Donnerstag, 11. Februar 2016

Fast eine Fastenspeise: Petto di pollo al cartoccio con funghi e pomodorini



Zum Einläuten der Fastenzeit gibt es von mir ein Gericht mit wenig Kohlenhydraten: Magere, in Backpapier geschmorte Hühnchenbrust mit Pilzen und Tomaten. Nun gut, ein wenig Pancetta habe ich auch dazugeschmuggelt (wir wollen ja nicht ganz vom Fleisch fallen), und auch wenn ich in den kommenden sieben Wochen auf Alkohol verzichten werde, so fällt das bisschen Brandy - ebenfalls untergeschummelt - wohl kaum ins Gewicht. Von der Fastenzeit selbst bekommt man im Übrigen in Italien nicht viel mit, denn gutes Essen und Trinken sind doch wesentlicher Bestandteil der Lebensphilosophie. Da sitze ich dann bei Einladungen - und nippe als einziger Gast am Wasser.
Zurück zu meinem Hähnchen. Es gibt dazu keine sogenannte Sättigungsbeilage; ein schreckliches Wort übrigens. Die Italiener machen das richtig: die Kohlenhydrate zuerst in Form von Pasta oder Risotto, dann Fleisch oder Fisch nur mit Gemüse oder Salat. Und danach muss es nicht immer ein Dolce sein, nur viel frisches Obst sollte bei einer ausgewogenen Ernährung nie fehlen.
Kein Wunder, dass die mediterrane Küche als eine der gesündesten der Welt gilt. Und dabei darf eigentlich auch nie ein gutes Gläschen Wein fehlen. Eigentlich...




Zutaten
(Aufgeschnitten reichen die Hühnerbrüste für vier Personen)

2 Hühnerbrüste à 400 g
200 g Champignons
40 g getrocknete Steinpilze
250 g Kirschtomaten
50 g Pancetta, fein gewürfelt
2 El Mehl
2 El Butterschmalz
50 ml Brandy
250 ml Gemüse- oder Hühnerbrühe
4 Salbeiblätter
ein paar Zweige Thymian
Salz, frisch gemahlener Pfeffer
Backpapier
Küchengarn

Hühnerbrüste kurz abbrausen und von Fettresten befreien. Leicht salzen und bemehlen.
In einer Pfanne 1 El Butterschmalz  mit den Salbeiblättern erhitzen und die Hühnerbrüste von allen Seiten darin anbraten. Mit dem Brandy ablöschen. Heiße Brühe hinzufügen und die Hühnerbrüste 30 Minuten zugedeckt schmoren lassen.
In der Zwischenzeit die getrockneten Pilze in heißem Wasser einweichen.
Champignons putzen und in Scheiben schneiden.
In einer Pfanne das restliche Butterschmalz erhitzen und die Pancettawürfel darin ausbraten. Champignons dazugeben und kurz mit anbraten, die getrockneten Pilze in ein Sieb geben, etwas kleinschneiden und ebenfalls in die Pfanne geben. Salzen und pfeffern.
Tomaten je nach Größe halbieren oder vierteln.
Den Backofen auf 180 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.
Aus dem Backpapier  zwei ausreichend große Blätter schneiden, jeweils  etwas von den Pilzen darauf verteilen, die Hühnerbrust dazugeben. Tomatenwürfel darüber verteilen und ein paar Thymianzweige darauflegen. Ein wenig von dem beim Braten der Hühnerbrust entstandenen Fond darüberträufeln.
Die Päckchen fest mit Küchengarn verschließen und auf ein Backblech legen.
Das Blech für 25 Minuten in den Ofen schieben.
Bei kleineren Hühnerbrüsten die Garzeiten entsprechend verringern.




♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Freitag, 29. Januar 2016

Vier Jahre - ein Blick zurück und auch nach vorne

Bloggeburtstag - mein "Kleiner Italiener" wird vier! Ich freue mich sehr, wieder auf ein spannendes Bloggerjahr zurückblicken zu dürfen! Leider gab es weniger Beiträge als in den Jahren zuvor, aber manchmal kommt das "richtige" Leben dazwischen, und da blieb in den vergangenen Monaten intensives Bloggen oft auf der Strecke! Abschließend gibt es einen spontan zusammengewürfelten Rückblick. Denn es gab ja doch einige spannende Erlebnisse in und auch außerhalb meiner Küche.




