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Sonntag, 20. Oktober 2019

Immer wieder gerne: Bistecca alla Fiorentina



Ich mache es kurz: Kann ich Euch so ein Stück Fleisch vorenthalten?
Natürlich gibt es längst ein Rezept zu diesem toskanischen Fleischklassiker auf dem Blog! Dieses aktuelle, besonders schöne Stück war es aber wert, auch einen kleinen Blogaufritt zu bekommen.

Gewürzt nur mit etwas Salz, gewälzt in ein paar zerkleinerten Rosmarinnadeln und begossen mit fruchtigem Olivenöl. Nehmt es aber vorher rechtzeitig aus dem Kühlschrank!

Auf einer heißen gusseisernen Grillplatte dann jeweils ungefähr 7 Minuten von beiden Seiten braten. Wer es es "blutiger" möchte, zieht pro Seite eine Minute ab.
Ach, was sage ich: Das Braten eines Steaks ist der Intuition des Augenblicks verpflichtet.
Trinkt dabei am besten schon ein Schlückchen Wein - einen Chianti Classico oder einen Brunello -  und beobachtet das Fleisch.

Gebt der Bistecca nach dem Braten genügend Zeit zum Entspannen, bevor Ihr die Messer wetzt.

Dazu gab es ein Kartoffelgratin - Puristen mögen es mir verzeihen!




Braucht es mehr?

Aus den Knochenresten wird eine Brühe gekocht; nichts soll verkommen!

Wir verneigen uns vor dem Chianina-Rind!



Sonntag, 3. Februar 2019

Von wegen backende Großmütter: Torta della nonna



Ich bezweifele ja stark, dass Großmütter so verschwenderisch mit Zutaten umgegangen sind, wie bei diesem Kuchen. Backende Großmütter konnte man einst - zumindest - in Italien  kaum in der bürgerlichen Gesellschaft oder gar in Adelskreisen vorfinden, wo teure Zutaten keine Rolle gespielt haben. Küchenarbeiten überließ man dem Personal. Interessant dazu auch, dass der Küche als Raum wenig Bedeutung zugemessen wurde, obwohl es gerade in der ländlichen Toskana herrlich geräumige und urige Küchen mit großem Kamin gibt; nachträglich aufgehübscht für die Toskana-Reisenden natürlich, die sich gerne auch mal eines dieser Landhäuser mieten.
Die Realität dieses für mich so wichtigen Raums sieht in der Stadt schon wieder anders aus. Ich beklagte einmal bei unserer Nachbarin, Mitbesitzerin des Hauses, in dem wir wohnen, dass meine Küche so klein und unpraktisch geschnitten sei. Sie erklärte mir daraufhin, dass dieser Raum früher den Herrschaften, die in solchen Palazzi der Innenstadt gelebt haben, ziemlich gleichgültig gewesen sei.  Die Küche sah damals nur das Personal von innen, zum Teil ist das noch heute so. Natürlich sind auch viele dieser Häuser für heutige Bedürfnisse umgebaut worden und erfreuen sich traumhafter Küchen. Als Architektin betreut unsere Nachbarin auch solche Projekte, soweit der Denkmalschutz es zulässt.





Aber zurück zu den backenden Großmütter. Gingen die wirklich so großzügig mit Eiern - Eigelben - und den auch in Italien ziemlich teuren Pinienkernen um? Die Ernüchterung folgte bei der Recherche: Nicht eine Nonna soll diesen Kuchen erfunden haben, sondern ein Bäcker aus der Toskana. Sogar ein Name wird genannt: Guido Samorini. Er soll launischen Kunden, die sich beklagt hatten, dass die Kuchenauswahl so beschränkt sei, dann diesen Kuchen angeboten haben. Ob da seine Oma wohl ihre Finger im Teig im Spiel hatte? Nicht völlig geklärt bleibt die Herkunft der Bezeichnung.






Ich muss gestehen: Mini-Nonna-Törtchen in einer Bäckerei verführen mich manchmal zu einer kleinen Sünde. Ich glaube, es ist die auf der Zunge schmelzende Konditorcrème, die die Törtchen für mich so unwiderstehlich macht.

Auch Opa hat übrigens "seine" Torte: In der Torta del nonno versteckt sich zusätzlich noch Schokolade -  im Mürbeteig und/oder auch in der Crème.
Aber heute ist Oma an der Reihe!





