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Sonntag, 17. April 2022

Ein Osterfrühstück wie in Neapel: Tortano rustico imbottito


Das Praktische an den unzähligen Spezialitäten, die ein traditionell italienisches Osterfrühstück bereichern: Man bekommt das Gesamtpaket zum Caffè geliefert! Hefegebäck, Salami, Käse und Eier - alles in einem! Eigentlich ist diese Zusammenstellung sehr untypisch für eine Prima Colazione, wie man sie in Italien schätzt. Cornetto und Cappuccino - dazu vielleicht noch ein wenig Konfitüre - und der Tag kann beginnen! Nicht selten wird noch immer dieses karge Frühstück in einer Bar im Stehen eingenommen - und dabei erfährt man dann ganz nebenbei auch den neuesten Klatsch aus dem Viertel! 



Im Tortano verstecken sich im Gegensatz zum Casatiello die gekochten Eier im Teig - nebst verschiedenen Käsesorten und natürlich Salami. Letztere kommt dieses Mal nicht aus Neapel, sondern aus Rom. Der aus den Abruzzen stammende Salame Aquilano, hatte mir mein Mann vor ein paar Wochen aus dem Feinkostladen am Campo de' fiori mitgebracht. Diese Wurstsorte ist nicht so grob wie die typische Salami aus Neapel und war in unseren römischen Tagen Stammgast im Kühlschrank. 

Die derzeitige Mehlkrise lässt sich bei dem Tortano bestens ignorieren, da der Teig aus gemahlenem Hartweizengrieß herstellt wird, den man sonst bei der Herstellung von Pasta braucht. Man findet ihn - zumindest in größeren deutschen Städten - in fast allen Supermärkten. Wie übrigens auch die verschiedenen Käsesorten. 




Zutaten und Zubereitung


  • 300 g gemahlenen Hartweizengrieß (Semola di grano duro rimacinata) + etwas Mehl für die Verarbeitung
  • 25 g frische Hefe
  • 4 El Olivenöl extra vergine + Öl für die Form und zum Bestreichen
  • 1 Tl Zucker
  • 50 g Parmigiano Reggiano, frisch gerieben
  • Salz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
  • 2 hartgekochte Eier
  • 100 g Salami
  • 60 g Provolone
  • 100 g Scamorza affumicata (oder einen anderen geräucherten Käse)
  • 75 g Taleggio


Die Hefe zerbröseln und mit einem halbem Teelöffel Zucker in 100 ml lauwarmem Wasser auflösen.
In einer Schüssel 150 g Hartweizengrieß mit etwas Salz, Pfeffer und dem restlichen Zucker mischen. Den Hefeansatz dazugeben und mit der Küchenmaschine einen Teig kneten.
Die Schüssel abdecken und an einem warmen Ort eine halbe Stunde gehen lassen.

Nach dieser Zeit die restlichen 150 g Hartweizengrieß, das Olivenöl, den geriebenen Parmigiano und 100 ml lauwarmes Wasser zum Teig geben und alles miteinander mit der Küchenmaschine, dann auf einer bemehlten Fläche mit den Händen verkneten. Die Teigkugeln leicht einölen, in eine Schüssel geben und mit einem Küchentuch abdecken. Wieder für eine Stunde an einen warmen Ort stellen.

In der Zwischenzeit die Salami und den Käse würfeln und die Eier in Scheiben schneiden.





Den Teig auf einer bemehlten Fläche mit den Händen zu einem Rechteck flachdrücken.
Die Salami- und Käsewürfel sowie die Eierscheiben darüber verteilen und dann den Teig vor der längeren Seite her aufrollen.
Vorsichtig zu einem Kranz formen und diesen in eine geölte Kranzform (z.B. Frankfurter-Kranz-Form) legen.
Abdecken und zwei weitere Stunden gehen lassen. 

Den Backofen auf 180 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.
Den Tortano im vorgeheizten Ofen ca. 1 Stunde backen. 
Danach abkühlen lassen und auf eine Kuchenplatte stürzen.

