmarinnadeln anschwitzen, dann die über Nacht eingeweichten Kichererbsen hinzugeben, alles mit kaltem Wasser bedecken und weichkochen. Dabei aber unbedingt darauf achten, dass weder zu wenig Wasser im Topf ist, noch dass am Ende zuviel Wasser übrigbleibt.

Nachtrag: 
Ich bin wirklich froh, so aufmerksame Leserinnen und Leser zu haben und bin auch für konstruktive Kritik immer offen. In diesem Fall ist es nicht mal Kritik, sondern es sind sehr informative Hinweise:
Die liebe Margit vom stets sehr informativen Blog Kochbuch für Max und Moritz kennt sich bestens mit Kichererbsen aus. Sie wies darauf hin, dass man Kichererbsen im Gegensatz zu vielen Hülsenfrüchten in kochendes Wasser gibt; die Garzeit ist dann entsprechend geringer, nur ca. 45-50 Minuten. Und es scheint auch auf das "Alter" der Kichererbsen anzukommen, d.h. wie lange sie schon vorher gelagert wurden, sagt dazu die liebe Zora vom Einmal umrühren bitte aka Kochtopf.
Auch kann man vorgekochte Kichererbsen portionsweise einfrieren.
Astrid, Autorin des Blogs Arthurs Tochter kocht.,  muss ich wohl kaum noch vorstellen. Sie gab mir eine kleine Lektion in Sachen Botanik: Rosmarin haben Blätter und keine Nadeln!

Danke Euch allen!


♥♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Montag, 30. Juli 2018

A little bit messy: No-bake Cherry Cheesecake



Schon wieder Käsekuchen, werden nun treue Leserinnen und Leser denken!
Klar, wenn eine Einladung zu einem Käsekuchen-Event ins Haus flattert, bin ich dabei! Auch wenn fast noch Krümel von der Crostata di ricotta übrig sind - nahtlos gehen wir also zur amerikanischen Variante eines Käsekuchens über!

Heute, so habe ich erfahren, ist nämlich der internationale Tage des Käsekuchens. Dazu gibt es einen kleinen Blogevent, den die liebe Tina vom Blog Lecker und Co. ausrichtet. Wie schön, wenn es für meinen Lieblingskuchen auch einen Feiertag gibt! Es gibt mir Gelegenheit, etwas Neues auszuprobieren: Einen Käsekuchen, für dessen Fertigstellung nicht der Ofen, sondern der Kühlschrank sorgt. Perfekt also für heiße Sommertage!




Vielleicht nicht ganz so hübsch und "aufgeräumt", wie ich es mir vorgestellt hatte, ist mein erster No-bake Cheesecake geworden: der "Crust" etwas bröselig, der Anschnitt leicht verschmiert und die "Stielchen" knallen schon wie kleine Leuchtstoffröhren hervor. Aber hey - einen echten Cheesecake-Fan hält das doch nicht vom Genuss ab! Letztlich zählt der Geschmack, und die Liaison von cremiger Füllung und knackigen Kirschen ist einfach herrlich erfrischend!




Zutaten
(für eine Quicheform von 28 cm Ø)


Teigboden (Crust)

  • 200 g Butterkekse
  • 2 Tl Zimt
  • 130 g Butter
  • 1 Prise Salz


Die Kekse zerbröseln. Ich hatte das dieses Mal mit Hilfe eines Gefrierbeutels, in die ich die Kekse gefüllte und dem Nudelholz gemacht. Aus Erfahrung kann ich aber sagen, dass die Kekse feiner in einem Mixer zermahlen werden, was für mehr Stabilität sorgt (siehe Rezept  zum New-York Cheesecake).
Die Butter schmelzen und mit dem Zimt und einer Prise Salz zu den Bröseln geben. Zu einem "Teig" verkneten und den Boden der Quicheform damit bedecken. Mit Hilfe der Unterseite eines Kaffeebechers den Boden andrücken, dabei auch einen kleinen Rand hochziehen (Rand muss aber nicht sein).
Bis zur weiteren Verwendung die Form in den Kühlschrank stellen.

