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Dienstag, 11. Mai 2021

Der authentische Geschmack von Rom: Mezze maniche rigate alla gricia con i carciofi


Ideen für das Abendessen kommen mir oft unterwegs. Auch wenn ich über zu schreibende Texte nachdenke, formuliere ich sie oft auf den Straßen der Stadt und präge mir die Formulierungen ein. Aber noch davor steht, wie gesagt, die Frage: Was koche ich heute? Ich bin da eher spontan dabei und plane nie für eine ganze Woche vor. Zum einen will ich mich nicht festlegen lassen, auf was ich - sagen wir - am Freitagabend Appetit habe. Zum anderen scheitert hier das Vorausplanen oft am Angebot. Es ist zwar besser geworden, aber ich erinnere mich noch an wenig zurückliegende Zeiten - besonders in den Ferienmonaten: da musste man kaufen, was man kriegen konnte. Irgendwann habe ich das verinnerlicht. Sehe ich etwa frischen Mönchsbart oder knackigen Spargel - schwupps landet das im Einkaufskörbchen. 




Vergangenen Samstag aber schnappte ich im Vorübergehen eine Idee auf. Wir waren in der Stadt unterwegs und steuerten eine Eisdiele an; ein Eis als Mittagsessensersatz sozusagen, das erste in diesem Jahr. Auch wenn zur Zeit keine Touristen unterwegs sind, die Stadt blüht gerade auf. Ich erlebe hier Straßenszenen, wie ich sie bislang aus Athen kenne. Da die Restaurants zwar wieder geöffnet haben, wegen der Sperrstunde aber um 22 Uhr schließen müssen, sitzen die lieben Römerinnen und Römer zu ungewöhnlichsten Zeiten beim Essen. Hauptsache raus, im Freien am gedeckten Tisch sitzen und sich mal wieder bedienen lassen - ich kann es so gut verstehen! Auf einmal herrscht hier quasi Urlaubsatmosphäre. Ganz ohne Massentourismus! Wenn es diesen verflixten Virus nicht gäbe, so könnte der Idealzustand in einer der schönsten Städte der Welt aussehen!  




Und dann passierte es: Wir gingen an einem Restaurant vorbei, ein Kellner ratterte dort die Speisekarte herunter und da schnappte ich ein Gericht auf: Gricia con i carciofi!

Ja, das war es! Warum hatte ich das nicht längst zubereitet. Ich liebe alla gricia, ich liebe Artischocken, ich liebe Pasta! Zudem ist es ein so urrömisches Gericht, authentischer kann eine Pasta kaum nach Rom schmecken. Dafür sorgen nicht zuletzt der Guanciale (Guanciale, bitte, keine Pancetta) und der unvergleichlich aromatische Pecorino ROMANO (!) - der mit der schwarzen Rinde! Den habe ich neben Parmigiano Reggiano immer vorrätig. 

Pasta alla gricia ist ja praktisch die Urversion der Amatriciana - nur eben ohne Tomaten. Eng verwandt ist dieses Pastagericht in seiner einfachen Version ohne Artischocken auch mit Cacio e pepe. Beide Gerichte teilen sich die Herausforderung an Köchin oder Koch, allein mit geriebenem Käse und etwas Nudelkochwasser eine cremige, die Pasta überglänzende Käsesauce entstehen zu lassen. Da heißt es:  üben!

Geübt habe ich dieses Mal auch das Putzen der Artischocken. Zunächst auf dem Campo de' fiori meiner Marktfrau noch einmal über die Schulter geguckt (einmal wieder!), gleich anschließend  ein neues scharfes Kneipchen gekauft und mich zu Hause dann an die Arbeit gemacht. Naja, ich muss wirklich noch üben!  




Zutaten und Zubereitung
(für 2-3 Personen)


  • 3 Artischocken (Typ "romanesco" - "mammola")
  • Saft einer halben Zitrone
  • 150 g Guanciale
  • 80-100 g Pecorino Romano
  • 1 Gläschen Weißwein
  • Olivenöl extra vergine
  • Salz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
  • 250 g Mezze maniche rigate (oder ersatzweise Rigatoni) 



Eine Schüssel mit Zitronenwasser bereitstellen. Zum Putzen der Artischocken am besten Gummihandschuhe anziehen und vor allem ein sehr scharfes kleine Gemüsemesser verwenden.

Den Stiel auf ca. 2 cm Länge kürzen und diesen verbleibenden Stiel schälen. Von den Artischocken die äußeren Blätter entfernen bis Blätter mit fast weißem Blattansatz zum Vorschein kommen. Ungefähr einen Zentimeter über dem Blattansatz das Messer ansetzen und die Artischocken drehen. Nicht die Messerhand, sondern die "Artischockenhand" ist in Bewegung. Dabei muss man sich bis zur Spitze hocharbeiten. Keine Sorge, wenn es viel "Abfall" zu geben scheint. Die geputzten Artischocken bis zur weiteren Verarbeitung in das Zitronenwasser legen.



Schritt 1: die äußeren Blätter entfernen


Schritt 2: Links die (von meiner Marktfrau) geputzte Artischocke



Die Artischocken vierteln und das feine Heu entfernen (diese Artischockenart hat sehr wenig Heu).
Jedes Viertel der Länge nach in feine Spalten schneiden.





Den Guanciale in ca. einen halben Zentimeter dicke Scheiben schneiden und diese dann nochmal in Streifen. Ein Pfanne erhitzen und den Guanciale kross anbraten. Aus der Pfanne nehmen und auf ein Stück Küchenpapier legen.

Ein wenig Olivenöl in derselben Pfanne erhitzen und die Artischockenstreifen ca. 5 Minuten anbraten. Dann mit dem Weißwein ablöschen, diesen etwas eindampfen lassen und die Artischocken leicht salzen. Ein Schöpfkelle Wasser hinzugeben und weiter 5 Minuten köcheln lassen. Den Guanciale in die Pfanne geben.