🥚🥚🥚

Es ist seit vielen Jahren wieder unser erstes Osterfest, das wir in Deutschland begehen. Mit diesem Osterkranz holen wir uns - und hoffentlich auch Euch -  ein wenig Italien nach Hause.

Ich wünsche Euch allen fröhliche Ostern! 




Sonntag, 16. April 2017

Krönung des neapolitanischen Osterfests: Il Casatiello napoletano



In diesem Jahr gibt es mal wieder ein Ostergebäck für die "Salamifraktion". Nachdem ich in den vergangenen Jahren einige süße Osterspezialitäten aus Italien vorgestellt hatte,  habe ich mir in diesem Jahr für die Ostertage eine sogenannte "Torta Salata" (pikanter Kuchen) vorgenommen: den Casatiello aus der Region Kampanien.
Eines der bekanntesten österlichen Kuchen aus Neapel ist sicherlich die Pastiera, die glücklicherweise dem Feinschmecker das ganz Jahr in den Auslagen entgegenlächelt - und der "Buongustaio" lächelt nach dem ersten Bissen selig zurück! Warum das so ist - und es ist so -, könnt Ihr bei meinem Rezept für diesen Kuchen nachlesen.
Diese Ostern aber wird es mit dem Casatiello pikant, obwohl es auch eine süße Version davon gibt.
Ohne Casatiello kein Ostern in Neapel! Und auch in römischen Bäckereien wird das mit ganzen Eiern verzierte Gebäck neben anderen Spezialitäten wie der Colomba oder den Osterkränzen zum Verkauf angeboten.

Casatiello in einer römischen Bäckerei


Allerdings streiten sich Neapel und Sorrent um die Urheberschaft dieses Gebäcks. Während in Neapel beim sogenannten "Tortano" die hartgekochten Eier in Stückchen dem Teig beigegeben werden, so krönen sie beim Casatiello, wie man ihn wohl ursprünglich in Sorrent erdacht hatte, im Ganzen den Hefekranz. Über die Eier wird jeweils ein Teigkreuz gelegt. Auch die Zwischenräume werden oft mit Teigstreifen in Kreuzform verziert. Das Kreuz als christliches Symbol ist nicht die einzige Symbolik, die hinter dieser Dekoration steckt; in seinem Erscheinungsbild soll der Kranz auch an die Dornenkrone Jesu erinnern. Man nimmt an, dass die Bezeichung Casatiello auf das Dialektwort für Käse - Cacio - zurückgeht.




Eine kleine Warnung muss ich allerdings an alle, die diesen pikanten Osterkranz nachbacken möchten, vorausschicken: die Zubereitung ist zeitintensiv! Aber das ist ja bei Hefeteigen nichts Neues. Ich habe mich lange Zeit an Hefeteige nicht herangetraut, kann ich mich noch gut an die Unterhaltungen zwischen Oma, Mutter und Tanten erinnern, die immer mal ihr Leid klagten, wenn ein Hefegebäck ihrer Meinung nach nicht aufgegangen war. Ich kann dazu nur sagen: die Hefeteige meiner Oma waren stets perfekt, aber die Klagen hatten Ängste hinterlassen. Mürbeteig war für mich nie ein Problem, ich habe die herrlichsten hohen Biskuitböden gebacken, aber wie schon erwähnt, an Hefeteig traute ich mich jahrelang einfach nicht heran.
Seit ein paar Jahren nun habe ich meine Liebe zum Hefeteig entdeckt, weil das Aufgehen des Teiges, das man so schön beobachten kann, mir immer wie ein kleines Wunder erscheint und mir die schönsten Erfolgserlebnisse schenkt, die man beim Backen haben kann.
Hefeteig muss man, meiner Erfahrung nach, behandeln wie eine Diva. Man muss mit ihm eins werden, in hätscheln, vor Zugluft schützen und mit zarter Hand verwöhnen. Er dankt es einem umgehend.
Auch auf den Geschmack von Hefegebäck bin ich mittlerweile gekommen. Vielleicht braucht man dazu eine gewisse Reife, vergleichbar mit dem Genuss eines schweren Rotweins, den man auch nur mit zunehmenden Alter immer mehr zu schätzen weiß.

