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Mittwoch, 18. April 2018

Luftpost aus Frankfurt und eine Rarität aus Venedig: Grüne Sauce ("Grie Soß"), weißer Spargel und in Butter geschwenkte Mini-Kartoffeln



Das hätte fast schiefgehen können! Da saßen wir noch in Venedig, als das Handy von meinem Mann klingelte. Neugierig lauschte ich den Wortfetzen, die ich hier auf Deutsch widergebe: "Oh... ja, wir sind gerade in Venedig, später noch Treviso  ... Du bist gerade in Rom? ... Morgen ... wo... wie  ... wann..." Als ich langsam zu ahnen begann, um was es ging, stieg leichte Panik auf. Wird die "Ware" halten, buchstäblich nicht schlappmachen? Ihr ahnt es schon, da hatte jemand ein Päckchen Kräuter für Grüne Sauce im Gepäck. Eine italienische Kollegin meines Mannes, die in Frankfurt arbeitet und für einen Termin nach Rom geflogen war, hatte die legendäre Kräutermischung über die Grenzen geschmuggelt. Ein ganz liebe Geste, hatte ich ihr doch vor einiger Zeit von diesem Traditionsgericht aus Frankfurt ber. Die deutsche Küche - jenseits von "Wurstel con crauti" - wird sie hoffentlich an ihrem neuen Arbeitsplatz noch ein wenig lieben lernen.

Um es kurz zu machen: Die Kräuter haben den Transport überlebt  - wenn auch leicht schwächelnd -, und zusammen mit einer anderen Rarität - dem weißen Spargel - hatten wir nach unserer Rückkehr nach Rom ein geradezu exotisches Abendessen.
In den vergangenen Jahren habe ich nichts unversucht gelassen, um die sieben Kräuter für die Grüne Sauce zu ergattern. Seit jeher war Grie Soß in meiner Familien nicht nur das traditionelle  Karfreitagsessen, sondern das Frühlingsgericht überhaupt. Ein, zweimal hatte ich mir die Kräuter auch aus Frankfurt nach Rom mitgebracht. Immer wieder hatte ich darüber hinaus an mehreren Marktständen mein Glück versucht - mit dem flehendsten Augenaufschlag der Welt: "Könnten Sie mir nicht diese Kräuter auf dem Großmarkt suchen?" fragte ich mit ganz traurigem Blick, um die Dringlichkeit zu unterstreichen. Nach großen Versprechungen folgte stets die Enttäuschung; diese Kräuter, die doch so exotisch wirklich nicht sind, seien nicht aufzufinden, hieß es dann. Ich habe immer wieder experimentiert mit dem, was der römische Markt so hergibt - von Rughetta bis Basilikum (übrigens gibt es hier auch nur glatte Petersilie zu kaufen). Meine "Campo de'fiori-Grie Soß", nannte ich das Ergebnis. Sooo schlecht war es manchmal gar nicht, aber kein Vergleich natürlich zum Original!



Der legendäre Kräuterbund


Leicht zerdrückt nach dem Transport...

Pimpinella|Borragine|Cerfoglio|Crescione|Prezzemolo (riccio)|Erba cipollina|Acetosa
Pimpernelle|Borretsch|Kerbel|Kresse|krause Petersilie|Schnittlauch|Sauerampfer

...aber immer noch erstaunlich frisch!


