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Freitag, 7. November 2014

Auf dem Weg zum "Mangiafagioli" - oder wie die "Fagioli al fiasco" beinahe zum Fiasko wurden



Wenn das so weitergeht, werde auch ich noch zum "Mangiafagioli" - zum "Bohnen(fr)esser", wie man in Italien ein wenig schelmisch die Bewohner der Toskana nennt. Aber selber Schuld: In der Toskana gibt es wirklich kaum eine Trattoria, die keine Bohnen als Beilage auf ihrer Speisekarte führt.
Von mir gibt es nun eine dritte toskanische Spezialität in Folge mit den weißen Cannellini-Bohnen. Ich hatte Euch ja vorgewarnt (und hoffentlich auch neugierig gemacht). Nach der Ribollita und dem Aufstrich für die Crostini con crema di cannellini folgt nun das in der Zubereitung wohl ungewöhnlichste Rezept, denn die Bohnen werden auf ganz besondere Art und Weise gekocht.
Die Zubereitung dieser typischen Beilage aus der Toskana - den Fagioli al fiasco - verlangt dem Koch oder der Köchin etwas Geduld ab. Es dauert schon einige Stunden, bis man das Bohnengericht zu Tisch bringen kann. Früher nutze man eine ganze, lange Nacht, denn die bauchige Flasche, nach der dieses Gericht benannt ist, wurde einfach in die Glut des noch warmen Ofens gestellt, in dem man das Brot gebacken hatte. So konnten die Bohnen über Nacht langsam schmoren.
Auch heute verlangt die Zubereitung einige Stunden; leider nur steht mir keine offene Feuerstelle zur Verfügung, und so wurden die Bohnen ersatzweise im Wasserbad weichgekocht.
Ich musste mir erst einmal eine passende Flasche besorgen, um die Bohnen nach den traditionellen Rezepten zuzubereiten. In Rom scheinen jedoch viele das Gericht nicht zu kennen, und auch die betagte Ladenbesitzerin des kleinen Geschäfts "um die Ecke", die von Kochtöpfen, Wäscheklammern, Müllsäcken und Plastikwannen bis hin zu gläsernen Joghurtbechern, die sie wohl vorher ausgelöffelt, gesäubert und wieder zum Verkauf anbietet, so alles führt, was man eben so im Haushalt brauchen kann, schüttelte nur den Kopf.


Tante-Emma-Laden für Haushaltswaren auf römisch

Von diesem Gericht und auch dessen Zubereitung hatte sie jedenfalls noch nie gehört. Ich bin dann bis zum römischen Ghetto gelaufen, wo ich schließlich in einem ebenfalls sehr abenteuerlichen Geschäft, angesiedelt zwischen Drogeriemarkt und Haushaltswaren, eine bauchige Flasche erstand  - der ein trauriges Schicksal bevorstand.
Die Zubereitung der Bohnen endete beinahe in in einem kleinen - Fiasko, ja richtig: Fiasko (davon später mehr)! Das Wort, das wir heute für Missgeschicke benutzen, leitet sich tatsächlich von der Bezeichnung für die bauchigen Chianti-Flaschen ab! 
Ich war also kurz davor, eine jener Flaschen mit Chianti-Wein zu kaufen, die man heute hauptsächlich den Touristen andreht. Leider hat dieser Fusel in den zurückliegenden Jahren den berühmtesten Wein der Toskana aufs Vortrefflichste in Verruf gebracht. 
Ursprünglich wurden in der Toskana die bauchigen Flaschen, nachdem der Wein getrunken war, für die Zubereitung dieses Bohnengerichts weiterverwendet. Dafür musste auf jeden Fall vorher der Bast entfernt werden, der sonst in der Glut Feuer gefangen hätte. Der Bast diente einst dem Schutz des Glases. 
Mir blieb der Kauf einer solchen Flasche - und deren Inhalt - glücklicherweise erspart. Als Fiaschetterie bezeichnen sich übrigens noch heute einige Läden der Toskana, in denen man Wein probieren und auch kaufen kann.
Mein Fläschchen war zwar nicht sehr groß, reichte aber aus, um 200 Gramm der getrockneten Cannellini-Bohnen darin zuzubereiten. Auf jeden Fall sollte die Öffnung weit genug sein, um die gekochten Bohnen wieder herauszulassen; mit einer normalen Weinflasche klappt das nämlich nicht.
Selten war ich auf das Ergebnis so gespannt!




