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Freitag, 29. Juli 2022

Street Food für - fast - alle Tageszeiten: Lingue al pesto con zucchine marinate


Sagt selbst: Ein Stückchen Focaccia an einem lauen Sommerabend, ein Glas gut gekühlten Weißen, dazu noch ein paar Oliven - braucht man mehr? 
Eigentlich könnte ich aber Focaccia zu jeder Tageszeit essen; da bin ich wohl sehr "deutsch".  Zum Frühstück bleibt es in Italien bei Cornetto und Cappuccino oder Caffè - möglichst in der Bar des Viertels. Dazu muss man sich nicht einmal setzen. An der Theke erfährt man den neuesten Klatsch aus der Nachbarschaft. Da steht die Anwältin oder der Steuerberater neben der Marktfrau oder den Mitarbeitern der Stadtreinigung. 


Lingue nennen sich diese Focacciastücke. Hier ist die an eine Zunge erinnernde Form Namensgeber.


Um die Mittagszeit kommen dann wieder alle zusammen, um einen schnellen Snack zu sich zu nehmen. Dann mischen auch die Touristen mit. In Rom liebt man "Pizza a taglio", die mehr einer ligurischen Focaccia als einer Pizza ähnelt. Allerdings ist bei der "Pizza a taglio" der Teig kompakter und nicht so fluffig aufgegangen. Ich kann mich gut an das Gedränge im engen "Forno" am Campo de' fiori erinnern Da ging es Schlag auf Schlag, im Minutentakt kamen immer wieder große Bleche aus der Backstube. Flink und fast ungeduldig (der Blick der Verkäufer sagte alles!) wurde das blechgroße Backwerk nach den Wünschen der Kunden in mehr oder weniger große Stücke zerteilt. Zusammengeklappt und in Papier gewickelt wurden diese Stücke dann über die Theke gereicht - "Il prossimo!". Dazu bekam man den Scontrino in die Hand gedrückt, mit dem man sich wieder in eine neue Schlange vor der Kasse einreihen musste, während die Tomatensauce langsam aus dem Päckchen tröpfelte. Neben der klassischen Pizza rossa (nur mit Tomatensauce) oder Pizza bianca (ohne alles) gab es die Teigfladen mit Salsiccia, Kartoffeln, Artischocken, Schinken oder Zucchini. 
Und wie sieht es nun am Abend aus? Grissini? Mitnichten! Da liegt, wenn man Glück hat, noch warme in breite Streifen geschnittene Focaccia im Brotkörbchen. Allein das kann schon viel über die Qualität eines Restaurants aussagen. 






Zucchini! Da muss ich wohl nicht viel dazu sagen. Sie sind und bleiben Dauergast in meiner Küche, auch wenn die Qualität der in Deutschland angebotenen Sorten sehr durchwachsen ist. Aber wenn mir gar nichts einfällt, ich wenig Zeit oder auch Lust (ja, das gibt es!) habe, dann gibt es schnelle Pasta mit Zucchini. Wie übrigens heute auch bei Julia von German Abendbrot! Schaut mal bei ihr vorbei! 





Zutaten und Zubereitung
(für 4 Lingue)



Teig
  • 400 g Manitoba-Mehl + Mehl für die weitere Verarbeitung
  • 3 g Trockenhefe
  • 8 g Salz
  • 5 g Zucker
  • 280 ml Wasser
  • 15 ml Olivenöl extra vergine
  • ca. 1 El Pesto alla Genovese, möglichst selbstgemacht


Belag
  • 1 mittelgroßer Zucchino
  • 1 Knoblauchzehe
  • ein paar Basilikumblättchen
  • Salz
  • grobes Salz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
  • Olivenöl extra vergine
  • ca. 1-2 El Pesto alla Genovese, mit ganz wenig Wasser und etwas Olivenöl verdünnt


Für den Teig das Mehl mit der Trockenhefe, dem Zucker und dem Salz mischen. Unter Kneten mit der Küchenmaschine das Wasser (handwarm) und das Öl hinzugießen.
Den Teig gut durchkneten, die Schüssel abdecken und an einem warmen Ort eine Stunde gehenlassen.

Nach dieser Zeit den Teig auf einer bemehlten Fläche mit den Händen nochmals gut durchkneten, wieder in die Schüssel geben, abdecken und nochmals gehenlassen.

Den Teig wieder auf einem Brett durchkneten, dabei ein El Pesto unterkneten. Wieder abgedeckt mindestens zwei Stunden gehenlassen.

Den Teig in vier Stücke teilen, jedes Teil gut durchkneten und abgedeckt 10 Minuten ruhen lassen.
Nun jedes Teigstück zu einer länglichen Form ausziehen oder ausrollen und auf zwei mit Backpapier ausgelegte Bleche legen.
Abdecken und ca. 1,5 Stunden gehenlassen.

In der Zwischenzeit den Zucchino längs in feine Streifen hobeln. Die Zucchinistreifen in eine flache Schale legen, salzen und mit fein geschnittenem Knoblauch und ein paar zerrupften Basilikumblättern bedecken. Etwas Olivenöl angießen und ca. eine halbe Stunde in dieser Marinade lassen.

Den Backofen auf 200 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.

Die länglichen Fladen mit den marinierten Zucchini belegen und mit etwas grobem Salz bestreuen.
Die Bleche jeweils für 25 bis 30 Minuten in den Ofen schieben.

Schwarzen Pfeffer über die noch warmen Lingue  mahlen und mit dem Pesto beträufeln. 







