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Donnerstag, 21. Oktober 2021

Winterliches trifft auf Sommerliches: Polenta gratinata con ratatouille


Nicht nur trifft hier Winterliches auf Sommerliches, auch Norditalien hat ein Rendezvous mit Südfrankreich: Rustikale Polenta aus dem Norden Italiens, mit Gorgonzola überbacken, "herzt" die beliebte Gemüsebeilage aus der Provence. Nebenbei bemerkt: Für mich bleibt eine Caponata die sehr viel raffiniertere Variante aus den fast identischen Zutaten, die man für die Ratatouille verwendet. Ratatouille schmeckt im Vergleich sehr viel puristischer, und allein das Zusammenspiel verschiedener Kräuter verleiht hier das typische, nach Sommer schmeckende Aroma. 

Ach ja, Polenta! Viele Liebhaber hat sie wohl auch in Italien nicht. Etwas abwertend bezeichnet man die Bevölkerung im Norden auch als "Polentoni".  Es waren die Not und die Armut in Norditalien, die die Polenta als Hauptnahrungsmittel auf den Tisch brachte - mit all den verheerenden Konsequenzen, wie es bei diesem Rezept nachzulesen ist. 

Ab und an bereite ich Polenta zu; gerne als "Gnocchi" zu Geschmortem. Selbst in einen Kuchen hat bei mir die Polenta ihren Weg gefunden: In dieser Biskuit-Roulade mit Orangen kann das einstige Arme-Leute-Essen raffiniert auftrumpfen. 

Allerdings bekomme ich jedes Mal, wenn ich die (*flüster*) Instant-Polenta einer in Italien sehr bekannten Marke in den Topf rieseln lasse, ein schlechtes Gewissen. Denn eigentlich müsste ich, wie einst Miracolix über einen Kupferkessel gebeugt, 40 Minuten lang rühren bis der Arm abfällt. Sorry, ragazze e ragazzi, da bin ich raus! Ausweisen aus Italien könnt ihr mich sowieso nicht mehr angesichts dieses Faux pas! 





Zutaten und Zubereitung
(für 4 Personen)



Ratatouille
  • 1 rote Zwiebel 
  • 1 Aubergine
  • 1 Zucchino
  • 1-2 Knoblauchzehen
  • 1 Dose Kirschtomaten im Saft (400 ml Inhalt)
  • Olivenöl extra vergine
  • grobes Salz
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer
  • 1 Zweig Rosmarin
  • ein paar Zweiglein Thymian
  • eventuell noch Kräuter der Provence
  • ein paar Basilikumblättchen zum Anrichten

Die Aubergine in kleine Würfel schneiden, in ein Sieb geben und mit grobem Salz bestreuen. Nach einer halben Stunden gut abbrausen und die Auberginenwürfel trockentupfen. 
Das restliche Gemüse in Würfel schneiden, Knoblauch und Zwiebel fein hacken. Die Nadeln vom Rosmarin streifen und zerkleinern, die Blättchen vom Thymian zupfen. 

Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und zunächst die Auberginen scharf anbraten, dann die Zucchiniwürfel sowie die Zwiebeln und den Knoblauch hinzufügen. Ein paar Minuten anbraten, salzen pfeffern und die Kräuter hinzufügen. 

Die Tomaten mit in die Pfanne geben und etwas einköcheln lassen. Zum Schluss noch einmal mit Salz, Pfeffer und eventuell der Provence-Mischung abschmecken.



Polenta
  • 125 g Polenta (Instant)
  • 250 ml Gemüsefond oder Brühe (möglichst selbstgemacht)
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer
  • ca. 50 g Gorgonzola dolce
  • Butter für die Förmchen

Vier feuerfeste Förmchen à 100 ml Inhalt mit Butter ausfetten. Den Backofen auf 180 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.

Die Ausbeute der jüngsten Gemüsefond-Produktion


Gemüsefond zum Kochen bringen und unter Rühren die Polenta einrieseln lassen. Weiter rühren bis  sich die Masse vom Topfboden hebt. Mit Salz und Pfeffer abschmecken, auf die vier Förmchen verteilen und etwas festdrücken. Die Gorgonzola auf der Oberfläche der Polenta verteilen.





Die Förmchen für ca. 15 Minuten in den vorgeheizten Ofen schieben, eventuell in den letzten Minuten noch den Grill zuschalten.

Förmchen aus dem Ofen nehmen etwas abkühlen lassen, die Polenta herausheben und auf der Ratatouille anrichten. 

⚜⚜⚜

Rezept frei nach einer Idee von Björn Freitag.







Donnerstag, 16. Juli 2020

Jetzt ist es eine runde Sache: Camembert-Quiche mit Äpfeln und Frühlingszwiebeln




Es kommt selten vor, dass ich ein Gericht neu verblogge. Und wenn, dann ergab es sich ganz spontan und ungeplant. Entweder, weil es noch besser schmeckte, als man es in Erinnerung hatte - woran oft kleine Änderungen bei der Zubereitung nicht ganz unschuldig sind. Ober eben, weil aktuelle Fotos, die man in die Welt der sozialen Netzwerke hinausschickte, zu zahlreicher Nachfrage nach dem Rezept führten. 
All das traf dieses Mal zu.