Zutaten
(für zwei Personen)

200 g getrocknete Cannellini-Bohnen
1 Knoblauchzehe
3-4 Salbeiblätter
Salz, frisch gemahlener Pfeffer
Olivenöl extra vergine

1 bauchige Flasche von ca. 1 L Inhalt
etwas Watte

Die Bohnen in ein Sieb geben und abbrausen. In eine Schüssel füllen, mit Wasser bedecken und zwölf Stunden einweichen. Danach abgießen und nochmals abbrausen.
Nun werden die Bohnen in die bauchige Flasche gefüllt, Salbeiblätter, die angedrückte Knoblauchzehe, drei Esslöffel Olivenöl und frisch gemahlener Pfeffer kommen dazu. Sogar etwas Salz, eine Zutat, die eigentlich beim Weichkochen von Hülsenfrüchte tabu ist, aber so hatte ich es in allen Rezepten gelesen. Etwas Wasser angießen, damit die Bohnen ein paar Zentimeter hoch bedeckt sind.
Nun wird die Flasche mit Watte verschlossen und in einen mit Wasser gefüllten und gegen das Klappern mit einem Küchentuch ausgelegten Topf gestellt.



Das Wasser wird zum Kochen gebracht und muss dann fünf Stunden köchelnd gehalten werden. Ab und an muss man etwas Wasser in den Topf nachgießen (nicht in die Flasche!!) - und da passierte gut eine Stunde vor dem Ende der Kochzeit das kleine Missgeschick, das beinahe in dem sprichwörtlichen Fiasko geendet hätte: Zu kühles Wasser spritze auf die heiße Flasche, und sie sprang mit einem kleinen "Knacks". Ich bibberte dem Ende entgegen, aber tapfer hielt meine kleine Flasche mit dem Riss im Glas durch, brach nicht vollständig auseinander und bewahrte somit ihren Inhalt, auch wenn ich sie danach leider wegwerfen musste.
Nach fünf Stunden war der große Augenblick gekommen. Ich ließ die Flasche eine Zeit lange im Wasser auskühlen, kippte dann ihren Inhalt in eine Schüssel, was ungefähr dieselbe zurückhaltend-energische Kraft erforderte, mit der man auch mit einer Ketchup-Flasche hantiert. Die gesprungene Flasche hielt auch hier tapfer durch!
Die Bohnen nun nochmal mit Salz und Pfeffer abschmecken und mit etwas Olivenöl begießen. Fleischliebhaber müssen sich jetzt eine Bistecca alla Fiorentina dazudenken. Dann fühlt man sich wie in einer toskanischen Trattoria!



tierfreitag

♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Freitag, 31. Oktober 2014

Toskanische Appetithäppchen: Crostini con crema di fagioli cannellini


Da müsst Ihr jetzt durch: Es wird noch mindestens ein weiteres Rezept mit den weißen Cannellini-Bohnen aus der Toskana geben, die mir von den Einkäufen für meine Ribollita übriggeblieben sind. Ihr dürft also neugierig bleiben!
Doch zunächst zu einem typischen Antipasto der bäuerlichen Küche der Toskana.
Wer Hummus mag, wird diese Crème aus Cannellini-Bohnen lieben! Crostini mit unterschiedlichem Belag bilden in der ländlichen Toskana oft den Auftakt zu einer deftigen, oft fleischlastigen Schlemmerei. Bei diesem Aufstrich für den kleinen Bruder der Bruschetta, dem Crostino, verbindet sich der feine Salbeigeschmack mit einem Hauch von Knoblauch. So unscheinbar dieser Dipp auch aussehen mag, das Aroma ist himmlich - ich komme ins Schwärmen! Alle nachfolgenden Gänge können gerne auf sich warten lassen. Stellt mir ein paar dieser Crostini auf den Tisch, ein Schälchen mit Oliven und ein Glas Rotwein - und ich bin glücklich!