Beim folgenden Rezept habe ich mir zwei kleine Freiheiten erlaubt: Den traditionell verwendeten Schweineschmalz habe ich durch Butter ersetzt, und auch die Grieben, die zusammen mit der Salami und dem Käse in den Teig gewickelt werden, habe ich weggelassen.




Zutaten
(für eine Kranzform, z.B. Frankfurter-Kranz-Form)

Teig


  • 600 g Manitoba-Mehl 00, gesiebt + Mehl zum Verarbeiten
  • 330 g handwarmes Wasser
  • 12 g frische Hefe
  • 160 g weiche Butter (original: Schweineschmalz) + Butter für die Form
  • 10 g Salz
  • 1/2 Tl Zucker
  • schwarzer Pfeffer, frisch gemahlen



Füllung


  • 200 Provolone (italienischer Hartkäse)
  • 50 g Pecorino
  • 150 g Salami - Salame tipo Napoli
  • schwarzer Pfeffer, frisch gemahlen


Dekoration


  • 5 rohe Eier
  • 1 Eigelb
  • 1 El Milch


95 g Mehl von der angegebenen Mehlmenge abnehmen und in eine Schüssel geben. In die Mitte eine Mulde drücken und die zerbröselte Hefe sowie den Zucker hineingeben. 100 g Wasser von der angegebenen Menge hinzufügen und die Zutaten zu einem glatten Vorteig verrühren.
Die Schüssel mit Folie abdecken und an einem warmen Ort 40 Minuten gehenlassen.

Zu dem Vorteig das restliche Mehl und das Wasser geben. Mit den Knethaken auf mittlerer Stufe zu einem geschmeidigen Teig verarbeiten.
Nun nach und nach die weiche Butter in kleinen Stückchen einarbeiten, weitere Butterstückchen nur hinzugeben, wenn das vorige Butterstückchen mit dem Teig "verschmolzen" ist.
Salz und Pfeffer hinzufügen. Teig weiter mit dem Knethaken bearbeiten, bis er eine glatte Oberfläche hat und sich von der Form abhebt; die Schüssel sollte dabei immer "sauberer" werden.
Schüssel erneut mit Folie abdecken und an einem warmen Ort ca. 3 Stunden gehenlassen.




Nach dieser Zeit den Teig auf eine bemehlte Arbeitsfläche geben. Mit den Händen vorsichtig auseinanderdrücken. Eine Seite einschlagen, die andere darüberfalten.




Von der unteren (oder der oberen) Seite ein Stück abschneiden (ca. 100 g) und in Folie gewickelt zur Seite legen. Davon wird später die Kreuzverzierung hergestellt.
Den gefalteten Teig mit einem sauberen Küchenhandtuch abdecken und 30 Minuten ruhen lassen.

In dieser Zeit den Pecorino reiben und die Salami sowie den Provolone in Würfelchen schneiden.




Den Teig in der Größe von ca. 27 x 45 cm ausrollen (ca. 1 cm dick).
Die Hälfte des geriebenen Pecorino darauf verteilen.
Dann die Käse- und Salamiwürfel daraufgeben, kräftig pfeffern und mit dem restlichen Pecorino bestreuen.




Teigplatte von der langen Seite her zu einer "Wurst aufrollen, zu einem Kranz formen und die Enden gut miteinander verschließen. Den Kranz in die gefettete Form geben.




Die rohen Eier auf der Oberfläche verteilen.
Restlichen Teig ausrollen und in Streifen schneiden. Jeweils zwei Teigstreifen kreuzweise über die Eier legen. Die übrigen Teigstreifen kreuzweise zwischen die Eier platzieren.
Form mit einem Küchenhandtuch abdecken und an einem warmen Ort ca. 2,5 Stunden gehenlassen.

