Donnerstag, 12. März 2020

Traumabewältigung mit dem Rührbesen: Chocolate Chip Banana Bread



Zu Bananen habe ich mir ja ein gespaltenes bis ablehnendes Verhältnis bewahrt. Grund dafür ist ein "traumatisches" Erlebnis in meiner Kindheit. Ich muss ungefähr fünf Jahre alt gewesen sein, als zur Mittagspause im Kindergarten ein Junge seine mitgebrachte Banane auspackte, bei der man schon nicht mehr von Überreife sprechen konnte. Sie war schlichtweg schwarz! Die darauf folgenden Szenen werde ich nie vergessen. Zunächst legte er seine Banane unter einen Teller, auf den er sich dann mit beiden Händen stützte. Dann presste er die Banane mit den Händen zusammen, so dass eine breiige gelbe Masse wie aus einer Mayonnaisentube hervorquoll. Auch eine Art, Bananen zu essen!
Zu Hause erzählte ich diese Episode unter Würgen meinen leicht schmunzelnden Eltern. "Der Markus - *örks* - der hat - *würg* - seine Banane..." Und so weiter!

Seitdem mag ich Bananen - wenn überhaupt - nur, wenn sie noch richtig grün und fast unverzehrbar unreif sind. Und dann sind sie eigentlich gar nicht so übel. Naja, fast.







Da mein Mann manchmal heimlich Bananen einschmuggelt und dann vergisst, sie zu essen, hatte ich mal wieder so ein paar nicht mehr ganz taufrische Exemplare herumliegen.
Schnurstracks eines meiner New-York-Kochbücher geschnappt, darin nach Banana-Bread-Rezepten gesucht und zur Vernichtung des ungeliebten Obstes geschritten.
Fazit: Irgendwie mag ich Bananen doch. Denn wenn man eine solchen Kuchen damit backen kann -  so ein saftiges, schokoladiges, zimtiges Etwas -, dann können sie gar nicht so übel sein!






Zutaten
(für eine Kastenkuchenform, 21 x 9 cm, Höhe 8 cm)





Trockene Zutaten
  • 115 g Mehl (Original: 165 g Mehl und 50 g Buchweizenmehl)
  • 1 1/2 Tl Backpulver
  • 1 Tl gemahlener Zimt
  • 1 Tl Vanilleextrakt





Feuchte Zutaten
  • 65 g Kokosblütenzucker (Original: dunkler Rohrzucker)
  • 5 El Sonnenblumenöl
  • 2 Eier
  • 175 g Crème fraîche




Zusätzlich

  • 165 g Bananen (ungefähr eineinhalb Bananen), mit der Gabel grob zerdrückt
  • 110 g dunkle Schokotropfen (Original: in Stückchen geschnittene Schokolade)




Icing (nicht im Original angegeben)

  • 125 g Puderzucker
  • Milch


  • Butter für die Form







Den Ofen auf 180 Grad (Umluft) vorheizen und die Form gut mit Butter ausfetten.
Die "trockenen" Zutaten vermischen und die Schokotröpfchen hinzufügen. Nun die "feuchten" Zutaten mit dem Rührbesen gut verschlagen und zum Schluss die zerdrückte Banane unterrühren.
"Trockene" und "feuchte" Zutaten nun zusammenbringen, dabei aber nicht zu lange und gründlich rühren, sonst wird das Ergebnis pappig.

Teig in die Form füllen und im Ofen ca. 45 bis 50 Minuten backen. Falls die Oberfläche zu dunkel wird, eventuell abdecken.

Den Puderzucker mit soviel Milch verrühren, bis eine zähflüssige Glasur entstanden ist und den ausgekühlten Kuchen damit bestreichen.