Beginnen wir mit dem Februar, in dem ich mir einen Evergreen der römischen Küche vorgeknöpft habe: Die Coda alla Vaccinara. Dass man aus diesen, als wenig edel geltenden Teilen des Tieres ein so schmackhaftes und raffiniertes Rezept zaubern kann, verdanken wir den pfiffigen Frauen der römischen Schlachthausarbeiter. Wer jetzt noch glaubt, "From nose to tail" sei nur ein neuer kulinarischer Trend, wird beim Studium römischer Spezialitäten schnell eines Besseren belehrt!
Im März habe ich mir einen lang gehegten Traum erfüllt. Endlich konnte ich sie in den Händen halten, meine neue Kamera: eine Canon EOS 6 D! Naja, die tolle Fotografin bin ich immer noch nicht geworden, aber mein Dilettantentum in der Fotografie versucht mein neues Spielzeug durch raffinierte Technik auszugleichen, so dass die Fotos nun ein wenig "professioneller" wirken. Diese Roquefort-Birnen-Cakes mussten als erste für meine Fotografie-Versuche posieren.
Ich bin ja nicht so die Brotbäckerin, aber im April habe ich mich an Baguettes gewagt. Und dabei festgestellt, dass Brotbacken fast - aber auch nur fast - so glücklich machen kann wie die Pastaproduktion.
Im Mai war ich nicht nur auf der EXPO, sondern - viel schneller für mich zu erreichen - in einem traumhaften Dörfchen in den Albaner Bergen, im dem ich dann nur noch rot sah.
Warum nicht mal wieder kulinarisch nach Griechenland schielen, dachte ich mir im Juni und servierte wunderbare Dakos, die so richtig nach Sommer schmeckten. Augen zu - und von der griechischen Inselwelt träumen!
Im Juli ging es dafür nach Sorrent, wo ich bei Don Alfonso 1890 raffinierteste italienische Küche genießen durfte. Es leuchteten alle Sterne über dem Golf...
Noch weiter reiste ich, leider nur auf dem Teller, im August. Die süßen Versuchungen Asiens versuchte ich in einem Dessert mit Mangokulfi und Tapioka-Kokos-Pudding einzufangen.
Nicht nur orientalische und türkische Küche standen im Monat September auf dem Speiseplan, sondern auch ein Dessertklassiker aus der Region Piemont. Aber - don't call it Schokopudding! Der Bônet ist ein edler Flan, angereichert mit Amarettini und umweht vom Hauch der feinen Kaffeehäuser Turins. Ach ja, geschlemmt habe ich auch mal wieder aushäusig. Beim Blind Date unweit von Pomeji gab es Pasta im Überfluss.
Der Ertrag im Oktober war mager. Zuviel unterwegs mal wieder, aber ein Gericht schaffte es dann doch in den Blog. Diese Mini-Cannelloni entschädigten für alle erlittenen Entbehrungen.
Im November habe ich mal wieder Ravioli gebastelt und alles zu einem Stillleben arrangiert. Und auch ein römischer Donnerstags-Klassiker wollte endlich vorgestellt werden: Gnocchi alla Romana.
Das kulinarische Highlight des Jahres in den eigenen vier Wänden gab es im Dezember. Aus dem Piemont brachte mir mein Mann Alba-Trüffel mit. Muss ich mehr sagen? Und da Weihnachten mit großen Schritten immer näher rückte, zogen zarte Wolken in Form von Ricciarelli aus Siena Richtung Rom.
Einen Ausblick auf leichte Sommerküche gewährte im Januar eine sardische Spezialität: Pane Carasau con pomodorini. Schmeckt auch bei winterlichen Temperaturen.
Und jetzt steht der Februar vor der Tür; ein neues Bloggerjahr kann beginnen.
Natürlich denke ich gerade in diesen Tagen darüber nach, wohin mich meine kulinarischen Abenteuer und Experimente in den kommenden Monaten führen sollen.
Werde ich viel Neues ausprobieren und dafür öfters über die Landesgrenzen hinweg schielen, oder konzentriere ich mich lieber weiterhin auf den Reichtum der italienischen Regionalküche?
Ich bleibe jedenfalls offen für neue kulinarische Erfahrungen.
Vor allem aber wünsche ich mir, dass Ihr mich, meine lieben Leserinnen und Leser, weiterhin dabei begleiten werdet - wie in den vergangenen Jahren: aufmerksam, kritisch und inspirierend!

Grazie di cuore a Voi tutti!

♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Mittwoch, 20. Januar 2016

Kälteküche: Pizzoccheri della Valtellina



Es ist kalt geworden, nicht nur in Deutschland, sondern auch im Süden Europas. Natürlich ist das relativ; Minusgrade habe ich in diesem Winter noch nicht gemessen. Aber mein subjektives Empfinden sagt mir: ich friere - und wie! Nicht nur draußen, wo vor einigen Tagen ein eisiger Wind wehte und die Fensterläden bedrohlich klappern ließ, sondern hauptsächlich in unserer Wohnung. Die dicken Mauern des über fünfhundert Jahre alten Palazzo schützen dabei in keinster Weise vor der Kälte; das feuchte Mikroklima des nahen Tiber tut dabei sein Übriges! Also werden wie in jedem Winter zusätzliche Heizöfchen aufgestellt, und die sexy Skiunterwäsche kommt ebenfalls zum Einsatz! Zwar prangt ein wunderschönen Renaissance-Kamin im Wohnzimmer, aber mir ist offenes Feuer in einem vor Büchern überquellendem Haus nicht ganz geheuer. Meine Hände bleiben jedenfalls allzu oft kalt; da hilft dann nur eine Tasse mit heißem Tee, an der ich mich festklammern kann.
Das stets als sonnig und warm gepriesene Italien hat seine sehr kalten und tief verschneiten Ecken. Und dort gibt es auch die entsprechende Küche, um ungemütlichen Temperaturen etwas entgegenzusetzen. Der oberste Zipfel der Lombardei, nordöstlich des Comer Sees in der Provinz Sondrio, ist nicht nur Heimat vieler italienischer Wintersportler, sondern hat wärmende Amari wie den "Braulio" und kältetaugliche Gerichte hervorgebracht, die genug Kalorien liefern, um auch in den kalten Wohnungen Süditaliens zu überleben.
Schade eigentlich, dass man stets von denselben Pastagerichten liest und spricht. Beim Sugo kreist es in den sozialen Netzwerken immer wieder um die "Bolo" (korrekt: Ragù [alla Bolognese]) oder die Carbonara - und nicht selten artet das in Streitereien aus -, um die Pasta mit oder ohne Ei (es gibt "Experten", die immer noch behaupten: in Italien niemals Eierpasta!) und um die unvermeidlichen Tomatensaucen, die meist überwürzt und mit zuviel Kräutern und Knoblauch als "uritalienisch" präsentiert werden.
Italien hat auch eine deftige und eher mitteleuropäische "Winterküche" zu bieten, wobei man im Fall von Pizzoccheri gar nicht mal so explizit von Winterküche reden kann. Auch im Sommer stehen diese Nudeln auf Basis von Buchweizen auf dem Speiseplan der Region an der Grenze zur Schweiz, dann allerdings nicht mit Wirsing zubereitet, sondern mit frischem Mangold.
Der aus dem asiatischen Raum stammende Buchweizen gehört übrigens nicht zu den Getreidesorten, und die Früchte, die dieses "Mehl" liefern, sind zudem glutenfrei.
Die Verarbeitung zu einem Pastateig - unter den Buchweizen muss auf jeden Fall Weißmehl gemischt werden -, fand ich persönlich etwas mühsamer als die Herstellung herkömmlicher Pasta all'uovo, wie ich sie immer wieder gerne und oft zubereite. Genaue Mengenangaben zum Wasser kann ich nicht machen; es waren vielleicht so um die 170 ml. Da muss man mit den Händen fühlen, bis man einen gut weiterzuverarbeitenden Teig geknetet hat.
Und wenn man beim Kneten schon etwas in Schwitzen kommen sollte, ist das ja in kalten römischen Wohnungen ein nicht unwillkommener Nebeneffekt!



Zutaten
(für zwei frierende Personen)

130 g Buchweizenmehl (ital.: Farina di Grano Saraceno)
70 g Mehl 
eine Prise Salz
lauwarmes Wasser

200 g Wirsing
1 mittelgroße Kartoffel
40 g Parmigiano Reggiano, frisch gerieben
100 g Casera (typische Käsesorte aus dem Veltlin, ersatzweise Fontina), grob geraspelt
1 Zwiebel
(alternativ: 1 Knoblauchzehe, angedrückt, Salbeiblätter)
Butter
Salz, frisch gemahlener Pfeffer

Die Mehlsorten sieben, eine Prise Salz hinzugeben und mit dem Wasser zu einem Teig verarbeiten; den Teig mindestens 5 Minuten lang kneten.
In Folie wickeln und eine halbe Stunde ruhen lassen.
Danach portionsweise mit dem Nudelholz ca. 3 Millimeter dick auswälzen und fingerlange, einen Zentimeter breite Streifen daraus schneiden.