Den Backofen auf 200 Grad vorheizen.
Eigelb mit der Milch verquirlen und die Teigoberfläche damit bestreichen.
Form in den Ofen geben und sofort auf 180 Grad herunterschalten.
Die Backzeit beträgt ca. 55 Minuten (Stäbchenprobe!).
Vor dem Anschneiden vollständig auskühlen lassen.






Mit diesem pikanten Ostergruß aus Neapel wünsche ich meinen lieben Leserinnen und Lesern ein frohes Osterfest!







♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Freitag, 20. Mai 2016

Vor Saubohnen wird gewarnt: Fave, patate e salame



Die Warnung ist durchaus ernst zu nehmen: Favismus ist eine lebensbedrohliche, vererbliche Erkrankung, die vor allem im Mittelmeerraum, aber auch in Afrika und Südostasien auftritt. Bei Menschen, die ein bestimmtes krankhaft verändertes Gen aufweisen, kann nach dem Einatmen von Pollen diverser Pflanzen, vor allem der der Saubohne (lat.: Faba = Bohne), eine sogenannte Hämolyse (Auflösung der roten Blutkörperchen) ausgelöst werden - mit zum Teil fatalen Folgen.
So sind in Italien in der Saison auch Warnhinweise vor den Supermärkten vorgeschrieben. "In questo negozio sono in vendita fave fresche" (in diesem Geschäft werden frische Saubohnen verkauft), so steht es auf vielen Schildern zu lesen, die Betroffene vor dem Betreten des Ladens warnen.
Nun ja, fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker...




Ich warne dagegen aus einem anderen Grund: Es muss gepult werden, und das ist eine etwas öde Beschäftigung. Die Saubohnen sind nämlich von einer zähen Haut umschlossen, aus der man die eigentlichen Kerne herausdrücken muss. Vor dem Pulen steht sogar noch das Palen auf dem Programm, denn die Bohnenkerne verstecken sich ja in einer Schote. Diesen Arbeitsschritt hat mir allerdings ein netter Verkäufer beim Marktstand erspart.




Zutaten
(für vier Personen)

500 g festkochende Kartoffeln
300 g Saubohnenkerne
90 g italienische Salami
1 Knoblauchzehe
1  Tropeazwiebel (möglichst junge mit Grün)
100 ml trockener Weißwein
1/2 Tl brauner Zucker
Olivenöl extra vergine
Salz. frisch gemahlener Pfeffer
frische Minze

Die Saubohnenkerne waschen und Minuten in kochendes Salzwasser geben. Abgießen und kurz kalt abbrausen. Die Kerne aus den Häutchen drücken.
Kartoffel unter fließendem Wasser säubern, in kaltem Salzwasser aufsetzen und gar kochen.
Abgießen, pellen und erkalten lassen.
Die Salami in dünne Scheiben schneiden, Minzblättchen waschen und trockentupfen.
Knoblauchzehe fein hacken und die Zwiebel in feine Spalten schneiden.
Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und die Zwiebelstreifen sowie den gehackten Knoblauch leicht anschwitzen. Die Saubohnen sowie den Wein hinzufügen, mit Zucker, Salz, Pfeffer und Gemüsebrühe-Granulat abschmecken und wenige Minuten köcheln lassen. Der Wein sollte etwas verdampfen, ohne das die Bohnen zu "trocken" werden.
Vom Herd nehmen und abkühlen lassen.
Die in Würfel geschnittenen Kartoffeln sowie die Salamischeiben untermischen und mit Minzblättchen bestreuen. Eventuell noch einmal mit Salz und Pfeffer abschmecken.






♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Freitag, 18. März 2016

Trotzrezept: Nidi di spaghettini nei cestini di parmigiano



Friseurbesuche können ja so aufschlussreich sein! Während die einen ihr Wissen über die amourösen Verstrickungen des europäischen Hochadels mit anspruchsvoller Lektüre auf den aktuellen Stand bringen, spitze ich die Ohren und lausche den Damen meines Viertels.
Belohnt wurde ich mit neuen Diät-Tricks. Italienerinnen zählen ihre Pasta ab. Aha! Nein, sie wiegen nicht - sich selbst ausgeschlossen -, sie zählen! 6 (in Worten: sechs) Rigatoni gönnt Frau sich als "Primo". Sich - und oft auch ihren Sprösslingen. Kein Einzelfall, das wurde mich heute glaubhaft versichert!
"Mamma mia, che tristezza!"
Es gilt, möglichst sein ganzes Leben lang in die "mitica - Kleidergröße - 42" zu passen, diese möglichst noch zu unterbieten. Mädels, ich höre euch schon aufatmen?  "42", sagt ihr, "naja, das geht ja noch!" Ich muss euch leider gleich wieder enttäuschen, denn eine italienische 42 entspricht einer deutschen oder französischen 38 - die oft noch Richtung 36 tendiert. Ihr könnt es mir glauben!
Drüber geht nicht, gar nicht! Da kann man sich ja gleich einen Strick aus Spaghetti knüpfen! Und so wird besonders in dieser Jahreszeit gehungert und zusätzlich in der Palestra (Fitnessstudio) geschwitzt, denn die Prova del costume (man muss im Bikini eine gute Figur machen) sollte auch noch erfolgreich bestanden werden.
Die Zeiten von Kurven alla Loren sind längst vorbei. Unvorstellbar, dass eine wohlgeformte Lollobrigida einst hüftschwingend Vittorio de Sica auf der Leinwand becircte. Da ist nichts mehr mit "Pane, amore e fantasia"! Rund sind allenfalls noch die geschmacksneutralen Reiswaffeln, die die Diätregale der Supermärkte füllen. "Gallette di riso" versprechen Schlemmen ohne schlechtes Gewissen; glutenfrei sind sie auch noch.
Mager muss Frau sein, obenrum gerne auch "silikoniert", aber die Hüften schätzt man knabenhaft. Bei manchen Frauen grenzt es fast an Besessenheit. Und tatsächlich ist die italienische Durchschnitts-Frau viel dünner als ihre mitteleuropäische Geschlechtsgenossin. Das fällt mir bei jedem Deutschlandbesuch immer wieder auf. Auch das dürft ihr mit glauben; ich kenne beide Realitäten. Das Bild von der dicken italienischen Mamma hält sich nur noch als Klischee; man trifft sie vielleicht noch in den Bassi an, jenen berühmt-berüchtigten, ebenerdigen Einzimmerwohnungen von Neapel. Generell gilt Übergewicht als ein Zeichen von Armut. Eine Signora, die etwas auf sich hält, hungert.
Die Seiten im Internet sprechen für sich. "Honig macht schön, und vor allem mager. Ein Löffelchen vor dem Schlafengehen, und man verliert 3 Kilo in der Woche", steht da auf einer Seite zu lesen, gibt man die Stichworte "bella" und "magra" ein. Natürlich alles wissenschaftlich erwiesen durch einen "Nutrizionista" (Ernährungswissenschaftler). Was dem Amerikaner sein Psychiater, ist dem Italiener sein Nutrizionista.
Was der italienische Mann dazu sagt? Unerheblich! Man hungert für die anderen Frauen, ihr Urteil ist gefragt, es könnte ja über jedes überschüssige Gramm hinter dem Rücken getuschelt werden.Wenn nach dem üblichen Begrüßungsritual - gehauchtes Küsschen rechts, gehauchtes Küsschen links - ein: "Ma quanto sei magra, cara!" (Wie schön dünn Du bist, Teuerste) folgt, ist das Ziel erreicht. Gesteigert werden kann das nur noch durch die Frage: "Sei dimagrita?" (Hast Du abgenommen?) Was andernorts zur Besorgnis über die eigene Gesundheit Anlass geben könnte, lässt hier entspannt aufatmen. Die Zählerei hat sich buchstäblich bezahlt gemacht. Darf's dann mal ein Rigatönchen mehr sein? Ausnahmsweise?
Ich konnte nicht anders, als diesem Wahn zu trotzen. Jetzt erst recht: Spaghetti, Eier, Sahne, fetter Käse und fette Wurst! Wir haben auch gezählt: vier Nestchen für Dich, vier Nestchen für mich!
Übrigens: Ich passe trotzdem noch in die legendäre Kleidergröße!