Rezeptquelle: New York, Ricette di culto, Guido Tommasi Editore, 2013






Aus aktuellem Anlass,
meine lieben Leser*innen, 

das Coronavirus/Covid 19 hat Italien mit voller Wucht getroffen. Seit Dienstag wurde die rote Zone auf das ganze Land ausgeweitet. Die Bevölkerung ist aufgerufen, weitestgehend zu Hause zu bleiben, keinen Besuch zu empfangen und weder Verwandte noch Freunde zu besuchen (es sei denn, wenn man einen Angehörigen pflegen muss). 
Man darf natürlich weiterhin wichtige Arzt-Termine wahrnehmen, zur Arbeit gehen und natürlich auch Lebensmittel und andere unentbehrliche Dinge kaufen - mit Einschränkungen. Zu zweit darf man nicht mehr in Supermärkte und muss natürlich Abstand zu anderen Kunden halten. In kleinen Läden werde Kunden einzeln bedient, die anderen müssen vor dem Eingang warten.
Am Mittwochabend wurden die Einschränkungen noch einmal verschärft. Alle Geschäfte außer Lebensmittelläden, Supermärkte, Läden für Tierbedarf, Apotheken und Drogerien bleiben geschlossen. Ebenso Restaurants und Bars. Wir brauchen jetzt eine Art "Passierschein", wenn wir unterwegs sind:






Bei meinem nicht vermeidbaren Einkäufen gestern und heute habe ich überall disziplinierte Menschen gesehen, die sich an diese wichtigen Regeln halten. Trotzdem ist diese Situation natürlich beklemmend und erinnert an dystopische Zukunftsvisionen. Ja, ich komme mir vor wie in einem amerikanischen Katastrophen-Film. Es ist ungewohnt still in einer sonst lauten Stadt, und ab abends zeigt der Blick aus dem Fenster menschenleere Strassen.

Trotzdem finde ich diese Beschränkungen wichtig, um die Verbreitung des Virus in Grenzen zu halten. Es geht nicht in erster Linie und den Schutz der eigenen Person, sondern um den meiner Mitmenschen. Denn auch ich könnte längst infiziert sein und andere und vor allem schwächere und ältere Personen gefährden. 

In diesem Sinne: Bleibt zu Hause, meidet größere Menschenansammlungen und singt beim Händewaschen zweimal "Alle meine Entchen"!

Bleibt gesund! 

#iorestoacasa






Mittwoch, 4. März 2020

Es ist ein Brauch von alters her ... Liquore al bergamotto



"Es ist ein Brauch von alters her,
wer Sorgen hat, hat auch Likör."

(Wilhelm Busch, Die Fromme Helene)


Eigentlich sollte ich in dieser Woche in Griechenland sein. Zunächst für ein paar Tage in Sparta, anschließend in Delphi. Da mein Mann in den vergangenen Monaten gesundheitlich etwas angeschlagen war, wollte ich ihn auf seiner Dienstreise begleiten. Viel gesehen hätte ich ihn nicht, aber wir wären wenigstens für ein paar Stunden am Tag zusammen gewesen.
Nur dann kam alles anders; bewegte Zeiten eben!

Am Tag der Abfahrt saß ich also auf gepackten Koffern und wartete bis zum Abend. Mein Mann hatte an diesem Tag noch viel zu tun, so dass wir erst nach 20 Uhr aufbrechen konnten. Vorher mussten wir noch unsere mehr als nervöse Kringel einfangen, die sich an allen unzugänglichen Orten vor uns zu verstecken suchte. Es ist vor Reisen oder auch Tierarztbesuchen immer so, als könne sie Gedanken lesen. Allein die Vorstellung, wieder in ihre Tasche gepackt zu werden und ihr Lieblinsgsplätzchen verlassen zu müssen, lässt sie in Panik ausbrechen. Ihre vergeblichen Vorkehrungen, dem allen zu entfliehen, ihr lautes Klagen, wenn wir sie dann zu ihrer Catsitterin fahren, bricht mir jedes mal fast das Herz!
Aber schließlich konnten wir sei einfangen, der Wagen war gepackt und die Reise konnte beginnen...

Um er kurz zu machen: Wir kamen nach 600 Kilometern Richtung Süden um 4 Uhr morgens in Brindisi in Apulien an. Dort haben wir übernachtet, um am nächsten Morgen zum Hafen zu fahren, von wo wir aus die Fähre nach Igoumenitsa nehmen wollten. Das wäre dann aber am Folgetag noch nicht unser endgültiges Ziel gewesen.
Nach sieben Stunden auf einer Fähre wäre die Reise weitergangenen - einmal mehr bis spät in die Nacht hinein. Deswegen telefonierte mein Mann noch in Brindisi am Morgen mit dem Hotel in Sparta, um auf unsere späte Ankunft hinzuweisen. "Wir kommen aus Italien, wie Sie wissen, hoffentlich ist das kein Problem für Sie", fügt er noch zum Schluss hinzu. "Nein, glaube ich kaum", lautete die Antwort an der Rezeption.