Die geschälte Kartoffel in kleine Würfel und den geputzten Wirsing in Streifen schneiden.
Wasser in einem Topf aufsetzen und salzen. Zunächst die Kartoffelwürfel in das kochende Wasser geben und 5 Minuten garen lassen, dann die Wirsingstreifen sowie die Pizzoccheri hinzufügen und weitere zehn Minuten kochen.
In der Zwischenzeit die in Ringe geschnittene Zwiebel in Butter zart anbräunen.
Eine Pfanne mit etwas Butter erhitzen. Nun portionsweise die Pizzoccheri mit dem Wirsing und den Kartoffelstücken mit einer Schaumkelle aus dem Wasser heben, abtropfen lassen abwechselnd mit den gemischten Käsesorten in der Pfanne schichten.
Zum Schluss die Zwiebel darübergeben, ohne alles zu vermengen.
(Alternativ zu dem Zwiebeln sehen einige Rezepte die kurz in Butter angeschwitzte Knoblauchzehe mit Salbeiblättern vor. Diese Salbei-Butter dann über die Pizzoccheri gießen; dabei vorher den Knoblauch entfernen.)
Mit frisch geriebenem Pfeffer bestreuen.



♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Montag, 11. Januar 2016

Perlhuhn-Premiere: Petto di faraona all'uva con purea di sedano rapa



"Petto o coscia?" (Brust oder Keule), das ist bei uns mittlerweile so eine Art Running Gag, wenn wir irgendwo Perlhuhn auf der Speisekarte lesen. Nein, mit Louis de Funès hat das in diesem Fall nichts zu tun! Die Geschichte dahinter ist eine andere, schnell erzählt und gibt mir darüber hinaus die Möglichkeit, eines meiner römischen Lieblingswinterlokale vorzustellen: In der Trattoria Settimio al Pantheon, unweit der gleichnamigen Sehenswürdigkeit gelegen und sehr beliebt bei den Abgeordneten des nahen Parlaments, arbeitete bis vor einigen Jahren ein Kellner, der allein schon durch seine stattliche Körpergröße auffiel (mindestens zwei Meter!). Diese Trattoria lieben wir wegen der einfachen, aber gemütlichen Ausstattung und der bodenständigen Küche. Besonders in den kalten Monaten, wenn im Schaufenster neben der Eingangstür Steinpilze oder Trüffel locken, zieht es mich immer wieder hinein in dieses kleine Lokal. Dort gibt es Wildspezialitäten wie Cinghiale (Wildschein), und eben diese deftigen Fasanen- oder Perlhuhnbraten in - ungewöhnlich für die italienische Küche - würzigen Sößchen und mit Polenta als Beilage. Allein die vielen Antipasti, die gerne vom betagten Besitzer der Trattoria persönlich gereicht werden (unbedingt nach der Schaftskäse-Ricotta fragen!), findet man in dieser Qualität und Auswahl selten in den Gaststätten der römischen Innenstadt: All' die Artischocken ("alla Romana"), gemüselastigen Frittate,  die frische Mozzarella mit würzigem Schinken und üppig belegten Bruschette, die geschmorten Kichererbsen und gefüllten Zucchiniblüten sollte man unbedingt mit einer gewissen Zurückhaltung genießen, damit noch Platz bleibt für die deftigen Pastagerichte und die bereits erwähnten bodenständigen Secondi. In der Küche schwingen die Damen des Hauses die Kochlöffel; ein Familienbetrieb, wie er klischeehafter nicht sein könnte.
Kommen wir nun auf unseren stattlichen Kellner zurück. Der Perlhuhnbraten dort ist so gut, dass ich ihn fast immer bestelle, wenn wir dort im Winter essen gehen. Und auf diese Bestellung folgte in der Vergangenheit dann stets jene am Anfang erwähnte Frage - begleitet von einem beherzten Schlag auf die Brust (Petto?) und gegen die Hüfte (o coscia?). Dass er dabei noch leicht lispelte, machte es der Selbstbeherrschung nicht gerade leichter, wenn wir in Erwartung der Geste wie hypnotisiert auf den guten Mann starrten.
In etwas edlerer Version habe ich Perlhuhnbrust dann im vergangenen Herbst in einer meiner Lieblings-Osterie in der südlichen Toskana gegessen; und damit bin ich bei meinem heute vorgestellten Gericht, bei dem zum ersten Mal ein Perlhuhn in den eigenen Topf geflattert ist.
Diese Osteria verdient eine eigene, ausführlichere Besprechung, die zu schreiben ich mir in diesem Jahr vorgenommen habe. Deshalb verschweige ich jetzt noch ganz geheimnisvoll Namen und Ort; zum Trost aber verrate ich ganz zum Schluss die genauen Koordinaten der römischen Trattoria.
Bis dahin hilft nur: Selbst ran an den Herd! Ich habe versucht - die Betonung liegt auf: versucht -, das Gericht nachzukochen. Dass Perlhühner so Sensibelchen sind, die allzu große Hitze nicht so gut vertragen, habe ich dabei feststellen müssen. Nein, das war jetzt nicht zäh oder allzu trocken, ganz und gar nicht, aber beim nächsten Mal werde ich die Temperatur etwas herunterdrehen (siehe Anmerkungen am Schluss). Dennoch möchte ich Euch das Rezept, so wie ich es interpretiert habe, nicht vorenthalten.
Wenn Ihr schon einmal Perlhühner zubereitet habt, dann lasst Eure Erfahrungen miteinfließen; Trauben, Wein und Thymian haben den Vögelchen als Begleitung jedenfalls gefallen.