Zutaten
(für 8 Nestchen)

180 g Spaghettini
60 g Ciauscolo
(Salami-ähnliche Wurstspezialität aus den Marken)
70 g Fontina
2 Frühlingszwiebeln
3 Eier
80 ml Sahne
Salz, frisch gemahlener Pfeffer
frisch geriebene Muskatnuss
Cayenne-Pfeffer
8 Kirschtomaten
Butter für die Muffinförmchen

Parmigiano Reggiano, frisch gerieben

Den Fontina-Käse reiben, die Wurst in kleine Würfelchen und die Frühlingszwiebeln in Ringe schneiden.
Spaghettini al dente kochen und anschließend in einem Sieb abtropfen lassen.
Den Backofen auf 180 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen und acht Mulden eines Muffinblechs mit Butter ausfetten.
Die Eier mit der Sahne verrühren und mit Salz, Pfeffer, Muskatnuss und Cayenne-Pfeffer würzen.
In einer Schüssel die Spaghettini mit den der Wurst, dem Käse, Frühlingszwiebeln und der Eiersahne vermischen.
Spaghettini mit einer Gabel in einer Suppenkelle aufdrehen und auf die Förmchen verteilen. Die in der Schüssel verbleibende Eiermilch über die Nester gießen und jeweils eine Kirschtomate aufsetzen; diese vorher mehrmals einstechen.
Das Muffinblech für zwanzig Minuten in den Ofen geben.

Für die Nestchen im Nestchen Parmesan reiben und portionsweise in eine beschichte Pfanne geben, dünn in eine runde Form drücken und den Käse zerlaufen lassen. Wenn er zu bräunen beginnt, die Pfanne vor der Herdplatte nehmen, kurz warten, mit einem Pfannenwender aus der Pfanne heben und auf die Ausbuchtungen einer umgedrehten Muffinform legen.
Spaghettini-Nestchen im Parmesan-Nestchen servieren.




♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Mittwoch, 18. Juni 2014

Sommerpasta Teil III: Spaghettini in salsa di cannellini, rucola e salame - und ein Gast namens Emma



Darf das eigentlich noch "Sommerpasta" heißen? Seit drei Tagen regnet und donnert es immer wieder, und das zum Teil heftig! Die Sonne blitzt nur ab und an mal durch die Wolkendecke. Umso mehr braucht man dann einen Teller mit Pasta, um die Laune im Gleichgewicht zu halten.
Das folgende Gericht, das ich ausprobiert habe (und auch hier habe ich wieder in der neuesten Ausgabe von Sale & Pepe gespickt), bringt uns mit seinen Zutaten in die Toskana: Cannellini-Bohnen und Salami mit Fenchelsamen. Im Original-Rezept wird  nur eine "pikante" Salami verwendet, aber da ich bei den Cannellini-Bohnen sofort an die Toskana denken musste, deren Bewohner böse Zungen auch den Spitznamen "Mangiafagioli" (Bohnenfresser) verpasst haben, musste es für mich auf jeden Fall eine mit Fenchel gewürzte Salami sein! Allerdings habe ich hier keine Finocchiona verwendet, die berühmteste mit Fenchel aromatisierte Wurstspezialität aus der Toskana, denn sie hat eine zu weiche Konsistenz.
In der kleinen Antica Norceneria Viola auf dem Campo de' fiori, einem mit Würsten und Schinken vollgestopften Laden mit überwiegend umbrischen Spezialitäten, habe ich mich dann beraten lassen und zwei verschiedene, härtere Salamisorten zur Auswahl gekauft, die ich hauchfein hobeln kann.
Seit heute gibt es übrigens im Haus noch einen dritten Gast, der mit Essen versorgt werden muss, aber davon später mehr.




