Posts mit dem Label gekochter Schinken werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label gekochter Schinken werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 25. November 2021

Ein Snack für das Homeoffice: Rotolo di pane carasau


Mal schnell eine Auszeit nehmen, das trübe Novemberwetter und die Pandemie vergessen, von Italien und seinen Aromen träumen - wer will das nicht? Oft langt schon ein Gericht, mag es auch noch so bescheiden sein, und man begibt sich auf einen kulinarischen Kurztrip in sein Lieblingsland. Natürlich ist das bei mir Italien, das Land, das so viele Jahre lang mein Zuhause war! Mit dem Kochen hole ich mir vertraute Momente zurück. Oft höre ich dabei - dem Internet sei Dank - meinen Lieblingsradiosender. Und vermeide gerade in dieser Jahreszeit, aus dem Fenster zu schauen!

Pane Carasau bringt uns nach Sardinien. Was es mit dieser Brotspezialität auf sich hat und warum sie auch als Carta di musica bezeichnet wird, hatte ich an anderer Stelle ausführlich beschrieben (Link am Ende). Was für das übrige Italien die Grissini im Brotkörbchen, das ist für Sardinien Pane Carasau. Es lässt sich herrlich beim Warten aufs Essen knabbern, ohne dass man schon satt ist, bevor das Antipasto serviert wird. Gehaltvoller allerdings ist diese üppig gefüllte Rolle, wobei sich auch hier die Kohlehydrate nicht in den Vordergrund spielen. Das Aufrollen ist eine etwas fitzelige Angelegenheit, und ich war schon nahe dran, aufzugeben. Dann packte mich der Ehrgeiz, ich rollte, was - im wahrsten Sinne des Wortes - das Zeug hielt und hob dann das etwas zerfledderte Ergebnis auf das Backblech. Nie hätte ich zu diesem Zeitpunkt gedacht, dass ich das jemals präsentieren kann - schon gar nicht auf dem Blog. Also, falls ihr Lust bekommt, euch nach diesen ehrlichen Worten doch noch an den Rotolo zu wagen, gebt nicht auf! Es geht - irgendwie! Mein Mann, der wieder häufiger im Homeoffice sitzt, war jedenfalls ganz begeistert von diesem Snack. Die inneren Werte zählen halt auch hier!




Zutaten und Zubereitung


  • 4 ganze Blätter Pane Carasau (ersatzweise 16 Viertel)
  • 4 El mittelscharfer Senf
  • 2 Tl Honig
  • je 2 rote und gelbe Paprika
  • 400 g Scamorza affumicata (geräucherte Scamorza)
  • 400 g gekochter Schinken, z.B. Prager Schinken
  • 1 Bund Rughetta
  • Olivenöl extra vergine
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer






Die Paprikaschoten putzen und in Viertel schneiden. Unter dem Backofengrill so lange grillen, bis die Schoten schwarze Blasen werfen. Aus dem Ofen nehmen und mit einem feuchten Küchenhandtuch bedecken. Wenn die Schoten vollständig erkaltet sind, häuten, leicht salzen und pfeffern und mit Olivenöl beträufeln.

Den Senf mit dem Honig verrühren. die Rughetta waschen und vorsichtig trockenschleudern, die Scamorza in möglichst dünne Scheiben schneiden.

Ein Blatt Pane Carasau einweichen, bis es so geschmeidig ist, dass es sich zwar bearbeiten lässt, aber nicht auseinanderfällt. Ich hatte leider nur Viertel, die ich überlappend zusammensetzen musste, um die Basis zu bilden. Auf diese eine zweite Lage eingeweichtes Brot legen.





Die oberste Lage mit etwas von dem Senf-Honig-Gemisch bestreichen und mit Käse, Paprikaschoten, Rughetta und Schinken belegen. Eine weitere Lage eingeweichtes Carasau auflegen, darauf wieder den Senf, Käse und die übrigen Zutaten verteilen. Nun folgt die letzte Lage Carasau, die nun abschließend wieder mit Senf bestrichen und mit den restlichen Zutaten belegt wird. 

Nun das ganze zu einer Rolle aufwickeln. An einigen Stellen wird nun die Füllung durch das zarte Brot brechen. Vorsichtig zusammendrücken und eventuell die Lücken mit zusätzlichen eingeweichten Fetzchen von Pane Carasau verschließen.  