Die Pasta al dente kochen.

Pasta abgießen und in der Pfanne kurz erhitzen. Pfanne vom Herd nehmen!

Den frisch geriebenen Pecorino zusammen mit ca. einer Schöpfkelle Nudelwasser unter die Pasta mischen, bis sich Käse und Wasser zu einer glatten Konsistenz vereinigt haben und die Pasta "überglänzen".

Mir viel frisch geriebenem schwarzen Pfeffer servieren.





Sonntag, 8. April 2018

Verwirrende Bezeichnungen... Cavatappi con carciofi e stracciatella



Korkenzieher mit Stracciatella - mit Eis? Ist sie jetzt völlig übergeschnappt, werden einige denken, wenn sie vor allem die Bezeichnung der Pasta übersetzen? Wer italienisch spricht, weiß, dass ein Cavatappo ein Korkenzieher ist  - und genauso sieht diese Pastasorte aus. Wie der geringelte Teil eines Korkenziehers. Auch ich frage mich oft, wie viele Sorten Pasta es wohl in Italien gibt! Diese Sorte jedenfalls ist ideal, um sich an einen kräftigen Sugo zu klammern, ihn geradezu zu umarmen! Perfekt auch zu Fleischsaucen aller Art.




Die Stracciatella (sprich: stratʃaˈtɛla, das "i" wird nicht gesprochen) ist ursprünglich genauso wenig nur eine Eissorte wie die originale Cassata aus Sizilien. In Wahrheit sind die Cassate - zuckersüße - Kunstwerke aus Biskuit, Marzipan und Ricotta; sie sind Torten!  Leider kennt man sie außerhalb Italiens nur als "Halbgefrorenes" oder als Eis. Die Herkunft das Namens geht wahrscheinlich auf das Arabische zurück, in der "Qas'at" einfach "Schüssel" bedeutet. Eine Schüssel gab dann auch die Form der Cassata vor. Unter der Herrschaft der Araber im 9. Jahrhundert wurde übrigens auch der Rohrzucker in Sizilien eingeführt. Vielleicht auch eine Erklärung dafür, warum viele der sizilianischen Köstlichkeiten so zuckersüß sind.




Als Stracciatella bezeichnet man in Rom vor allem eine kräftige Fleischbrühe mit Einlage, für die man verkleppertes Ei in die köchelnde Suppe einlaufen lässt. Dieses stockt sofort und bildet die typischen "Fetzchen". Nichts anderes nämlich bedeutet Stracciatella. Und dann ist die Stracciatella auch jene cremige Füllung einer Burrata. Herrlich, wenn man diesen Käse aufschneidet und das Gemisch aus Sahne und flockigem Käse herausfließt!
Für das vorliegende Rezept kann man entweder eine ganze zerpflückte Burrata verwenden oder eben nur die in Italien auch gesondert erhältliche Stracciatella.

Also, lasst Euch das Vanilleeis mit den Schokostückchen weiterhin schmecken, aber wenn Ihr dann Lust auf etwas Herzhaftes bekommt, dann holt schon mal den Nudeltopf  heraus!





Zutaten
(für 3 Personen)


  • 3 Artischocken
  • Saft einer halben Zitrone
  • 200 g Stracciatella (ersatzweise eine Burrata, zerpflückt)
  • 100 schwarze Oliven "al forno"
  • 80 g in Öl eingelegte getrocknete Tomaten, abgetropft
  • 1 Selleriestange
  • 1 Schalotte
  • Olivenöl extra vergine
  • Salz
  • Chilipulver (z.B. Peperoncino Jalapeño)
  • 250 g Pasta (Cavatappi)


Die Artischocken putzen und bis zur weiteren Verwendung in Zitronenwasser legen.
Dann die Artischocken vierteln, eventuell Heu entfernen und in dünne Spalten schneiden.
Die Schalotte und die Selleriestange würfeln und in Olivenöl anschwitzen, dabei leicht salzen. Die Artischockenspalten dazugeben und in ca. 15-20 Minuten weichdünsten; eventuell etwas Wasser dazugeben.
In der Zwischenzeit die Tomaten aus dem Öl nehmen, abtropfen lassen und in Streifen schneiden.
Gegen Ende der Garzeit zusammen mit den Oliven zu den Artischocken in die Pfanne geben. Mit Salz abschmecken.
Die Pasta al dente kochen, dann in die Pfanne geben, mit dem Gemüse mischen und die Pfanne von der Kochstelle nehmen. Die Stracciatella dazugeben und leicht schmelzen lassen.
Mit Peperoncino abschmecken.




♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Sonntag, 18. März 2018

Hier sind Glücksgefühle doppelt garantiert: Fileja con pesto di carciofi e carciofi fritti


Wir sind mitten in der Artischockenzeit angekommen; ein schöner Anlass, die Artischocken wieder öfters in die Pfanne hüpfen zu lassen. Zusammen mit Pasta liebe ich sie ganz besonders. Die Inspiration zu dem Gericht mit dem Artischockenpesto gab mir mein liebstes Food-Magazin Sale&Pepe. Allerdings habe ich das Pesto mit anderen Zutaten zubereitet; in Rom muss für mich auch Mentuccia (Bergminze) die Artischocken-Gerichte begleiten. Kein Artischocken-Einkauf auf dem Markt, ohne dass die Marktfrau mir nicht gleich auch ein Sträußchen davon entgegenhält. Anstelle von jungem Spinat verwende ich glatte Petersilie und ein paar Blättchen von der aromatischen Minzsorte für das Pesto. Über eine weitere Zutat gleich mehr...

