So wie einige Parfüms für mich in Flakons eingeschlossene Erinnerungen bedeuten, so beschwört auch der Duft selbstgebackener Lebkuchen angenehme, vertraute, oft auch melancholisch stimmende Bilder in meinem Kopf herauf. Dafür muss ich nur die Plätzchendose öffnen, in der ich eines meiner liebsten Weihnachtsgebäcke aufbewahre, um jenes bekannte Proust'sche Moment nachvollziehen zu können, in welchem sich der Dichter beim Duft der in Tee getauchten Madelaines an seine Kindheit erinnert.
Wenn aus der Dose der intensive Duft nach Zimt, nach Nelken und Kardamon strömt, jenes so unwiderstehliche Zusammenspiel von Aromen, das es nur in der festlichsten Zeit des Jahres zu geben scheint, so tauchen Bilder vor meinen Augen auf, Szenen aus längst vergangenen Weihnachtstagen: Mein Zimmer im Elternhaus, von wo ich am Morgen des Heiligabends auf die verschneiten Bäume schaue, das Anzünden der Kerzen für den Nachmittagskaffee, heitere Stunden "zwischen den Jahren", jener Zeit so ganz außerhalb der Zeit, in der ich es mir mit ein paar Plätzchen bei der Wiederholung eines jener legendären Adventsvierteiler vor dem Fernsehen gemütlich mache und von Abenteuern träume oder mich mit meinen neuen Büchern in eine Ecke zurückziehe.
Aber auch jedes Jahr erinnert mich dieser Duft an die Vergänglichkeit - die Vergänglichkeit der für mich vielleicht allerschönsten Zeit des Jahres. Ich gehe sehr sparsam mit diesen Lebkuchen um - nicht, dass ich sie nicht gerne verschenkte -, nur mir selbst gönne ich selten von diesem Gebäck, denn im Aufbewahren auch nur eines einzelnen Lebkuchens und seines wundervollen Duftes noch bis in die Januartage hinein bewahre ich mir etwas von der Wärme und dem Glanz der Weihnachtszeit. Dann erst wird er wehmütig verspeist, die letzten Krümelchen davon aufgepickt, bevor er ganz trocken geworden ist, die Weihnachtskugeln wandern wieder in ihre Kisten, die abgebrannten Kerzen werden vom Adventskranz genommen, die Sterne zusammengesammelt und die Engelchen dürfen in ihrer Schachtel nun ein paar Monate lang ausruhen.
Zutaten (für ca. 24 Lebkuchen)
- 80 g weiche Butter
- 150 g Zucker
- 1 P. Vanillinzucker
- 1 Tl Kakaopulver (gehäuft)
- 1 Tl Zimt (gehäuft)
- 1 Msp. Nelkenpulver
- 2 Msp. gemahlener Piment
- 3 Msp. Kardamon
- 1 unbehandelte Zitrone
- 2 Eier
- 100 g Orangeat (gehackt)
- 100 g Rosinen (oder Sultaninen)
- 200 g Mandeln (gemahlen)
- 250 g Mehl (gesiebt)
- 1 P. Backpulver
- 125 ml Milch
- 200 g Zartbitter-Kuvertüre
- ganze Mandeln zum Verzieren
- Backoblaten (7 cm Ø)
Den Backofen auf 150 bis 160 Grad vorheizen (Ober- und Unterhitze).
Zucker mit Vanillinzucker, dem Kakao und den Gewürzen mischen.
Die weiche Butter mit diesem Zucker und den Eiern zu einer cremigen Masse rühren. Den Abrieb der Zitrone, das Orangeat, die Rosinen und die gemahlenen Mandeln unterziehen.
Abwechselnd das gesiebte Mehl mit dem Backpulver und der Milch in den Teig rühren.
Auf die Backoblaten kleine Häufchen von der Lebkuchenmasse setzen, auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech geben und dieses 30 Minuten in den vorgeheizten Ofen schieben (mittlere Schiene).
Kuvertüre im Wasserbad schmelzen und die abgekühlten Lebkuchen damit überziehen. Mit den ganzen Mandeln verzieren.
♥♥♥
Un abbraccio
Ariane