Füllung

  • 650 g Frischkäse
  • 200 g saure Sahne
  • 100 g süße Sahne
  • 150 g Zucker
  • 1 Tl Vanilleextrakt
  • 20 ml Zitronensaft
  • eine Prise Salz
  • 500 g Kirschen


Die Kirschen entsteinen und in einem Sieb abtropfen lassen.
Den Frischkäse zunächst mit allen Zutaten zu einer geschmeidigen Paste verrühren. Dazu, wenn vorhanden, den Flachrührer einer Küchenmaschine verwenden.
Dann diesen Rührer gegen einen Schneebesen austauschen und die Frischkäsecrème 5 Minuten kräftig aufschlagen; sie wird dann wieder etwas lockerer.
Die Form aus dem Kühlschrank nehmen und die Kirschen darauf verteilen (eventuell eine dünne Schicht der Crème zunächst auf dem Boden verteilen, darauf achten, dass der Tortenboden heilbleibt).
Dann die Frischkäsecrème auf den Kirschen verteilen und glattstreichen.
Den Kuchen für mindestens sechs Stunden in den Kühlschrank stellen; am besten über Nacht.


Verzierung

  • 200 g Kirschen, entsteint
  • 20 g Puderzucker
  • 2 Blatt Gelatine


  • grünes (oder braunes) Speisefarbe-Gel (Tube, gibt es bei Backzubehör)
  • Minze


Anmerkung:
Man braucht nur die Hälfte der Kirschsafttropfen, aber eine größere Menge lässt sich leichter verarbeiten. Den Rest einfach wegnaschen...
Die Gelatine 10 Minuten in kaltem Wasser einweichen.
Kirschen mit dem Puderzucker  pürieren (Stabmixer). Die tropfnasse Gelatine in einem Topf bei milder Hitze verflüssigen; aufpassen - sie darf nicht kochen!
Unter den Kirschsaft rühren und diesen durch ein Sieb streichen. Wenn sie festzuwerden beginnt - sie geliert nicht vollständig -, entweder mit Hilfe einen Teelöffels Kleckse auf die Oberfläche des Kuchens träufeln oder eine kleine Plastikflasche mit Tülle dafür verwenden.
Mit dem Gel die Stängelchen zeichnen und diese mit Minzblättchen verzieren.
Der Cheesecake sollte weiterhin im Kühlschrank aufbewahrt werden.

Ein lieber Dank geht an Peter vom Blog Aus meinem Kochtopf für die Einladung zu diesem Event!






Weitere großartige Ideen zum Blogevent rund um das Thema Käsekuchen gibt es hier: 


LECKER&Co: Zebra Käsekuchen mit Brombeeren ninamanie: Käsekuchen im Glas Papilio Maackii: Bananenbrot mit Cheesecake Swirl BackIna: Japanischer Käsekuchen Silkes Welt: Heidelbeer Cheesecake Tarte Jessis Schlemmerkitchen: Omas Käsekuchen Tra Dolce ed Amaro: No-Bake Cherry Cheesecake The Apricot Lady: Pikante Mini-Cheesecakes Küchenmomente: No-Bake Mango-Kokos Cheesecake Savory Lens: Sommerbeeren-Ricotta-Cheesecake mit Pekannüssen Julias Torten und Törtchen: Käsekuchen Eclairs mit Himbeer und Zitrone Mein kleiner Foodblog: Blueberry Cheesecake Cupcakes mit Vanillefrosting Naschen mit der Erdbeerqueen: Cremiger Käsekuchen mit Keksboden holy fruit salad!: Kalter Käsekuchen mit Himbeeren Dental Food: Käsekuchen Creme Mrs Emilyshore: Käsekuchen Eismuffins Kochtopf: Sommerlicher Cheesecake mit Pfirsich Evchen kocht: Golden Milk Cheesecake Die Sonntagsköchin: Birnen Cheesecake Bisquitrolle Kleid und Kuchen: No bake Lemon-Cheesecake mit Johannisbeeren Sommer Madame: Käsekuchen mit Limette und Keksboden Kohlenpottgourmet: Käsekuchendessert im Glas (zuckerfrei) Labsalliebe: Sauerkirsch-Cheesecake-Eis Soulsister meets friends: Key Lime Cheesecake Salzig, süß, lecker: Pfirsich Cheesecake mit Mandelstreusel Aus meinem Kochtopf: Käse-Mohn-Kuchen mit Passionsfrucht- und Mango-Spiegel Jankes*Soulfood: Omas Käsekuchen mit Schokoboden Zimtkringel: Beeriger Käsekastenkuchen Linals Backhimmel: Kleiner Blaubeer Käsekuchen Krimi und Keks: Zupfkuchen mit Heidelbeeren Dynamite Cakes: White Chocolate Cheesecake mit Blaubeeren ohne Backen Delicious Dishes around my Kitchen: Sommerlicher MangoKäsekuchen mit Beeren und Physalis Lecker macht Laune: Cheesecake Pancakes USA kulinarisch: Mini-Cheesecakes 2.0 Slowcooker: Quarkteilchen wie vom Bäcker Kinder kommt essen: Herzhafter Käsekuchen Feinschmeckerle: Cheesecake mit Himbeeren ohne Backen Backschwestern: Churro Cheesecake Süße Zaubereien: Käsekuchen Happen Obers trifft Sahne: Käsekuchen ohne Boden KittyCake Russischer Zupfkuchen




♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Mittwoch, 18. Juli 2018

Supersaftig, beerenlastig: Crostata di ricotta e ribes rosso




Schon als kleines Kind wurde ich regelmäßig - und wenn ich "regelmäßig" schreibe, so meine ich fast täglich - mit Quark gefüttert. Ob gesüßt, mit Obst oder später auch pikant mit Schnittlauch: für meine Eltern waren diese regelmäßigen Quark-Rationen der Inbegriff einer gesunden und kindgerechten Ernährung: Das Kind sollte schließlich kräftige Knochen und gesunde Zähne entwickeln!
Ich glaube, neben "Mama" war Quark eines der ersten Worte, die ich brabbeln konnte. Auch noch viel später wurde mir immer wieder schmunzelnd berichtet, wie aus Quark bei mir "Twark" wurde, denn das "Q" konnte ich nicht aussprechen.
Und das Kind liebte Quark! Nein, das war nicht wie bei dem oft zitierten Spinat, der immer wieder für Berichte über Spuckattacken herhalten muss!, Der Quark wurde zu einer Art Grundnahrungsmittel für mich. Dann kam sehr viel später der Umzug nach Rom, und ich musste feststellen: Quark gibt es nicht in Italien - zumindest nicht südlich von Süd-Tirol. Ich muss sagen: es gab ihn nicht, denn mittlerweile führt eine Bio-Ladenkette deutschen Quark.
Vor allem musste ich anfangs auf meinen geliebten Käsekuchen verzichten; dachte ich zumindest. Ich fing dann an, mit Ricotta zu experimentieren - und was soll ich sagen? Jetzt gibt es Quark - und jetzt kaufe ich Ricotta! Nicht irgendeine Ricotta - oh nein! Wer nur dieses abgepackte Zeug aus der Kühltheke kennt, wird sich kaum in Ricotta verlieben können. Das ist so ungefähr, als vergleiche man die als Mozzarella verkauften Gummikugeln mit noch kuhwarmer Mozzarella di bufala frisch aus der Käserei. Ich kaufe lose Ricotta aus Schafsmilch. Man braucht keine Angst zu haben, dass diese irgendwie streng nach "Tier" riecht oder schmeckt. Im Gegenteil: Diese Ricotta zeichnet sich durch einen runden und milden Geschmack aus.



Käsekuchen aus Ricotta ist weder so locker-fluffig wie deutscher Käsekuchen, noch so cremig wie amerikanischer; ich liebe nach wie vor alle drei Versionen! Zudem fehlt, wie auch bei der amerikanischen Frischkäse-Version, die dem Quark eigene Säure. Aber gerade das liebe ich am Ricottakuchen! Leider ist in Italien eine Crostata di ricotta oft eine sehr trockene Angelegenheit, die Ricotta dabei sehr kompakt, zusätzlich noch erdrückt von einem Teiggitter.