Frei nach einem Rezept aus Sale&Pepe, Juni 2022


⚜⚜⚜


Noch mehr Rezepte für Focacce samt Geschichtchen dazu findet ihr hier:


Meine Lieblingspasta mit Zucchini









Donnerstag, 25. November 2021

Ein Snack für das Homeoffice: Rotolo di pane carasau


Mal schnell eine Auszeit nehmen, das trübe Novemberwetter und die Pandemie vergessen, von Italien und seinen Aromen träumen - wer will das nicht? Oft langt schon ein Gericht, mag es auch noch so bescheiden sein, und man begibt sich auf einen kulinarischen Kurztrip in sein Lieblingsland. Natürlich ist das bei mir Italien, das Land, das so viele Jahre lang mein Zuhause war! Mit dem Kochen hole ich mir vertraute Momente zurück. Oft höre ich dabei - dem Internet sei Dank - meinen Lieblingsradiosender. Und vermeide gerade in dieser Jahreszeit, aus dem Fenster zu schauen!

Pane Carasau bringt uns nach Sardinien. Was es mit dieser Brotspezialität auf sich hat und warum sie auch als Carta di musica bezeichnet wird, hatte ich an anderer Stelle ausführlich beschrieben (Link am Ende). Was für das übrige Italien die Grissini im Brotkörbchen, das ist für Sardinien Pane Carasau. Es lässt sich herrlich beim Warten aufs Essen knabbern, ohne dass man schon satt ist, bevor das Antipasto serviert wird. Gehaltvoller allerdings ist diese üppig gefüllte Rolle, wobei sich auch hier die Kohlehydrate nicht in den Vordergrund spielen. Das Aufrollen ist eine etwas fitzelige Angelegenheit, und ich war schon nahe dran, aufzugeben. Dann packte mich der Ehrgeiz, ich rollte, was - im wahrsten Sinne des Wortes - das Zeug hielt und hob dann das etwas zerfledderte Ergebnis auf das Backblech. Nie hätte ich zu diesem Zeitpunkt gedacht, dass ich das jemals präsentieren kann - schon gar nicht auf dem Blog. Also, falls ihr Lust bekommt, euch nach diesen ehrlichen Worten doch noch an den Rotolo zu wagen, gebt nicht auf! Es geht - irgendwie! Mein Mann, der wieder häufiger im Homeoffice sitzt, war jedenfalls ganz begeistert von diesem Snack. Die inneren Werte zählen halt auch hier!




Zutaten und Zubereitung


  • 4 ganze Blätter Pane Carasau (ersatzweise 16 Viertel)
  • 4 El mittelscharfer Senf
  • 2 Tl Honig
  • je 2 rote und gelbe Paprika
  • 400 g Scamorza affumicata (geräucherte Scamorza)
  • 400 g gekochter Schinken, z.B. Prager Schinken
  • 1 Bund Rughetta
  • Olivenöl extra vergine
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer






Die Paprikaschoten putzen und in Viertel schneiden. Unter dem Backofengrill so lange grillen, bis die Schoten schwarze Blasen werfen. Aus dem Ofen nehmen und mit einem feuchten Küchenhandtuch bedecken. Wenn die Schoten vollständig erkaltet sind, häuten, leicht salzen und pfeffern und mit Olivenöl beträufeln.

Den Senf mit dem Honig verrühren. die Rughetta waschen und vorsichtig trockenschleudern, die Scamorza in möglichst dünne Scheiben schneiden.

Ein Blatt Pane Carasau einweichen, bis es so geschmeidig ist, dass es sich zwar bearbeiten lässt, aber nicht auseinanderfällt. Ich hatte leider nur Viertel, die ich überlappend zusammensetzen musste, um die Basis zu bilden. Auf diese eine zweite Lage eingeweichtes Brot legen.





Die oberste Lage mit etwas von dem Senf-Honig-Gemisch bestreichen und mit Käse, Paprikaschoten, Rughetta und Schinken belegen. Eine weitere Lage eingeweichtes Carasau auflegen, darauf wieder den Senf, Käse und die übrigen Zutaten verteilen. Nun folgt die letzte Lage Carasau, die nun abschließend wieder mit Senf bestrichen und mit den restlichen Zutaten belegt wird. 

Nun das ganze zu einer Rolle aufwickeln. An einigen Stellen wird nun die Füllung durch das zarte Brot brechen. Vorsichtig zusammendrücken und eventuell die Lücken mit zusätzlichen eingeweichten Fetzchen von Pane Carasau verschließen.  

Die Rolle auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen und mit etwas Olivenöl bestreichen.
Im vorgeheizten Backofen (180 Grad Ober- und Unterhitze) 10-15 Minuten backen, bis die Oberfläche leicht Farbe annimmt.

Die Rolle aus dem Ofen nehmen und etwas auskühlen lassen. Dann in nicht zu dünne Scheiben schneiden und mit etwas Rughetta servieren.


Rezeptquelle: Frei nach Sale&Pepe, Juli 2021


Weiteres Rezept und Ausführungen zu Pane Carasau: Pane carasau con pomodorini





Dienstag, 11. August 2020

So fängt der Tag gut an: Roggenmischbrot mit Brotgewürzen




Im Archäologischen Nationalmuseum von Neapel kann der Besucher ein ganz besonderes Brot bestaunen. Im Jahr 79 n. Chr. formte in Pompeji ein Bäcker Teig zu einem panis quadratus, der damals üblichen Form für Brote, versah es mit einem sternförmigen Muster und schob es in den Ofen. Nur verhinderte eine schreckliche Katastrophe, dass dieses Brot je den Weg auf einen Tisch fand. Glühende Lavamassen haben es zu einem Stück Kohle werden lassen, aber auch für die Nachwelt konserviert, während von anderen Broten nur noch ein Häufchen Asche übrigblieb.