Zutaten
(für 2 Personen)

1 Glas Cannellini-Bohnen (250 g Abtropfgewicht)
60 g harte, italienische Salami (mit Fenchelsamen gewürzt,
 im Original wird zu einer "salame piccante" geraten)
ca. 70 g Rucola
3 Salbeiblätter (im Original: 1 Lorbeerblatt)
1 Knoblauchzehe
etwas Bio-Gemüsebrühe (ca. 50 ml)
Olivenöl extra vergine
Salz, frisch gemahlener Pfeffer
250 g Spaghettini

Die Cannellini-Bohnen in ein Sieb geben und mit kaltem Wasser abbrausen. Knoblauchzehe schälen und in einer Pfanne zusammen mit den Salbeiblättern in 4 El Olivenöl leicht anschwitzen. Die abgetropften Bohnen hinzufügen, mit Salz und Pfeffer abschmecken und wenige Minuten erhitzen, dann die Gemüsebrühe hinzufügen und nochmals 4 Minuten köcheln lassen.
Knoblauchzehe (ich habe sie bei den Bohnen gelassen) und den Salbei entfernen und die Bohnen in einem Mixer oder mit dem Pürierstab zu einer feinen Crème verarbeiten und wieder in die Pfanne geben.
Die Spaghettini al dente kochen, Rucola waschen und trockenschleudern sowie die Salami in ganz feine Scheibchen schneiden oder hobeln.
Die Pasta zusammen mit den Salamischeibchen und 2/3 der Rucola mit der Bohnencrème vermengen und kurz erhitzen, eventuell noch etwas Nudelkochwasser hinzufügen, auf den Tellern verteilen, übrigen Rucola darüberstreuen und jede Portion noch mit etwas Olivenöl beträufeln und schwarzen Pfeffer darübermahlen.

Frei nach einem Rezept aus Sale & Pepe, Juni 2014

Und jetzt noch schnell zu einem Gast mit Namen Emma

Emma

Seltsame Geräusche, die aus einem Tongefäß zu kommen schienen, haben meinen Mann gestern stutzig gemacht, als er kurz am Nachmittag nach Hause musste. Ein Umstand, der vielleicht ein kleines Tierleben gerettet hat. Urheber der scharrenden Geräusche war eine junge Möwe, die sich irgendwie Zugang ins Haus verschafft zu haben schien - fliegen kann sie noch nicht -, die Treppen hinaufwatschelte und dann bei ersten Flugversuchen in dieses Gefäß geplumpst war. Die Panik, die dieses arme Tier in dem dunkeln, tiefen Behälter überkommen haben muss, konnte man an den "Spuren" ablesen, die es dort hinterlassen hatte.


Unheimliche Geräusche aus dem Topf

Mein Mann hat den Vogel dann befreit und die Fenster des Treppenhauses geöffnet, in der Hoffnung, dass sie wieder davonflattert. Das konnte sie aber noch nicht. So habe ich die kleine Möwe vorsichtig die Treppen hinunter geleitet und zu ihrem Schutz in den innen liegenden Garten des Hauses geführt.


Hier lässt es sich gut leben!

Da hat sie nun vorerst ihr Domizil, geschützt vor anderen Tieren wie streunenden Katzen und vor allem vor dem römischen Verkehr, gefunden. Natürlich muss sie gefüttert werden, eine Aufgabe, die ich nun zusammen mit einer Nachbarin übernommen habe. Im Internet habe ich mich ein bisschen in die Ernährung von jungen Möwen eingelesen.
Heute gab es schon zweimal  Rinderhack, das Emma, so habe ich sie (oder ihn?) getauft, mit Genuss verspeist hat.


Allerdings fürchte ich mittlerweile um den einzig verbliebenen Goldfisch in dem kleinen Wasserbecken, den Emma glücklicherweise aber noch nicht entdeckt zu haben scheint...

Vor zwei Jahren lebten da noch mehrere Fische...


Einkaufstipp:

Antica Norceneria Viola
Piazza Campo de' fiori 43
Google+

♥♥♥
Un abbraccio
Ariane
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