Das Teiggitter habe ich weggelassen, dafür aber die Ricotta auf einen Mandel-Mürbeteigboden gebettet. Ganz puristisch habe ich auch auf die Zugabe von Sahne verzichtet; normalerweise hebe ich geschlagene Sahne und auch Eischnee zum Schluss unter die Quarkmasse. Aber wenn sich die Crostata schon von einem deutschen Käsekuchen unterscheiden soll, dann richtig!
Die feine Säure der Johannisbeeren machen diese Crostata jedenfalls zu einem richtigen Sommerkuchen!




Zutaten
(für eine Springform von 26 cm Ø)

Teigboden

  • 150 g Mehl, eventuell etwas mehr
  • 40 g geschälte Mandeln, frisch gemahlen
  • 60 g Zucker
  • 1 P. Bourbon-Vanillezucker
  • 1 Prise Salz
  • 1 Ei
  • 75 g Butter - Butter für die Form



Aus allen Zutaten einen Mürbeteig kneten, in Folie wickeln und eine Stunde in den Kühlschrank legen.
Danach auf den Boden einer gefetteten Springform drücken (der Teig ist weicher als "normaler" Mürbeteig). Die Ränder habe ich hier nicht hochgezogen. Bis zur weiteren Verwendung die Form in den Kühlschrank stellen.

Füllung

  • 450 g Ricotta (möglichst Schafsmilch-Ricotta)
  • 80 g selbst angesetzter Vanillezucker (ersatzweise normaler Zucker und Vanillearoma)
  • 2 Eier
  • 250 g rote Johannisbeeren


Die Johannisbeeren waschen und von den Rispen ziehen.
Den Backofen auf 180 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.
Die Eier zusammen mit dem Zucker zu einer hellschaumigen Masse aufschlagen; der Zucker muss sich vollständig aufgelöst haben. Dann die Ricotta einrühren.
Die Hälfte der Ricotta-Crème auf dem Boden verteilen, die Johannisbeeren darübergeben und mit der restlichen Crème bedecken.
Die Crostata ungefähr 40-45 Minuten im Ofen backen.

♥♥♥

P.S.: Ich hatte einen Co-Autor...





♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Sonntag, 15. Juli 2018

Il mare in una stanza - ich habe mir das Meer nach Hause geholt!



Bei meiner ersten Begegnung mit dem Meer muss ich so drei oder vier Jahre alt gewesen sein. Manchmal denke ich, diese Begegnung hat mich für mein ganzes Leben geprägt. Es war das Meer des Nordens, jene raue Naturgewalt mit seinen hohen Wellen, über die kreischend die Möwen kreisten. Ich liebe seitdem den Geruch von Meerwasser und Dünen; nicht umsonst trage ich im Sommer oft den Duft einer feinen römischen Parfum-Manufaktur, die mit ihren Kreationen olfaktorische Erinnerungen mit Emotionen verknüpfen möchte. Dieses Parfum nennt sich übersetzt ganz schlicht "Salzwasser" und hat in Italien so etwas wie Kultstatus. Denn die Italiener lieben das Meer!




In diesen frühen Urlauben mit Eltern, Großeltern und Freunden der Familien, die wir auf der Insel Sylt verbrachten, konnte ich stundenlang am Strand Muscheln suchen, ohne dass mir langweilig wurde. Naja, zwischendurch baute ich auch gewagte Sandkonstruktionen, aber Architektin bin ich trotzdem nicht geworden. Meine Bauten habe ich dann, Ihr ahnt es schon, mit Muscheln verziert. Die Muscheln sammelte ich in einem Plastikbeutel, den ich nach den Urlauben mit nach Hause nahm. Dieser Beutel mit meinen Schätzen füllte sich von Jahr zu Jahr mehr; leider ist er dann irgendwann verloren gegangen.