Brot war beliebtes Grundnahrungsmittel in der Antike. In Pompeji gab es Brote in allen Qualitätsstufen. Allein 30 Bäckereien konnten Archäologen entlang der Vial dell'Abbondanza, der "Straße des Überflusses" zählen. Das pompejanische Brot muss weithin begehrt gewesen sein, wenn man einem Ausspruch glauben schenken darf:

Viator Pompeis panem gustas, Nuceriae bibes
(Reisender, iss das Brot von Pompeji, aber trinke den Wein aus Nocera)







Brot war und ist auch noch heute Grundnahrungsmittel mit hohem symbolischen Wert. In fast allen Kulturen ist es Hauptbestandteil der Ernährung. "Unser täglich Brot gib uns heute", heißt es im bekanntesten Gebet des Christentums. Für meine Oma war es regelrecht Sünde, auch nur das kleinste Stückchen Brot wegzuwerfen; eine Haltung, die auch bei mir Spuren hinterlassen hat. Natürlich muss auch ich manchmal nicht mehr ganz frische Lebensmittel entsorgen; bei Brot fällt mir das aber besonders schwer. Oma rieb aus trockenem Brot Semmelbrösel, für mich hält die italienische Küche Panzanella für die Resteverwertung bereit.

Während man in Italien Brot zu den Mahlzeiten isst, bleibt es in Deutschland die Basis für Frühstück und - man beachte die Bezeichnung - Abendbrot. Brot muss möglichst mehrere Tage lang genießbar sein, während in Italien das Brot tagesfrisch in Körbchen kommt. Schon am nächsten Morgen ist es meist trocken. Im deutschen Brot sorgt dagegen Sauerteig für die gute Haltbarkeit. 

Ich habe immer wieder Anläufe genommen, selbst Brot zu backen. Mit dem Ergebnis war ich meist nie zufrieden. Gerade in den vergangenen Monaten habe ich mit Rezepten und Teigen experimentiert. Wohl nicht nur ich; Mehl und Hefe waren auch in Italien während des Lockdowns knapp geworden. 

Ich muss gestehen, dass ich fertigen Sauerteig verwende, den ich aus Deutschland im vergangenen Jahr mitgebracht hatte. Die Vorräte gehen nun zu Ende, aber mittlerweile gibt es im Bio-Markt neben Lievito Madre auch Sauerteig aus Roggenmehl - Estratto di pasta acida - in Pulverform zu kaufen. 
So können wir weiterhin mit gutem Brot und einem starken Kaffee dazu in den Tag starten! 







Zutaten und Zubereitung



  • 250 g Mehl 0 (Typ 550) + Mehl für die Verarbeitung
  • 250 g Roggenmehl 
  • 10 g Hefe
  • 75 ml Sauerteig (Fertigprodukt bei mir)
  • ca. 1 El Zuckerrohr-Melasse (ersatzweise Honig)
  • 10 g Salz
  • je einen halben Teelöffel Kümmel, Koriandersamen und Fenchelsamen
  • etwas Speiseöl

Am Vortag 100 g Mehl mit einem Drittel der Hefe und 100 ml Wasser zu einem Vorteig verrühren, Schüssel mit Folie abdecken und für 24 Stunden in den Kühlschrank stellen.

Am nächsten Tag 150 g Mehl mit dem Roggenmehl und dem Salz mischen. Die Gewürze im Mörser zerkleinern und zum Mehl geben. Eine Mulde in das Mehl drücken und den Vorteig, die restliche Hefe, den Sauerteig und die Melasse hineingeben. 

Mit Knethaken oder mit der Küchenmaschine unter Zugabe von ca. 180 ml lauwarmen Wassers alles zu einem Teig verkneten (ca. 8 Minuten lang). 

Eine Schüssel leicht einölen, den Teig hineingeben und zugedeckt an einem warmen Ort eine Stunde gehenlassen.

Mit einer Teigkarte den Teig mehrmals von den Seiten her zur Mitte hin einschlagen. 
Erneut abdecken und eine weitere Stunde gehenlassen.

Den Teig aus der Schüssel heben und auf die bemehlte Arbeitsfläche legen. Nun den Teig mit der Hand etwas plattdrücken und die Ränder zur Mitte hin einschlagen. Dabei den Teig immer etwas drehen und weiter einschlagen. So entsteht Spannung im Teig und der Laib wird gleichmäßig rund.

Nun den Laib herumdrehen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen. Dabei noch etwas rundrollen.
Mit einem angefeuchteten Küchentuch abdecken und eine weitere Stunde gehenlassen.

Den Backofen auf 250 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.
Eine mit Wasser gefüllte ofenfeste Form auf den Boden des Backofens stellen.

Das Backblech mit dem Brot in den vorgeheizten Ofen schieben, nach 15 Minuten die Temperatur auf 220 Grad herunterschalten und das Brot weiter 25 bis 30 Minuten backen. Bei der sogenannten Klopfprobe auf der Unterseite des Laib sollte es es "hohl" klingen. Sonst noch ein paar Minuten nachbacken.
Danach das Brot auf einem Rost abkühlen lassen. 