Im Blog gibt es bereits unzählige Gerichte mit Artischocken - auch in Kombination mit Pasta -, und wer jetzt neugierig geworden ist, der findet das alles unter dem entsprechenden Label (siehe ganz unten auf der Seite). Denn wer in Rom lebt, kann diesen wunderschönen essbaren Blumen nicht entkommen; zu Pyramiden aufgetürmt kann man sie an jedem Gemüsestand zur Zeit finden. Auch "ohne alles", ganz pur als Protagonist auf dem Teller, feiern die Carciofi in der traditionellen römischen Küche Triumphe; allen voran die Carciofi alla Romana und die Carciofi alla Giudia.




Glücklichmacher Cashewkerne

Wenn Ihr Euch nach dem Genuss dieses Pastagerichts so richtig glücklich fühlt, so ist das nicht nur der Pasta selbst zu verdanken. Ich habe Cashewkerne anstelle von Pinien für das Pesto verwendet, und das in diesen Kernen enthaltene Tryptophan wird im Körper zum Glückshormon Seratonin umgewandelt.

Die Fileja sind eine typische Pastasorte aus Kalabrien und im Gegensatz zu zarter Pasta all'uovo (Eierpasta) robust genug für die frittierten Artischockenspalten. Sie erinnern ein wenig an die "Pfarrerwürger", die Strozzapreti, die eher in Nord- und Mittelitalien verbreitet sind.





Zutaten
(für 3-4 Personen als Primo Piatto)




  • 2 Artischocken, wenn möglich römische Artischockensorte
  • 60 g glatte Petersilie (gezupft abgewogen)
  • 1 paar Mentucciablättchen (Bergminze, ein paar für die Dekoration zurücklegen)
  • 60 g Cashewkerne
  • 1 Knoblauchzehe
  • 50 g Pecorino Romano, frisch gerieben (ersatzweise Parmesan)
  • Fleur de sel
  • ca. 150 ml Olivenöl extra vergine


Die Artischocken putzen, dabei etwa 10 cm vom Stängel am Kopf lassen, halbieren und eventuell das Heu entfernen. Ungefähr 15 Minuten in Salzwasser weichkochen. Danach abgießen und abkühlen lassen.
Die Cashewkerne in einer beschichteten Pfanne anrösten. Ein paar Kerne zur Seite stellen.

Alle Zutaten im Blender intervallartig zu einem Pesto verarbeiten; dabei erst zum Schluss den geriebenen Käse hinzufügen.


  • 2 Artischocken, wenn möglich römische Artischockensorte
  • Olivenöl extra vergine
  • Salz
  • 250-300 g Fileja


Die Artischocken putzen, vierteln, eventuell das zarte Heu entfernen und in feine Spalten streifen.
Olivenöl ungefähr einen Finger breit in einer Pfanne erhitzen und die Spalten von beiden Seiten darin frittieren. Leicht salzen.

Die Pasta al dente kochen und in einer Schüssel mit dem Pesto vermischen.
Die Artischockenspalten hinzufügen und mit Minzblättchen und Cashewkernen bestreuen.




♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Freitag, 26. Mai 2017

Römische Frühlingsküche: Vignarola alla romana



So sieht authentische Küche in Italien aus: Regional - und vor allem saisonal! Für Römer, für die echten Römer (zähle ich mich nach all' diesen Jahren eigentlich dazu...), die auf kulinarische Traditionen Wert legen, repräsentiert kein Gericht mehr den Frühling als die Vignarola.
Um so verwunderlicher ist es, dass es auf den Speisekarten der römischen Trattorie kaum noch zu finden ist, wenn in der Saison die herrlichsten Artischocken, der knackigste Salat und frische Saubohnen und Erbsen an den Marktständen angeboten werden. Zu keiner Jahreszeit sieht es üppiger auf dem Campo de' fiori aus als im Frühling, und das frische Gemüse macht dem Touristennippes endlich mal so richtig Konkurrenz, auch wenn man sich den Weg zum Gemüsestand fast erkämpfen muss.

So genau weiß man nicht, wie das Gericht zu seinem Namen kam. Nimmt es Bezug auf das Gemüse, das wild zwischen den Weinreben wucherte? "Vigneti" , so heißen die "Weinberge" auf Italienisch, auch wenn man in Italien, anders als im Norden Europas, den Wein nicht unbedingt an Berghängen anbauen muss, um die Sonne optimal nutzen zu können. Oder bezieht sich diese Bezeichnung auf die Weinbauern selbst, die das Gemüse, das zwischen dem Wein wuchs, auf den Märkten der Stadt verkauften - oder aber war die Vignarola einfach nur ihr typisches Essen bei der harten Arbeit des Weinanbaus?




In der Literatur findet man unterschiedliche Rezepte für die Zubereitung der Vignarola. Mit Guanciale oder lieber mit Pancetta (darüber habe ich mit meinem Feinkosthändler heute diskutiert, der meinte, Guanciale sei zu fett dafür). Oder lieber doch vegetarisch ohne den pikanten Speck?
Mit Wein oder ohne? Sollte man auch etwas Gemüsebrühe hinzugeben, oder langt die Flüssigkeit, die das Gemüse selbst beim Schmoren abgibt? Und die Gemüsebrühe selbst? Einige Rezepte sehen vor, sie aus den Schoten der Erbsen und Saubohnen sowie der Stängel der Artischocken zu kochen.
Apropos Saubohnen: Angeblich werden sie in der traditionellen Zubereitung nicht von der zähen Haut entfernt. Auch wenn es Arbeit macht: Die zarten Bohnen mag ich lieber ganz "entblättert", und so hüpfen sie bei mir erst gegen Ende der Zubereitung in die Pfanne, damit sie nicht zerkochen.




