Donnerstag, 13. Februar 2014

Zweckentfremdet: Frizzagna di Reggio Emilia



Vor einigen Tagen suchte ein Leser beharrlich nach Arme-Leute-Essen auf meinem Blog. Ich denke, da ist er bei mir an der richtigen Stelle, poste ich doch viele Rezepte, die ganz in der Tradition einer eher bäuerlichen und einfachen Cucina povera stehen.
Ganz in der Tradition der bäuerlichern Küche der Emilia Romagna steht auch folgendes Rezept, das ich hier vorstellen möchte: die Frizzagna.
Eigentlich handelt es sich hier um eine Beilage, die man zu Fleisch servieren kann. Ich denke aber, dass die Frizzagna in früheren Zeiten auch schon mal nur mit etwas Brot als einzige Mahlzeit auf den Tisch kam. Sie mit Pasta zu servieren, ist eine kleine Freiheit, die ich mir herausnehme. Da stört mich auch die Kartoffel im Sugo nicht, kennt man die Kombination von Pasta und Kartoffeln ja in der ligurischen Küche  bei dem Traditionsgericht Trofie (oder Trenette) al pesto, bei dem neben Kartoffeln ja auch noch grüne Bohnen auf den Teller geschmuggelt werden.




Ein bisschen Rückendeckung für das Wagnis, Frizzagna mit Pasta zu servieren, habe ich in einer Sonderausabe des "Cucchiaio d'argento" zur Regionalküche, Band 1, Norditalien, Editoriale Domus S.p.A., 2012 gefunden.
So ärmlich ist diese Frizzagna, dass nicht einmal Olivenöl zur Verwendung kommt. Nun ist die Emilia Romagna ja auch keine Olivenöl-Gegend. Traditionell wird hier mit Butter gekocht.
Auch die Zubereitung ist mehr als einfach: alle Zutaten werden - bis auf die Tomaten - , nachdem sie geputzt und zerkleinert worden sind, zusammen in einen möglichst irdenen Topf geworfen.
Dazu habe ich Pasta gemacht - natürlich Pasta all'uovo, wir sind ja heute in der Emilia Romagna zu Gast. Angeblich kommt von dort auch die Pastasorte Farfalla, die auf deutsch "Schmetterling" bedeutet. Andere Quellen ordnen sie dagegen eher der Region Ligurien zu.





Zutaten (für 3-4 Personen)

Farfalle


  • 150 g Mehl
  • 50 g Hartweizengrieß (Semola di grano duro rimacinata)
  • 2 Eier
  • 1 Prise Salz
  • wenige Tröpfchen Olivenöl extra vergine


Die Pasta nach meinem Grundrezept zubereiten, in dem auch die Herstellung der Farfalle erklärt wird.



Frizzagna

100 g Pancetta (in dünnen Scheiben)
1 rote Paprikaschote
1 Kartoffel
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
4 Tomaten
Salz, frisch gemahlener Pfeffer

Die Pancetta zunächst längs in Streifen, dann diese in kleine Würfel schneiden. Kartoffeln schälen und in kleine Würfel, die Zwiebel schälen, halbieren und in Scheiben schneiden. Knoblauch fein hacken, Paprika vierteln, entkernen, von den weißen Trennhäuten befreien und in kleine Würfel schneiden.



Alle Zutaten in einen Topf geben, salzen, pfeffern und zugedeckt eine halbe Stunde schmoren lassen. Ab und an umrühren.
In der Zwischenzeit die Tomaten einritzen, mit kochendem Wasser übergießen, nach drei Minuten kalt abschrecken, häuten und in Würfel schneidern.
Nach dreißig Minuten die Tomatenwürfel in den Topf geben und alles weitere 20-30 Minuten schmoren lassen.
Die Frizzagna mit den al dente gekochten Farfalle vermengen.


♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Kommentare:

  1. Wie Du schon selber sagtes, schmeckt Pasta zusammen mit Kartoffeln sogar recht gut! Wann immer ich Pasta al Pesto zubereite, wandern ein paar Kartoffelwürfelchen mit in den Topf und auch grüne Bohnen - so habe ich das vor vielen vielen Jahren von einer Genueserin gelernt. Aber Deine Version ist sicher auch nicht zu verachten und die Farfalle schauen aus, als wollten sie einem direkt in den Mund hineinflattern - ich sperr' ihn mal ganz weit auf, kannst ja ein paar davon auf die Reise schicken, ist ja nicht so weit... Hungrige Grüße sendet Elvira

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    1. Beim nächsten Mal lasse ich ein paar Schmetterlinge hinüber zur Adria flattern :-)
      Saluti
      Ariane

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  2. mmmmh Pasta e Patate de luxe! Bei mir ist das immer ein willkommenes Resteessen! Nicht mehr ansehnliche Wurst oder Käseenden machen sich auch gut darin. Bei uns können es auch gerne etwas mehr Kartoffeln sein! Meine Kinder lieben dieses Essen!

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    1. Auch bei uns war das irgendwie Resteessen. Da war noch eine rote Paprika im Kühlschrank und vor allem eine Kartoffel. Was macht man sonst mit einer Kartoffel! :-)
      Saluti
      Ariane

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  3. Da fällt mir ganz spontan meine Große ein, die die Farfalle immer "Maschelenudelen" nannte, ihre absolute Lieblingspasta. Sie, aber auch ich würden Dein heutiges Gericht lieben.
    Herzliche Grüße aus dem Norden Italiens,
    Kebo

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    1. Wie süß! Kinder haben immer niedliche Ausdrücke - das habe ich auch von mir gehört! Aber Pasta - ich welcher Form auch immer - lieben ja auch alle kleinen und großen!! Kinder. :-)
      Saluti
      Ariane

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  4. Von Frizzagna habe ich noch nie gehört bzw. gelesen. Bei dir gibt es doch immer wieder interessantes Neues zu entdecken.

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  5. Auch ich entdecke - auf Reisen oder auch beim Stöbern in meinen Kochbücher - immer wieder Neues. Ja selbst kleine Dörfer haben hier ihre Spezialitäten. Darin ist Italien schon irgendwie einmalig (ohne jetzt die kulinarischen Verdienste anderer Länder zu schmälern). Diese auch in Italien wohl nicht sehr bekannte Spezialität habe ich auch erst gestern "entdeckt", und es bot sich an, diese gleich nachzukochen.
    Saluti
    Ariane

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