Zutaten
(für ca. 15 kleine Crostini)

100 g getrocknete Cannellini-Bohnen
2 Knoblauchzehen
1 kleine Schalotte
Olivenöl extra vergine
Salz, frisch gemahlener Pfeffer
Salbeiblätter
geröstete Brotscheiben (Ciabatta oder auch Baguette)

Die getrockneten Bohnen in einem Sieb abbrausen, in eine Schüssel geben und mit Wasser bedecken. Die Bohnen ungefähr 12 Stunden lang einweichen. Danach abgießen und in einem Topf mit frischem Wasser aufsetzen. Ein Salbeiblatt und eine geschälte Knoblauchzehe dazugeben und ungefähr 45-60 Minuten lang köcheln lassen. Die Bohnen sollten weich werden, aber möglichst nicht zu sehr zerfallen.
Nach dieser Zeit die Bohnen abgießen, Kochwasser aufheben.
Die Schalotte in feine Würfel schneiden, Knoblauchzehe und vier Salbeiblätter hacken. In einer Pfanne etwas Olivenöl erhitzen und Schalottenwürfel, Knoblauch und Salbei anschwitzen. Die Bohnen hinzugeben und ungefähr zehn Minuten in der Pfanne schmoren lassen.
Bohnen nun mit Salz und Pfeffer abschmecken, in ein hohes Gefäß geben und mit 2-3 El Olivenöl sowie etwas Bohnenkochwasser pürieren; dabei hilft ein Schneidestab. Ich habe die Crème ziemlich "kompakt" gelassen, wer sie geschmeidiger mag, kann sie mit zusätzlichem Olivenöl oder dem Kochwasser der Bohnen "strecken".
In einer Pfanne etwas Olivenöl erhitzen und ein paar Salbeiblättchen kurz anbraten.
Brotscheiben toasten oder unter dem Backofengrill rösten und mit der möglichst noch warmen Bohnencrème bestreichen. Mit jeweils einem knusprigen Salbeiblatt belegen und noch etwas von dem aromatisierten Olivenöl aus der Pfanne beträufeln.



tierfreitag

♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Montag, 27. Oktober 2014

"Wovon sie besonders schwärmt..." - Ribollita



Schreibt einen Foodblog - und nichts ist mehr wie früher!
Während ich bei früheren Besuchen von Florenz atemlos durch Kirchen und Museen streifte, immer wieder überwältigt von der mit Kunstschätzen so gesegneten Stadt am Arno, darüber das Essen und Trinken vergaß, trage ich heute Tüten mit Kohlgemüse durch die Gassen! 
Ich steuere am Morgen den Mercato Centrale an, nicht etwa die Uffizien. Ich möchte über Ribollita schreiben und halte dafür ein Schwätzchen mit der Marktfrau. So ändern sich die Interessen. Mir fällt dabei ein lang zurückliegender Besuch ein, bei dem ich mit der Direktorin des Opificio delle Pietre Dure über die komplizierte Arbeit des Restaurierens gesprochen hatte, um darüber zu berichten. 
In der Stadt der Renaissance, dieser wundervollsten aller italienischen Städte, sinniere ich nun über ein Eintopfgericht nach! 
Nach einem spartanischen Frühstück geht es zum Mercato Centrale, natürlich nicht ohne einen Schlenker zu Ghirlandaios "Cenacolo" bei der Kirche "Ognisanti" und einem Kurzbesuch in Santa Maria Novella, um dort Masaccios "Trinità", jenes für die Entwicklung der Zentralperspektive so bedeutende Werk, zu bewundern. Da kann ich nicht anders, mich hätte mein schlechtes Gewissen allzu sehr gedrückt, würde ich diese Schätze dieses Mal schnöde links liegenlassen. Ribollita hin oder her!