Dabei wollte ich nur den schönen Augenblick eines milden Sommerabends auf unserer Terrasse festhalten. Allzu selten sitzen wir dort beim Abendessen, weil es doch sehr mühsam ist, Geschirr, Töpfe, Schüsseln und Gläser über die enge steinerne Wendeltreppe hochzuschleppen. Selbst wenn man dann mit einer Aussicht über die Dächer von Rom belohnt wird; wir sehen sogar einen Teil der Kuppel von San Pietro. Tagsüber kann man sich leider nicht auf der Terrasse aufhalten; es wird einfach irre heiß in den Sommermonaten. So heiß, dass sich oft die Terrassentür verzieht und sie sich sowieso nicht öffnen lässt.






In den Zeiten des harten Lockdowns im März und April wurde die Terrasse zu meinem Zufluchtsort. Zwar blieben viele Blumenkästen leer, da selbst die Blumenstände am Campo de' fiori und alle Gärtnereien geschlossen waren, aber es wurde mein kleines Reich, ich dem ich mich sicher fühlen durfte. Oft allerdings fehlte mir die innere Ruhe, um mich mit einem Buch dorthin zurückzuziehen, um die dramatische Situation vor allem in Italien aus meinen Gedanken zu verdrängen. Es war eine von vielen Sorgen geprägte Zeit mit zahlreichen "Was-wird-wenn-Gedankenspielen", die mich oft nicht schliefen ließen. Überwunden ist die Situation noch lange nicht, aber sie wurde in unseren Alltag eingebaut. Wir haben gelernt, damit zu leben, aber trotzdem wachsam zu bleiben. 

Mittlerweile sind auch wieder neue Blumen gepflanzt, mein Zitronenbaum, den ich schon aufgegeben hatte, hat sich erholt, sogar das Vordach ist mit neuen Bambusmatten gedeckt - und nun ist es wieder zu heiß während des Tages.







Aber gestern Abend haben wir uns ein kleines Abendessen dort gegönnt! Wie immer spät - das heißt bei uns kurz nach 21 Uhr -, so dass schon die Dämmerung eingesetzt hatte. Bei uns im Süden ist es ja auch im Hochsommer nie so lange hell wie weiter im Norden; etwas, was ich doch sehr bedaure, denn lange Sommerabende gehören für mich zu dieser für mich schönsten Zeit im Jahr dazu. Mächtige Wolken türmten sich bedrohlich auf, aber ein Gewitter blieb dann glücklicherweise aus. Es war angenehm frisch, was in dieser Jahreszeit nicht immer auch in den Abendstunden der Fall ist. Ein gut gekühlter Vermentino begleitete die üppige Quiche. So sehen perfekte Sommerabende aus!






Zutaten und Zubereitung
(für eine Quicheform von 28 cm ø)



Mürbeteig-Boden
  • 200 g Mehl
  • 100 g kalte Butter in Stückchen
  • 7 El kaltes Wasser
  • Salz

Aus den Zutaten nach meinem Grundrezept eine Mürbeteig herstellen, dabei die Kühlzeiten beachten. Da ich einen dünnen Boden bevorzuge, blieben Teigreste übrig. Diese habe ich ebenfalls dünn ausgerollt und in zwei Tartelettes-Förmchen verteilt. Die Förmchen in einen Gefrierbeutel legen und einfrieren.



Füllung
  • 1-2 Äpfel
  • 20 g Butter
  • 3-4 Frühlingszwiebeln
  • 250 g Camembert
Den Backofen auf 200 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.
Die Äpfel schälen, vierteln, Kerngehäuse entfernen und in dünne Scheiben schneiden. In einer Pfanne in der Butter kurz anbraten.
Die Frühlingszwiebeln in Ringe und den Camembert in Würfel schneiden.




Guss
  • 150 g Frischkäse
  • 150 ml Milch
  • 75 g Crème fraîche (oder süße Sahne)
  • 3 Eier
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer
  • gerebelter Thymian
  • Kräuter der Provence
  • etwas Cayenne-Pfeffer
  • frisch geriebene Muskatnuss


Für den Guss alle Zutaten miteinander verquirlen und mit den Gewürzen und den Kräutern abschmecken.
Apfelstücke, Frühlingszwiebeln und Camembert-Würfel unter den Guss rühren. 
Die Quicheform mit dem Teig aus dem Kühlschrank nehmen und die Füllung daraufgeben.

Auf der unteren Schiene ca. 40 Minuten backen.

⚜⚜⚜

Rezept frei nach: Alfons Schuhbeck, Annik Wecker, Raffinierte Tartes, süß und pikant, Dorling Kindersley Verlag, München 2010

Siehe auch hier: Camembert-Apfel-Tarte













 

Samstag, 9. Mai 2020

Rosenparfümierte Verführung auf Französisch: Cannelés à l'eau de rose




Bis vor wenigen Tagen war mein Aktionsradius wegen der strengen Auflagen stark eingeschränkt. Damit fiel auch mein fast wöchentlicher Gang in die französische Bäckerei aus, in der ich mir stets auch einen schnellen Caffè im Stehen gönnte und dabei all die französischen Leckereien in den Auslagen bewunderte. Mit den noch warmen Baguettes - und der ein oder anderen Cannelé  - in der Tüte eilte ich dann nach Hause. Der Tiber liegt von dort aus nicht weit entfernt; genau an einem Stück Ufer ganz in der Nähe haben die  römischen Bouquinistes ihre Stände aufgeschlagen. Damit wäre die Illusion, eigentlich in Paris und an der Seine unterwegs zu sein, fast perfekt, wenn nicht in Sichtweite rechterhand die Engelsburg auftauchte, geradeaus die Via della Conciliazione den Blick auf die Peterskirche gewährte und mich mein Nachhauseweg über die Engelsbrücke lenkte. 