Zutaten
(für vier Personen)

Perlhuhnbrust mit Trauben

2 ganze Perlhuhnbrüste mit Haut
1 mittelgroße Zwiebel
250 g weiße Trauben
200 ml trockener Weißwein
frischer Thymian
Olivenöl extra vergine
Salz, frisch gemahlener Pfeffer

Die Perlhuhnbrüste von überschüssiger Haut und Fett befreien, die Haut ein mehreren Stellen etwas einritzen, anheben und Thymianblättchen darunterschieben.
Die Trauben halbieren, dabei möglichst viele Kerne entfernen. Die Zwiebel in feine Ringe schneiden.
Den Backofen auf 175 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen*.
Etwas Olivenöl in einem gusseisernen Bräter erhitzen und die Perlhuhnbrüste auf der Hautseite scharf anbraten, dann kurz auf die Fleischseite drehen. Salzen, pfeffern und aus dem Bräter nehmen.
Zwiebelringe in den Bräter geben und kurz anschwitzen; sie sollen nicht braunwerden.
Mit dem Weißwein ablöschen, salzen, pfeffern und etwas einkochen lassen.
Die Perlhuhnbrüste wieder in den Bräter geben, Thymianzweige und Trauben hinzufügen, Deckel auflegen und für ca. 25-30 Minuten in den Ofen schieben.

Selleriepüree

400 g Sellerie, gewürfelt
250 ml Sahne
Salz, frisch gemahlener Pfeffer
frisch geriebene Muskatnuss

Selleriewürfel mit der Sahne aufkochen und so lange köcheln lassen, bis sie weich sind; das dauert ungefähr 20 Minuten.
Salz, Pfeffer und Muskatnuss hinzufügen und mit dem Schneidstab fein pürieren.

*Geschmacklich eine interessante Kombination, die es nachzukochen lohnt. Perlhuhnbrüstchen trocknen aber gerne etwas. Vielleicht war die Temperatur zu hoch oder sie waren zu lange im Backofen, so dass sie einen Hauch zu durch waren. In einer kulinarischen Facebook-Gruppe bekam ich den Tipp, sie nur bei 70-80 Grad nach dem Anbraten nachziehen zu lassen. (Natürlich aber sollte Geflügel keine roten Stellen mehr aufweisen; nach einer sehr üblen Erfahrung nach dem - zweifelhaften - Genuss von unzureichend gebratener Entenbrust in einem Restaurant bin ich da sehr vorsichtig geworden.) Erfahrungen müssen gemacht werden! Grazie an alle, die sich an der Diskussion beteiligt hatten!