Trotzdem, ich will schnell zum Markt, jenen überdachten Markhallen, die übrigens vom Architekten der Galleria Vittorio Emanuele II in Mailand entworfen wurden: Giuseppe Mengoni. Ein paar wenige Jahre lang war Florenz übrigens Hauptstadt des Königreichs Italiens - man spricht hier von der Epoche des Risanamento di Firenze. Zu dieser Zeit entstanden diese Markthallen (1870-1874),


Auf zwei Ebenen findet der Feinschmecker hier alles, aus was sich die typisch toskanische Küche zusammensetzt. Dass in dieser Region fleischlastig gekocht wird, ist nicht zu übersehen. Zahlreiche Metzgerläden bieten Unmengen von Fleisch in riesigen Stücken dar. Sensiblen veganen Gemütern ist wahrscheinlich nur schwer der Anblick von Innereien und Kuhnasen zuzumuten, die man dort in den Auslagen findet. Auch ich muss kurz schlucken.





Die ungekrönte Spezialität dieser Markthallen, Trippa alla Fiorentina, wird für die beim Einkauf hungrig geworde Kundschaft an pittoresken Ständen angeboten. Denn was dem Berliner seine Curry-Wurst und dem Münchner seine Leberkässemmel, das sind dem Florentiner seine Kutteln.



In der oberen Ebene hat sich das Edelkaufhaus für italienische Spezialitäten "Eataly" niedergelassen, mit Läden und schicken kleinen Restaurants. Während unten vorwiegend die Einheimischen einkaufen - man hört es am Dialekt, der jedes "c"  in ein gehauchtes "h" verwandelt -, sieht man im oberen Stockwerk auch viele ausländische Besucher, die ihre Museumstour für einen Ausflug in die Welt der toskanischen Küche unterbrechen.




Trotzdem, auch hier gibt es viele, meist junge Florentiner, die zur Mittagszeit einen kleinen Snack zu sich nehmen.
Zurück im Untergeschoss suche und finde ich letztlich meine entscheidende Zutat für die Ribollita: Cavolo nero  -  der berühmte schwarze Kohl aus der Toskana.
Hier noch ein paar weitere Impressionen von der Markthalle:












Beim Marktstand auf dem Foto oben kaufe ich den Cavolo Nero. Dazu lasse ich mir gleich noch einen halben Wirsingkopf packen, in einem anderen Markt erstehe ich noch ein Päckchen getrocknete Cannellini-Bohnen, auch diese unentbehrlich in der toskanischen Küche, und kann danach entspannt mein Florenzprogramm angehen, das nun wieder ganz im Zeichen der Kunst steht.







Mir stehen nur wenige Stunden dieses Mal zu Verfügung, und ich verlasse die Stadt nie, ohne den wunderbaren Fresken von Giotto in Santa Croce einen Besuch abzustatten. Zu Unizeiten habe ich einmal eine Arbeit über den Freskenzyklus mit Szenen aus dem Leben des Hl. Franziskus in der Bardi-Kapelle geschrieben, und die dargestellten Figuren sind mit der Zeit so etwas wie alte Bekannte für mich geworden, die man wenigstens kurz grüßen muss.