An einem Septembertag vor fast zwei Jahren.
 Vorbei an den römischen "Bouquinistes" - die mit dem großen rosa Shopper im blauen Kleid bin ich.

Natürlich waren einige Cannelés dann mir...


Paris - Rom


Gerade unter touristischen Gesichtspunkten werden diese beiden Metropolen gerne miteinander verglichen. Welche Stadt hat mehr zu bieten, welche versprüht mehr Charme, wo gibt es die interessanteren Dinge zu bewundern, in welcher wollte ich gerne leben? Zum Alltagsleben in Paris kann ich natürlich nichts sagen (zu dem in Rom umso mehr...).
Aber wie Rom auf jemanden wirkt, der aus Paris aus kommend in die italienische Hauptstadt versetzt wurde, durfte ich vor vielen Jahren erfahren - und noch heute lässt mich diese Geschichte schmunzeln. Wir hatten das nach Rom versetzte deutsche Diplomatenehepaar zu einem Abendessen mit italienischen Gästen zu uns eingeladen. Die Konfrontation mit der zugegeben etwas chaotischen  Wirklichkeit Roms schien besonders bei der Frau einen kleinen Schock ausgelöst zu haben. Ja, sie ließ gegenüber unseren italienischen Gästen am Tisch jegliche diplomatische Zurückhaltung missen und zog vom Leder: Der Schmutz, die schlechten Strassen und überhaupt. Paris, Paris immer nur Paris! Wir waren etwas peinlich berührt und hielten die Luft an, während unser italienischer Gast, ein sehr gebildeter Mann "des öffentlichen Lebens" in Italien, mit einer lakonischen Bemerkung konterte: "Wir existieren trotzdem schon seit über 2000 Jahren."
Wochen später war ich mal wieder mit der Frau unterwegs; wir wohnten schließlich auch in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander. Wenn ich mich recht erinnere, gingen wir zusammen einkaufen und tranken anschließend noch etwas auf ihrer wunderbaren Dachterrasse, von der aus man einen herrlichen Blick auf die Stadt hatte. Und dann auf einmal sagte sie jenen Satz, der für mich sowieso alternativlos ist: "Sie haben recht, Rom bietet soviel mehr fürs Auge!"
Die römische Falle war zugeschnappt!







Sicher hätte die Dame, die mit ihrem Mann längst wieder weitergezogen ist, wie das dieser Job so mit sich bringt, diese kleine französische Oase zu schätzen gewusst (siehe Tipp oben bei "Ausgehen in ... Rom). Auch ich werde mich hoffentlich bald wieder auf den Weg dorthin machen; es ist ja nicht mehr verboten, auch entferntere Ziele anzusteuern. Zwischenzeitlich aber habe ich Spaß daran gefunden, mein Baguette selbst zu backen - und pssst - frisch schmeckt mein eigenes sogar noch besser! Und wenn ich schon mal dabei war: die Cannelés kommen jetzt auch aus der eigenen Backstube. Für das typische Gebäck aus der Gegend um Bordeaux habe ich mir Silikonbackformen bestellt, wobei man ja stilecht welche aus Kupfer verwenden sollte. Letztere lassen sich nämlich auch höher erhitzen, was sicher für eine "knackigere" karamellisierte Kruste sorgt. Für Kniffe und Tricks rund um die perfekten Cannelés - auch was die Förmchen anbelangt - habe ich bei der charmanten Aurélie gespickt. Auf ihrem hübschen Blog"Französisch kochen" gibt es diverse Rezepte für diese unwiderstehlichen kleinen Küchlein.

Noch mehr Lust auf französische Küche? Dann schaut doch bitte wieder bei Peggy vorbei. Ihr Projekt "Trostkochen" in ihrem Blog "zunehmend wild" hatte ich ja in den vergangenen Posts schon vorgestellt. Aktuell ist Frankreich an der Reihe.







Zutaten
(für ca. 15 Stück)



  • 500 ml Milch
  • 1 Vanillestange
  • 1 Ei
  • 2 Eigelb
  • 225 g Zucker
  • 150 g Mehl, gesiebt
  • 30 g Butter
  • 4-5 Tl echtes Rosenwasser


  • 2 Silikonbackmatten à 8 Vertiefungen




Am Vortag den Teig herstellen.
Die Milch mit der ausgekratzten Vanilleschote und dem Mark zum Kochen bringen, dann zur Seite stellen und etwas abkühlen lassen. Die Vanilleschote entfernen.
Die Butter schmelzen.

In der Küchenmaschine das Ei und die Eigelbe mit dem Zucker verquirlen, bis sich der Zucker vollständig aufgelöst hat.
Nun unter Rühren die Hälfte der Milch einrühren, das Mehl esslöffelweise hinzufügen und dann den Rest der Milch und die zerlassene Butter hinzugeben. Das Rosenwasser dazugeben.
Den Teig für 24 Stunden in den Kühlschrank stellen.

Am Folgetag den Backofen auf 230 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.
Bei Erstgebrauch Silikonförmchen mit flüssiger Butter ausfetten.
Den Teig noch einmal gut durchrühren und in den Silikonförmchen verteilen; der Teig sollte bis 1 cm unter den Rand eingefüllt werden.
Die Silikonformen auf einen Backrost stellen und bei 230 Grad 15 Minuten backen. Dann den Backofen auf 200 Grad herunterschalten und weitere 40 Minuten backen.