Die Rolle auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen und mit etwas Olivenöl bestreichen.
Im vorgeheizten Backofen (180 Grad Ober- und Unterhitze) 10-15 Minuten backen, bis die Oberfläche leicht Farbe annimmt.

Die Rolle aus dem Ofen nehmen und etwas auskühlen lassen. Dann in nicht zu dünne Scheiben schneiden und mit etwas Rughetta servieren.

⚜

Rezeptquelle: Frei nach Sale&Pepe, Juli 2021

⚜

Weiteres Rezept und Ausführungen zu Pane Carasau: Pane carasau con pomodorini





Freitag, 17. Mai 2019

Für kühle Maitage: Polpettone al prosciutto cotto con asparagi e piselli, pesto di prezzemolo e "Mashed potatoes"



Huhu, da bin ich wieder!
Mit leichter Übertreibung kann ich sagen, dass ich in den vergangenen Wochen einmal quer durch Europa gereist war; kurz nach Ostern gab es ein einen kleinen Aufenthalt in Frankfurt, eine Woche später streifte ich dann mal wieder durch Athen. Nein, es waren keine Urlaubsreisen. In Athen sah ich meinen Mann nur beim Abendessen und für einen Abend in der Oper im neuen Niarchos-Center. Während des Aufenthalts absolvierte er 23 (in Worten: dreiundzwanzig) Termine in sechs Tagen - Augen auf bei der Berufswahl! Da blieb nicht viel Zeit für gemeinsame Erlebnisse und Unternehmungen übrig (einen Samstagnachmittag stahlen wir uns), allerdings wird es mir in der griechischen Metropole auch niemals langweilig. Viele Museen suchte ich nicht zum ersten Mal auf, aber sie sind bei jedem Besuch immer wieder sehenswert. Rund um die Akropolis gibt es viel Natur, die dafür sorgte, dass die Luft intensiv nach Frühling roch. Das Wetter war jedenfalls leicht besser als das in Rom! So verregnete und kühle Maitage habe ich selten erlebt. Nur langsam wagt sich die Sonne wieder hervor und lässt mit ihren wärmenden Strahlen auch die römische Luft nach Mai riechen. Hier ist es der Jasmin, der zu blühen anfängt; sein Duft in unvergleichlich!






Wegen des unbeständigen und eher kühlen Wetters gibt es noch einmal deftige Kost vor dem Sommer, auch wenn das Innenleben des Hackbratens den Frühling erahnen lässt. So mag ich übrigens Fleisch am liebsten - gehackt, gefüllt und mit Kräutern gewürzt! Aus der übrig gebliebenen Petersilie habe ich ein schnelles Pesto gemacht, das hervorragend auch zur Pasta schmeckt. Perfektes Seelenfutter wird es durch die "Mashed Potatoes"; übrigens meine liebste Beilage zu Hackbraten. Etwas amerikanisch angehaucht werden die Kartoffeln nicht wie üblich mit Milch und Butter zerstampft, sondern nur mit etwas Crème fraîche, was dem Püree eine leicht säuerliche Note verleiht. Ein Wohlfühlessen, das kann ich euch versichern!




Zutaten
(für 4-6 Personen)




Polpettone (Hackbraten)

  • 600 g Rinderhack
  • 170 g grüner Spargel
  • 100 g Erbsen (Tiefkühlprodukt)
  • 150 g gekochter Schinken in dünnen Scheiben
  • 20 g glatte Petersilie
  • 2 Scheiben Kastenweißbrot
  • etwas Milch
  • 1 Ei
  • 25 g Parmigiano Reggiano, frisch gerieben
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer
  • frisch geriebene Muskatnuss
  • 1 Tl getr. Majoran
  • Olivenöl extra vergine


Spargel putzen und in kochendem Salzwasser zwei Minuten blanchieren. Erbsen ebenfalls in Salzwasser zwei Minuten blanchieren. Gemüse abgießen, zur Seite stellen und erkalten lassen.

Die Petersilienblättchen von den Stängeln zupfen, waschen, trockenschleudern und mit dem Wiegemesser zerkleinern.
Das Weißbrot in etwas Milch einweichen.

Hackfleisch mit dem Ei, dem Parmigiano, der gehackten Petersilie und dem ausgedrückten Weißbrot vermengen und mit Salz, Pfeffer, Muskatnuss und Majoran würzen.