Er sollte ein Problem werden. Wir hatten gerade die Tickets für die Autofähre gekauft und warteten, um auf die Fähre zu fahren. Dann der Anruf. "Es tut uns leid, sie verstehen - Coronavirus - wir können keine aus Italien kommenden Gäste aufnehmen..."
Peng! Seit zehn Tagen hatten sie unsere Reservierung vorliegen! Schriftlich! Mit der Büroadresse meines Mannes!
Wir fuhren also wieder 600 Kilometer zurück.  Darf ich sagen, dass ich trotz Übermüdung erleichtert war? Wenn auch nur einer auf der Fähre oder später im Hotel gehustet hätte, wären wir vielleicht in Quarantäne gekommen; für mich keine angenehme Vorstellung! Die Konferenz ein paar Tage später in Delphi wurde dann auch abgesagt.









Wohltuend nach all' der vergeblichen Reiserei wäre jetzt ein Likörchen gewesen! Obwohl, wie gesagt, Sorgen hatte ich in diesem Moment erst einmal nicht mehr. Mein gerade erst fertiggestellter   Liquore al bergamotto war zudem noch nicht genügend "gereift", um ihn schon kosten zu könnenDarüber hinaus verzichte ich bis Ostern wieder auf Alkohol (mit einer Ausnahme am bevorstehenden Geburtstag meines Mannes). Ein wenig geärgert hatte es mich allerdings, dass ich wegen der Reise den alkoholischen Ansatz vier Tage früher, als im Rezept angegeben, gefiltert und mit dem übrigen Zutaten vermischen musste. Ich wollte ihn nicht zu lange ziehen lassen. Aber auch mit zeitlich verkürztem Alkohol-Ansatz habe ich trotzdem einen höchst aromatischen Likör abfüllen können. Alles duftete einfach unwiderstehlich nach Bergamotten.

Ein Brauch von alters her ist es in Kalabrien, aus diesen Zitrusfrüchten Likör anzusetzen - so wie man es weiter nördlich in Kampanien, "wo die Zitronen blühen",  mit den Zitronen für den Limoncello macht.  90 Prozent aller Bergamotten werden in der süd-italienischen Region entlang der Küste angebaut. Der Name der Früchte soll auf eine Birnensorte zurückgehen, die ursprünglich in der Türkei angebaut wurde. In der Bezeichnung steckt noch das türkische Wort für diese Birnen: Bey armudu. Allerdings ist die Wortherkunft nicht ganz geklärt. Auch die Stadt Pergamon könnte hier Pate gestanden haben.
Hauptsächlich verwendet man heute die hocharomatischen Schalen der Früchte: süße Rezepte für Kuchen und Marmeladen gibt es ebenso wie herzhafte. Zudem schätzt man die ätherischen Öle in der Parfumproduktion.

Die aromatischen Öle der Schale parfümieren zudem eine der bekanntesten Teesmischungen, den Earl Grey, der zugleich Lieblingstee des legendären Captain Jean-Luc Picard ist.
Wie pflegte er immer zu sagen:





"Machen Sie es so!"




  • 5 Bergamotten, unbehandelt
  • 1/2 Liter Alkohol (96%)
  • 1/2 kg Zucker
  • 1 Vanillestange
  • 750 ml stilles Mineralwasser
  • Gaze zum Filtern



Die Bergamotten gründlich waschen und trockenreiben. Dünn die Schale mit dem Sparschäler abschälen, dabei darauf achten, nicht das Weiße mit abzuschälen.

Den Alkohol zusammen mit den Schalen und einer abgeschälten, mehrfach angestochenen  Bergamotte in ein hermetisch abschließbares Gefäß geben. (Die vier übrigen Bergamotten habe ich nach und nach mit Orangen für unseren morgendlichen Saft ausgepresst.)
Das Glas zwei Wochen an einem kühlen und dunklen Ort verwahren.