Montag, 24. Juni 2019

"Jubilate" - es gibt Zitronentarte!




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Wir wissen es spätestens seit "Father Brown": Die Geistlichkeit "kriminalisiert" gerne!
Im jüngsten Romkrimi des Autorenpaars Johanna Alba und Jan Chorin  - "Jubilate" - ist es kein geringerer als der Papst höchstpersönlich, der Verbrechern auf der Spur ist. Auch in seinem sechsten Fall kann der durch und durch unkonventionelle Papst Petrus, wie immer gegängelt durch seine undurchsichtige Haushälterin, Schwester Immaculata, das "Kriminalisieren" nicht lassen. Zudem hat er, ganz zum Leidwesen von Immaculata, vielen weiteren "Lastern" frönt. Allzu gerne entflieht er deshalb - oft inkognito auf der Vespa seines Privatsekretärs - den Mauern des Vatikans. Und er teilt noch eine weitere Vorliebe der Geistlichkeit, für die die gestrenge Nonne kein Verständnis aufbringt: Er ist der guten Küche mehr als zugeneigt.








Dass der Klerus gerne ausgiebig und gut isst, kann ich aus eigenen Erfahrungen heraus bestätigen. Vor einigen Jahren nahm ich an einem denkwürdigen Abendessen teil, umringt von geballter katholischer Geistlichkeit. Auch der spätere Papst Benedikt, damals noch als Kardinal Ratzinger Präfekt der Glaubenskongregation, saß mit am Tisch - ja ihm zu Ehren wurde dieses Abendessen überhaupt gegeben. Nun ist der "emeritierte Papst" ein eher asketischer Mensch. Ob er die Köstlichkeiten an jenem Abend genießen konnte, wage ich zu bezweifeln. Umso mehr aber leuchteten die Gesichter der vielen Monsignori um mich herum in durchaus freudiger Erwartung der  kulinarischen Genüsse, die da kommen sollten. Da saß ich nun, weiblich und evangelisch - Ersteres offensichtlich, Letzteres bekamen die frommen Herren in den Unterhaltungen mit -, und hätte mir keine aufmerksameren und charmanteren Tischnachbarn vorstellen können. Als ich nebenbei erwähnte, dass ich nichts Fischiges mag, eilte mein Tischherr, ein Prälat, sofort Richtung Küche, um Anweisungen für Alternativen zu geben, damit ich ja nicht hungrig nach Hause gehen sollte. So sieht wahre christliche Nächstenliebe über die Konfessionsgrenzen hinweg aus!





Aber zurück zu Papst Petrus. Während er in seinem jüngsten "Fall" in einem traumhaften schlossartigen Anwesen in den Albaner Bergen ein geplantes Verbrechen zu verhindern versucht, dabei auf Familiengeheimnisse stößt, frömmelnde Familienmitglieder erzürnt, falsche Identitäten aufdeckt und stets wachsam ein Leben beschützen muss, finden er und seine Verbündeten trotzdem immer wieder die Zeit für ein ausgiebiges Mahl, das oft begleitet wird von einem kühlen Frascati aus den Castelli. Detailliert werden dabei einige Köstlichkeiten der römischen Küche an unzähligen Stellen im Roman beschrieben:

"Bereits die Antipasti waren großartig: frittierte Zucchiniblüten und Artischocken, dazu verschiedene supplì, gebackene, mit Mozzarella, Tomaten und Gewürzen gefüllte Reisbällchen. Den ersten Gang hatte Federico übersprungen, während sich Petrus an seinem Leib- und Magenessen tonnarelli caccio e pepe, cremigen, dicken Nudeln mit Pecorino, gelabt hatte. Zum Hauptgericht teilten sie sich schweigend eine Karaffe Vino Bianco und die scaloppine al limone, kleine Schnitzelchen in Zitronensoße mit viel frischem Pfeffer."¹ 

Anders als seine kriminalisierenden Kollegen steht Papst Petrus auch leidenschaftlich gerne selbst am Herd:

"'Die Antipasti gestern - und eure durchaus wohlwollende Reaktion darauf - haben mich ermutigt, heute einen primo piatto zu kochen', sagte Petrus. 'Es gibt eine schöne amatriciana. Ernesto war so freundlich, mit ein Stück Speck, natürlich guanciale, vom Markt mitzubringen. Ich habe mich inspirieren lassen von Rosalias herrlichen Tomaten, die wirklich eine ganz eigene Süße haben. Ein bisschen Knoblauch, Basilikum, Salz - und fertig.'"²

Gleich zweimal backt Petrus im Roman eine Zitronentarte; zu welchen Anlässen, das sei an dieser Stelle nicht verraten. Diese ursprünglich französische Dessertspezialität, die auch in Italien sehr beliebt ist, gelingt dem Papst natürlich ganz besonders gut mit den prächtigen italienischen Zitronen, die im Schlossgarten geerntet wurden.

