Montag, 24. Juni 2019

"Jubilate" - es gibt Zitronentarte!




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Wir wissen es spätestens seit "Father Brown": Die Geistlichkeit "kriminalisiert" gerne!
Im jüngsten Romkrimi des Autorenpaars Johanna Alba und Jan Chorin  - "Jubilate" - ist es kein geringerer als der Papst höchstpersönlich, der Verbrechern auf der Spur ist. Auch in seinem sechsten Fall kann der durch und durch unkonventionelle Papst Petrus, wie immer gegängelt durch seine undurchsichtige Haushälterin, Schwester Immaculata, das "Kriminalisieren" nicht lassen. Zudem hat er, ganz zum Leidwesen von Immaculata, vielen weiteren "Lastern" frönt. Allzu gerne entflieht er deshalb - oft inkognito auf der Vespa seines Privatsekretärs - den Mauern des Vatikans. Und er teilt noch eine weitere Vorliebe der Geistlichkeit, für die die gestrenge Nonne kein Verständnis aufbringt: Er ist der guten Küche mehr als zugeneigt.








Dass der Klerus gerne ausgiebig und gut isst, kann ich aus eigenen Erfahrungen heraus bestätigen. Vor einigen Jahren nahm ich an einem denkwürdigen Abendessen teil, umringt von geballter katholischer Geistlichkeit. Auch der spätere Papst Benedikt, damals noch als Kardinal Ratzinger Präfekt der Glaubenskongregation, saß mit am Tisch - ja ihm zu Ehren wurde dieses Abendessen überhaupt gegeben. Nun ist der "emeritierte Papst" ein eher asketischer Mensch. Ob er die Köstlichkeiten an jenem Abend genießen konnte, wage ich zu bezweifeln. Umso mehr aber leuchteten die Gesichter der vielen Monsignori um mich herum in durchaus freudiger Erwartung der  kulinarischen Genüsse, die da kommen sollten. Da saß ich nun, weiblich und evangelisch - Ersteres offensichtlich, Letzteres bekamen die frommen Herren in den Unterhaltungen mit -, und hätte mir keine aufmerksameren und charmanteren Tischnachbarn vorstellen können. Als ich nebenbei erwähnte, dass ich nichts Fischiges mag, eilte mein Tischherr, ein Prälat, sofort Richtung Küche, um Anweisungen für Alternativen zu geben, damit ich ja nicht hungrig nach Hause gehen sollte. So sieht wahre christliche Nächstenliebe über die Konfessionsgrenzen hinweg aus!





Aber zurück zu Papst Petrus. Während er in seinem jüngsten "Fall" in einem traumhaften schlossartigen Anwesen in den Albaner Bergen ein geplantes Verbrechen zu verhindern versucht, dabei auf Familiengeheimnisse stößt, frömmelnde Familienmitglieder erzürnt, falsche Identitäten aufdeckt und stets wachsam ein Leben beschützen muss, finden er und seine Verbündeten trotzdem immer wieder die Zeit für ein ausgiebiges Mahl, das oft begleitet wird von einem kühlen Frascati aus den Castelli. Detailliert werden dabei einige Köstlichkeiten der römischen Küche an unzähligen Stellen im Roman beschrieben:

"Bereits die Antipasti waren großartig: frittierte Zucchiniblüten und Artischocken, dazu verschiedene supplì, gebackene, mit Mozzarella, Tomaten und Gewürzen gefüllte Reisbällchen. Den ersten Gang hatte Federico übersprungen, während sich Petrus an seinem Leib- und Magenessen tonnarelli caccio e pepe, cremigen, dicken Nudeln mit Pecorino, gelabt hatte. Zum Hauptgericht teilten sie sich schweigend eine Karaffe Vino Bianco und die scaloppine al limone, kleine Schnitzelchen in Zitronensoße mit viel frischem Pfeffer."¹ 

Anders als seine kriminalisierenden Kollegen steht Papst Petrus auch leidenschaftlich gerne selbst am Herd:

"'Die Antipasti gestern - und eure durchaus wohlwollende Reaktion darauf - haben mich ermutigt, heute einen primo piatto zu kochen', sagte Petrus. 'Es gibt eine schöne amatriciana. Ernesto war so freundlich, mit ein Stück Speck, natürlich guanciale, vom Markt mitzubringen. Ich habe mich inspirieren lassen von Rosalias herrlichen Tomaten, die wirklich eine ganz eigene Süße haben. Ein bisschen Knoblauch, Basilikum, Salz - und fertig.'"²

Gleich zweimal backt Petrus im Roman eine Zitronentarte; zu welchen Anlässen, das sei an dieser Stelle nicht verraten. Diese ursprünglich französische Dessertspezialität, die auch in Italien sehr beliebt ist, gelingt dem Papst natürlich ganz besonders gut mit den prächtigen italienischen Zitronen, die im Schlossgarten geerntet wurden.