Noch immer halte ich bei Spaziergängen am Strand nach Muscheln Ausschau, auch wenn das Meer an den Küstenregionen Latiums nicht viel hergibt. Ist es ein Anzeichen für die Verschmutzung der Meere? Rom liegt nur ungefähr dreißig Kilometer vom Meer entfernt. Umso unverständlicher ist es, dass man die meisten Strände in Latium nicht wirklich gepflegt hat.Wie anders habe ich das Meer von Sardinien oder vor allem auch von Florida in Erinnerung, wo man von den Stränden aus, die mit Muscheln übersät waren, ein reiches Tierleben im Wasser und am Strand beobachten konnte.
Apropos Florida: Der Lido di Ostia könnte mit seinen vielen Bauten im Art-Decò-Stil ein zweites, lebendiges Miami Beach sein, aber die Gebäude sind vielfach verlottert, der Strand aufgeteilt in mehr oder weniger geschmackvolle Strandbäder, und ins Wasser würde ich dort wegen der Nähe zu Rom sowieso nicht gehen.
Schönes, sauberes Meer und ein putziges Städtchen genießen wir ein paar Mal in den Sommermonaten in Sperlonga, im südlichen Latium. Aber dafür muss man auch über zwei Stunden Autofahrt Richtung Süden einplanen. Sehr gerne würden wir da öfters unsere Wochenenden verbringen, aber leider stehen auch diese für meinen Mann nicht immer unter dem Vorzeichen der Freizeit. In diesem Jahr haben wir es noch gar nicht bis dorthin geschafft.




Also habe ich mir das Meer nach Hause, ins eigene Wohnzimmer, geholt und dafür mal wieder in meinem Fundus gegraben. Ein bisschen Sand, ein paar Muscheln und Kerzen - mehr braucht es nicht, um sofort maritime Stimmung zu erzeugen. Viele Muscheln und Steine habe ich selbst gesammelt, die größeren Muscheln bekam ich vor Jahren geschenkt. Einige dieser etwas größeren Exemplare, die man vor allem in Badeorten kaufen kann, unterliegen heute  dem Artenschutz, und als Souvenir kann die Ausfuhr ganz schön teuer zu stehen kommen; da sollte man sich vorher informieren. Aber auch mit den kleinen Muscheln und ein paar Deko-Accessoires aus Holz, wie den winzigen Segelbooten oder den zweckentfremdeten Servietten-Klammern mit Seesternen und Muscheln, kreiert man ganz schnell maritime Atmosphäre im Wohnzimmer. Bei meinem nächsten Strandspaziergang stolpere ich dann hoffentlich auch über etwas Treibholz, das sich ebenfalls gut in die Dekoration einfügen würde.
Wichtig sind vor allem die Farbtöne: Natur (sandfarben) - und dann natürlich die Farben des Meeres: Blau und Türkis in allen Schattierungen.




Die Laterne hat ein Innenleben aus einer Lichterkette, zwischen die ich Muscheln gesteckt habe. Die Flasche hatte ich einst für meinen selbstgemachten Limoncello gekauft. Nun ist sie mit Sand gefüllt. Ein wenig Bast und der Clip mit dem Seestern - fertig ist das nächste Deko-Element, das entfernt an Flaschenpost erinnern soll.




Für Euer ganz persönliches Motto könnt Ihr auch ein Erinnerungsfoto aus dem letzten Urlaub verwenden, ausdrucken und als "Fähnchen" zwischen die Deko stellen.




Die großen Muscheln habe ich mit Led-Teelichtern ausgeleuchtet.
Zwei Led-Lichter beleuchten am Abend auch die winzigen Segelboote aus Holz. Wichtig sowohl bei der grazilen Lichterkette als auch bei den Teelichtern ist warmes Licht, das Kerzenschein ähnelt.
Einfache hölzerne Kerzenständer, mit einer Muschelkette umwunden, werden zu "Leuchttürmen"; Licht ist am Abend wichtig, um die Dekoration hervorzuheben, da unser Wohnzimmer auch nur schwach ausgeleuchtet werden kann und die hölzerne Kassettendecke viel Licht schluckt. Aber nicht immer werden die Kerzen angezündet, denn in einem Haushalt wie dem unseren - mit Tausenden von Büchern - ist mir das zu heikel. Wenn die Kerzen brennen, bin ich immer in der Nähe, die Ledlichter dagegen dürfen an jedem Abend ihr warmes Licht spenden!




Il mare in una stanza - das Meer in einem Zimmer. Vielleicht gefällt Euch meine maritime Deko und birgt einige Anregungen. Jedenfalls kann man damit auch in meeresfernen Regionen ein wenig Urlaubsatmosphäre nach Hause holen, den Urlaub gar verlängern.
Verratet Ihr mir, wie Ihr den Urlaub in den Alltag hinüberrettet?





♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Sonntag, 8. Juli 2018

Die deftige Schwester einer Quiche: Torta rustica con zucchini e mozzarella



Ausgemachte Zucchinihasser sollten es mal mit der Sorte "Romanesco" versuchen - und dann erneut urteilen. Diese knackige Sorte, erkennbar an ihrer etwas raueren, gerippten und hellgrünen Schale,  hat nichts, aber auch nichts gemein mit den dunkelgrünen Wasserbomben, die auch ich früher kannte und die ich so gerne lieben wollte, als dieses Gemüse noch als "exotisch" galt.




Oft werden die "Romaneschi" mit ihrem empfindlichen Blütenansatz verkauft; das sind die weiblichen Exemplare. Leider sind diese Blüten oft mickrig und bereits am Verwelken, so dass ich gerne die männlichen Blüten noch extra dazu kaufe. Es sind diese Blüten, die man in Italien gerne weiterverarbeitet; sie beispielsweise füllt wie bei diesem Rezept hier.




Ich finde diese zarten Blüten wunderschön. Leider ist es eine vergängliche Schönheit; sie wollen möglichst bald nach dem Einkauf verarbeitet werden. Trotzdem setzen sich auch bei der Torta rustica ihren feinen Geschmack durch und lassen sich weder von den Zucchini noch von der Mozzarella unterkriegen. Allein ihre Schönheit können sie nicht mehr so ganz entfalten, auch wenn sie unter der Kruste hindurchschimmern.





Zutaten
(für eine rechteckige Quicheform von 23 cm x 30 cm oder rund 26 cm Ø)

Pâte Brisée

  • 200 g Mehl, gesiebt + Mehl zum Ausrollen
  • 100 g kalte Butter + Butter für die Form
  • 7 El kaltes Wasser
  • Salz


Aus den Zutaten nach meinem Grundrezept einen Teig herstellen und weiter wie dort beschrieben weiter verfahren. Eine gebutterte Form mit dem ausgerollten Teig auslegen und bis zur weiteren Verwendung kaltstellen.

Belag

  • 350 g Zucchini (wenn möglich Sorte "romanesco")
  • 9 Zucchiniblüten
  • 400 g Polpa di pomodoro (stückige Tomaten)
  • 2 Knoblauchzehen
  • 250 g Mozzarella "fior di latte" (Kuhmilch-Mozzarella)
  • 2 Eier
  • 100 ml Sahne
  • 30 g Parmigiano Reggiano, frisch gerieben
  • Olivenöl extra vergine
  • ein paar Thymianzweige
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer
  • 1 Prise Zucker


Die Zucchini der Länge nach in Scheiben schneiden. In einer beschichteten Pfanne Olivenöl erhitzen, eine halbierte Knoblauchzehe zum Aromatisieren hinzufügen und die Zucchinischeiben von beiden Seiten anbraten. Herausnehmen und auf Küchenpapier legen.

In einer weiteren Pfanne Olivenöl erhitzen und eine kleingehackte Knoblauchzehe sowie die Polpa di pomodoro hinzufügen. Mit Salz, Pfeffer und Zucker abschmecken und ein paar Thymianblättchen hinzufügen. Dicklich einkochen lassen, aus der Pfanne in eine Schüssel umfüllen und bis zur weiteren Verwendung kaltstellen.

Die Mozzarella in Scheiben schneiden.
Die Zucchiniblüten putzen, an der Seite aufschneiden und die Blüten auseinanderfalten.
Den Backofen auf 180 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.

Die Form mit dem Teig aus dem Kühlschrank nehmen. Die Hälfte des Tomatensugo auf dem Boden verteilen, darauf die Hälfte der Zucchinischeiben legen, die Hälfte der Zucchiniblüten und die Hälfte der Mozzarellascheiben darüber verteilen. Mit den verbliebenen Zutaten auf diese Weise weiter verfahren.
Die Eier mit der Sahne und dem Parmigiano verschlagen und über die Oberfläche gießen.
45 Minuten im Ofen backen. Vor dem Anschneiden etwas ruhenlassen.

Eine etwas aufwändigere Quiche mit Zucchiniblüten gibt es hier. Dort spielen sie die Hauptrolle.

♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

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