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Rezept frei nach: BROT BACKEN, Gräfe und Unzer Verlag, München 2020










Donnerstag, 18. Juni 2020

Außen knusprig, innen fluffig: Mohnbrötchen




Unbezahlte und unbeauftragte Werbung da Buchhinweis

Bei jedem Brötchenrezept, das ich bislang nachgebacken habe, schwankte ich immer zwischen: "Es ist noch nicht perfekt, aber das backe ich wieder" und "das ist es jetzt!"
Richtig "angekommen" war ich nie. Das galt auf für Brote. Nun habe ich schon an mehreren Stellen im Blog über die Geschichte mit dem Brot hier in Italien geschrieben; wer Lust hat kann das hier und hier oder auch hier nachlesen. Mir fällt gerade auf, wie oft ich mich wiederhole...
In den vergangenen Monaten hatte ich mich ja auf Hefeteige gestürzt, die für mich so etwas "Tröstliches" an sich hatten. Oft wurde Brot gebacken, dazwischen immer mal wieder Brötchen; ein neues Backbuch* war nicht ganz unschuldig daran.






Jahrelang kam ich mit einer Mehlsorte aus: Tipo 00, was dem deutschen Typ 405 ungefähr entspricht. Damit wurden Kuchen, Weihnachtsplätzchen und allerlei anderes, meist süßes Gebäck hergestellt. Übrigens auch Pasta, denn in Italien nimmt man diese Mehlsorte für frische Eierpasta - Pasta all'uovo.
Da man gerne noch etwas gemahlenen Hartweizengrieß beimischt, zog dieser - Semola di grano duro rimacinata - als weiteres "Mehl" ein. Irgendwann begann ich mit Pizzateigen zu experimentieren; Mehl des Tipo 0, was dem deutschen Typ 550 nahe kommt, musste her. Brot - richtig herzhaftes Roggenbrot - stand dann als nächstes auf dem Programm. Ihr ahnt es schon: Herzlich willkommen, liebes Roggenmehl! Flüssigen Sauerteig hatte ich noch bei den aus Deutschland mitgebrachten Einkäufen (bisher traute ich mich noch nicht, ihn selbst anzusetzen und ihn vor allem zu pflegen und hegen). Mittlerweile gibt es ihn hier im Bio-Supermarkt neben Lievito Madre, dem italienischen Pendant, in Pulverform zu kaufen: Pasta Acida. Eine kleinen Vorrat an Trockenhefe (mittlerweile gibt es auch wieder frische Hefe zu kaufen) habe ich glücklicherweise immer vorrätig.






Und noch eine weitere Mehlsorte ergänzt seit Kurzem meine Mehlbestände: Mehl Typ 1050. Dieses ist in Italien unter der Bezeichnung Tipo 2 erhältlich. Dazu habe ich noch einen Vorrat an Zuckerrohrsirup für herzhafte Brote, Malzpulver und Gewürze angelegt. Mein Brotgewürz mische ich selbst. Koriandersamen, Kümmelsamen und Fenchelsamen werden dafür im Mörser zerstoßen, bevor diese Gewürzmischung zum Teig kommt.

Meine Küche ist zur Backstube geworden!

Sonntags backe ich nun meist ein kräftiges Roggenbrot, das uns die ganze Woche reicht. Zwischendurch immer mal Brötchen oder Baguette für das üppigere Sonntagsfrühstück. 
Diese Mohnbrötchen, deren Rezept ich hier vorstelle, lösen bei mir zum ersten Mal wirklich das Gefühl aus, angekommen zu sein in der bunten Welt der Brötchensorten. Sie sind knusprig und haben gleichzeitig eine schöne Krume. Da kann man das kommende Sonntagsfrühstück kaum erwarten. 






Zutaten
(für ca. 12 Brötchen)




  • 1 Würfel frische Hefe (42 g)
  • 2 El flüssiger Honig 
  • 380 g Mehl, Typ 1050
  • 350 g Mehl Typ 550
  • 1½ Tl Salz
  • 1 El neutrales Pflanzenöl
  • 2-3 El Mohnsamen
  • 1 kleiner Pumpzerstäuber
  • 20 g Salz
  • Backpapier
  • ofenfeste Schale


In 400 ml lauwarmem Wasser die Hefe, den Honig und das Salz auflösen und 10 Minuten gehenlassen.
Die Mehlsorten mischen, das Hefewasser und das Öl hinzugeben und mit der Küchenmaschine sechs Minuten lang kneten. 

An einem warmen Ort zugedeckt  30 Minuten gehenlassen. (Ich habe dafür den Ofen etwas angeheizt [50℃]) und dann wieder ausgeschaltet. Die Restwärme kann man für alle folgenden Gehzeiten nutzen.)

Mit den Händen kurz durchkneten, eventuell etwas Mehl auf die Hände geben, und den Teig nochmals 30 Minuten gehenlassen.

Den Teig wieder kneten und dann zu einer Rolle formen. Zugedeckt 10 Minuten gehenlassen.

100 ml Wasser mit 20 g Salz in der kleinen Sprühflasche gut mischen.

Teigrolle in 12 Stücke schneiden. Jedes Stück mit den Händen etwas flachdrücken und die äußeren Ränder nach innen schlagen (Rundschleifen). Herumdrehen und mit der Hand weiter bearbeiten, bis ein rundes Brötchen entsteht. 

Die Brötchen auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen. Mit Salzwasser besprühen, mit einem Messer kreuzweise einritzen und mit Mohnsamen bestreuen.
Weitere 20 Minuten gehenlassen.

Den Backofen auf 250 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen, dabei eine mit Wasser gefüllte ofenfeste Schale auf den Boden des Backofens stellen.

Das Blech mit den Brötchen in den Ofen schieben. Nach zehn Minuten den Ofen auf 200 Grad herunterschalten und die Brötchen weitere zehn Minuten backen.
Dann das Blech aus den Ofen nehmen, die Brötchen erneut mit dem Salzwasser besprühen, das Blech um 180 Grad drehen und wieder in den Ofen schieben. Nochmals 8 bis 10 Minuten backen.

Die fertigen Brötchen auf einem Rost auskühlen lassen.