Jetzt aber wieder zu profaneren Dingen: Für die merklich sinkenden Temperaturen ist dieser toskanische Gemüseeintopf wie ein wärmender Schal von Innen. Ein wärmender, wenn auch wenig ansehnlicher Schal allerdings. Wenn der Wind in der kalten Jahreszeit durch die Gassen der oft auf einem Cucuzzolo (Hügelspitze) gelegenen Borghi (befestigtes Dorf) pfeift, gibt es nichts besseres! Eigentlich ist die Ribollita gänzlich Food-Blog-ungeeignet, da das Ergebnis alles andere als fotogen ist. Und ein Arme-Leute-Gericht mal wieder. Eines, bei dem auch das letzte Stückchen trocken Brot zur Verwendung kommt.
"Pane di un giorno e vino di un anno (einen Tag altes Brot und ein Jahr alter Wein)", sagt man in der Toskana.
Natürlich besorge ich mir auch ein Stückchen salzloses toskanisches Brot in Florenz, denn meine Ribollita soll ja möglichst authentisch werden. Das Wort Ribollita bezieht sich auf die Gewohnheit, den Gemüseeintopf noch einmal aufzukochen, dann das trockene Brot darin zu versenken, so dass es wieder genießbar wird.
Am Tag der Zubereitung schmeckte die Ribollita schon richtig gut, aufgewärmt am nächsten Tag aber noch sehr viel besser!
Um es mit der Witwe Bolte zu sagen: 
"Wovon sie besonders schwärmt, wenn er wieder aufgewärmt".



Zutaten

200 g getrocknete Cannellini-Bohnen
1 Knoblauchzehe
1 große Zwiebel
2 Karotten
2 Stangenselleriestangen
1/2 Wirsingkopf
300 g Schwarzkohl (Cavolo Nero) 
3 Tomaten (wenn möglich San Marzano)
1 kleines Sträußchen glatte Petersilie
30 g Basilikum
Olivenöl extra vergine
Salz, frisch gemahlener Pfeffer
1 Prise getrocknete Nepitella/Mentuccia (Bergminze)
ein paar Scheiben trockenes, wenn möglich salzloses toskanisches Brot

Die Bohnen in einem Sieb abbrausen, dann in kaltem Wasser ungefähr 12 Stunden einweichen.
Wasser wegschütten und die Bohnen, mit frischem Wasser bedeckt, ca. 45-60 Minuten mit der geschälten Knoblauchzehe köcheln lassen. Wenn die Bohnen weich sind, die Hälfte davon mit etwas Kochwasser (dieses unbedingt aufheben) durch ein Passiergerät drehen. Bohnenpüree, ganze Bohnen und Kochwasser zur Seite stellen.
Kohlsorten waschen und von Strünken befreien. In breitere Streifen schneiden.
Die Zwiebel in Würfel, Stangensellerie und Karotten in grobe Stücke schneiden. Olivenöl in einem großen Topf erhitzen und Zwiebel-, Sellerie- und Karottenwürfel anschwitzen.
Die in breite Streifen geschnittenen Kohlsorten mit einer Tasse heißem Wasser hinzufügen und ohne Deckel eine Viertelstunde köcheln lassen.
In der Zwischenzeit Tomaten mit heißem Wasser übergießen, häuten und in Würfel schneiden. Petersilie und Basilikumblätter waschen und trockenschleudern. Petersilie fein wiegen, die Basilikumblätter in Streifen schneiden.
Nach der Viertelstunde Tomaten und Kräuter zu dem Kohl geben, salzen, pfeffern und eine Prise Nepitella zufügen. Nochmal eine Tasse heißes Wasser nachgießen und alles zugedeckt eine halbe Stunde köcheln lassen. 
Nach dieser Zeit das Bohnenpuree und noch etwas von dem Bohnenkochwasser zum Kohl geben und zugedeckt eine weitere Stunde köcheln lassen. Wenn nötig etwas Wasser dazugeben.
Zum Schluss die ganzen Bohnen unter den Eintopf  mischen und diesen nochmal mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Brotscheiben in den Tellern verteilen und den heißen Eintopf darüber geben. Mit etwas Olivenöl beträufeln.