Nach dieser Zeit das Wasser mit dem Zucker und dem Mark der Vanilleschote einmal aufkochen lassen; der Zucker muss sich vollständig aufgelöst haben. Die Mischung erkalten lassen und dann durch ein mit Gaze ausgelegtes Sieb filtern.
Ebenso den alkoholischen Ansatz filtern. Zuckerwasser und Alkohol mischen und in Flaschen abfüllen. Den Likör an einem dunklen Ort zwei Monate ziehen lassen, dann eisgekühlt servieren.








Freitag, 7. Februar 2020

Berlingozzo - der orangengetränkte Olivenölkuchen aus der Toskana



Bunte Zuckerperlen lassen es vermuten: Der Berlingozzo ist ein Kuchen, den man ursprünglich für die Karnevalszeit zubereitete. Die Bezeichnung für dieses Gebäck geht wahrscheinlich auf einen im toskanischen Sprachgebrauch üblichen Namen für den Gründonnerstag zurück: Berlingaccio. Der Berlingaccio war aber auch eine Maske, die man im 15. Jahrhundert zum Karneval trug. Das Verb "berlingare" wiederum beschreibt das gesellige Zusammensein bei Tisch während eines üppigen Mahls, wie man es bei Hofe - bei den Medici in Florenz - zelebrierte. Angeblich wurde der Kuchen sogar als Antipasto serviert, so jedenfalls kann man es in einem Gedicht von Lorenzo il Magnifico nachlesen.







Heute muss man weder am medicäischen Hof leben, noch bis zum Karneval warten, um ein Stückchen von diesem fluffigen Kuchen zu genießen: Der Berlingozzo passt hervorragend zum typisch italienisch-frugalen Frühstück mit dem obligatorischen Caffè aus der Moka. Als Dolce krönt er, begleitet von einem Gläschen Vin Santo, aber auch ein rustikales toskanisches Menü. 
Dabei wird so ein einfacher Kuchen oft nicht mehr selbst gebacken, sondern in einem Forno (Bäckerei) gekauft. Für "feineres" Gebäck dagegen muss man in eine Pasticceria (Konditorei) gehen. Es ist in Italien durchaus üblich, bei einer Einladung zum Essen seinen Gästen ein in der Pasticceria gekauftes Dolce, oft eine Torte ist, zu servieren; zumindest ist das meine Erfahrung von vielen Einladungen her; das mag im ländlichen Bereich vielleicht anders zugehen. Mit großen Zinnober wird dann bei Tisch der hübsche Karton mit dem süßen Inhalt geöffnet, und die Signora erhält Komplimente für die Wahl ihrer edlen Konditorei, in der sie die Torte gekauft hat... Apropos hübscher Karton: Auch in einfachen Bäckereien werden Tortenstückchen oder Plätzchen oft aufwendig verpackt, und die Schleifchen um die Verpackung dürfen nicht fehlen.

Die Kranzform macht den Berlingozzo zu einer Ciambella - einem Kuchenkranz, wie er in der einfachen Cucina casalinga sehr beliebt ist. Nicht zwingend enthält jede Ciambella aber Olivenöl; meist wird heute auch in Italien mit Butter gebacken.

Das für viele Nicht-Italiener*innen Außergewöhnliche an diesem Kuchen ist aber sicherlich die Verwendung von Olivenöl. In der Toskana, in der ganze Landstriche von den Olivenbäumen geprägt sind, lag es in der Vergangenheit natürlich nahe, auch mit Öl von den Oliven der eigenen Bäumen zu backen, Butter hingegen überließ man der Küche des nördlichen Italiens. Natürlich ist die Qualität des Olivenöls bei einem solchen Gebäck von entscheidender Bedeutung. Keinesfalls sollte man ein zusammengepanschtes Industrieprodukt aus dem Supermarkt verwenden, auch wenn als Herkunft Italien, Spanien oder Griechenland angegeben ist. Man erwirbt ein Olivenöl am besten vor Ort - vielleicht während des Urlaubs -, oder begibt sich auf eine kleine Recherche-Reise durchs Internet. Ich bin natürlich in der glücklichen Lage, mir selbst ein Bild von den zahlreichen Ölmühlen auf dem Land machen zu können, wenn uns ein Tagesausflug ein paar Mal im Jahr nach Umbrien oder in die Toskana bringt. Dann verkosten wir schon einmal ein Olivenöl vor Ort. Hat es uns überzeugt, dann decken wir uns nach der Pressung im Herbst mit ein paar Flaschen ein.