Zutaten
(für 2-3 Personen)


  • 3 Artischocken (möglichst Carciofi romaneschi)
  • 300 g frische Erbsen, gepalt
  • 300 g frische Saubohnen, gepalt
  • 1 kleiner Kopf Römersalat (Lattuga romana)
  • 100 g Pancetta
  • 2-3 Frühlingszwiebel
  • ein paar Minzblättchen (Bergminze, "Mentuccia")
  • Olivenöl, extra vergine
  • 100 ml Weißwein
  • ein wenig Gemüsebrühe
  • Saft einer halben Zitrone
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer


Die Artischocken putzen, dabei den Stängel entfernen und bis zur weiteren Verwendung in Zitronenwasser legen.
Die Saubohnen für eine Minute in kochendes Wasser geben, abgießen, abschrecken und die Bohnenkerne aus den Häutchen drücken.
Die Pancetta in Streifen und das Weiße der Frühlingszwiebeln in Ringe schneiden.
Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und die Pancetta so lange ausbraten, bis der Fett glasig zu werden beginnt, dann die Frühlingszwiebelringe hinzufügen.
Die Artischocken der Länge nach vierteln, das Heu entfernen und in feine Spalten schneiden. Diese in die Pfanne zu der Pancetta und den Frühlingszwiebeln geben und kurz mit anbraten.
Mit etwas Wein ablöschen und die Erbsen hinzufügen. Salzen und pfeffern und zugedeckt bei kleiner Hitze ca. 15 Minuten schmoren lassen. Wenn das Gemüse zu trocken wird, noch etwas Wein und gegebenenfalls wenig Gemüsebrühe angießen.
In der Zwischenzeit den Salat (man braucht nur wenige Salatblätter) in breitere Steifen schneiden.
Salat zusammen mit den Saubohnen und ein paar Minzblättchen zu dem Gemüse in der Pfanne geben und weitere 5 Minuten schmoren lassen. Dabei kontrollieren, dass das Gemüse nicht zu trocken wird, sonst noch etwas Brühe angießen, aber es sollte keineswegs zu "suppig" werden.
Mit Salz und Pfeffer abschmecken und lauwarm oder auch kalt servieren.


Eine schmale Gasse in der Nähe des Campo de' fiori


♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Mittwoch, 8. Februar 2017

"Genesungshilfe" Pasta: Reginette con carciofi e prezzemolo fritto



Der Appetit ist wieder etwas zurückgekehrt, nachdem ein grippaler Infekt meinen Mann und mich erst einmal außer Gefecht gesetzt hatte -  trotz Hühnersuppe, Ingwertees und des täglichen Orangensafts. Da wurde auch mal Pizza aus der Pizzeria mitgebracht, oder es gab ausnahmsweise fertige Ravioli aus dem Kühlregal, die ich eigentlich verschmähe. Zwischendurch wurde auch gekocht, meist aber Gerichte aus der Abteilung "schnelle Küche".
Und mit dem Abklingen der Erkältung kehrte auch die Lust am Kochen und Genießen ein wenig zurück. Langsam, ganz langsam...






Auch wenn man bei italienischen Pastagerichten gerne an die oben bereits erwähnte "schnelle Küche" denkt, geht es manchmal auch ein wenig aufwändiger. Also: Pasta selbst machen, frische Artischocken putzen (nun gut, da schummele ich immer, da mir diese Arbeit meine Marktfrau abnimmt), Tomaten häuten und entkernen und die Petersilie nicht einfach so darüberstreuen, sondern vorher frittieren.
Mit einem Teller dieser Pasta kehrten dann langsam die Lebensgeister zurück!







Zutaten
(für 2-3 Personen)

Reginette

150 g Mehl 
50 g Hartweizengrieß
2 Eier
etwas Olivenöl extra vergine (ca. 1 Tl)
eine Prise Salz


Aus den Zutaten nach meinem Grundrezept einen Pastateig kneten.
Anschließend den Pastateig durch den Reginette-Aufsatz drehen - oder diesen mit Hilfe eines Teigrädchen in Streifen in einer Breite, die zwischen Tagliatelle und Pappardelle liegen, schneiden.
Die Garzeit beträgt ca. 2 Minuten in sprudelnd kochendem Salzwasser.





Artischocken

6-8 kleine Artischocken (z. B. "Romaneschi")
1 unbehandelte Zitrone
1 Knoblauchzehe
2 Fleischtomaten
1 El Salzkapern
2 El Olive Taggiasche, entkernt und in Öl eingelegt
ein paar Blätter Bergminze (Mentuccia)
1 handvoll glatte Petersilie
1 El Butter
Olivenöl extra vergine
Salz, frisch gemahlener Pfeffer

Zunächst in einer Pfanne die Butter aufschäumen lassen und die Petersilienblättchen darin knusprig ausbraten. Danach die Blättchen auf etwas Küchenpapier legen.
Salzkapern gründlich wässern.
Zitronenschale abreiben und aufheben. Zitrone auspressen und den Saft in eine mit Wasser gefüllte Schüssel füllen.
Artischocken putzen und bis zur weiteren Verwendung im Zitronenwasser aufheben.
Tomaten mit kochendem Wasser übergießen, abschrecken, häuten, entkernen und in Würfel schneiden.
Artischocken vierteln, eventuell das Heu entfernen, und die Viertel in Spalten schneiden.
Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und die Artischockenspalten hinzufügen. Salzen, pfeffern, eine Knoblauchzehe dazupressen und etwas Wasser angießen. Zugedeckt weich dünsten; das dauerte ca. 15-20 Minuten. Zwischendurch immer mal wieder kontrollieren, ob die Artischocken nicht zu "trocken" werden. Ein paar Minzblättchen zufügen.
Gegen Ende der Garzeit die abgespülten Kapern und die Oliven hinzufügen.
Pasta al dente kochen, abgießen und mit dem Zitronenabrieb und den Tomatenwürfeln unter die Artischocken heben. Eventuell noch etwas Pasta-Kochwasser untermischen.
Pasta mit den frittierten Petersilienblättchen bestreuen.




♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Mittwoch, 30. November 2016

Leichtes Intermezzo in üppigen Zeiten: Carpaccio di carciofi



Beim Plätzchenbacken kräftig genascht, zu tief ins Glühweinglas geschaut und öfters in kalorienreiche Eintöpfe abgetaucht? Dann braucht der Körper aber mal etwas Leichtes!
Artischocken sollen ja sooo gesund sein, bei der Fettverbrennung helfen und auch noch die Leber "entgiften" - was braucht man in diesen, durch üppige Leckereien geprägten Zeiten mehr? Schließlich kommt mit den Feiertagen ja noch einiges auf uns zu.

Viele wissen vielleicht nicht, dass man Artischocken auch roh genießen kann. Nein, ich meine jetzt nicht diese kleinen eingelegten Dinger aus dem Glas! Die mag ich zwar auch ab und an ganz gerne (auf mit Salami belegten Brötchen machen die sich ganz wunderbar), aber sonst bevorzuge ich immer frische Artischocken; gerade wenn man aus diesem herrlichen Gemüse einen Sugo für die Pasta oder gar eine Füllung für Ravioli und Konsorten zubereiten möchte.

Ich gebe zu, dass ich bei Artischocken etwas vom Heimvorteil profitiere; ich verwende, wie bei alle meinen Rezepten mit diesem Distelgewächs, die römischen Artischocken: die "Carciofi Romaneschi del Lazio".
Mein heutiges Rezept ist ebenso einfach wie raffiniert und ergab für mich ein schnelles Mittagessen, für dessen Zubereitung man auch nicht lange in der Küche stehen muss. Denn man hat ja schließlich auch noch Plätzchen zu backen...






Zutaten
(für zwei Personen)

4 junge Artischocken
1 Zitrone
4 El Olivenöl extra vergine
2 El gehackte Walnüsse
2 El Granatapfelkerne
Aceto Balsamico Tradizionale di Modena
frisch gehobelte Grana Padano (oder Parmigiano Reggiano)
Salz, frisch gemahlener Peffer


Die Zitrone auspressen. Artischocken putzen, vierteln, Heu, falls vorhanden, entfernen, und jedes Viertel der Länge nach in dünne Scheiben schneiden. Mit dem Zitronensaft mischen. Olivenöl dazugießen und mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Die Artischocken auf die Teller geben, gehackte Walnüsse, Granatapfelkerne und die gehobelte Grana darüber verteilen. Mit Aceto Balsamico Tradizionale di Modena beträufeln.



♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Dienstag, 23. Februar 2016

Da schlägt mein (Artischocken-)Herz höher: Bigoli con carciofi e pesto di prezzemolo, menta e mandorle



Zu Bergen aufgetürmt triumphieren wieder zarte Artischocken in diesen Tagen auf den römischen Märkten. Die Marktfrauen- und Männer haben es sich unter ihren großen Schirmen gemütlich gemacht und putzen für faule Kundinnen wie mich das begehrte Gemüse. Meine Versuche in dieser Kunst hatten bislang noch niemals die perfekt zurechtgestutzte Artischocke hervorgebracht. Eigentlich hieße das für mich eigentlich: üben, üben, üben. Aber ich mache dafür lieber die Pasta selbst und quäle das Gemüse nicht weiter mit meiner dilettantischen Schnitzerei. Es lohnt sich aber auf jeden Fall, frische Artischocken zu verarbeiten. Die kleinen eingelegten Carciofini, die man in Gläsern "sott'olio" (in Öl eingelegt) im Handel findet, eignen sich nicht zum Kochen, sondern schmecken nur kalt - am besten zu gemischten Antipasti.




Petersilie und Minze - besser noch Mentuccia, dt. Bergminze - sind die typisch römischen Begleiter der Artischocken. Warum nicht einfach diese Kräuter zu einem Pesto verarbeiten und über die mit der Pasta vermischten Artischocken geben, dachte ich mir heute nach meinem Marktbesuch. Apropos Pasta: Da die Artischockenspalten einen kräftigen Gegenspieler brauchen, habe ich dazu Bigoli gemacht, eine typische Pastasorte aus dem Veneto (Venetien).




Zutaten
(für zwei Personen)


Bigoli

150 g Mehl
50 g Hartweizengrieß 
2 Eier
Salz
etwas Olivenöl extra vergine

Aus den Zutaten nach meinem Grundrezept einen Pastateig herstellen.
Nach der Ruhezeit die Pasta bis auf Stufe 4 ausrollen und dann durch den Bigoli-Aufsatz pressen.
Diese Pastasorte benötigt etwa 5 Minuten.


Pesto

30 g glatte Petersilie
15 g Minzblättchen (Menta Romana)
30 g geschälte Mandeln
20 g Parmigiano Reggiano
1 Knoblauchzehe
Olivenöl extra vergine
Fleur de sel
frisch gemahlener Pfeffer

Aus den Zutaten ein Pesto herstellen. Dabei wie hier beschrieben vorgehen. 

Artischocken

4 Artischocken, wenn möglich der Sorten "Cimaroli" oder "Romaneschi"
Saft einer halben Zitrone
Olivenöl extra vergine
Salz, frisch gemahlener Pfeffer
ein paar Pinienkerne

Die Artischocken putzen (oder putzen lassen...). Für diese Gericht habe ich dieses Mal die Stengel entfernt. Die Köpfe bis zur weiteren Verarbeitung in Zitronenwasser aufbewahren.
Artischocken vierteln, Heu entfernen und jedes Viertel in dünne Spalten schneiden.
Olivenöl in einer Pfanne erhitzen, die Artischockenspalten hinzugeben, salzen und mit wenig Flüssigkeit zugedeckt weichschmoren. Das dauert ungefähr zwanzig Minuten.
Danach mit Salz und Pfeffer abschmecken.
In der Zwischenzeit die Pinienkerne in einer beschichteten Pfanne hellbraun anrösten.
Bigoli al dente kochen, abgießen, zu den Artischockenspalten in die Pfanne geben und untermischen.
Pasta auf den Teller verteilen, etwas von dem Pesto sowie die Pinienkerne darübergeben.