Einkaufstipp:
Mercato Centrale Firenze, Piazza del Mercato Centrale - Via del'Ariento. 50123 Firenze,
http://www.mercatocentrale.it/





tierfreitag


♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Mittwoch, 18. Juni 2014

Sommerpasta Teil III: Spaghettini in salsa di cannellini, rucola e salame - und ein Gast namens Emma



Darf das eigentlich noch "Sommerpasta" heißen? Seit drei Tagen regnet und donnert es immer wieder, und das zum Teil heftig! Die Sonne blitzt nur ab und an mal durch die Wolkendecke. Umso mehr braucht man dann einen Teller mit Pasta, um die Laune im Gleichgewicht zu halten.
Das folgende Gericht, das ich ausprobiert habe (und auch hier habe ich wieder in der neuesten Ausgabe von Sale & Pepe gespickt), bringt uns mit seinen Zutaten in die Toskana: Cannellini-Bohnen und Salami mit Fenchelsamen. Im Original-Rezept wird  nur eine "pikante" Salami verwendet, aber da ich bei den Cannellini-Bohnen sofort an die Toskana denken musste, deren Bewohner böse Zungen auch den Spitznamen "Mangiafagioli" (Bohnenfresser) verpasst haben, musste es für mich auf jeden Fall eine mit Fenchel gewürzte Salami sein! Allerdings habe ich hier keine Finocchiona verwendet, die berühmteste mit Fenchel aromatisierte Wurstspezialität aus der Toskana, denn sie hat eine zu weiche Konsistenz.
In der kleinen Antica Norceneria Viola auf dem Campo de' fiori, einem mit Würsten und Schinken vollgestopften Laden mit überwiegend umbrischen Spezialitäten, habe ich mich dann beraten lassen und zwei verschiedene, härtere Salamisorten zur Auswahl gekauft, die ich hauchfein hobeln kann.
Seit heute gibt es übrigens im Haus noch einen dritten Gast, der mit Essen versorgt werden muss, aber davon später mehr.




Zutaten
(für 2 Personen)

1 Glas Cannellini-Bohnen (250 g Abtropfgewicht)
60 g harte, italienische Salami (mit Fenchelsamen gewürzt,
 im Original wird zu einer "salame piccante" geraten)
ca. 70 g Rucola
3 Salbeiblätter (im Original: 1 Lorbeerblatt)
1 Knoblauchzehe
etwas Bio-Gemüsebrühe (ca. 50 ml)
Olivenöl extra vergine
Salz, frisch gemahlener Pfeffer
250 g Spaghettini

Die Cannellini-Bohnen in ein Sieb geben und mit kaltem Wasser abbrausen. Knoblauchzehe schälen und in einer Pfanne zusammen mit den Salbeiblättern in 4 El Olivenöl leicht anschwitzen. Die abgetropften Bohnen hinzufügen, mit Salz und Pfeffer abschmecken und wenige Minuten erhitzen, dann die Gemüsebrühe hinzufügen und nochmals 4 Minuten köcheln lassen.
Knoblauchzehe (ich habe sie bei den Bohnen gelassen) und den Salbei entfernen und die Bohnen in einem Mixer oder mit dem Pürierstab zu einer feinen Crème verarbeiten und wieder in die Pfanne geben.
Die Spaghettini al dente kochen, Rucola waschen und trockenschleudern sowie die Salami in ganz feine Scheibchen schneiden oder hobeln.
Die Pasta zusammen mit den Salamischeibchen und 2/3 der Rucola mit der Bohnencrème vermengen und kurz erhitzen, eventuell noch etwas Nudelkochwasser hinzufügen, auf den Tellern verteilen, übrigen Rucola darüberstreuen und jede Portion noch mit etwas Olivenöl beträufeln und schwarzen Pfeffer darübermahlen.

