Mittwoch, 27. Januar 2021

Wenn eine Beilage die Hauptrolle spielt: Radicchio tardivo con fonduta di Montasio

 


Beilagen wurden bei mir im Blog oft stiefmütterlich behandelt. Dabei schiebe ich für eine raffinierte Beilage jedes Stückchen Fleisch zur Seite. Wenn ich auf dem Markt die wunderschönen "Winterblumen" erspähe, so verwende ich sie meistens für ein Pastagericht. Dort vermählt sich der Radicchio tardivo di Treviso gerne mit cremigem Taleggio und herzhafter Pancetta; die reizvolle Bitternote oft gemildert durch die Zugabe von Maronen. So setzt sich mein Lieblings-Winter-Pasta-Essen zusammen. Aber eigentlich sollte man den schon wunderschön anzusehenden Radicchio selbst einmal hervorheben. Er verdient es, endlich mal eine Hauptrolle zu spielen! Auch wenn es doch ein Contorno bleibt.




Radicchio als Beilage verirrt sich in den Ristoranti Italiens schon mal auf den kleinen Contorno-Teller mit gegrilltem Gemüse. Übrigens werden in Italien in der Regel die Beilagen immer auf einem extra Teller serviert. Das kommt mir persönlich sehr entgegen; je nach Beilage mag ich es nämlich überhaupt nicht, wenn sich alles auf einem Teller vermischt. Wobei im saucenarmen Italien kaum die Gefahr eines unappetitlichen Ineinanderlaufens besteht. Radicchio als Beilage also. Oft nur lieblos auf den Grill gelegt - ein Schicksal, das leider auch den (ungewürzten) Zucchini- und Auberginenscheiben widerfährt -, konnte er so mein Herz nicht erobern. Vor allem ist eine solche Behandlung ein kulinarisches Verbrechen, überstehen doch die seidigen Blätter kaum diese Tortur.  Aber bei den Beilagen gibt man sich oft wenig Mühe. Nun ist Rom auch nicht gerade für raffinierte Küche bekannt. Im Veneto wird da dem Radicchio schon ganz anders gehuldigt, spielt er dort in vielen Gerichten eine Hauptrolle. Sogar Desserts bereitet man dort mit dem Gemüse zu. Vielleicht wage ich mich demnächst auch mal daran...





Zutaten und Zubereitung
(als Beilage für 4 Personen)


  • 4-5 Radicchi tardivi di Treviso
  • 30 g Butter
  • 1 El Mehl
  • 250 ml Milch
  • 100 g Montasio (italienischer Käse aus der Region Friaul-Julisch Venetien)
  • 2 El Pinienkerne
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer
  • frisch geriebene Muskatnuss

Für die Fonduta den Käse reiben. In einem Topf die Butter schmelzen lassen und das Mehl hinzugeben. Aufschäumen lassen und dann die vorher erhitze Milch einrühren und alles aufkochen lassen. Den geriebenen Käse in der Béchamel schmelzen lassen und mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss abschmecken. 

Den Radicchio waschen und der Länge nach vierteln. In einer normalen Pfanne oder Grillpfanne von allen Seiten behutsam anbraten. Salzen und Pfeffern. Die Pinienkerne in einer beschichteten Pfanne kurz anrösten.

Die warme Fonduta über dem Radicchio verteilen und mit den Pinienkernen bestreuen.


⚜⚜⚜


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Kommentare:

  1. Mit dem Käse stelle ich mir das als Variante auch sehr lecker vor! Radicchio mag ich nämlich gerne; wir kriegen hier nur selten gute Exemplare. Auch optisch finde ich Dein Rezept sehr gelungen!

    Ein Rezept aus dem Veneto habe ich mal nachgekocht, nach einem Blog, mit einer Sauce aus Senf, Sardellen, usw. Ist schon seit 10 Jahren auf dem Blog (die Zeit vergeht...).

    Bittere Gemüsesorten bekommt man ja kaum noch. Ich werde mal wieder nach Radicchio Ausschau halten. Damit gibt's sicherlich noch spannende Rezepte.

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    1. Radicchio liebt Käse! Das kann ich immer wieder feststellen. Dieser Tardivo hat ja auch eine wirklich angenehme Bitterkeit - und dann diese seidigen Blätter!
      Freut mich, wenn Dir das Rezept gefällt! :-)

      Saluti
      Ariane

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  2. Guten Morgen liebe Ariane, ich stimme dem Kommentar von Barbara bei. Auch ich finde selten diesen wunderbaren Radicchio bei uns, habe ihn aber schon einmal probiert. Das Rezept hier macht wirklich Appetit und wird von mir gespeichert.
    LG Biggi

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    1. Es ist wirklich ein Jammer, wenn man den Radicchio Tardivo in Deutschland nur schwer findet. Also, wenn man ihn mal erspäht: sofort zugreifen! Mir geht das mit anderen Gemüsesorten so, die in Deutschland überall zu haben sind.

      Saluti
      Ariane

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  3. Hallo Ariane, ich mag auch sehr gerne Gemüse, das eine bittere Note gibt. Dazu gehört für mich der Radicchio besonders im Winter zu den Favoriten. Dein Gericht, das übrigens super ausschaut, hat mir den Ansporn gegeben auch mal was mit Radicchio tardivo zu probieren. Den zu bekommen muss ich wahrscheinlich zum Wochenmarkt in die nächste Stadt fahren, aber macht nichts. Es wird probiert.
    Danke für die gute Idee.
    Liebe Grüße von Irmi

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    1. Für so einen Radicchio ist kein Weg zu weit! ;-)
      Viel Glück bei der Suche! <3

      Saluti
      Ariane

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  4. ganz ganz toll! Ich mag diesen schönen Radicchio sehr gern, nur bekommt man ihn bei uns leider auch kaum. lg

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    1. Danke, liebe Friederike! Ich hätte nicht gedacht, dass der so schwer zu bekommen ist, wie man aus den ganzen Kommentaren herauslesen kann. Wirklich schade!

      Saluti
      Ariane

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  5. Liebe Ariane, danke für den Käsetipp in Sachen Radicchio. Ich grille meinen tatsächlich gern mit Olivenöl getränkt im Backofen und esse frischen Dip mit griechischem Joghurt, der mit Tahin und Limettensaft gepimpt wurde, dazu.
    Meinst du, die käsige Variante, die du uns hier vorstellst, klappt auch mit dem runden Radicchio. Die genaue Sorte kenne ich leider nicht, aber den bekommt man noch am Ehesten...
    LG Peggy

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    1. Deine Version klingt auch unglaublich gut! Ich liebe alle Dipps mit Tahin wie z.B. Hummus.<3
      Sicher klappt das auch mit gevierteltem runden Radicchio. Vielleicht kommst Du aber auch einfacher an den länglichen "Precoce". Den runden Radicchio nehme ich eher für Salat.

      Saluti
      Ariane

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