Den Backofen auf 180 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.

Den Hackfleischteig mit den Händen auf Backpapier oder Alufolie zu einem Rechteck von 40 x 25 cm Kantenlänge drücken.
Zunächst die Erbsen auf dem Teig verteilen, dann den Schinken darüberlegen. Nun die Spargelstangen nebeneinander auf dem Schinken verteilen.

Das Hackfleisch nun von der kurzen Seite her mit Hilfe der Unterlage aufrollen und in eine mit Olivenöl ausgefettete feuerfeste Form legen. Mit etwas Olivenöl beträufeln.
Für ca. 50 Minuten in den vorgeheizten Ofen schieben.



Pesto di prezzemolo (Petersilienpesto)

  • 20 g glatte Petersilie
  • 1 gehäufter El Parmigiano Reggiano, frisch gerieben
  • 1 El Salzkapern, gut abgespült (sie machen zusätzliches Salzen überflüssig)
  • 1 El Pinienkerne
  • 1 Knoblauchzehe
  • Olivenöl extra vergine


Die Blättchen von den Stängeln zupfen, waschen, trockenschleudern und in einen Mixer geben. Kapern und Pinienkerne hinzufügen sowie etwas Olivenöl. Intervallartig den Mixer bedienen, den geriebenen Käse dazugeben und soviel Olivenöl, bis man die gewünschte Konsistenz hat.
(Wie gesagt, dieses Pesto schmeckt hervorragend auch unter Pasta gemischt!)




Mashed Potatoes 
(für zwei Personen)

  • 350 g Kartoffeln
  • 150 g Crème fraîche
  • 1 junge Tropeazwiebel (oder zwei bis drei Frühlingszwiebeln)
  • Salz


Die Kartoffel schälen, in Stücke schneiden und in kaltem Salzwasser aufsetzen. Garkochen (ca. 30 Minuten).
Abgießen und mit der Crème fraîche zerstampfen. Die in dünne Scheiben geschnittene junge Tropeazwiebel untermischen.




Mittwoch, 21. September 2016

Der Feigen Wunsch war mir Befehl: Quiche di fichi, formaggio Montasio e prosciutto cotto



Wir wissen es ja alle und auch immer wieder: Feigen lieben Ziegenkäse, Parmaschinken und oft auch Walnüsse.
"Hmm..." überlegten meine heute auf dem Markt erstandenen Exemplare. "Könntest Du uns nicht einmal eine andere Begleitung gönnen. Immer meckert irgendwo eine Ziege, wenn wir auftauchen - es ist so laaaaaaaangweilig!"
Darauf hin studierte ich eingehend die Käsetheke. Eine Art Bergkäse , so dachte ich mir, könnte den Kerlchen gefallen. Ein Käse mit einem schönen Kräuteraroma, vielleicht aus Österreich oder auch aus Südtirol. Fehlanzeige! Für hiesige Käsetheken existiert das übrige Europa kaum. Mit viel Glück bekommt man einen Gruyère oder auch mal einen Gouda, aber die Bezeichnung kennt man zumindest in meinem Feinkostladen nicht. "Ach so, der mit der roten Rinde, der "holländische Käse", heißt es da.
Ich habe mich für einen Montasio entschieden, ein Käse aus Friaul-Julisch Venetien. Das ist die östlichste Region im Norden Italiens und grenzt an Österreich und Slowenien an.
Dieser Hartkäse aus Kuhmilch hat einen würzigen Geschmack, und man nimmt ihn in der reifen Version auch gerne zum Gratinieren.
Tja, was braucht man ausländischen Käse, wenn der hiesige so gut ist!
Meine Feigen waren jedenfalls zufrieden - und wir auch!



Zutaten
(Für eine rechteckige Quicheform von 12 x 34 cm)

Pâte Brisée

200 g Mehl, gesiebt + Mehl zum Ausrollen
100 g kalte Butter in Stückchen + Butter zum Fetten der Form
1 Prise Salz
7 El kaltes Wasser
Backpapier
Tonkügelchen (oder getr. Hülsenfrüchte) zum Blindbacken

Aus den Zutaten einen Teig herstellen, in Folie wickeln und für eine Stunde in den Kühlschrank legen.
Den Backofen auf 200 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.
Danach aus dem Kühlschrank nehmen, auf einer bemehlten Fläche in der Größe der Form ausrollen, in die gefettete Backform geben, Backpapier auflegen und getrocknete Hülsenfrüchte oder Tonkügelchen hineinschütten.
Form für 15 Minuten in den Ofen schieben, dann herausnehmen, Backpapier und Kügelchen entfernen und für weitere 5 Minuten backen.
Dann aus dem Ofen nehmen.