Tipp: Eingefrorene Brötchen am Vortag aus dem Freezer nehmen und am folgenden Tag bei 120 Grad ca. 5 Minuten aufbacken.






*Quelle: Brot backen. Das Goldende von GU, Gräfe und Unzer Verlag, München, 2020






Sonntag, 17. Mai 2020

Orientalische Brotzeit: Fladenbrot mit Za'atar, Baba Ghanoush und Kichererbsensalat







Mit der jüngst erwachten Hefeteigliebe geht es dieses Mal in die Ferne. Da ich schon die Mezedes in Griechenland so unwiderstehlich finde, wollte ich eine kleine orientalische Brotzeit für das Abendessen zubereiten, die uns kulinarisch in noch fernere Länder bringen sollte. Zu einer ordentlichen Vorspeise gehören natürlich Fladenbrote, wie man sie in Nordafrika und in anderen arabischen Ländern kennt. Mit ihnen kann man genüsslich all die wunderbar cremigen Dipps wie etwa Hummus bi Tahina aufnehmen und dann den Teller damit auswischen. Vorgegarte Kichererbsen im Glas habe ich übrigens immer vorrätig, so dass ich den beliebten Dipp in kürzester Zeit zubereitet habe. Dieses Mal aber gab es die Kichererbsen wieder im Salat.







In meinem römischen Gewürzeparadies habe ich jüngst Za'atar entdeckt, eine Gewürzmischung, über die ich in meinen Büchern über die türkische, libanesische und überhaupt die Küche des Nahen Ostens immer wieder stolpere. Die Grundmischung besteht aus wildem Thymian, Sumach, Sesamsamen und Salz. Je nach Region können sich aber auch noch andere Gewürze wie Koriander, Anis oder Fenchelsamen einschleichen. In einem Kochbuch von Yotam Ottolenghi las ich zum ersten Mal über Za'atar, hatte dann aber vergeblich nach dieser Gewürzmischung gesucht. Er streut es unter anderem über sein wunderbares Auberginengericht mit Buttermilchsauce und Granatapfelkernen. Wenn ich dieses  Gericht mal wieder zubereiten werde, dann natürlich so, wie von Ottolenghi ausgedacht! Mit all diesen wunderbaren Aromen, die es erst perfekt machen. Nur - es fehlt seit Wochen mal wieder die Buttermilch! Jahrelang war sie in Rom kaum aufzutreiben, dann gab es Latticello, wie sie hier heißt, ungefähr drei Jahre lang regelmäßig in meinem Bio-Supermarkt zu kaufen - und jetzt? Nichts! Die übliche Geschichte halt! Naja, dafür habe ich ja jetzt Za'atar!






Bleiben wir beim Fladenbrot. Das brauchte natürlich würdige Begleitung, und so wagte ich mich an einen türkischen Vorspeise-Klassiker: Baba Ghanoush. Ich kenne diesen Dipp auch aus Griechenland, was einmal mehr beweist, wie sehr die griechische Küche durch die türkische beeinflusst wurde und wird. "Wer hat's erfunden?" müssen wir hier nicht fragen. Griechenland stand rund vierhundert Jahre lang unter türkischer Herrschaft, und das hat bis heute Spuren in den typischen Gerichten des Landes  hinterlassen.

Aus meinem immer vorrätigen Kichererbsen war schnell ein Salat zusammengebastelt, ein paar Oliven ergänzten das frugale und dennoch so aromatische Mahl - und es hat uns wirklich an nichts gefehlt.






Zutaten



Fladenbrote
(ergibt 4 Brote)


  • ca. 550 g Mehl, Typ 0 oder Typ 550
  • 1 P. Trockenhefe
  • 1 Tl Backmalz
  • 1 gehäufter Teelöffel Zucker
  • 1 Tl Salz
  • 2 El Olivenöl extra vergine
  • 300 ml lauwarmes Wasser


  • 1-2 El Za'atar
  • 2-3 El Olivenöl extra vergine



Trockenhefe, Backmalz, Zucker und Wasser in einer kleinen Schüssel verrühren und 10 Minuten stehenlassen.
Mehl mit dem Salz in eine Schüssel geben, das Hefewasser und das Olivenöl dazugiessen und zu einem geschmeidigen Teig verarbeiten.
Den Teig zugedeckt an einem warmen Ort eine Stunde gehenlassen.

Den Teig noch einmal kurz durchkneten und dann in vier Teile schneiden. Aus jedem Teil eine Kugel formen und diese dann mit den Händen platt drücken.
Die vier Fladen auf ein mit Backpapier ausgelegte Blech legen, mit den Fingern ein paar Vertiefungen in die Oberfläche drücken und zugedeckt nochmals eine halbe Stunde gehenlassen.

Den Backofen auf 180 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.
Das Olivenöl mit dem Za'atar vermischen und auf den Oberflächen der Brote verteilen.
Die Brote für ca. 25 Minuten im Ofen backen.







Baba Ghanoush


  • 2 Auberginen
  • 1 rote Paprikaschote
  • 1-2 Knoblauchzehen
  • 2 El Tahin
  • etwas Zitronensaft
  • Salz,
  • frisch gemahlener Pfeffer
  • Cayenne-Pfeffer
  • gemahlener Kreuzkümmel


Die Auberginen waschen und trockentupfen. Mehrmals mit einem scharfen Messer einstechen
Auf ein mit Alufolie ausgelegtes Backblech legen und unter dem Backofengrill eine Stunde lang unter gelegentlichem Wenden grillen. Die Auberginen sollten nicht verbrennen, aber runzelig zusammenfallen.