Weitere Gerichte mit Artischocken gibt es bei mir hier:




♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Montag, 30. März 2015

Schmeckt mit oder ohne Aussicht: Vellutata di carciofi con uovo soffice e tartufo estivo



Nach langen und für meinen Mann sehr arbeitsreichen Wochen gab es endlich wieder einen freien Sonntag für ihn. Auch wenn wir in der vergangenen Woche in Athen waren, so hieß das für ihn - neben den vielen Terminen - vor allem eines: Hocken im Hotelzimmer und die Finger wund schreiben, am Ende des langen Tages ein kurzes Abendessen, und danach wieder Weiterarbeiten bis in die Nacht. Augen auf bei der Berufswahl!
Deshalb wollten wir an diesem Wochenende ins Freie - hinaus aus der Großstadt, hinein in die Natur -, und so entschieden wir uns für einen Tagesausflug in die südliche Toskana. Mit lieben Freunden haben wir dann in einer unserer Lieblingstrattorien zu Mittag gegessen; hier hatte ich bereits über sie berichtet. Auch mit meinem lieben Foodblogger-Kollegen Werner von Cucina e Piu und seiner Frau hatten wir vor einiger Zeit einen sehr unterhaltsamen Abend in genau dieser Trattoria verbringen dürfen.
Am gestrigen Sonntag konnten wir auf der Terrasse bei wunderbarem Sonnenschein toskanische Spezialitäten genießen, und wenn es auch noch etwas zugig war, so entschädigte der grandiose Ausblick für das noch kühle Wetter.





Meine Vorspeise hat einfach umwerfend geschmeckt, und so war mir schnell klar: Die mache ich nach, wenn mir das denn aus dem Gedächtnis möglich ist.
Hier nun für alle noch nördlich der Alpen verharrenden Toskanafans das von mir nachempfundene Rezept für eine sanfte Artischockencrèmesuppe mit pochierten Eiern, knusprigen Artischockenstreifen und schwarzen Sommertrüffeln:





Zutaten
(für 4 Personen)

4 Artischocken, geputzt ca. 550 g
Saft einer halben Zitrone
2 Kartoffeln, ca. 250 g
1 Schalotte
Olivenöl extra vergine
1 L Gemüsebrühe
Salz, frisch gemahlener Pfeffer
4 frische Eier
etwas Weißwein-Essig
4 Scheiben Brot (Ciabatta oder Baguette)
1 schwarze Sommertrüffel

Für die Artischockencrème die Artischocken putzen, vierteln, Heu entfernen und bis zur weiteren Verwendung in Zitronenwasser aufbewahren. Bis auf eine Artischockenhälfte die Artischocken und die geschälten Kartoffeln in grobe Stücke schneiden; die Schalotte fein würfeln.
Schalottenwürfel, Artischocken und Kartoffeln in Olivenöl ein paar Minuten lang anschwitzen, dann mit der Gemüsebrühe auffüllen und ungefähr eine halbe Stunde bei kleiner Hitze und nicht vollständig aufgelegtem Deckel köcheln lassen. Mit dem Pürierstab zu einer feinen Crèmesuppe verarbeiten; eventuell noch durch ein Sieb streichen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Die verbliebene halbe Artischocke in feine Streifen schneiden und diese in etwas Olivenöl knusprig ausbraten.
Die Brotscheiben rösten.
Wasser mit etwas Weißwein-Essig zum Kochen bringen. Mit einem Löffel in dem Wasser durch schnelles Umrühren einen Wirbel erzeugen und nach und nach die Eier hineingleiten lassen. Die Eier drei bis vier Minuten stocken lassen, dann mit einer Schaumkelle herausnehmen.
Die Suppe auf die Teller verteilen, jeweils eine getoastete Brotscheibe in die Mitte legen, darauf die Eier und die knusprigen Artischockenspäne verteilen. Sommertrüffel darüber reiben.





♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Montag, 5. Januar 2015

Neues Jahr, neue Nudelmaschine, alte Liebe Pasta: Bigoli ai carciofi e salsiccia



Der erste Blogpost im neuen Jahr beginnt dieses Mal gleich mit einem "I proudly present":
Unter dem Weihnachtsbaum fand ich endlich die heiß ersehnte neue Nudelmaschine! Da ich das Modell unbedingt in Hellblau wollte, hat es ein wenig mit der "Lieferung" gedauert. Die witzige Geschichte dabei ist nämlich die, dass die Nudelmaschine schon in Form eines Gutscheins vor einem Jahr unter dem Baum gelegen hatte. Ich zog mein Mann ein wenig auf - von wegen: So leicht kann man es sich mit Geschenken machen: in einem Jahr der Gutschein, im folgenden Jahr die Hardware...
Mein alte Maschine, die mittlerweile über zwanzig Jahre alt ist, funktioniert zwar noch einwandfrei und sieht dabei auch noch aus wie neu, aber gereizt haben mich am neuen Modell vor allem die Aufsätze für die verschiedenen Pastasorten. So fand sich noch ein kleines Schächtelchen bei der Maschine, das den Aufsatz für Bigoli enthielt. Ein Anfang war gemacht!




Bigoli sind etwas dickere Spaghetti, und ähneln den in der Toskana verbreiteten Pici. Anders als Spaghetti, die nur aus Hartweizengrieß und Wasser bestehen, enthalten meine Bigoli auch Eier, und Eierpasta - Pasta all'uovo - stelle ich ja immer gerne selbst her.
Allerdings enthält diese aus dem Veneto kommende Pastasorte in ihrer originalen Version auch kein Ei.
Für mein erstes Pastagericht, für das die neue Nudelmaschine zum Einsatz kam, habe ich mir eine Begleitung aus Artischocken und Salsiccia ausgedacht; eine deftige Kombination, die hervorragend zu den etwas groben "Spaghetti" passte.