"Petrus kam gerade aus der Küche. Seine Nase und seine Schürze waren komplett bemehlt. Vorsichtig balancierte er eine große Tarteform mir zwei riesigen roten Topfhandschuhen vor sich her und stellte sie mitten auf den Tisch...
'Francesco hat mir heute am späten Nachmittag einen ganzen Korb prächtiger Zitronen von Alfredo mitgebracht.'"³



Das war dann die Stelle, bei der mir der Zahn tropfte. Zitronentarte! Diesen cremig süß-sauren Belag, ganz so wie Lemon Curd, spürte ich schon während der Lektüre am Gaumen. Dieses Zeug könnte ich pur aus dem Glas löffeln! Ich musste jetzt so schnell wie möglich zu dieser Tarte kommen!
Zwar blieben mir Alfredos prächtige Zitronen verwehrt, aber auf dem Markt erstand ich welche von der Amalfi-Küste. Auch werden wir wohl nie erfahren, nach welchem Familienrezept Papst Petrus seine Zitronentarte gebacken hat, so dass Ihr nun mit meinem Rezept vorliebnehmen müsst.
Eines aber ist sicher: Mit einem Stück dieser erfrischenden Zitronentarte macht die Lektüre dieses amüsanten Romkrimis doppelt soviel Spaß!








Zutaten
(für eine rechteckige Tarteform von 30 cm x 23 cm)

Mürbeteig

  • 200 g Mehl + Mehl zum Ausrollen
  • 100 g Butter + Butter für die Form
  • 50 g Zucker
  • 1 Ei
  • 1 Prise Salz


Das Mehl in eine Schüssel sieben, in die Mitte eine Mulde drücken und das Ei hineingeben. Kalte Butter in Flöckchen auf den Mehlrand setzen, Zucker und Salz darüberstreuen und alles erst mit einem Messer grob zerhacken. Dann mit den Händen zu einem Mürbeteig kneten, in Folie wickeln und für zwei Stunden in den Kühlschrank legen.
Den Teig aus dem Kühlschrank nehmen und in der Größe der Form auf etwas Mehl ausrollen. Die gebutterte Form damit auslegen und diese eine weitere Stunde in den Kühlschrank stellen.


Füllung

  • 4 unbehandelte Zitronen
  • 150 g feiner Zucker
  • 150 g Butter
  • 1 Vanilleschote
  • 5 Eier


  • Puderzucker


Den Backofen auf 190 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.
Die Butter bei kleiner Hitze zerlassen und abkühlen lassen. In eine Rührschüssel gießen. Mit dem elektrischen Handrührgerät (oder in der Küchenmaschine) den Zucker unterschlagen, bis sich dieser vollständig aufgelöst hat. Die Vanilleschote aufschlitzen, das Mark herauskratzen und dazugeben.
Die Eier einzeln einarbeiten
Die Zitronen heiß waschen und trockentupfen.
Von drei Zitronen die Schale abreiben und die Früchte dann auspressen. Abrieb und Saft zu dem Butter-Eiermasse geben.
Die Form mit dem Teig aus dem Kühlschrank nehmen und den Teig mit einer Gabel mehrmals einstechen.
Die Zitronencrème auf den Teig gießen.
Die Tarte ca. 35 - 40 Minuten backen. Wenn die Crème festzuwerden beginnt, die restliche Zitronen in feine Scheiben schneiden und die Oberfläche damit verzieren.
Sollte die Oberfläche zu dunkel werden, mit etwas Alufolie abdecken.
Die Tarte abgekühlt mit Puderzucker bestäuben.
Sie schmeckt am besten gut gekühlt.







Johanna Alba & Jan Chorin, Jubilate - ein Papst-Krimi, Rowohlt, 2019
www.papstkrimi.de

¹ Jubilate, S. 13
² Ebd., S. 200f.
³ Ebd., S. 292

*Der Roman wurde mir vom Rowohlt-Verlag kostenlos zur Verfügung gestellt.





Dienstag, 5. März 2019

Nachgekocht - nicht entstaubt: Blanquette de veau à l'ancienne



Ein besonderes Stück Fleisch verlangt nach einem besonderen Rezept, nach einem Gericht, das man sich gerne für einen gemütlichen Abend am Wochenende aufspart. Das darf dann gerne auch etwas aufwendiger sein, und wenn man ein solches Gericht trotzdem schon mehrfach gekocht hat, zeigt das nur, dass es jeden einzelnen Arbeitsschritt wert war.
Nachgekocht habe ich es dieses Mal zudem für Julias Dauerevent "Entstaubte Klassiker" - für die Februar Edition. Wohlgemerkt: nachgekocht! Denn da gibt es nichts, was man "entstauben" müsste. Dieses Gericht ist einfach perfekt - deftig und fein zugleich. Raffinierte französische Landhausküche eben!




Das ursprüngliche Rezept könnt Ihr hier nachlesen. Aber auch an dieser Stelle findet Ihr die Zutaten und die einzelnen Arbeitsschritte noch einmal ausführlich beschrieben. Der einzige Unterschied: ich hatte zwei wunderbare Teile von zwei Kalbfilets im Tiefkühlfach, die ich in der aktuellen Version dafür verwenden konnte. Übrig geblieben waren sie von einem Gericht (Julia, kommt Dir das bekannt vor?), für das ich nur die vorderen, schlanken Abschnitte der Filets verarbeiten konnte. Die dickeren Enden wanderten sofort in den Freezer für ihren Dornröschenschlaf, aus dem sie nun wachgeküsst wurden.







Zutaten 
(für 4 Personen)


  • 800 g Kalbsfilet
  • 1 Zwiebel
  • 250 g Schalotten (oder andere kleine Zwiebelchen)
  • 1 Stange Staudensellerie
  • 1 Stange Lauch (nur das Weiße)
  • 2 Karotten
  • 1,5 l Hühnerbrühe
  • 2 Nelkenköpfe
  • 1 Bouquet Garni (1 Lorbeerblatt, je ein Stängel Thymian, Oregano, Rosmarin und Petersilie)
  • 2,5 El Butter
  • 2 El Mehl
  • 250 ml Sahne
  • 1 Eigelb
  • 2 El Zitronensaft
  • 350 g Champignons
  • Salz, frisch gemahlener weißer Pfeffer


Das Fleisch waschen, trockentupfen, von Fettresten befreien und in etwa 2 cm große Würfel schneiden. Das Gemüse putzen und Lauch, Karotten und Selleriestange in grobe Stücke schneiden.
Die Zwiebel schälen und mit den Nelkenöpfen spicken. Die Schalotten schälen und die Champignons putzen, vierteln und beides zur Seite stellen.