In Frankfurt selbst gibt es diese typischen rollenförmigen Kräuterpäckchen von ca. 200 g, die man stets erwartungsvoll auseinanderrollt. Die zwei existentiellen Fragen sind dann: Sind die Kräuter noch frisch, und wie wird die Zusammensetzung dieses Mal sein? Je nach Jahreszeit oder Wetterbedingungen kann es da schon mal Ungleichgewichte geben, die Kenner herausschmecken.
Mein Bund (Kritikpunkt: Petersilien-Overkill) hatte den doch längeren Transport gut überstanden; schwächelnde Blätter habe ich kurz in kaltes Wasser gelegt.
Die zweite Schwierigkeit für die Herstellungen der Sauce nach Originalrezept ergibt sich bei der Suche nach Saurer Sahne. In den vergangenen Jahren war es fast unmöglich, sowohl Saure Sahne als auch Crème fraîche in Rom aufzutreiben. Was sollte man damit auch in der italienischen Küche anstellen? Mittlerweile aber gibt es in meiner Nähe einen Bio-Supermarkt, der viele deutsche Produkte führt. Zwar nicht immer gibt es diese frischen Milchprodukte zu kaufen, aber ich lege mir davon ab und an Vorräte für "schlechte" Zeiten an. Bei solchen "exotischen" Erzeugnissen heißt die Devise: Mitnehmen, auch wenn man gerade keine Verwendung dafür hat; so stelle ich mir die Einkaufssituation in der alten DDR vor...
Saure Sahne! Wer für die Saucenbasis zur Mayonnaise greift, begeht ein ähnliches Sakrileg wie bei der Verwendung von Sahne für die Spaghetti alla C. - na, Ihr wißt schon!
Womit wir bei der Herstellung selbst sind. Ein Mixer ist verpönt; was einem originalen Pesto sein Mörser, ist der Grie Soß ihr Holzbrettchen und Wiegemesser; da bin ich als escht Frankfordder Mädsche kompromisslos. Die Kräuter dürfen nicht so totgemixt werden, dass die Sauce zum Schluss wie eine grüne Suppe aussieht, was oft im Mixer passiert - Fotos davon kursieren im Internet. "Kräuter-Fetzchen" müssen dagegen noch immer erkennbar sein. Auch sollte das Ergebnis weder zu dünnflüssig sein, noch einer dicken Pampe ähneln!


Holzbrettchen und Wiegemesser!



Tja, und dann lachte mich bei einem Rundgang in Venedig kurz vor der Abreise noch ein Bund weißer Spargel an! Da konnte ich nicht widerstehen. Weißer Spargel aus Norditalien, aus der Gegend um Verona oder Padua, schafft es leider auch selten bis nach Rom.
Er hat nicht wirklich einen festen Platz in der italienischen Küche, wenn man vom Norden des Landes absieht, und so konnte ich in einer italienischen Kochzeitschrift auch schon mal ein Rezept mit weißem Spargel lesen, bei dem nicht darauf hingewiesen wurde,  diesen auch zu schälen. Wen wundert es da, dass er damit keine neuen Fans gewinnen kann...


Gesehen und gekauft! 

Ich glaube, der alte Goethe hätte während seiner Romaufenthalte gestern gerne bei mir am Tisch gesessen...





Zutaten
(für 2-3 Personen)


  • 1 Kräuterbund für Grüne Sauce, ca. 200 g, ersatzweise die Kräuter (siehe oben) einzeln zusammenstellen
  • 1-2 hartgekochte und kleingehackte Eier
  • 200 g Saure Sahne
  • 1-2 El Crème fraîche
  • eventuell etwas Buttermilch
  • 1 Tl Dijon-Senf
  • Zitronensaft
  • Salz, frisch gemahlener weißer Pfeffer


  • 1 kg weißer Spargel
  • Salz
  • ein wenig Zucker
  • 1 El Butter


  • 1/2 kg kleine Kartoffeln
  • Salz
  • 1 El Butter


Zunächst die Saucenbasis herstellen. Dafür die Saure Sahne mit der Crème fraîche und dem Dijon-Senf verühren. Gewürzt wird später.
Die Kräuter waschen, harte Stiele entfernen und trockenschleudern.
Mit dem Wiegemesser auf einem Holzbrettchen fein zerkleinern. Schnittlauch erst in Röllchen schneiden, dann noch einmal mit dem Wiegemesser darübergehen.
Die gehackten Kräuter zu der Saucenbasis geben, die kleingehackten Eier dazugeben und mit Salz, Pfeffer und etwas Zitronensaft abschmecken. Ist die Sauce noch zu dick, kann man wenig (!) Buttermilch unterrühren.

Spargel waschen, schälen und in Salzwasser mit der Butter und etwas Zucker garkochen.

Die Kartöffelchen unter fließendem Wasser säubern, in  kaltem Salzwasser aufsetzen, garkochen und dann abgießen. Butter in einer Pfanne aufschäumen  und die Kartoffeln kurz darin schwenken.



♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Dienstag, 26. Dezember 2017

Unser Traditions-Gericht am 1. Weihnachtsfeiertag: Sauerbraten, Rotkraut und Spätzle


Es wird Zeit, dass ich Euch endlich auch einmal verrate, was wir seit vielen Jahren am ersten Weihnachtsfeiertag essen. Es bezeugt gleichzeitig, wie großartig deutsche Küche schmecken kann.
Dass es an Heiligabend "nur" Würstchen mit Kartoffelsalat gibt, habe ich ja schon mehrfach an anderer Stelle verraten. Eine gute Freundin von mir hat da vor Jahren nur immer den Kopf geschüttelt; so ein ärmliches Essen! So aber will es die Tradition in Frankfurt.

Deutsche Hauptspeisen sind meist üppig, denn hier wird zusammen gegessen, was beispielsweise in der italienische Küche auf zwei Gänge verteilt wird. Die Pasta - Spätzle - ist neben dem Rotkraut die Beilage. So etwas kennt man in Italien nicht. Eine einzige Ausnahme fällt mir ein: in Mailand wird Ossobuco alla Milanese zusammen mit Risotto serviert. Wer immer Euch auch ein Stück Braten, ein Schnitzel oder ein Fischfilet zusammen mit Pasta auf den Teller legt und behauptet, das sei ein italienisches Gericht, hat die Küche Italiens nicht verstanden.

Die Weihnachtszeit ist eine üppige Zeit, und da wir am 1. Weihnachtsfeiertag zu zweit (mit Kringel; zu Kringel mehr am Schluss...) waren, ließen wir die Vorspeise entfallen. Als Dessert hätten wir jede Menge Weihnachtsplätzchen gehabt, aber da ging nichts mehr. Das kennt Ihr sicher.
Heute gibt es die Reste. Was freuen wir uns!




Zutaten
(für 4 Personen)

Sauerbraten


  • 1,3 kg Rindfleisch für Braten (lasst Euch da vom Metzger Eures Vertrauens beraten)
  • 2 große Karotten
  • 150 g Knollensellerie
  • 2 große Zwiebeln
  • 1 Lauchstange
  • 1 Flasche kräftiger Rotwein
  • 200 ml Rotweinessig
  • ein paar Wacholderbeeren
  • Pfefferkörner
  • ein paar Pimentkörner
  • 3-4 Gewürznelken
  • 1 Stück Zimtstange
  • 1 El Tomatenmark
  • 3-4 El Rosinen
  • 2 El kalte Butter
  • eventuell etwas Speisestärke
  • Salz
  • Butterschmalz


Den Rotwein mit dem Essig mischen, die Gewürze in einem Mörser andrücken, in einen Teefilter geben und diesen mit Küchengarn zubinden.
Karotten, Zwiebeln, Lauch und Knollensellerie in Würfel schneiden.
Das Fleisch in eine Schüssel legen, Gemüse und Gewürzsäckchen dazugeben und mit dem Wein-Essig-Gemisch übergießen.
Schüssel gut abgedeckt für drei Tage im Kühlschrank aufbewahren.
Nach dieser Zeit den Braten aus der Marinade heben, trockentupfen und salzen.
Flüssigkeit durch ein Sieb in eine Schüssel gießen. Das kleingeschnittene Gemüse mit dem Gewürzsäckchen zur Seite stellen.
In einem großen Gusseisenbräter Butterschmalz erhitzen und den Braten von allen Seiten kräftig anbraten. Danach aus dem Bräter heben. Nun die abgetropften Gemüsestücke ebenfalls kräftig anbraten. Das Tomatenmark hinzugeben und kurz mit anrösten. Salzen. Die Marinade-Flüssigkeit zum Gemüse giessen und aufkochen lassen. Braten zusammen mit dem Gewürzsäckchen in den Bräter legen und zudeckt 2,5 bis 3 Stunden sanft schmoren lassen. Ab und an kurz die Sauce umrühren und einmal den Braten wenden.
Nach dieser Zeit den Braten aus der Sauce heben und warmhalten. Die Sauce durch ein Spitzsieb in einen kleineren Topf umfüllen, dabei mit der Unterseite einer Suppenkelle das Gemüse gut im Sieb ausdrücken.
Die Sauce nun etwas einkochen lassen, dabei die Rosinen hinzufügen. Die kalte Butter in Flöckchen einrühren. Eventuell die Sauce mit noch etwas in kaltem Wasser aufgelöster Speisestärke binden.
(Wer mag, kann es auch mit eiskalter Mehlbutter versuchen, nach meinen Versuchen damit war das Ergebnis aber nicht zufriedenstellend.)
Mit Salz abschmecken.
Den Braten in Scheiben schneiden und mit der Sauce servieren.


