Donnerstag, 15. März 2012

Ich glaub', ich bin im Wald - Latschenpasta mit Südtiroler Speck und Graukäse



Glücklicherweise habe ich aus den wenigen Tagen Skifahren in Südtirol kein Gipsbein mit nach Rom zurückgebracht, sondern die Anregung zu einem besonderen Gericht.
An dieser Stelle sollte allerdings das Rezept für einen Risotto stehen, das sich aber leider mangels einer bestimmten und sehr ungewöhnlichen Zutat, die absolut unauffindbar war, nicht verwirklichen läßt.
Soviel sei kurz hier erzählt: Auf einer Skihütte war ein kleine Stärkung für einige skibegeisterte Mitglieder des Auslandspresseclubs von Italien organisiert. Der ungewöhnlichste Gang dieses Mittagessens war ein Zirbenrisotto. Zunächst konnte niemand diesen seltsamen Geschmack einordnen. Wir rätselten schon angesichts der intensiv lindgrünen Farbe, um was es sich wohl handele, und ich tippte zunächst auf Spinat, den man - wie auch immer - zum Färben  benutzt haben mag. Wäre da nur nicht der völlig eigenartige Geschmack gewesen. Eine Frau am Tisch meinte, es sei wohl Korianderkraut, wogegen ich aber heftigst widersprach.
Nun, es waren alles Journalisten, die am Tisch saßen, und ihre wohl angeborene und für diesen Beruf unabdingbare Neugier brachte uns nach lebhafter Befragung der Kellnerin schließlich die Erkenntnis ein, dass der Geschmack und die Farbe von den im Gericht verwendeten Zirbennadeln kamen.
Der Mensch ist ein seltsames Wesen! Kaum hatte ich das gehört, dachte ich auch schon (frei nach Goethe: Man sieht nur, was man weiß!): Klar, riecht wie die Latschenkieferschaumbäder aus meinen Kindertagen!

Ich begab mich also am nächsten Tag auf die Suche nach diesen Zirbennadeln, dachte ich doch ganz naiv, die gebe es, wie überall getrockneten Thymian und Majoran, im jedem Südtiroler Gewürzregal. Von eher touristischen Spezialitätenläden mit den unsäglichen Brettchen aus Wurzelholz, die zum Honig verkauft werden, über esoterisch angehauchte Reformhäuser bis hin zum einfachen Supermarkt durchkämmte ich zunächst hoffnungsvoll, doch letztlich vergeblich die Geschäfte, landete schließlich in der Apotheke und bekam vom netten Apotheker den Rat, selbst in den Wald zu gehen, nach Zirben Ausschau zu halten ("die erkennt man sofort" - naja, ich bin ein Stadtkind) und das Gewünschte zu "ernten". Er nannte mir sogar ein vielversprechendes Plätzchen in der näheren Umgebung.
Alle Hoffnung wurde allerdings noch vor meiner Pirsch zunichte gemacht, als mir am nächsten Tag einer der anwesenden Journalisten erzählte, er sei in der Skihütte noch in die Küche gegangen und habe den Koch befragt: Der Risotto ist die Spezialität und wohl auch Erfindung des Hauses, diese Nadeln gibt es als Gewürz nirgends zu kaufen, und man kann sie nur ganz früh im Jahr ernten - die ersten jungen Triebe wohl -, dann werden sie zu Pulver verarbeitet.
Das war's dann wohl mit dem Risotto!
Nicht gerechnet und wirklich erfreut war ich über die liebe Reaktion einiger netter Journalisten: Cristina  brachte mir zum Trost ein Päckchen Südtiroler Latschen- und Bergkräuternudeln mit (hatte ich natürlich längst auch schon erspäht und gekauft), und Eliana stellte mir ein ein kleines Einmachgläschen mit Zirbensalz auf den Tisch - das sich dann als Badesalz entpuppte...Es war fast wie Weihnachten - und ich war gerührt!
Also, das Rezept, das ich jetzt aus typisch Südtiroler Zutaten zusammengebastelt habe, ist diesen lieben Menschen gewidmet!
Weil es darüber hinaus auch flott zuzubereiten ist, paßt es als Beitrag zu "Cucina rapida".



Zutaten (für 2 Personen)

  • 250 g Südtiroler Latschen- und Bergkräuter-Bandnudeln
  • 100 g Südtiroler Speck
  • 100 g Graukäse
  • 2-3 Frühlingszwiebel
  • 1 El Olivenöl extra vergine
  • 1 El Butter
  • frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
  • etwas Schüttelbrot (fakultativ)

Die Frühlingszwiebel putzen, waschen und in feine Ringe schneiden; das Grün zur Seite legen.
Den Speck von Fetträndern befreien und in feine Juliennestreifen schneiden, den Käse reiben - er zerbröselt dabei etwas, macht aber nichts!
Wasser für die Pasta aufstellen, zum Kochen bringen, salzen und die Pasta hineingeben. Währenddessen in einer Pfanne Olivenöl und Butter erhitzen, das Weiße der Frühlingszwiebel kurz anschwitzen und dann die Speckstreifen hinzufügen.
Die Pasta eine Minute kürzer als auf der Packung angegeben kochen, abgiessen und zu den Frühlingszwiebeln und dem Speck in die Pfanne geben. Den Käse hinzufügen und gut untermischen; eventuell noch etwas Olivenöl hinzufügen. Mit schwarzem Pfeffer abschmecken (Salz ist nicht mehr notwendig) und vor dem Servieren mit dem Grün der Frühlingszwiebeln bestreuen. Wer mag, kann für einen "Knuspereffekt" noch etwas Schüttelbrot darüberbröseln.

Auch dieses Pastagericht aus Südtirol möchte gerne am Blogevent "Cookbook of Colors" teilnehmen:

HighFoodality Blog-Event Cookbook of Colors

♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Kommentare:

  1. Wenn ich das so lese, würde ich fast behaupten, du warst bei Franz! Die Pasta liest sich klasse. Ich als Südtirolfan bastel die nach. Im April sind wir wieder da und dann hab ich die Gelegenheit Latschennadeln zu sammeln. Bergkräuter hab ich noch vom Herbst...dürfte passen :-))))))))

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    1. Oj ja, selbst gemacht, müßte die Pasta ja noch besser schmecken - wahrscheinlich auch noch intensiver! Freue mich schon mal auf Dein Rezept!
      Der "Franz" kocht wohl sehr gut...:-)))
      Saluti Ariane

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  2. Der Franz kocht sehr sehr gut! Gostner Schwaige...Seiser-Alm ;-)

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    1. Das werde ich mir dann mal merken! Danke für den Tipp!!!

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  3. Latschen-Pasta habe ich ja noch nie gehört - geschweige denn gegessen! :D Davon will ich auch mal welche probieren - aber ohne Speck. ;)

    Liebe Grüße,
    Sarah

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    1. Das ist ein so feines Aroma - das schmeckt auch ohne Speck und nur mit etwas Käse.
      LG Ariane

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  4. Interessant! Zum Glück hast du bemerkt, dass es beim Zirbensalz um Badesalz handelt, wobei vielleicht ist das ja die Geheimzutat im Risotto? ;-))

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  5. Vielen Dank für die amüsanten Minuten. Durch Zufall vorbeigekommen, geschmunzelt und gelacht und ein feines Rezept mitgenommen! Da bekommt der Graukas heut eine neue Verwendung...
    Grüße aus dem Osttiroler Pustertal

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