Die Fleischwürfel in einem Topf geben, mit kaltem Wasser bedecken, zum Kochen bringen und das Fleisch eine Minute blanchieren. Fleisch aus dem Topf nehmen abbrausen (es hat sich Schaum gebildet) und das Wasser weggießen.

Den Topf ausspülen, Fleisch, gespickte Zwiebel, Karotten-, Lauch-, Selleriestücke sowie Bouquet Garni in den Topf geben und mit kalter Hühnerbrühe aufgießen. Zum Kochen bringen und bei halb aufgelegtem Deckel bei kleiner Hitze eineinhalb Stunden sanft köcheln lassen. Dabei nach einer Stunde die geschälten Schalotten hinzufügen. Ab und an den Schaum abschöpfen.

In der Zwischenzeit in einem El Butter die Champignons anbraten und mit einem El Zitronensaft beträufeln. 125 ml Sahne dazugießen und die Champignons zur Seite stellen.

Nach eineinhalb Stunden Fleischstücke und Schalotten aus der Brühe fischen und warm stellen (im Ofen bei ca. 50 Grad). Die Brühe durch ein Sieb in einen Topf gießen (Gemüse gut im Sieb ausdrücken) und etwas einkochen lassen.

In einem zweiten Topf die restliche Butter zerlassen, das Mehl einstreuen und anschwitzen, ohne dass es dunkel wird. Unter Rühren mit dem Schneebesen soviel von der reduzierten Brühe angießen, bis eine sämige Sauce entstanden ist. Keinesfalls die gesamte Brühe verwenden! Die restliche Sahne mit einem Eigelb verquirlen und die Sauce damit legieren. Sie darf nicht mehr kochen (am besten vorher den Topf vom Herd nehmen).

Fleischstücke, Schalotten und Champignons kurz in der Sauce erwärmen. Mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft abschmecken.

Dazu passen Reis, Salzkartoffeln oder auch Kartoffelpüree.




Sonntag, 26. August 2018

Mit Turboteig für Ungeduldige: Käse-Lauch-Quiche



Manchmal reicht der Blick in den Kühlschrank, der über das Abendessen bestimmt. Im vorliegenden Fall war es ein riesiges Stück Gruyère, das seinem ungewissen Schicksal seit Tagen entgegenfieberte. Angesichts der Menge des feinen Käsestücks hatte ich nun die Wahl zwischen meinen geliebten Kässpatzen (mit gaaaaanz viel Zwiebeln) und einer Lauchquiche. Letztere machte das Rennen, denn für sie gibt es ein bewährtes Rezept mit einem meiner Lieblingsteige. Ich weiß gar nicht, wie oft ich diese Lauchquiche schon gebacken habe!
Kein Vorteig, kein Gehenlassen oder Ruhezeiten im Kühlschrank. Kein mühsames Kneten und kein Ausrollen. So ein Quark-Öl-Teig - ob salzig oder süß - ist mir einfach sympathisch!  (Während ich hier schreibe, habe ich gerade einen Pflaumenkuchen im Ofen. Dreimal dürft Ihr raten, mit welchem Teig.)
Der fertige Teig wird dann einfach sorgfältig in die Form gedrückt - schön gleichmäßig, ohne einen unschönen verdickten Übergang zwischen Boden und Rand zu fabrizieren; soviel Geduld muss schon sein! Und bald heißt es nur noch: Nase an der Backofentür plattdrücken und sich der Vorfreude hingeben!





Zutaten
(für eine Springform von 24 cm Ø)˙


Teigboden - Quark-Öl-Teig

  • 200 g Mehl
  • 0,5 Tl Salz
  • 0,5 Tl Backpulver
  • 100 g Quark
  • 4-5 El neutrales Pflanzenöl
  • 4-5 El Milch
  • Butter für die Form


Aus den Zutaten einen Teig kneten und sorgfältig in die gebutterte Form drücken. Dabei einen Rand hochziehen.
Den Backofen auf 200 Grad (Ober- und Unterhitze vorheizen).


Füllung und Fertigstellung

  • 4 Stangen Lauch
  • 150 g Gruyère, frisch gerieben
  • 2 Eier
  • 200 ml süße Sahne
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer
  • frisch geriebene Muskatnuss


Den Lauch putzen, dabei die dunkelgrünen Teile entfernen, in Ringe schneiden und in kochendem Salzwasser 3-4 Minuten blanchieren. Abgießen und kurz kalt abbrausen.
Die Eier mit der Sahne verquirlen, den Käse unterrühren und mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss abschmecken. Die Eier-Käse-Sahne-Mischung unter den Lauch rühren und in die mit dem Teig ausgekleidete Form geben.
Auf der untersten Schiene des Backofens 40 Minuten backen.




Ein weiteres Rezept für Lauchquiche gibt es hier.