"Petrus kam gerade aus der Küche. Seine Nase und seine Schürze waren komplett bemehlt. Vorsichtig balancierte er eine große Tarteform mir zwei riesigen roten Topfhandschuhen vor sich her und stellte sie mitten auf den Tisch...
'Francesco hat mir heute am späten Nachmittag einen ganzen Korb prächtiger Zitronen von Alfredo mitgebracht.'"³



Das war dann die Stelle, bei der mir der Zahn tropfte. Zitronentarte! Diesen cremig süß-sauren Belag, ganz so wie Lemon Curd, spürte ich schon während der Lektüre am Gaumen. Dieses Zeug könnte ich pur aus dem Glas löffeln! Ich musste jetzt so schnell wie möglich zu dieser Tarte kommen!
Zwar blieben mir Alfredos prächtige Zitronen verwehrt, aber auf dem Markt erstand ich welche von der Amalfi-Küste. Auch werden wir wohl nie erfahren, nach welchem Familienrezept Papst Petrus seine Zitronentarte gebacken hat, so dass Ihr nun mit meinem Rezept vorliebnehmen müsst.
Eines aber ist sicher: Mit einem Stück dieser erfrischenden Zitronentarte macht die Lektüre dieses amüsanten Romkrimis doppelt soviel Spaß!








Zutaten
(für eine rechteckige Tarteform von 30 cm x 23 cm)

Mürbeteig

  • 200 g Mehl + Mehl zum Ausrollen
  • 100 g Butter + Butter für die Form
  • 50 g Zucker
  • 1 Ei
  • 1 Prise Salz


Das Mehl in eine Schüssel sieben, in die Mitte eine Mulde drücken und das Ei hineingeben. Kalte Butter in Flöckchen auf den Mehlrand setzen, Zucker und Salz darüberstreuen und alles erst mit einem Messer grob zerhacken. Dann mit den Händen zu einem Mürbeteig kneten, in Folie wickeln und für zwei Stunden in den Kühlschrank legen.
Den Teig aus dem Kühlschrank nehmen und in der Größe der Form auf etwas Mehl ausrollen. Die gebutterte Form damit auslegen und diese eine weitere Stunde in den Kühlschrank stellen.


Füllung

  • 4 unbehandelte Zitronen
  • 150 g feiner Zucker
  • 150 g Butter
  • 1 Vanilleschote
  • 5 Eier


  • Puderzucker


Den Backofen auf 190 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.
Die Butter bei kleiner Hitze zerlassen und abkühlen lassen. In eine Rührschüssel gießen. Mit dem elektrischen Handrührgerät (oder in der Küchenmaschine) den Zucker unterschlagen, bis sich dieser vollständig aufgelöst hat. Die Vanilleschote aufschlitzen, das Mark herauskratzen und dazugeben.
Die Eier einzeln einarbeiten
Die Zitronen heiß waschen und trockentupfen.
Von drei Zitronen die Schale abreiben und die Früchte dann auspressen. Abrieb und Saft zu dem Butter-Eiermasse geben.
Die Form mit dem Teig aus dem Kühlschrank nehmen und den Teig mit einer Gabel mehrmals einstechen.
Die Zitronencrème auf den Teig gießen.
Die Tarte ca. 35 - 40 Minuten backen. Wenn die Crème festzuwerden beginnt, die restliche Zitronen in feine Scheiben schneiden und die Oberfläche damit verzieren.
Sollte die Oberfläche zu dunkel werden, mit etwas Alufolie abdecken.
Die Tarte abgekühlt mit Puderzucker bestäuben.
Sie schmeckt am besten gut gekühlt.







Johanna Alba & Jan Chorin, Jubilate - ein Papst-Krimi, Rowohlt, 2019
www.papstkrimi.de

¹ Jubilate, S. 13
² Ebd., S. 200f.
³ Ebd., S. 292

*Der Roman wurde mir vom Rowohlt-Verlag kostenlos zur Verfügung gestellt.





Kommentare:

  1. Die Zitronentarte führt mich momentan nicht in Versuchung (da gerade eine Aprikosenwähe - mit putzigen, rotbackigen Früchtchen aus dem Elsass - im Ofen weilt), aber das Buch will und muss ich haben. :-)

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    1. ... und ich muss nun ständig an diese rotbackigen Aprikosen denken! So eine Wähe passt auch bestens zur Lektüre! :-)

      Saluti
      Ariane

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  2. Mit Genuss gelesen!

    Meine weiteren Schritte: 1) Buch kaufen
    2) Zitronentarte nachbacken
    3) Immer wieder Deine Photos bewundern und den Text lesen

    Liebe Grüße & danke
    Elena

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    1. Gerne, liebe Elena!
      Dann viel Genuss mit Tarte und Lektüre! :-)

      Saluti
      Ariane

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  3. ich schließe mich dem Kommentar von Elena an,
    mit der Ergänzung 4) wieder einmal nach Rom fahren!
    lg

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    1. Romreise planen, Buch einpacken - und dann ab in die Albaner Berge zu den Schauplätzen!

      Saluti
      Ariane

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