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Freitag, 5. April 2013

Backen mit einer "Unbekannten" - Mini-Cheesecakes con cicoria



Mir fehlen die Worte!
Das heißt: Mir fehlt ein Wort, nämlich die deutsche Bezeichnung für eine Gemüse mit dem schönen italienischen Namen Cicoria.
Das ist kein Chicorée, denn dieser Salat heißt im Italienischen Indivia belga.
Selbst Langenscheidts Praxiswörterbuch Gastronomie scheitert an dieser Frage (wie schon oft zuvor, nebenbei bemerkt); ist also auch keine große Hilfe. Cicoria=Chicorée steht dort zu lesen.
Nächste Anlaufstelle war dann Cédric Dumonts Kulinarisches Lexikon. Unter dem Stichwort "Zichorie, Wegwarte" erfuhr ich, das die fleischige Pfahlwurzel des auch als Rübenpflanze bezeichneten Gemüses gekocht und gemahlen als Kaffee-Ersatz verwendet werden kann. Die aus den Wurzeln treibenden Blattsprossen nennen sich - Chicorée! Eine weitere Zuchtart sei die Endivie - aha!
Meine Verwirrung war jetzt komplett.
Wie Chicorèe aussieht, weiß ich. Und das, was ich heute morgen auf dem Campo de' fiori als "Cicoria" gekauft habe, sieht ziemlich anders aus...
Letzter Versuch - ein Blick in das im Könemann-Verlag erschiene Werk über Zutaten mit dem Titel Ingredienzien. Ich habe allerdings nur die italienische Ausgabe: Ingredienti.
Bei Cicoria war ein dem Radicchio ähnlicher Salatkopf abgebildet.
Hilfe!
Mein Gemüse sieht dagegen so aus:




Zusammenfassend kann ich nach meinem jetzigen Wissensstand nur sagen, dass Cicoria eben wie der Chicorèe zu den sogenannten Zichoriengewächsen gehört.
Wie auch immer: Heute gab es pikante kleine Törtchen mit diesem Gemüse, frei nach einem Rezept aus der aktuellen "Sale e Pepe".
Ich habe die Cheesecakes aber etwas "aufgepeppt" und traue mich mal ganz frech, dem ganzen ein wenig mehr Würze zu geben. So wird zum Beispiel laut Rezept kurz eine halbe! Knoblauchzehe in Olivenöl angeschwitzt und wieder entnommen, bevor dann die Cicoria, ich nenne sie weiterhin Cicoria, da mir eine exakte deutsche Bezeichnung fehlt, mit in die Pfanne hüpfen darf. Ich dagegen nehme eine ganze Knoblauchzehe - und diese bleibt dann auch im Gemüse!
An Stelle der vorgesehenen Minze gebe ich eine in feine Ringe geschnittene Frühlingszwiebel sowie etwas gehackte Petersilie zum Frischkäse.
Ich habe mir natürlich auch darüber Gedanken gemacht, was man für eine Gemüse nehmen könnte, wenn es an der Cicoria scheitern sollte, da nördlich der Alpen vielleicht auch unauffindbar. Radicchio könnte ich mir optisch und natürlich geschmacklich sehr gut in diesen Törtchen vorstellen - und Radicchio gehört ja ebenfalls zu den Zichoriengewächsen.





Zutaten (6 Cheesecakes)


  • 120 g Salzcracker
  • 70 g Parmigiano Reggiano
  • 50 g Butter (im Original-Rezept 40 g) + Butter zum Ausfetten der Formen
  • 200 g Cicoria (im Original-Rezept 160 g)
  • 1 Selleriestange, ca. 50 g (im Original-Rezept 30 g)
  • 1 Knoblauchzehen (im Original-Rezept eine halbe)
  • 400 g Robiola* (oder ein anderer Frischkäse)
  • 2 Eier
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer
  • Olivenöl extra vergine
  • 1 El feingehackte Petersilie (im Original-Rezept: ein Bund Bergminze, fein gehackt)
  • 1 Frühlingszwiebel (von mir hinzugefügt)
  • 6 Dessertringe von jeweils 8 cm Durchmesser


Zunächst einmal war schon beim Zubereiten abzusehen, dass die Zutaten für mindestens 6 Dessertringe reichen. Im Originalrezept ist von vier Förmchen die Rede.
Die zerlassenen Butter habe ich um 10 g erhöht, die im Originalrezept angegebene Menge reichte nicht aus. Die Backtemperatur habe ich nach 10 Minuten von 160 (im Rezept) auf 190 Grad erhöht, das die Käsemasse zu weich blieb. Ich denke ein Kompromiss von 180 Grad wäre perfekt.

Die Cicoria putzen, ich habe dabei Teile der Stängel sowie einige unansehnliche Blätter entfernt, gut waschen und trockenschleudern. Den Stangensellerie fein würfeln, die Knoblauchzehe fein hacken.
In einer Pfanne etwas Olivenöl erhitzen und die Selleriewürfel mit dem Knoblauch anschwitzen, dann die Cicoria hinzufügen und zusammenfallen lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und grob zerkleinern.
Den Backofen auf 180 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.
Die Salzcracker fein zerbröseln und die Butter zerlassen. Brösel mit Butter und 30 g Parmesan mischen.
Sechs Dessertringe mit Butter ausfetten und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech (ich habe ein Pizzablech genommen) setzen. Die Bröselmischung in jeder Form verteilen und gut andrücken (ich habe einen kleine Saucenkelle dazu verwendet). Das Blech mit den Förmchen 15 Minuten in den Kühlschrank stellen.



In der Zwischenzeit den Robiolakäse mit dem restlichen Parmesan, einer in feine Ringe geschnittenen Frühlingszwiebel, einem El gehackte Petersilie und zwei Eiern vermischen und mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Die Förmchen aus dem Kühlschrank nehmen und in jedes zunächst die Hälfte der Frischkäsecrème verteilen. In jedes Förmchen dann etwas von der Cicoria geben und mit der verbleibenden Crème abdecken,
Im Ofen 20 bis 25 Minuten backen. Danach etwas abkühlen lassen und vorsichtig die Förmchen entfernen.




*Und zum Schluss muss ich noch etwas motzen: 400 g Robiola werden für das Rezept gebraucht. In einem Supermarkt erstand ich zwei (vom Supermarkt abgepackte) Plastikschälchen mit jeweils zwei  abgepackten Päckchen von diesem Frischkäse; diesen noch in Originalverpackung. Inhalt laut der einen Packung: 218 g, laut der anderen 216 g. Prima, dachte ich mir, passt ja. Ist ein bisschen mehr, aber kann ich ja abwiegen.





Ich muss jetzt noch vorausschicken: Ich gehöre nicht zu den Erbsenzählern, die sich beim Metzger erst das Papier abwiegen lassen! Hier handhabt man das sowieso - wie soll ich sagen - "lockerer".
Aber dass heute beim Abwiegen des Käses auf einmal nur 350 g auf meiner Waage lagen, fand ich, gelinde gesagt, eine Frechheit! Das bringt mich beim Kochen und Backen dann einfach in Verlegenheit! 
Das ummantelnde Papier für diesen Robiolakäse allein hat schon Gewicht, zudem steht auf dieser Verpackung selbst nirgends eine Gewichtsangabe drauf.
Was ist also passiert? Man nimmt ein Plastikschälchen, legt zwei verpackte Frischkäseteilchen hinein - und wiegt dann alles zusammen.
So macht man das!






Kochrezepte Basar -teilen,inspirieren,stöbern,entdecken- immer Freitag bis Sonntag - tobias kocht!





♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

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