Samstag, 24. Juni 2017

Schmeckt wie Sommer in Frankfreich und lädt zum Träumen ein: Clafoutis au cacao et aux framboises



Warum nicht ein wenig von Frankreich träumen, obwohl man selbst im schönsten Land der Welt sitzt? Ob es wohl da zur Zeit auch so heiß ist wie hier?
Trotz der Hitze habe ich gestern Kirschmarmelade gekocht; meine Fingerspitzen zeugen noch davon. Bei Kirschen muss ich immer an Clafoutis denken, denn das französische Dessert wird, wenn man es ganz genau nehmen möchte, mit Kirschen zubereitet.
Aber die "Entkernungsorgie" gestern in meiner über 30 Grad heißen Küche hatte gereicht!




Warum dann also nicht Clafoutis mit Himbeeren zubereiten? Und warum nicht ein bisschen Kakao untermischen? Und wenn wir schon dabei sind: Mandelblättchen passen doch auch ganz gut dazu. Und ein wenig Crème fraîche kann dem Teig auch nicht schaden...
So entstand das folgende Rezept für Clafoutis au cacao et aux framboises, dessen Ergebnis Ihr hier sehen könnt.

Also, ab in die Küche, es gibt keine Ausreden wegen der Hitze mehr! So ein Dessert ist blitzschnell zubereitet.
Irgendwie träume ich gerade von Lavendelfeldern. Vielleicht sind es aber auch nur Hitzehalluzinationen.






Zutaten
(für eine flache runde [26 ø] oder rechteckige [30x23cm] Quicheform)



  • 400 g Himbeeren
  • 3 Eier und 1 Eigelb
  • 90 g Zucker
  • 1 Prise Salz
  • 200 ml Vollmilch
  • 50 g Crème fraîche
  • 10 g dunkles Kakaopulver
  • 1 Tl Vanilleextrakt
  • 60 g Mehl
  • 50 g Mandelblättchen
  • Puderzucker
  • Butter für die Form


Himbeeren vorsichtig waschen und trockentupfen.
Die Quicheform mit etwas Butter einfetten und den Backofen auf 180 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.
Die ganzen Eier und das Eigelb mit einer Prise Salz und dem Zucker schaumig aufschlagen. Vanilleextrakt, Milch und Crème fraîche hinzufügen und unterrühren. Das Mehl mit dem Kakaopulver mischen und über die schaumige Eiermilch sieben. Unterrühren.
Die Himbeeren in der Form verteilen und den Teig darübergießen. Mit Mandelblättchen bestreuen.
Für 40 bis 45 Minuten in den Ofen geben.
Etwas abgekühlt mit dem Puderzucker bestäuben.
Schmeckt am besten noch lauwarm.

Ein weiteres Rezept für Clafoutis gibt es hier:
Clafoutis mit Marsala-Feigen





♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Samstag, 18. Juni 2016

Ce petit quelque chose: Tarte Tatin aux abricots avec pistaches



Es wird mal wieder französisch auf meinem Blog, aber es ist eine italienische Zutat, Pistazien aus dem sizilianischen Bronte, die dieser französischen Tarte Tatin mit Aprikosen erst "ce petit quelque chose" verleiht.
Gestern hatte ich Marmelade eingekocht, nachdem mein Mann beim Frühstück dezente Hinweise auf das Schwinden der Bestände gegeben hatte. Jene wunderbare Aprikosen-Vanille-Marmelade, die auch ich so liebe, und es waren ein paar Aprikosen übriggeblieben. Saftige, vollreife Früchte, die sicher aber nicht noch einen Tag überstanden hätten, ohne unansehnlich, vielleicht sogar ungenießbar zu werden. Bei dem schwülen Klima, das zur Zeit in Rom herrscht, geht das nämlich ganz schnell, und lange Kühlschrankaufenthalte tragen schnell zu Aromaverlust bei.
Eine Tarte Tatin bot sich an. Tartes sind herrlich unkompliziert und schnell zubereitet, nur die Ruhezeit für den Mürbeteig verzögert die Herstellung ein wenig. Ich bevorzuge übrigens Mürbeteig, keinen Blätterteig, für diese Art von Kuchen. Bei folgendem Rezept ist zudem die Qualität der Pistazien für den Geschmack und auch die Optik entscheidend. Also bitte nicht auf jene giftgrünen, bereits gehackten Produkte zurückgreifen, sondern möglichst ganze, ungesalzene Pistazien verwenden; nun gut, ich gebe zu, dass ich da ein wenig Heimvorteil habe.
Eine gestürzte Tarte, so schlicht sie auch ist, wirkt stets raffiniert und krönt so manches schöne Essen als Dessert.




Zutaten
(für eine Tarte-Form von 28 cm Ø)


Mürbeiteig

200 g Mehl + Mehl zum Ausrollen
100 g kalte Butter
50 g Zucker
1 Prise Salz
1 Ei

Karamell

50 g Zucker
40 g Butter

30 g Pistazien, grob gehackt
650 g Aprikosen

Das Mehl in eine Schüssel sieben, in die Mitte eine Mulde drücken und das Ei hineingeben. Kalte Butter in Flöckchen auf den Mehlrand setzen, Zucker und Salz darüberstreuen und alles erst mit einem Messer grob zerhacken. Dann mit den Händen zu einem Mürbeteig kneten, in Folie wickeln und für zwei Stunden in den Kühlschrank legen.

Butter mit dem Zucker hellbraun karamellisieren und eine Tarte-Form damit ausgießen. Die gehackten Pistazien darüberstreuen. Aprikosen halbieren, entkernen und mit der Schnittfläche nach oben auf die Pistazien-Karamell-Masse setzen.
Den Backofen auf 200 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.