Zutaten
(für eine Quicheform von 28 Ø mit herausnehmbarem Boden)


Mürbeteig

  • 450 g Mehl, gesiebt + Mehl für die Verarbeitung
  • 2 Eier
  • 200 g kalte Butter
  • 160 g Zucker
  • Abrieb einer unbehandelten Zitrone
  • 1 Prise Salz


Füllung (Creme Pasticcera)* 

  • 500 ml Milch
  • 150 g Zucker
  • 6 Eigelb
  • 25 g Maisstärke
  • 20 g Reisstärke (ersatzweise Maisstärke)
  • 30 g Butter + Butter für die Form
  • 1 Vanillestange
  • Abrieb einer unbehandelten Zitrone
  • 1 Prise Salz
  • 2-3 El Milch


Für die Fertigstellung

  • 70 g Pinienkerne
  • Puderzucker


Für den Mürbeteig das Mehl in eine Schüssel sieben, in die Mitte eine Mulde drücken und die Eier hineingeben. Den Rand mit Butterflöckchen belegen, den Zucker darüberstreuen und das Salz und den Zitronenabrieb hinzufügen. Zunächst mit einem Messer die Zutaten hackend vermischen, dann zu einem Mürbeteig verkneten. In Folie eingepackt für zwei Stunden in den Kühlschrank geben.

Für die Crème die Milch mit dem Zitronenabrieb, der aufgeschlitzten Vanilleschote und der Prise Salz aufkochen. In der Zwischenzeit die 6 Eigelbe mit dem Zucker zu einer hellschaumigen Masse aufschlagen. Die Speisestärke hinzugeben (die Reisstärke soll dafür sorgen, dass die Crème glänzend bleibt, sie kann aber durch normale Maisstärke ersetzt werden) und weiterrühren.
Die heiße Milch durch ein Sieb filtern und vorsichtig unter die Eiermasse rühren. Diese Crème nun noch einmal in einem Topf auf die Kochstelle setzen und unter Rühren (Crème wird sehr schaumig, großen Topf nehmen!) bis auf 85 Grad (Küchenthermometer!) erhitzen.
Topf vom Herd nehmen und die Crème in eine Schüssel umfüllen.
Etwas abkühlen lassen (auf um die 50 Grad), dann die Butter in Stückchen einarbeiten.
Die Oberfläche der Crème mit Folie bedecken und lauwarm abkühlen.

Den Backofen auf 180 Grad (Ober- und Unterhitze) und die Form ausfetten. Den Teig aus dem Kühlschrank nehmen und ca. zwei Drittel davon auf etwas Mehl ausrollen und Boden sowie Rand der Form damit auskleiden. Mit der Gabel mehrmals einstechen. Überschüssigen Rand wegschneiden.

Die Crème mit 2-3 El Milch glattrühren und auf dem Teigboden verstreichen.
Den restlichen Teig auf einer bemehlten Fläche ausrollen und auf die Crème legen. Überlappenden Teig wegschneiden und die Teigränder gut zusammendrücken und auf diese Weise verschließen.
Die Teigoberfläche mit etwas Wasser bestreichen und die Pinienkerne darüberstreuen.
Im Ofen ca. 30-35 Minuten auf der mittleren Schiene backen (bei herausnehmbarem Boden eine Lage Alufolie darunterlegen).
Den abgekühlten Kuchen dick mit Puderzucker bestäuben.
Reste im Kühlschrank aufbewahren.




Aus den Teigresten habe ich Plätzchen ausgestochen und bei 180 Grad ca. 7 Minuten gebacken.






*Rezept frei nach
LuCake -  Torta della nonna





Donnerstag, 2. August 2012

Sinnvoll betrunken - Gli Spaghetti dell'Ubriacone

Liebe auf den ersten Bissen waren diese "Säuferspaghetti" nicht!



Als ich vor vielen Jahren zum ersten Mal in der Osteria de' Benci in Florenz -  eher aus Neugier -  diese "Spaghetti dell'ubriacone" probierte, war ich noch unschlüssig, ob mir diese so ungewöhnlich rote Pasta auch schmeckt. Ich war für einen Tag in Begleitung einer Freundin aus Deutschland mit dem Zug in meine Lieblingsstadt gefahren. Wie so oft, wenn ich in Florenz bin, führte mich mein Weg in diese enge, kleine Osteria in der Nähe der Franziskaner-Kirche Santa Croce, die allein schon wegen der wunderbaren Fresken von Giotto einen Besuch wert ist.
Neugierig bestellten wir diese "Säuferspaghetti" und waren dann vor allem ganz angetan von der intensiven weinroten Farbe, wobei wir rätselten, wie man das so hinbekommt. Nachdem wir brav unsere Tellerchen geleert hatten, sahen wir uns an und meinten einstimmig, das sei ja ganz interessant als Pastagericht, aber das wär's dann auch...
Irgendwann war ich wieder in Florenz, wieder in der Osteria de' Benci. Eine Auswahl von verlockenden Pastagerichten - besonders eine mit Fenchelsamen gewürzte Tomatensauce ist mir in guter Erinnerung (wie man sieht: ich war da schon oft zu Gast) - machte die Wahl schwer. Irgend etwas trieb mich, wieder diese roten Spaghetti zu bestellen. Den aussergewöhnlichen Geschmack fand ich dieses Mal mehr als nur "interessant"!
Um die Geschichte abzukürzen: Bei einem dritten Besuch fragte ich den sympathischen und auch in größter Hektik immer gutgelaunten jungen Wirt, der in seiner Osteria eine Truppe von Studenten beschäftigt, nach dem Rezept!

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