Füllung

100 g Montasio
80 g gekochter Schinken in einer etwas dickeren Scheibe
2 Frühlingszwiebeln
3 Eier
200 g Crème fraîche
Salz, frisch gemahlener Pfeffer
6 Feigen
3 El Pinienkerne

Käse reiben und den Schinken in feine Würfelchen schneiden.
Die Eier mit der Crème fraîche verquirlen, den geriebenen Käse, den Schinken und die in feine Ringe geschnittenen Frühlingszwiebeln unterrühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Die Mischung auf in Form gießen.
Feigen schälen und halbieren und in die Masse drücken.
Quiche für zwanzig Minuten in den Ofen schieben.
Pinienkerne ohne Fett leicht anrösten und auf die leicht abgekühlte Quiche geben.





♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Donnerstag, 18. Februar 2016

Pikante Konkurrenz für das Original aus Mailand: Panettoncini rustici



Noch immer fristet bei uns ein geschenkter Panettone, der von Weihnachten übrig geblieben war, sein trauriges Dasein. Er kam einfach nicht an gegen meine selbstgebackenen Weihnachtsplätzchen und Kuchen und geriet darüber mehr und mehr in Vergessenheit, obwohl er eigentlich ein prächtiges Kerlchen ist, das unübersehbar auf der Anrichte im Speisezimmer thront.
"Den müssen wir doch endlich mal essen", meinte gestern mein Mann, nachdem ich am Nachmittag auch schon vergeblich nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum gesucht hatte.
Dumm nur, dass er schon wieder Konkurrenz bekommt; pikante Konkurrenz allerdings. Die Mini-Panettoni eignen sich weniger für den Nachmittagskaffee (wie diese hier) oder - wie in Italien um die Weihnachtszeit üblich - als Dolce. Mit Mozzarella und Schinkenstückchen angereichert passen sie dagegen wunderbar zu einem Antipasto-Buffet oder als Brötchenersatz zum Frühstück.
Den geschenkten Panettone werden wir wohl am Wochenende trotzdem endlich schlachten müssen.



Zutaten
(für 4 Förmchen, Durchmesser: 10 cm , Höhe: 6 cm, Inhalt: 350 ml) 

300 g Manitoba-Mehl (ersatzweise Mehltyp 00 oder 0) + Mehl für die Förmchen
150 g Kartoffeln
1 Würfel Hefe
150 ml Milch
3 El Olivenöl extra vergine
1 Prise Zucker
3 Eier
150 g gekochter Schinken in einer dicken Scheibe
150 g Büffelmozzarella
Salz
Butter für die Förmchen

Die Kartoffeln in der Schale in Salzwasser weichkochen, pellen, etwas abkühlen lassen und anschließend zu dem gesiebten Mehl durch eine Kartoffelpresse drücken.
Die Milch mit einer Prise Zucker lauwarm erhitzen und die Hefe darin auflösen.
Olivenöl, Hefemilch, etwas Salz und die verquirlten Eier zu dem Hefe-Kartoffelgemisch geben und mit dem Knethaken zu einem Teig verarbeiten.
Schüssel mit einem Küchenhandtuch abdecken und an einem warmen Ort 45 Minuten gehen lassen.
In der Zwischenzeit Schinken von Fettresten befreien und wie auch die Mozzarella in kleine Würfel schneiden.
Die Förmchen mit der Butter ausfetten und mit etwas Mehl bestäuben (man kann sie auch mit Backpapier auslegen).




Schinken- und Mozzarella-Würfel unter den Teig heben und diesen in den Formen verteilen.
Den Teig für eine weitere Stunde an einem warmen Ort gehen lassen.
Den Backofen auf 180 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.
Die Formen für ca. 25 Minuten in den Ofen schieben.




♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Mittwoch, 25. September 2013

Kulinarische Erinnerungen an einen legendären Ort: Harry's Bar in Venedig



Bis zum heutigen Tag wusste ich nur, dass es ein sehr teurer Spaß war.
"Sag's mir bloß nicht", hatte ich meinen Mann damals und in den darauf folgenden Jahren angefleht, wenn die Sprache auf jenen Abend Ende der neunziger Jahre in Harry's Bar kam. Ich wollte mein eh schon schlechtes Gewissen nicht noch mit einer konkreten Summe belasten. War es damals doch mein Wunsch, einmal in jenem legendären Laden zu speisen, in dem sich einst Hemingway seine Zigarre schmecken ließ und das berühmte Carpaccio erfunden wurde.
Heute aber lüftete sich das Geheimnis, weil mein Mann sich verplapperte.
"Ich bereite zum Abendessen mal wieder diese Tagliolini zu, die wir vor vielen Jahren in Harry's Bar in Venedig gegessen haben. Du erinnerst Dich?" "Klar, für das "Vergnügen" habe ich 700 000 Lire (ca. 700 DM) hingeblättert!"
Das saß - und ich hatte glücklicherweise schon gesessen!
Nicht dass wir damals etwa in Austern, Champagner oder weißen Alba-Trüffeln geschwelgt hätten. Ganz im Gegenteil: Klassische italienische "Hausfrauenküche" stand seit jeher auf dem Programm des Restaurants. Zum Aperitif hatten wir zwei Bellini - klar, immerhin waren wir in Harry's Bar. Danach zweimal Pasta, gefolgt von Hauptgang, dazu Wasser und eine Flasche Wein. Dass wir auch noch ein Dolce genommen hätten, daran können wir uns nicht erinnern. Es folgte die Rechnung...
Ich seh's mal so: Es war eine kleine Zeitreise in die vierziger Jahre, der Einrichtung nach zu schließen. Man speiste in herrlich altmodischem Ambiente, vergilbte Wände und abgenutzte Ledersessel trugen ebenfalls zur fast schon morbiden Atmosphäre bei. Harry's Bar  - Treffpunkt der Filmstars und Literaten. Hier wurden angeblich Romane geschrieben - tja, und diesen Mythos lässt man sich vergolden.

Es gibt ein Harry's Bar Kochbuch, das ich aber nicht besitze. Das folgende Pastagericht, das ich damals als Primo gewählt hatte, habe ich aus dem Gedächtnis heraus nachgekocht, zudem geistern mehrere Rezepte im Internet herum.



The Harry's Bar Tagliolini gratinati al prosciutto

Zutaten (für 4 Personen)
  • 80 g Butter
  • 1 El Mehl
  • 250 ml Milch
  • 60 g Parmigiano Reggiano, frisch gerieben
  • 150 g gekochter Schinken 
  • 250 g Tagliolini
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer, frisch gemahlene Muskatnuss


Eine Béchamelsauce herstellen aus 30 g Butter, dem Mehl und der Milch. Mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss abschmecken.
Schinken von Fettresten befreien und in dünne Streifen schneiden. In einer Pfanne 20 g Butter zerlassen und die Schinkenstreifen bei milder Hitze zwei Minuten anbraten.
Die Tagliolini 1-2 Minuten in kochendes Salzwasser geben, danach absieben und mit den Schinkenstreifen, der Hälfte des Parmigiano und der Hälfte der übriggebliebenen Butter vermischen. In eine feuerfeste Form geben, die Béchamelsauce darübergießen, mit dem restlichen Parmigiano bestreuen und die verbliebene Butter in Flöckchen daraufsetzen.
Die Pasta zwei bis drei Minuten unter dem vorgeheizten Backofengrill gratinieren.



Harry's Bar
Calle Vallaresso, 1423
30 124 Venedig
0039 041 5285777

Link (mit Hemingways Stimme)



♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Freitag, 13. September 2013

Dann holt schon mal den Amaro!