Für meinen Berlingozzo habe ich ein Olivenöl aus Umbrien verwendet, das mir liebe Freunde geschenkt haben - hergestellt mit Oliven aus eigener Ernte. Umbrische Öle zeichnen sich meist durch ihren milden Geschmack aus. Ich verwende fast ausschließlich das Olivenöl dieser Region. Allerdings bringe ich mir immer wieder auch Olivenöle aus anderen Regionen mit und schätze durchaus die kräftigen Geschmacksnuancen süditalienischer Öle. Einen feinen Kuchen würden diese Öle aber allzu sehr dominieren; hier liegt man mit Ölen aus der Toskana, Umbrien oder auch Ligurien richtig.







Zutaten
(für eine Frankfurter-Kranz-Form)



  • 400 g Mehl (00), gesiebt
  • 1 P. Backpulver (16 g)
  • 2 Eier 
  • 2 Eigelb
  • 150 g Zucker
  • 2 unbehandelte Orangen (Abrieb)
  • 200 ml Vin Santo
  • 50 ml Arancino (italienischer Orangenlikör) 
  • 90 ml Olivenöl extra vergine
  • Butter für die Form


  • Saft von zwei Orangen
  • 20-30 g Zucker
  • 1 Sternanis


  • Hagelzucker
  • bunte Zuckerperlen 



Die Form mit der Butter ausfetten und den Backofen auf 160 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.
Die beiden ganzen Eier und die zwei Eigelbe zusammen mit dem Zucker zu einer schaumigen Masse aufschlagen. Dann in dünnem Strahl unter Rühren das Olivenöl dazugießen.
Den Abrieb der beiden Orangen sowie den Vin Santo und den Arancino dazugeben und weiterrühren. Esslöffelweise das mit dem Backpulver vermischte Mehl einarbeiten.
Den Teig in die Form geben und 45 Minuten im Ofen backen.
Herausnehmen und lauwarm abkühlen lassen.

Die Orangen auspressen, Saft durch ein Sieb geben und mit dem Zucker und dem Sternanis ca. 10 Minuten zu einem Sirup einkochen lassen.

Den lauwarmen Kuchen damit bestreichen, bis der Sirup aufgebraucht ist.
Hagelzucker und bunte Zuckerperlen über den Kuchen streuen.








Dienstag, 4. Februar 2020

Acht Gänge Pasta bei: Rat' mal wer zum Essen kommt

Rat' mal was im Topf ist!


WERBUNG -  unbezahlt und unbeauftragt

Für mich ist Giuseppe di Martino einer der "barockesten" Menschen, die ich kenne - und das im positivsten Sinne. Seine üppige Figur lässt auf unbändige Liebe zu gutem Essen schließen -  besonders zu Pasta, wie sich das für einen Pasta-Produzenten aus Kampanien gehört. Er schätzt zudem edle Tropfen, überschreitet Grenzen, in dem er nicht - folkloristischen Vorstellungen entsprechend -  italienische Rotweine zum Primo kombiniert, sondern französischen Champagner von kleinen, aber feinen Familienunternehmen. Aus Überzeugung, nicht aus Snobismus! Und dann hat er auch noch einen erlesenen Musikgeschmack!  Di Martino ist sowohl Schwärmer als auch Kenner. So weiß er etwa über die Feinheiten in der Interpretation einer Nocturne von Chopin durch Horowitz ebenso zu plaudern, wie dem Talent der allzu früh verstorbenen Amy Winehouse seinen Respekt zu zollen.


Kars van Wechem, Giuseppe di Martino, Peppe Guida 


Zu den umworbenen Gästen des Abends, bei dem es nur wenige geladene Gäste gab, gehörte somit auch die Intendantin von San Carlo. Schließlich wurde di Martino gerade zu einem der Sponsoren des traditionsreichen Opernhauses von Neapel.