Frei nach einem Rezept aus Sale & Pepe, Juni 2014

Und jetzt noch schnell zu einem Gast mit Namen Emma

Emma

Seltsame Geräusche, die aus einem Tongefäß zu kommen schienen, haben meinen Mann gestern stutzig gemacht, als er kurz am Nachmittag nach Hause musste. Ein Umstand, der vielleicht ein kleines Tierleben gerettet hat. Urheber der scharrenden Geräusche war eine junge Möwe, die sich irgendwie Zugang ins Haus verschafft zu haben schien - fliegen kann sie noch nicht -, die Treppen hinaufwatschelte und dann bei ersten Flugversuchen in dieses Gefäß geplumpst war. Die Panik, die dieses arme Tier in dem dunkeln, tiefen Behälter überkommen haben muss, konnte man an den "Spuren" ablesen, die es dort hinterlassen hatte.


Unheimliche Geräusche aus dem Topf

Mein Mann hat den Vogel dann befreit und die Fenster des Treppenhauses geöffnet, in der Hoffnung, dass sie wieder davonflattert. Das konnte sie aber noch nicht. So habe ich die kleine Möwe vorsichtig die Treppen hinunter geleitet und zu ihrem Schutz in den innen liegenden Garten des Hauses geführt.


Hier lässt es sich gut leben!

Da hat sie nun vorerst ihr Domizil, geschützt vor anderen Tieren wie streunenden Katzen und vor allem vor dem römischen Verkehr, gefunden. Natürlich muss sie gefüttert werden, eine Aufgabe, die ich nun zusammen mit einer Nachbarin übernommen habe. Im Internet habe ich mich ein bisschen in die Ernährung von jungen Möwen eingelesen.
Heute gab es schon zweimal  Rinderhack, das Emma, so habe ich sie (oder ihn?) getauft, mit Genuss verspeist hat.


Allerdings fürchte ich mittlerweile um den einzig verbliebenen Goldfisch in dem kleinen Wasserbecken, den Emma glücklicherweise aber noch nicht entdeckt zu haben scheint...

Vor zwei Jahren lebten da noch mehrere Fische...


Einkaufstipp:

Antica Norceneria Viola
Piazza Campo de' fiori 43
Google+

♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Freitag, 22. Juni 2012

Toskana-Sehnsüchte - Bruschette con fagioli bianchi

Es gibt Aromen, die können mich an einen entfernten Ort versetzten. So ist das "entfernt" bei mir zwar relativ, aber so oft kommen wir auch nicht in die Toskana. Diese Region gehört für mich, ohne die Reize der anderen Regionen schmälern zu wollen, zu den schönsten Italiens, und noch immer gibt es Ausblicke auf  Hügel, Borghi und Landschaften wie in einem Renaissance-Gemälde.
"Mangiafagioli" - Bohnenfresser - nennen die Italiener etwas abwertend ihre toskanischen Landsleute. Bohnen waren ein Arme-Leute-Essen, das uns allerdings auch wunderbare toskanische Rezepte wie die "Fagioli all'uccelletto" (mit Tomaten und Salbei geschmorte Bohnen) oder auch "Fagioli al fiasco", bei dem die weißen Bohnen in einer typischen bauchigen Glasflasche geschmort werden, beschert hat.
Weiße Bohnen findet man in der Toskana wirklich auf jeder Speisekarte. Auch als Belag von Bruschette oder Crostini sind sie sehr beliebt. Sehr schlicht kommt dieses Antipasto oft daher; das salzlose Brot der Toskana, Ergebnis alter Fehden zwischen den Stadtstaaten (als streitsüchtig gelten die Toskaner noch heute), ist gewöhnungsbedürftig, und die Bohnen sind meist nur mit wenig Rosmarin gekocht.


Ich bereite aus den weißen Cannellini-Bohnen zunächst einen Salat zu, den ich dann auf das geröstete Brot - ich nehme die in Rom geläufige Sorte "Casareccio" (nach Hausmacherart) mit kräftiger Kruste - packe. Dieses Brot schmeckt nur ganz frisch und läßt sich nicht lange aufbewahren.

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