Nicht geschichtet wie bei einer Parmigiana di Melanzane, sondern aufgerollt und mit Innenleben habe ich gestern Auberginen zubereitet.
Ich habe mir ja fest vorgenommen, mal ein paar Parmigiana-Varianten zu bloggen, denn in Kampanien wird dieser Auberginenauflauf wieder anders als beispielsweise in Kalabrien hergestellt; wobei diese Spezialität ja ursprünglich aus Kampanien kommt.
Bei mir im Blog gab es zu diesem Thema bislang nur jene gewagte Eigen-Interpretation, bei der ich die Auberginen in Filoteig verpackte.
Wie immer man Auberginen auch zubereitet, gerade als Auflauf mit Käse ist das stets eine sehr üppige Angelegenheit, auch wenn er so harmlos daherkommt.
Nach dem Genuss  ist ein Amaro, ein italienischer Kräuterlikör, dringend angebracht!
Also bitte:  vergesst Eure Diäten, verzichtet die nächsten Tage auf Schokolade und Co., sperrt die Waage weg - und schlemmt einfach!

 





Involtini di melanzane

Zutaten (für 4 Personen)

  • 2 mittelgroße Auberginen
  • 2 El Mehl
  • Salz
  • hoch erhitzbares Pflanzenöl
  • 1 kleine Zwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • Olivenöl extra vergine
  • 400 g Polpa di pomodoro (stückige Tomaten)
  • ein paar Basilikumblättchen
  • 150 g gekochter Schinken
  • 200 g Provola affumicata (eine Art geräucherte Mozzarella
  • 3-4 El Parmigiano Reggiano, frisch gerieben
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer
  • 1 Prise Zucker


Die Auberginen längs in Scheiben schneiden, in ein Sieb legen, mit Salz bestreuen und eine halbe Stunde ziehen lassen. Dann die Scheiben abspülen, mit Küchenpapier trockentupfen, leicht bemehlen und in Pflanzenöl von beiden Seiten abraten.
Die Auberginenscheiben dann auf einen mit Küchenpapier ausgelegten Teller legen.
Die Zwiebel in feine Würfel schneiden, die Knoblauchzehe fein hacken und beides in etwas Olivenöl anschwitzen. Die Polpa di pomodoro hinzufügen, mit Salz, Pfeffer und Zucker abschmecken und eine halbe Stunde leicht köcheln lassen. Ab und zu umrühren. Zum Schluss ein paar Blättchen Basilikum in feine Streifen schneiden und zu dem Sugo geben.
Den Backofen auf 180 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.



Jeweils eine Auberginenscheibe mit Schinken und einem Stück Provola belegen, aufrollen und in eine feuerfeste Form legen.



Die Auberginenröllen mit dem Sugo begießen und dem Parmesan bestreuen.
Für eine halbe Stunde in den Ofen geben.

Der Rauchgeschmack dieser Käsespezialität ist schon sehr kräftig. Wer das nicht mag, kann die Provola durch Mozzarella di Bufala ersetzen.



KRB Banner Large Der Kochrezepte Basar   Infos und Banner


♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Mittwoch, 24. Juli 2013

Reissalat - eine Annäherung



Mindestens genauso schlimm wie in Mayonnaise ertränkte Nudelsalate mit Fleischwursteinlage sind für mich fad abgeschmeckte Reissalate. Ein Erbschen hier, ein Gurkenstückchen dort, noch ein paar Schinkenwürfel dazu, zur Dekoration ein Petersiliensträußchen - und fertig ist einer der Klassiker bundesdeutscher Siebziger-Jahre-Kochkultur. Glücklicherweise landete so etwas in meiner Familie nie auf dem Party-Buffet.
In Italien sieht es allerdings bis zum heutigen Tag nicht besser aus. Hier gibt es fertige Mischungen aus Oliven, Gurken und Paprika im Glas - säuerlich eingelegt -, die man einfach in den gekochten Reis kippt.
Che orrore! Das wird hier nur noch vom sogenannten Insalata Russa übertroffen, bei dem man gekochte, kleingewürfelte Kartoffeln sowie Erbsen und Karotten aus dem Glas unter Bergen von Mayonnaise begräbt. Darüber kommt dann meist noch eine Mayo-Dekoration aus dem Spritzbeutel, die sich nach einiger Zeit so herrlich glasig-gelb verfärbt. Buon appetito! 
Was bin ich böse, aber das muss an der Hitze liegen...
Es mussten noch viele Jahre vergehen, bis ich mich heute zum ersten Mal an einen Reissalat wagte.
Zu diesem heißen Klima passen Salate ja bestens, auch wenn ich wochenlang nicht nur von Salat leben wollte. Überall ist ja in diesen Tagen zu lesen, dass der Herd ausgeschaltet bleibt, weil es auch in Nord- und Mitteleuropa gerade ziemlich sommerlich ist.
Nun halten solche Hitzeperioden bei uns im Süden ja wochenlang an, und allzu lange möchte ich auch nicht auf warme Speisen verzichten. Ganz im Gegenteil: Gerade vor zwei Tagen bekam ich einen richtigen Heißhunger auf ein scharfes, heißes Hühnercurry!
Heute aber nun gab es einen hitzetauglichen Salat - nicht als Beilage, sondern als Hauptgericht.
Protagonist ist der schwarze und aromatisch-nussige Riso Venere - Venusreis. Das klingt doch schon einmal vielversprechend - und das Ganze in italienisch umso schöner:

Insalata di Riso Venere con melone, prosciutto e gnocchetti di caprino







Zutaten

Salat

  • 200 g Riso Venere
  • 1 halbe Melone (z.B. Cantaloupe)
  • 200 g gekochter Schinken (in Scheiben)
  • 1 Peperoni
  • 1-2 Frühlingszwiebel
  • ein paar Blättchen Rauke
  • 3 El Aceto Balsamico
  • 1 El Saba (Mosto Cotto)
  • 1 Tl Dijon-Senf
  • 4 El Olivenöl extra vergine
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer
Den Reis in reichlich kochendem Salzwasser ungefähr 40 Minuten kochen, danach abgießen und kalt abschrecken.
Eine Vinaigrette rühren aus dem Aceto Balsamico, der Saba, dem Senf, Salz, Pfeffer und dem Olivenöl; dabei erst zum Schluss das Olivenöl unterrühren.
Das Melonenfleisch mit einem Kugelausstecher aus der Melonenhälfte holen. Den Schinken in kleine Quadrate schneiden. Die Peperoni entkernen und fein würfeln. Die Frühlingszwiebel in Ringe schneiden. Rauke waschen und trockenschleudern.
Reis mit allen Zutaten und der Vinaigrette vermischen.
Anstelle von Mozzarella oder Feta im Salat gibt es dazu:




Ziegenfrischkäse-Nocken

  • 250 g Ziegenfrischkäse
  • 1 El Butter
  • 1 Schalotte
  • ein paar Zweiglein Zitronenthymian
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer

Die Schalotte sehr fein würfeln und in der Butter sanft weichdünsten. Die Blättchen von den Thymianzweigen zupfen und untermischen, dann die Schalotten etwas abkühlen lassen.
Den Ziegenfrischkäse mit den gedünsteten Schalotten vermengen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Crème für mindestens eine Stunde in den Kühlschrank stellen. Vor dem Servieren Nocken abstechen.


♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Freitag, 27. Juli 2012

Schinken-Fontina-Muffins mit Frühlingszwiebeln

Eine neue Hitzewelle läßt die Stadt und ihre Bewohner schmoren. Der fortgeschrittene Vormittag ließ das Gemüse auf dem Markt mittlerweile genauso schlapp aussehen, wie ich mich fühlte.
Beim Einkauf konnte ich die  Frühlingszwiebeln gerade noch den Händen des Händlers entreissen, der schon wieder die Schere ansetzte, um das Grüne wegzuschnippeln. Besonders frisch sah der grüne Teil der Schlotten auch nicht mehr aus, aber warum dieser Teil in Rom nicht geschätzt wird und Frühlingszwiebeln selten und dann kaum knackfrisch angeboten werden, kann ich nicht sagen. Zu oft dümpeln die Frühlingszwiebeln, schon um ihren besten Anhang betrogen, in den Regalen der Supermärkte und Marktständen vor sich hin.
 "Das Grüne verwendet man doch eh nicht", so entgegnete mir von einigen Wochen ein anderer Gemüseverkäufer, als ich auch diesen bat, die Frühlingszwiebeln nicht zu enthaupten.




Frühlingszwiebeln - mit dem Grün - brauche ich heute für meine herzhaften Muffins, die ich immer wieder gerne backe. Herrlich auf den noch warmen Muffins ist ein Klecks Butter.
Zusammen mit einem griechischen Salat, etwas italienischer Salami und ein paar hartgekochten  Eiern bilden sie ein hitzetaugliches Abendessen zum Wochenausklang.

Print Friendly and PDF
Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...