Was es mit "Indovina chi viene a cena" (Rat' mal, wer zum Essen kommt) auf sich hat, hatte ich bereits in einem früheren Beitrag dazu beschrieben.  Jeweils zwei Köche - ein italienischer und ausländischer Koch - stellen ihre Interpretation von Pastagerichten mit den unzähligen Produkten des Pastificio dei Campi vor.
Natürlich hatte Peppe Guida, dessen Restaurant Antica Osteria Nonna Rosa mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet ist, wieder leichten Heimvorteil. Trotzdem heimste im Januar-Event der aus den Niederlanden stammende Kars van Wechem (Restaurant De Saffraan) viele ehrliche Komplimente für seine Kreationen ein. Nudeln koche er vor allem für seine Kinder, erzählte der sympathische van Wechem, da in der gehobenen Küche der Niederlande Gänge mit Pasta selten bis gar nicht auf der Speisekarte erscheinen.

Es gehört zu den unterhaltsamen Teilen dieser Abende, dass jeder der Gäste seine ganz persönlichen Geschichten rund um die Pasta erzählen darf: Was war das erste Pastagericht, an das man sich erinnern kann, wann hat man zum ersten Mal selbst Pasta gekocht, was ist das Lieblings-Pastagericht - da wusste jeder etwas beizutragen. Vorher wildfremde Menschen fanden sich in ähnlichen Erinnerungen wieder.








Noch eine letzte Qualitätskontrolle, dann kann es an die Gäste gehen


Auch in diesem Jahr startete der kulinarische Abend wieder mit einem Gericht des Gastkochs.
Im Folgenden stelle ich jeweils ein Pastagericht und den dazu gereichten Champagner vor. Trotz Notizen kann mir sicher das ein oder andere Element entgangen sein. Ich hoffe, die Bilder sprechen dann für sich.

Die abgebildeten Gerichte habe ich in einer Version ohne Fisch und Meeresfrüchte genießen dürfen.
Mein Dank dafür geht auch in diesem Jahr an die geschätzten Chefs, die sich sofort darauf eingestellt haben!




 Spaghetti | Eigelb | Jalapeño Scampi (van Wechem)








Gnocchi sardi | Lemongrass | Limette | Schweinebauch | Austernsauce | gerösteter Sesam | Veilchen (van Wechem)








Pasta spezzata (Bruchpasta) | Sardelle | Kohl | Miesmuschel | Pecorino (Peppe Guida)







Penne candele | Schweinerippchen | wilder Fenchel | blauer Kohl (Peppe Guida)








Spaghetti  |"aglio e olio" | Meeräsche | Limette (Peppe Guida)







Pappardelle "alla gricia" | Meeresfrüchte-Bisque | Mandeln | Bacon-Salz (Peppe Guida)







Bucatini "al amatriciana" di cozze (Miesmuscheln) (Peppe Guida)







Zu guter Letzt:  "La devozione"! Allein der Gedanke an diese einfache Pasta al pomodoro lässt Giuseppe di Martino auch bei stärksten Turbolenzen während seiner unzähligen Flüge rund um den Globus Hoffnung schöpfen, doch wieder sicher zu landen. La devozione - die fast schon religiöse Hingabe -  bildete auch in diesem Jahr wieder den Schluss- sowie Höhepunkt des Events. Ungewöhnlich üppig hier der Sugo: Die Spaghetti werden nur in der Hälfte der üblichen Zeit gekocht, die übrige Kochzeit vollendet die Pasta im Sugo selbst. (Peppe Guida)






La devozione - da lässt sich sogar der Sternekoch zu einer Scarpetta (wörtlich: Schühchen. Das Brot zu einem Schühchen formen und damit den Teller auswischen) hinreißen.