Zutaten
(für drei oder hungrige zwei Personen)

Bigoli

150 g Mehl
50 g Hartweizengrieß 
2 Eier
Salz
etwas Olivenöl extra vergine

Aus den Zutaten nach meinem Grundrezept einen Pastateig herstellen.
Nach der Ruhezeit die Pasta bis auf Stufe 3 ausrollen und dann durch den Bigoli-Aufsatz pressen.
Diese Pastasorte benötigt etwa 7 Minuten.

Sugo

1 Schalotte
1 Knoblauchzehe
1 Chilischote
3 Salbeiblätter
1 Rosmarinzweig
1 Salsiccia (ca. 100 g)
2 kleine römische Artischocken
75 ml Marsala (ersatzweise Weißwein)
150 ml Gemüsebrühe (ich nehme dazu mein
selbstgemachtes Gemüsebrühgranulat: 1 El auf 150 ml Wasser)
Olivenöl extra vergine
Salz, frisch gemahlener Pfeffer
Parmigiano Reggiano

Schalotte in kleine Würfelchen schneiden, die Knoblauchzehe sowie die entkernte Chilischote fein hacken. Rosmarinnadeln von dem Stiel schneiden und die Nadeln und mit einem Messer zerkleinern, die Salbeiblätter in Streifen schneiden. Die Salsiccia pellen und grob zerpflücken.
Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und die Schalottenwürfel, den Knoblauch, Chili und Kräuter anschwitzen. Die zerkleinerte Salsiccia dazugeben und krümelig braten.
In der Zwischenzeit die Artischocken putzen, vierteln und eventuell vorhandenes Heu entfernen. Die Viertel in feine Spalten schneiden und zu der Salsiccia in die Pfanne geben. Kurz mitanbraten.
Mit dem Wein ablöschen. Die Gemüsebrühe angießen und den Sugo zugedeckt 20 bis 25 Minuten köcheln lassen; die Artischocken sollten weich sein. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und die al dente gekochten Bigoli in der Pfanne mit dem Sugo mischen.
Frisch geriebenen Parmigiano Reggiano dazu reichen.





♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Dienstag, 14. Oktober 2014

"Die Artischocke ist weder eine Frucht noch ein Gemüse. Sie ist eine Blume, und was für eine!": Carciofi alla Giudia



Cantuccini, die beliebten Biscotti aus der Toskana, müssen, wie der Name schon sagt, zweimal gebacken werden. Carciofi alla guidia - Artischocken auf jüdische Art - werden dagegen zweimal frittiert. Nur auf diese Weise bekommen sie ihre typische Form, die an eine Blüte erinnert.

Tafel bei meinem Gemüsehändler:
 "Die Artischocke ist weder eine Frucht noch ein Gemüse. Sie ist eine Blume, und was für eine!"

Kaum ein römisches Restaurant, das lokale Traditionen hochhält, kommt ohne Artischockengerichte auf der Speisekarte aus. Natürlich nur, wenn die Saison dafür gekommen ist, und wie ein Gang über den Campo de' fiori heute verriet, sind wir nun mittendrin.
Aus den kleinen Carciofi Romanesco, die nur wenig bis gar kein Heu in ihrem Innern verbergen, bereitet man in Rom zwei der typischsten Gerichte der italienischen Hauptstadt zu: Carciofi alla Romana, die ich bereits vorstellt habe, und die knusprigen Carciofi alla giudia. Ich kann mich schwer entscheiden, welche ich davon lieber mag.  Artischocken gehören zu meinem Lieblingsgemüse, gerne auch als Begleitung zu Pasta, wie hier bei diesen Tortelli. Früher kannte ich Artischocken nur als Vorspeise, bei der man die fleischigen Blätter aus der Knolle herauszupft, diese in einer Mayonnaise oder Vinaigrette versenkt und dann mit Hilfe der Zähne abstreift. Appetitlich fand ich diese Angelegenheit nie.
Heute möchte ich zeigen, wie man die Artischocken auf jüdische Art zubereitet, und dafür nehme ich Euch einfach mal mit auf meinen Markt und weiter bis zum römischen Ghetto.
Ich habe sie oft im Restaurant schon gegessen, diese wunderbar knusprigen Artischocken mit den durch das Frittieren chipsartigen Blättern, mich aber noch nie an die Zubereitung getraut.
Manchmal ist es seltsam, wie ein Blogpost entsteht. Ich wachte am Morgen auf, und noch im Halbschlaf dachte ich: Heute gibt es Carciofi alla Giudia!
Denn ein Blog aus Rom, der sich der Kulinarik widmet, ohne diese Spezialität, ohne diesen Triumph der römischen Küche je präsentiert zu haben, ist eigentlich undenkbar!
Also am Vormittag zum Markt, nach Artischocken Ausschau halten - und sich diese gleich küchenfertig vorbereiten lassen. Das Zurechtschneiden der Artischocken überlasse ich nämlich den Spezialisten, und mein Obstverkäufer, ein junger Mann aus San Salvador, putzt flink und geschickt darauf los.*




Viele Spezialitäten der römischen Küche haben nicht nur in den Gerichten des sogenannten Quinto Quarto (wörtlich: fünftes Viertel), also der Fleischteile, die Schlachthausarbeiter als Teil ihres Lohns mit nach Hause nehmen durften, ihren Ursprung, sondern stehen auch in jüdischer Tradition. In Rom befindet sich das zweitälteste Ghetto der Welt, nur rund 30 Jahre entstanden nach dem noch älteren in Venedig, das sich im 14. Jahrhundert entwickelt hatte.
Es gibt einige etymologische Theorien, wie die Bezeichnung "Ghetto" für jüdische Viertel entstanden ist. Ganz sicher geht es auf den venezianischen Ausdruck "Gheto" zurück, der nach dem Stadtteil benannt ist, in dem sich die Gießereien der Lagunenstadt befanden. Gettare ist das italienische Wort für "gießen" - und richtig: das fehlt doch ein "h"!
Man nimmt an, dass das auf die falsche Aussprache des Wortes durch die deutschstämmigen jüdischen Handwerker und Arbeiter, die damals in Venedig in den Gießereien arbeiteten, zurückzuführen ist. Anders als im Italienischen sprachen sie das "ge" wie geschrieben aus, also wie zum Beispiel beim Wort "Gesicht". Gettare spricht sich aber im Italienischen "dƷet'ta:re" (dschettare) aus. Mit einem stummen "h" dagegen wird es wieder zu einem harten "g" - wie auch im Wort Spaghetti. Und so hat sich diese Schreibweise mit der Zeit durchgesetzt.