Den Teig aus dem Kühlschrank nehmen und in der Größe der Form auf etwas Mehl ausrollen. Dann die Teigplatte über die Aprikosen legen und die Ränder nach unten in die Form drücken.
Für ca. 25 Minuten in den Ofen schieben.
Danach die Tarte aus dem Ofen nehmen, etwas abkühlen lassen und auf eine Kuchenplatte stürzen.




♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Freitag, 17. April 2015

Auch Brotbacken macht glücklich - mais oui! Pancetta-Zwiebel-Baguette



Mit Brot und Brötchen ist das so eine Sache in Italien. Also, die Brötchen vergessen wir dabei mal ganz schnell wieder, denn den gerade in Rom so beliebten Rosette, nach nichts schmeckende, innen hohle Monster, kann ich so gar nichts abgewinnen. Aufgeschnitten und mit Mortadella oder Schinken ausgestopft, ja gestopft, denn von belegt kann man hier kaum noch sprechen, erfreuen sich dennoch als schnellen Mittagssnack großer Beliebtheit bei den Römern. Wenn ich um die Mittagszeit in den wohlsortierten Feinkostladen am Campo de' fiori schaue, sind viele der Angestellten damit beschäftigt, Rosette zu stopfen zu belegen.
Bei den Brotsorten schmeckt mir dagegen gut das sogenannte Pane di Lariano, aber wie bei so vielen italienischen Brotvariationen mag ich auch dieses nur frisch vom Bäcker, denn schon am nächsten Tag wird es ungenießbar.
Zwar findet man in allen Regionen Italiens unzählige Brotspezialitäten, aber so richtig anfreunden konnte ich mich mit noch keiner. Gipfel der "Geschmacklosigkeit" bleibt dabei noch das ungesalzene Brot der Toskana und einiger Regionen Umbriens - scusate tanto!
Nun bin ich nicht so die Brotbäckerin, aber heute hat es mich einfach gereizt, nach eigenen Vorstellungen Baguettes zu backen - eine Premiere für mich. Da ich noch Pancetta im Haus hatte sowie viel frischen Thymian, entstanden dabei herzhafte Brotstangen, die allein mit frischer Butter einfach herrlich schmecken! Natürlich habe ich mir beim Grundrezept professionelle Hilfe geholt - siehe unten.
Ich muss sagen, vielleicht wird doch noch eine leidenschaftliche Brotbäckerin aus mir, denn dieses Experiment hat mir ähnlich Spaß gemacht wie meine geliebte Pastaproduktion. Und vielleicht gebe ich demnächst auch wieder einer italienischen Brotspezialität eine Chance und backe Ciabatta!







Zutaten
(für vier Baguettes)

600 g Mehl, Typ 0 oder 550 + Mehl zum Verarbeiten (gesiebt)
15 g Hefe
10 g Salz
350 ml lauwarmes Wasser
100 g Pancetta affumicata in Scheiben
1 große rote Zwiebel
ein paar Thymianzweige


Die Pancettascheiben von Schwarte und Knorpelstückchen befreien, erst längs, dann quer in kleine Würfelchen schneiden. Die Zwiebel ebenfalls würfeln.
In einer Pfanne die Pancettawürfel ausbraten, dann die Zwiebelwürfel mit den Thymianblättchen hinzufügen und glasig werden lassen. Die Pfanne zur Seite stellen und abkühlen lassen.
In einer Schüssel die zerpflückte Hefe in dem lauwarmen Wasser auflösen, das Salz sowie das gesiebte Mehl und die Speck-Zwiebel-Mischung hinzufügen und mit dem Knethaken zu einem Teig verarbeiten. Eventuell weiteres Mehl einarbeiten, bis der Teig nicht mehr klebt, dabei auf der Arbeitsfläche mit den Händen weiterkneten.
Den Teig in vier Teile schneiden, zu Kugeln formen und auf einem mit Backpapier ausgelegten Backblech zugedeckt an einem warmen Ort 30 Minuten gehen lassen.
Nach dieser Zeit den Teig weiterverarbeiten; er sollte nun aber nicht mehr geknetet werden.
Jede Kugel auf einer bemehlten Fläche vorsichtig zu einem Quadrat drücken und alle vier Enden nach innen einschlagen.






Die kleinen Quadrate wieder auf das Blech legen und zwanzig Minuten zugedeckt ruhen lassen. Danach die Quadrate wieder breiter drücken und abermals die Ecken einschlagen.
Diesen Vorgang insgesamt dreimal ausführen, jeweils mit den 20 Minuten Teiggehzeit.
Dann die Quadrate mit den Handflächen zu einem Rechteck drücken, einmal von der langen Seite her einschlagen, wieder flachdrücken, einschlagen und zu einer Rolle formen.
Die Rollen nebeneinander auf einem entsprechend vorbereiteten Küchenhandtuch weitere zwanzig Minuten ruhen lassen.




Den Backofen auf 240 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.
Die Baguettes auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen, mehrmals quer mit einem scharfen Messer einschneiden, mit etwas Mehl bestäuben und auf der unteren Schiene 20 - 25 Minuten backen. Dabei ein kleines feuerfestes Töpfchen mit Wasser auf das Backblech stellen.





Rezeptquellen für das Grundrezept Baguette:
Der große Lafer: Backen, Gräfe und Unzer-Verlag, München 2012
Französisch Kochen by Aurélie Bastian: Une petite baguette...



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♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

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