Restaurant-Tipp: 
Settimio al Pantheon
Via delle Colonnelle, 14
00186 Rom
+39066789651







♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Freitag, 8. Januar 2016

Musik für den Gaumen: Pane Carasau (Carta da musica) con pomodorini



Manche Gerichte sind so einfach, dass man sich fast schämt, sie zu bloggen!
Ein paar Tomaten, Kapern, Zwiebelchen - und Brot. Aber was für ein Brot!
Eine Packung mit dieser typisch sardischen Brotspezialität, die auf der Insel in keinem Brotkörbchen fehlen darf, schiebe ich schon seit Monaten im Regal von der einen in die andere Ecke.
Schatzsuche im Vorratsschrank - so nennt sich ein Dauerevent  im Blog von Susanne, der den wunderbaren Namen Magentratzerl trägt - für mich als Hessin fast ein Zungenbrecher.
Fast so zungenbrecherisch wie die sardische Sprache! Doch davon später.
Jedenfalls hat mich Susanne eingeladen, etwas für diesen Event, der nun in die siebte Runde geht, beizutragen.
Gestern ertastete ich also wieder mal diese Packung mit Pane Carasau, die ich im vergangenen Herbst gekauft hatte. Kennt Ihr das auch? Man greift eher nebenbei ins Regal, ganz nach dem Motto: "Da könnte ich doch auch mal was mit machen/wollte ich schon immer mal ausprobieren..."
Dieses taco-chips-ähnliche Brot hält ewig (perfekt für Vorratsschränke), und wenn man dem Aufdruck auf der Packung glauben schenken darf, noch mindestens bis zum Mai 2016!
So lange aber muss es, dem Event sei Dank, nun nicht mehr sein trauriges Dasein bei den Vorräten fristen.
Die sardische Bezeichnung Pane Carasau leitet sich vom Verb carasare ab, das in der sardischen Sprache soviel wie "rösten" oder "knusprig machen" bedeutet. In ganz Italien ist es auch als Carta da musica bekannt, wegen der "Musik", die das knusprige Brot beim Kauen erzeugt.
Die Herstellung dieses Brotes ist langwierig und erfolgt in acht Schritten. Jede Phase der Zubereitung hat ihre ganz eigene sardische Bezeichnung; unverständlich auch für jeden Festlanditaliener oder Sizilianer. Die sardische Sprache, die ihrerseits zahlreiche Dialekte kennt, hat mehr als das Italienische noch viel vom Lateinischen bewahrt und ist durch den Einfluss der spanischen und katalanischen Sprache geprägt.
Es würde an dieser Stelle zu weit führen, die komplizierte Herstellung von Pane Carasau, für die man schon vor Sonnenaufgang aufstehen muss - so will es die Tradition -, im Einzelnen zu beschreiben; jedenfalls ist es der letzte Zubereitungsschritt, der als "Carasare" bezeichnet wird und dem knusprigen Brot seinen Namen gibt.
In der einfachen, bäuerlichen Küche tauchte man dieses dünne Brot kurz in heißes Salzwasser, so dass es etwas aufweichte und man die Brotscheiben wie Lasagneblätter verwenden konnte. Oft belegt mit etwas Tomatensugo, geriebenem Pecorino und einem Spiegelei ("pane frattau"). Heute ist dieses Brot, das einst die einfache Nahrung der Hirten und Bauern darstellte, auch im exklusiven Sardinien eine Köstlichkeit geblieben, die auch der internationale Jet Set in den zahlreichen urigen Agriturismi des Landesinneren nicht verschmäht, wenn er der verfeinerten Kost an der Costa Smeralda überdrüssig geworden ist.
Ich habe das Brot so zubereitet, wie ich es oft in einem kleinen, mittlerweile leider verschwundenen sardischen Ristorante oft zum Antipasto gegessen habe. Darauf hatte ich, trotz des Kälteeinbruchs, aber vielleicht auch wegen der eher winterlichen Kost der vergangenen Wochen, so richtig Lust. Ein wenig Sommer auf dem Teller schadet auch im Januar nicht!




Zutaten
(für 4 Personen)

400 g Strauchtomaten
1 kleine rote Zwiebel
1 El Salzkapern, gut gewässert
2 El Olivenöl extra vergine
1 El Aceto Balsamico
Fleur de Sel
frisch gemahlener Pfeffer
Pane Carasau (Carta da Musica)

Tomaten waschen, eventuell entkernen und in kleine Stücke schneiden. Zwiebel fein würfeln.
Aus dem Olivenöl, dem Aceto-Balsamico, Fleur de Sel und Pfeffer eine Vinaigrette rühren und damit die Tomaten- und Zwiebelwürfel sowie die Salzkapern vermischen.
Pane Carasau in Stücke brechen und schichtweise mit der Tomatensalsa anrichten. Möglichst sofort servieren.
Es darf mit den Händen gegessen werden.

Hier noch ein Stück Sardinien zum Träumen:




♥♥♥
Un abbraccio
Ariane
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