Die Auberginen vollständig erkalten lassen, dann das Fleisch von den Schalen kratzen.
Die Paprikaschote vierteln und ebenfalls grillen, bis sie Blasen wirft. Danach mit feuchtem Küchenhandtuch bedecken, dann die Haut abschälen.

Auberginenfleisch, gehäutete Paprikaschoten, Knoblauchzehen und Tahin mit dem Pürierstab zu einem leicht stückigen Mus verarbeiten. Mit Salz, Zitronensaft und Gewürzen abschmecken.








Sonntag, 26. Januar 2020

Don't call them Pizzabrötchen: Panini con pomodori secchi e cipollotti



Brot und Brötchen zu backen kann eine richtige Leidenschaft werden - ganz so wie die Herstellung von hausgemachter Pasta. Zur Zeit habe ich immer etwas frische Hefe im Kühlschrank, dazu noch aus Deutschland mitgebrachten fertigen Sauerteig. Letzteren gibt es in Italien nicht zu kaufen. Viele setzen Sauerteig ja selbst an, nur fürchte ich, damit zur Sklavin dieses Teiges zu werden. Er will gehegt und gepflegt werden und bestimmt, wann das nächste Brot gebacken wird.
Gutes Brot - wenn man mich fragen würde, welches Lebensmittel ich am meisten in Italien vermisste, so lautete die Antwort sicherlich: Kräftiges Roggenbrot. Ein Brot, das nicht am Folgetag in seinem Härtegrad den Steinen auf dem Forum Romanum ähnelt.

Damit man mich nicht falsch versteht: es gibt wunderbare regionale Brotsorten in Italien. Persönlich liebe ich frisches Pane di Lariano aus den Albaner Bergen. Dieses herzhafte Brot mit der kräftigen, malzig schmeckenden Kruste bildet die perfekte Basis für Bruschette aller Art. Nur schon am nächsten Tag schwindet die Fluffigkeit im Innern und das Brot wird trocken und geschmacksneutral.





Vergangene Woche habe ich mich wieder einmal an Roggenbrot versucht. Noch immer bin ich weit entfernt von so etwas wie Perfektion (die ich auch nie erreichen werde), aber immerhin war es essbar. Da ich noch Hefe übrig hatte, begab ich mich in meiner Literatur auf die Suche nach pikanten Brötchen.
Die Kombination von getrockneten Tomaten und Frühlingszwiebeln ist für mich perfekt; da fehlen nicht einmal mehr Kräuter, um daraus wahre Geschmacksbömbchen zu fabrizieren. Die deutsche Vorstellung von Pizzabrötchen, von denen man unzählige - deutsche (!) - Rezepte im Internet finden kann, kennt man in Italien so nicht. Panini di pizza - diese Bezeichnung verweist hier allenfalls auf den Teig, der eben derselbe ist wie der für eine Pizza. Die Panini gleichen dann aber nicht den mit Tomaten, Käse, Schinken, Kräutern und anderen Zutaten vollgepackten "Partybrötchen".






Zutaten
(für ca. 20 Brötchen)


Poolish (Vorteig)

  • 100 g Manitoba-Mehl, Typ 0, oder "normales" Mehl, Typ 0, vergleichbar Typ 550 (Deutschland)
  • 50 ml Wasser
  • 2 g frische Hefe


Aus den Zutaten einen Teig kneten und diesen zugedeckt an einem warmen Ort 4 Stunden gehenlassen.






Teig

  • 350 g Mehl (siehe oben) + Mehl für die Verarbeitung
  • 150 g gemahlener Hartweizengrieß (Semola di grano duro rimacinata) + etwas Grieß zum Bestreuen
  • 8 g frische Hefe
  • 250 ml handwarmes Wasser
  • 20 g Olivenöl extra vergine
  • 10 g Honig
  • 12 g Salz
  • 100 g halbgetrocknete Tomaten (getrocknete Tomaten vorher einweichen)
  • 100 g Frühlingszwiebel



Tomaten in ein Sieb geben und abbrausen, Frühlingszwiebel putzen und in Ringe schneiden. Die Tomaten fein würfeln.

Mehl und Hartweizengrieß in einer Schüssel mischen. Salz hinzufügen.
Die Hefe im Wasser auflösen und den Honig und das Olivenöl dazugeben; diese Mischung dann zusammen mit dem Vorteig in der Küchenmaschine mehrere Minuten lang zu einem glatten Teig verkneten.
Den Teig auf die bemehlte Arbeitsfläche geben und die Tomatenstücke sowie die Frühlingszwiebeln einarbeiten. Eventuell noch etwas Mehl unterkneten.
Den Teig in eine bemehlte Schüssel legen und abgedeckt 2 Stunden lang an einem warmen Ort gehenlassen.

Den Teig nochmal kurz durchkneten und zu Rollen formen. Teigstücke von ca. 50 g abschneiden, zu Brötchen formen und auf mit Backpapier ausgelegte Backbleche legen.
Mit etwas Grieß bestreuen und abgedeckt an einem warmen Ort eine weitere Stunde gehenlassen.

Den Backofen auf 200 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.
Brötchen mit etwas Wasser bespritzen und das Blech in den Ofen schieben.
Nach 10 Minuten die Temperatur auf 180 Grad reduzieren und weitere 20-25 Minuten backen.