Das römische Ghetto, das in nur wenigen Minuten zu Fuß vom Markt Campo de' fiori aus zu erreichen ist,  zeigt sich gerade seit einigen Jahren wieder als ein sehr lebendiges Viertel, mit vielen koscheren Restaurants, Cafés und Imbissen.




Neben römisch-jüdischer Küche werden hier auch Spezialitäten des Nahen Ostens angeboten. Im Sommer waren wir mit einem sehr guten alten Schulfreund und dessen Familie, die streng nach den koscheren Speisevorschriften leben, in einem Restaurant, in dem ich Hummus und exzellente Falafel bestellt habe,








Die Große Synagoge von Rom, nahe der Tiberinsel gelegen, wurde Anfang des vergangenen Jahrhunderts errichtet. Hier befindet sich auch in jüdisches Museum.




"Stolpersteine" vor Hauseingängen - die ersten wurden im Jahr 2010 verlegt - erinnern an das schreckliche Schicksal vieler ehemaliger Bewohner des Ghetto. Oft bücke ich mich und lese die Namen der Opfer, darunter Babies, Kleinkinder und alte Menschen. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie die Menschen aus den Haustüren gezerrt und weggebracht wurden..





Oft mache ich einen kleinen Umweg durch das Ghetto und über die Tiberinsel, wenn ich nach Trastevere gehe, da ich hier, auch wenn stets viele Touristen unterwegs sind, noch ein sehr ursprüngliches Rom vor Augen habe.
Nach dem kurzen Besuch des Ghetto am Morgen geht es über den Campo de' fiori wieder nach Hause, wo es dann endlich an die Zubereitung der Artischocken geht.
Ich hoffe, der kleine Rundgang hat Euch neue und vielleicht noch unbekannte Eindrücke von Rom gegeben.






Zutaten
(man rechnet eine Artischocke pro Person)

Artischocken (wenn möglich die Sorte "Romanesco")
hoch erhitzbares Pflanzenöl
Saft einer Zitrone
Salz, frisch gemahlener Pfeffer
etwas Weißwein oder Wasser

Wer das Putzen und Zurechtschneiden der Artischocken selbst erledigen möchte, findet beim meinem Rezept für die Carciofi alla Romana eine kleine Anleitung dazu. Die Artischocken unbedingt bis zur weiteren Verarbeitung in Zitronenwasser aufbewahren.
Öl in einen Topf gießen, bis die Flüssigkeit, wenn man einen Esslöffel in das Öl stellt, zwei Drittel der Löffelfläche einnimmt. Das Öl erhitzen.
Die Artischocken aus dem Zitronenwasser nehmen und trockentupfen. Nun die Artischocken vorsichtig ein paar Mal auf der Arbeitsfläche aufklopfen. Alternativ kann man jeweils zwei Artischocken gegeneinanderschlagen. Die Blätter sollen sich auf diese Weise etwas lockern.



Die Artischocken in das heiße Öl geben und ab und an wenden. Die erste Frittierrunde ist abgeschlossen, wenn die Stielenden sich leicht mit einer Gabel durchstechen lassen. (Längere Stiele abschneiden und mit ins Öl geben. An diesen dann die Garprobe durchführen.)
Artischocken mit einer Schaumkelle herausnehmen und auf einen mit Küchenpapier ausgelegten Teller setzen. Abkühlen lassen.
Wenn man sie wieder anfassen kann, die Blätter der Artischocke vorsichtig mit den Fingern auseinanderdrücken. Artischocken von allen Seiten salzen und pfeffern.




Das Öl erneut erhitzen und die Artischocken mit dem Stiel nach oben in das Öl geben. Eventuell mit einer Gabel nach unten drücken. Während dieses zweiten Frittiervorgangs die Artischocken mit einer Gabel kurz aus dem Öl heben und mit ein paar Tropfen kaltem Weißwein oder kaltem Wasser bespritzen und dann wieder ins Öl legen und knusprig ausbraten.
Die Blätter sollten nun braun und knusprig sein, das Herz noch weich.




Questi sono i carciofi alla guidia
dal torso snello e dal sapor gustoso chiamati in romanesco "sciccheria" rasserenano il matto ed il goloso, dan lustro e vanto alla gastronomia ammansiscon la suocera più arpia
 e a pranzo,a cena in casa e all'osteria
                                                        oro croccante, amor d'ogni goloso
questi sono i carciofi alla giudia

                          (Luciano Folgore)







 (Dies sind die Artischocken auf jüdische Art
von schlankem Rumpf und schmackhaft
in römischem Dialekt "sciccheria" genannt
sie erheitern den Verrückten und den Gefräßigen
verleihen der Esskultur Glanz und Ruhm
besänftigen die garstigste aller Schwiegermütter
und zum Mittagessen, zum Abendessen, zu Hause oder in der Osteria
  knuspriges Gold, Liebling eines jeden Verfressenen
dies sind die Artischocken auf jüdische Art)

Gedicht entnommen aus: Livio Jannattoni, La cucina Romana e del Lazio, volume secondo, Newton & Compton editori, 2003 

* mit Erlaubnis der Veröffentlichung im Blog

♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

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