Mittwoch, 29. Januar 2020

Acht Jahre "zwischen süß und bitter" - der Jahresrückblick zum Bloggeburtstag




Es spricht für eine Länderküche wie diejenige Italiens, dass sie auch im achten Blogger-Jahr weiter mit regionalen Spezialitäten auftrumpfen kann, die ich zuvor noch nicht beschrieben hatte. Natürlich gab es nicht nur Italienisches im Blog, aber mit Gerichten wie Stracciatella alla Romana, Pastaspezialitäten wie Fregola oder den Friselle aus Apulien konnte ich wieder Produkte einzelner Regionen sowie die traditionelle Küche Italiens vorstellen.
Es ist eben faszinierend, dass sich in der Vielfalt von Regionen, historischen Traditionen und Lebensmitteln immer wieder neue spannenden Geschichten finden lassen.
Das macht mich auch nach dem achten "Geburtstag" immer noch neugierig!

Ein riesengroßes Dankeschön geht aber auch in diesem Jahr wieder an meine seit Jahren treuen Leser*innen!

Vielleicht habt Ihr jetzt Lust auf einen kleinen Rückblick, bei dem es wieder heißt:



Ein Monat - ein Blogpost



Im Februar gab es einen Klassiker, einen der meistgeliebten Kuchen in Italien: Torta della nonna. Diese üppige Torte hat ein zartes und weiches Herz, ganz so wie unsere Lieblingsomas. Nur hier besteht es aus Vanillecrème. 

Wenn der Frühling naht, steigt auch wieder die Lust auf leichte und gesunde Salate. So gab es im März einen Insalatone mit Quinoa und Ofenkürbis. Und der macht auch richtig satt!

Im vergangenen Jahr habe ich mich in Friselle verliebt! So gab es im April eine besonders üppige Version mit Avocado, Tomaten und Ei. Was man wohl in Apulien dazu sagen würde?

Ein leichtes Rezept dagegen gab es im schönen Monat Mai: Petto di pollo al marsala con scarola in padella bewies darüber hinaus, dass man Salat nicht nur als - nun ja -  Salat essen kann. 

Endlich hatte der Sommer im Juni seinen großen Auftritt. Ich feierte das nicht nur mit köstlicher Zitronentarte, sondern auch mit dem italienischen Aperitivo schlechthin! Vergesst also  Aperol Spritz und Konsorten! Zeigt, dass Ihr wahre Kenner der Szene und Genießer seid! Trinkt Negroni

Bleiben wir bei den Zitronen. Im Juli bereitete ich weltbeste Marmellata di limone al rosmarino zu. Die Zitronen stammten leider nicht aus eigenem Anbau, aber ich kann stolz verkünden, dass ich eigenhändig den Rosmarin auf der Terrasse angepflanzt und geerntet habe. Der kleine Strauch hält sich tapfer...

Eine der ungewöhnlichsten Pastasorten habe ich im August verarbeitet. Fregola stammt aus Sardinien und wird fast wie ein Risotto verarbeitet. Dabei lässt sich gut von den wunderbaren Stränden der Insel träumen...

Im September gab es einen kleinen Reisebericht aus Matera. Das in der Region Basilikata gelegene Städtchen gehört  mit seinen Höhlenwohnungen zu den ungewöhnlichsten Orten, die ich je in Italien besucht habe.

Manchmal muss man an etwas in Vergessenheit geratene Klassiker erinnern. Das tat ich mit einem Rezept für Stracciatella alla romana, der römischen Suppe schlechthin, im Oktober.

Graue Tage im November bekämpft man am besten mit süßem Seelenfutter. Bevor die Weihnachtsbäckerei startete, gab es eine unwiderstehliche Torta di mandorle.

Endlich Dezember, endlich wurden die kurzen Tage durch die Adventszeit erhellt. Wir machten es uns gemütlich, luden Freunde ein und ich zog mich öfters zum Plätzchenbacken in die Küche zurück. Dieses Mal gab es eine Frankfurter Spezialität, die mich an ferne Tage in der alten Heimal erinnerte: Bethmännchen.

Seit Beginn des neuen Jahres, seit Januar, gibt es einen kleinen Serviceteil im Blog. Schaut mal nach oben, ja, dort bei den Seiten! Ich habe euch unsere ganz persönlichen kulinarischen Tipps für Rom zusammengestellt. Vielleicht machen sie ja Lust auf eine Reise Richtung Süden.





Auch ihr hat es (meist) geschmeckt! 








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