Rezeptquelle: Le ricette di Eataly - Pane, Pizze, Focacce,
RCS MediaGroup, Corriere della Sera, Milano 2015








Samstag, 6. April 2019

Avocado-Toast auf Italienisch: Friselle con avocado, pomodorini e uova

 


Sie sehen aus wie übergroße Taralli: Friselle, die besondere Brotsorte aus der süd-italienischen Region Apulien. Die harten Kringel erinnern mich darüber hinaus auch an eine Spezialität von der griechischen Insel Kreta. Wie bei den Dakos werden die Friselle zunächst kurz in etwas Wasser eingeweicht und dann mit allerlei Gemüse, hauptsächlich Tomaten, belegt.
Während die Taralli gerne als Knabberzeug zum Aperitivo gereicht werden und sich das eine oder andere Ringelchen auch mal in den Brotkorb verirrt, hatte das zweimal gebackene (die aus Brotteig gebackenen Kringel werden durchgeschnitten, dann werden die beiden Hälften noch einmal in den Ofen geschoben) und harte Brot aus Hartweizengrieß einst eine existentielle Bedeutung für die Menschen aus Apulien, wurde es doch als Reserve für jene Zeiten gehortet, in denen das Mehl wegen schlechter Ernte knapp war. Zudem führten auch die Fischer Vorräte an Friselle auf ihren Booten mit. In etwas Meerwasser eingeweicht ergaben sie eine einfache und sättigende Mahlzeit.







Mehr als sättigend waren auch diese mit Avocado und Ei gekrönten Friselle, die wir uns nach dem Samstagseinkauf zur Stärkung gönnten. Die Idee mit den in den Avocado-Hälften gestockten Eiern habe ich auf Instagram (@cottoaldente) entdeckt und dann mein Rezept darauf aufgebaut.  Einweichen oder nicht - entgegen der Tradition verzichtete ich dieses Mal darauf, knabbere ich doch ganz gerne an harten Brotsorten wie Knäckebrot und Co. herum. Das Risiko, so manches weggesprengte Brotstückchen in der Zimmerecke zu finden, sollte man dann aber schon in Kauf nehmen...





Zutaten
(für zwei Personen)


  • 2 Friselle
  • 1 Avocado
  • 3 Strauchtomaten
  • 1 El Salzkapern, gut abgespült
  • Saft einer halben Zitrone
  • 2 Bio-Eier (klein)
  • 1 handvoll Rughetta (Rauke/Rucola)
  • 1 El Olivenöl extra vergine + etwas für die Pfanne
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer
  • Salzflocken



Die Tomaten in kleine Würfel schneiden und mit den Kapern in eine Schüssel geben. Mit Olivenöl, der Hälfte des Zitronensaft, Salz und Pfeffer anmachen.

Die Avocado in zwei Hälften schneiden, Schale und Kern entfernen. Die Kernmulde noch etwas weiter aushöhlen (Fleisch aufheben!) und einen kleinen Teil von der Unterseite wegschneiden, damit die Avocado-Hälfte in der Pfanne Stand hat. Das weggeschnittene Avocado-Fleisch mit dem restlichen Zitronensaft und etwas Salz zu Püree verarbeiten.

Die Friselle (kurz eingeweicht, wer mag) mit dem Avocado-Püree bestreichen und ein paar Rauke-blätter daraufgeben. Die Tomatenstücke darüber verteilen.

In einer beschichteten Pfanne in wenig Olivenöl die Avocado-Hälften zunächst auf der Schnittfläche mit der Aushöhlung ca. eine Minute anbraten, dann umdrehen und jeweils ein Ei in die erweiterte Kuhle gleiten lassen. Einen Deckel aufsetzen und die Eier ca. 7 Minuten stocken lassen (die Oberfläche muss weißlich werden).

Die Avocado-Hälften auf die vorbereiteten Friselle legen. Ein paar Salzflocken über die Eier geben.





Montag, 18. Juni 2018

Weg mit den alten Zöpfen - es gibt Mohnkringel (Mohnbrötchen)!



Das wichtigeste Frühstück der Woche bleibt für uns nach wie vor das Sonntagsfrühstück; ich glaube, das gilt nicht nur für uns. Dafür habe ich wieder einmal ein Brötchen-Rezept ausprobiert, und es scheint, als habe ich nun mein Lieblingsrezept endlich gefunden, denn das Ergebnis hat mich überzeugt.




Die Mohnkringel sind genauso geworden, wie ich mir Sonntagsbrötchen vorstelle: Außen knusprig, innen fluffig. Da ich zu - *räusper* - faul war, Zöpfe zu flechten, wurden die Teigstücke kurzerhand zu Rollen geformt und zu Schnecken aufgerollt.
Übrigens friere ich Brötchen immer portionsweise ein. Dann müssen sie nur kurz im Ofen aufgebacken werden, während man das Frühstück vorbereitet. Sie schmecken auch aufgebacken wie frisch aus der Backstube.
Probiert es aus!



Rezept
(für ca. 15 Mohnkringel)


  • 500 g Mehl, gesiebt + Mehl zur Verarbeitung
  • 40 g frische Hefe
  • 1/2 Tl Zucker
  • 1 Tl Salz
  • ca. 1/4 l lauwarmes Wasser
  • ca. 1/2 Tasse Mohnsamen


Das Mehl in eine Schüssel sieben, eine kleine Mulde hineindrücken und die zerbröselte Hefe mit dem Zucker hineingeben. Mit dem Wasser und wenig Mehl zu einem Vorteig verrühren, leicht mit Mehl bestäuben und zugedeckt an einem warmen Ort 15 Minuten gehenlassen.
Nach dieser Zeit den Mehlrand mit Salz bestreuen und mit dem Knethaken zu einem Teig verarbeiten (eventuell noch etwas lauwarmes Wasser hinzugeben, sollte der Teig zu fest sein).
Zugedeckt 30 Minuten gehenlassen.





Hefeteig noch einmal kurz durchkneten, dann Teigstücke von ca. 55 g abmessen. Jedes Stück zu einer kleinen Rolle formen und schneckenartig zusammendrehen.
Den Mohnsamen auf einen Teller geben. Die Oberfläche der Teigstücke mit Wasser bestreichen und in den Mohn drücken. Auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech setzen, abdecken und nochmals 30 Minuten gehenlassen.
Den Backofen auf 220 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.
Die Brötchen 20 Minuten backen.





Rezeptquelle: Backvergnügen wie noch nie, Gräfe und Unzer, München 1984

Weitere Brötchenrezepte:
Roggen-Vollkornbrötchen




♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Dienstag, 10. April 2018

Roggenvollkorn-Brötchen - das Sonntagsfrühstück ist gerettet!


Mit den Brötchen ist das in Italien ja so eine Sache! Ich möchte ganz forsch behaupten, dass südlich von Süd-Tirol die "Gute-Brötchen-, schlechte so-lala-Brötchen-Grenze" verläuft. Es gibt dagegen einige Brotsorten, die - frisch! - ganz wunderbar schmecken wie das Pane di Lariano, das ich - frisch! - wirklich sehr gerne mag. Aber schon am nächsten Tag härtet es buchstäblich aus; wessen Zähne locker sitzen, der sollte bei italienischen Brotsorten auf Abstand gehen. Verwenden kann man die Brotreste dann noch für Panzanella, obwohl man dafür die salzlosen Sorten der Toskana nehmen sollte - auch die sind wirklich Geschmackssache. Leicht angeröstet eignet sich gerade Pane di Lariano wunderbar als Basis für diverse Bruschette. (Und jetzt - auf gut Hessisch  - geht mehr fort mit der Schabadda [Ciabatta])! 

Die Italofraktion wird natürlich anmerken, dass mein Frühstück typisch deutsch ist. Was soll's, ich stehe dazu! Morgens brauche ich einen starken Kaffee aus der French Press (den Cappuccino kann ich auch später am Vormittag im Stehen in einer Bar trinken) und dazu meist eine mit Käse belegte Scheibe Brot oder ein Brötchen; sonntags darf es dann auch mal eine Scheibe Parmaschinken oder Salami und dazu ein weich gekochtes Ei sein. Mein Mann liebt dagegen Süßes wie Marmeladen und freut sich schon wieder auf meine kommenden Einkoch-Aktionen.

Der Preis für ein knappes Kilo Roggenbrot startet in den Läden der Innenstadt von Rom bei ca. 7 Euro (bei einer sehr bekannten Bäckerei klettert er auf 10 Euro...). Deswegen gibt es bei uns manchmal auch Toastbrot - oder ich backe selbst. Oft - und das gebe ich ganz offen zu - unter Verwendung der auf Vorrat aus Deutschland eingeschmuggelten Backmischungen für Roggenbrot; das Wahre ist das natürlich nicht. Unter der Woche gibt es zum Frühstück auch mal ein Schälchen Müsli, aber irgendwie macht mich das nicht munter.

Brot ist in Italien vor allem ein Begleiter zu den Mahlzeiten, denn das klassische italienische Frühstück ist karg. Ich will mich nicht wiederholen, aber wer mehr dazu erfahren möchte  - so wie ich es oft erlebt habe und erlebe -, der kann das hier nachlesen.

Seit mein Mann mir zu Weihnachten eine kleine Küchenmaschine geschenkt hat, bin ich am Experimentieren mit verschiedenen Brot- und Brötchenteigen. Dabei hat mich bislang kein Ergebnis meiner Brötchen-Backversuche wirklich überzeugt. Aber diese Roggenbrötchen kommen meinem Geschmack schon sehr nahe. Das nächste Sonntagsfrühstück ist gerettet!




Zutaten
(für ca. 10-12 Brötchen)


  • 400 g Roggenvollkornmehl
  • 100 g Weizenmehl + Mehl zum Bestäuben
  • 75 g Sauerteig (ich: Fertigprodukt)
  • 10 g Hefe
  • ca. 190 ml lauwarmes Wasser + zusätzliches Wasser je nach Bedarf
  • 2 Tl Salz


Die Mehlsorten mischen und sieben. Die Hälfte davon in eine Schüssel geben, in die Mitte eine Mulde drücken und die Hefe hineinbröckeln.
Den Sauerteig mit 190 ml lauwarmem Wasser verrühren und in die Mulde gießen. Mit den Knethaken oder mit Hilfe der Küchenmaschine zu einem Teig verarbeiten.
Die Schüssel mit Folie abdecken und an einem warmen Ort über Nacht gehenlassen.

Am folgenden Tag das restliche Mehl und das Salz hinzugeben und wieder mit der Küchenmaschine zu einem Teig verkneten. Eventuell noch etwas Wasser hinzufügen, wenn der Teig zu bröckelig sein sollte.
Den Teig zu einer Rolle formen und Stücke davon abschneiden. Aus den Stücken kleine Brötchen formen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen. Mit einem Küchentuch abdecken und ca. 30 Minuten gehen lassen.

Den Backofen auf 200 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.
Die Brötchen mit Wasser bepinseln und mit etwas Mehl bestäuben. Mit einem scharfen Messer einschneiden.
Etwas Wasser auf den Boden des Backofens gießen und die Brötchen für ca. 30-35 Minuten in den Ofen schieben. Ein mit Wasser gefülltes feuerfestes Förmchen dazustellen.

♦♦♦

Der Sonntagvormittag ist zukünftig essenstechnisch gerettet, und wir können dann nach dem Frühstück bei der "Sendung mit der Maus" und dem "Presseclub" chillen - Kringel macht es vor.






♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

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