Rotkraut


  • 1 Rotkohl
  • 2 rote Zwiebeln
  • 2-3 Lorbeer-Blätter
  • 3 Gewürznelken
  • 1 Stück Zimtstange
  • ein paar Pimentkörner
  • ein paar Pfefferkörner
  • 3 El Preiselbeer-Kompott
  • 300 ml Portwein
  • 200 ml Rotweinessig
  • Salz
  • Zucker
  • Butterschmalz



Den geputzten Rotkohl mit Hilfe einer Küchenmaschine hobeln oder mit der Hand fein schneiden. Ebenso mit den Zwiebeln verfahren.
Die Gewürze in einem Mörser grob zerstoßen und zusammen mit der Zimstange und den Lorbeerblättern in einen Teefilter geben und diesen mit Küchengarn zusammenbinden.
Portwein, Essig und Preiselbeeren verrühren und mit Salz und Zucker abschmecken.
Rotkraut und Zwiebeln mit der Marinade übergießen und das Gewürzsäckchen hinzufügen.
In Kühlschrank abgedeckt über Nacht ziehenlassen.
Am folgenden Tag Butterschmalz in einem Topf erhitzen und das Rotkraut hinzugeben.
Zugedeckt ca. 1,5 Stunden köcheln.
Ich habe das Rotkraut im Slowcooker zubereitet: Dabei zunächst auch das Butterschmalz in einem Topf auf der Herd erhitzen und das Rotkraut kurz darin schwenken, dann alles in den Slowcooker umfüllen und das Rotkraut auf der Stufe "High" ca. 4,5 bis 5 Stunden schmoren.
Nochmals mit Salz und Zucker abschmecken.


Spätzle


  • 300 g Mehl, gesiebt
  • 3 Eier
  • ca. 100 ml Mineralwasser mit Kohlensäure
  • Salz


Aus den Zutaten einen nicht zu flüssigen Teig zubereiten. Dabei kräftig schlagen; entweder mit der Küchenmaschine oder auch per Hand - wie meine Oma das einst tat. Sie schlug so lange mit einem hölzernen Kochlöffel, bis der Teig Blasen warf.
Salzwasser erhitzen. Den Teig entweder von einem Brett schaben (wie meine Oma), oder portionsweise durch einen Spätzlehobel pressen - je nachdem, was es in Eurem Haushalt gibt. Ich habe gute Erfahrungen mit einer Spätzlereibe aus Edelstahl gemacht, zu der es einen kleinen Teigschieber aus Kunststoff gibt.
Wenn die Spätzle an die Oberfläche kommen, mit einer Schaumkelle herausheben und in ein Sieb legen.


Neues von Kringel und dem Weihnachtsbaum





Unsere Glückskatze Kringel ist ganz verliebt in unseren Baum, und so haben wir ihr auch ein eigenes kleines Bäumchen aufgestellt, an dem sie schnuppern kann.
Was sie aber kaum interessiert!
Den Weihnachtsbaum haben wir mit doppelseitigem Klebeband "gesichert" - und nachbessern müssen, denn die schlaue Maus springt einfach darüber - direkt in den Topf hinein. Aber wenn sie mit ihren Samtpfötchen auf etwas Klebriges trifft, gefällt ihr das gar nicht.
Dann doch besser wieder am eigenen Bäumchen schnuppern!

Habt noch schönen Tage "zwischen den Jahren"!






♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Montag, 29. September 2014

Kindheitserinnerungen: Kartoffelpuffer mit Apfelbrei



Bei Sandra, vom Blog From-Snuggs-Kitchen, gibt es zur Zeit einen Event mit einem wunderbaren Thema: Kindheitserinnerungen, heißt er, und der Event schickt uns zurück auf eine kleine Zeitreise in unsere Kindheit und zu unseren frühen kulinarischen Erinnerungen. Nicht selten sind gerade diese Erinnerungen mit liebsten Menschen wie unseren Omis verbunden. Meine Oma, von der hier die Rede sein wird, starb im Februar 2000 im Alter von stolzen 96 Jahren. An meine andere Omi habe ich leider kaum Erinnerungen, da sie schon sehr früh von uns gegangen ist.
Ich denke, so manches Tränchen wird beim Schreiben geflossen sein, nicht nur bei mir, sondern auch bei meinen lieben Bloggerkolleginnen und Kollegen, als sie sich intensiv mit diesem Thema in den vergangenen Wochen beschäftigt haben. Lange habe ich darüber nachgedacht, was ich zum Event beitragen könnte, und nun, kurz bevor er sich seinem Ende zuneigt, möchte ich Euch ein Gericht vorstellen, das mich immer wieder an meine Kindheit erinnert. Ein Klassiker, den viele sicher kennen und auch lieben werden: Kartoffelpuffer mit Apfelbrei.

KindheitserinnerungenJa, Apfelbrei, nicht Apfelmus, hieß das bei uns früher, und die kleinen Kartoffelpuffer, von denen immer zwei gleichzeitig in der Pfanne schmurgelten, was ihnen eine längliche Form verlieh, gehörten zu jenen Gerichten meiner Kindheit, die ich ausgesprochen gerne gegessen habe, wenn auch in überschaubaren Portionen. Ich war nicht unbedingt ein Kind, das seinen Teller stets brav leergeputzt hat, und das betrübte vor allem meine Oma. Denn die einzige Enkelin sollte natürlich tüchtig essen, auf dass sie groß und kräftig werde!
Meine Oma gehörte noch einer Generation an, die zwei Weltkriege über sich ergehen lassen musste, und die Sorge, die Familie vor Unheil und leeren Tellern bewahren zu müssen, schwelte wohl Zeit ihres Lebens in ihrem Unterbewusstsein. Dadurch hatten die Mahlzeiten bei ihr einen lebenswichtigen Stellenwert. In jenen schrecklichen Kriegsjahren ließ sie es sich auch nicht nehmen, jeden Morgen ein Butterbrot zu schmieren und gut verborgen unter den heruntergelassenen Rolladen zu klemmen (die damalige Wohnung lag im Parterre), damit der kleine jüdische Junge, der die Strasse fegen musste, auch etwas zu essen bekam. Wohl wissend, was sie selbst dabei riskierte, wenn sie dabei ertappt worden wäre.
Während meiner Kindheit und auch später kann ich mich kaum an ein Wochenende erinnern, an dem sie nicht mit Blechen von Streusel- oder Apfelkuchen bei uns auftauchte, sehr zur Freude ihres Schwiegersohns, meines Vaters, der ihre Kuchen zu einer Tasse Kaffee über alle Maßen liebte. Sie konnte stundenlang in der Küche stehen und Obst in großen Weckgläsern einkochen - wir hatten ein Garten mit mehreren Obstbäumen -, und ihr Apfelgelee war sowieso der Weltbeste! An Weihnachten buk sie die herrlichsten Butterplätzchen, und wir amüsierten uns jedes Jahr über ihre händeringenden Prophezeiungen, dass dieses Mal die Anisplätzchen mit Sicherheit "falliert" seien. Natürlich war das nie der Fall, und die champignonartigen Plätzchen hatten nach einer Nacht, in der sie ruhen mussten, ihre typischen "Füßchen".





Zu den kulinarischen Höhepunkten meiner Kindheit, die ich ganz exklusiv mit meiner Oma genießen durfte, gehörten die Mittagessen jener Tage, an denen ich nach der Schule nicht nach Hause zu meinen Eltern kommen sollte, sondern bei Oma eingeladen war. Das war wie ein kleines Ritual, auf das sie sich auch besonders freute. Meine Oma besorgte dann ein frisches Hühnchen für uns zwei, das sie im Römertopf zubereitete. Mit Vorliebe knabberte ich an der mit Paprikapulver eingeriebenen knusprigen Haut des Federviehs, und dazu gab es Curryreis und Salat. Ein einfaches Essen, aber nie mehr hat mir später ein Hühnchen so gut geschmeckt!
Viele ihrer Gerichte lernte ich erst mit der Zeit zu schätzen  wie ihre unvergleichliche Markklösschen-Suppe mit Eierstich und Fadennudeln oder die wunderbaren Schneidebohnen - die "Oma-Böhnchen", wie ich sie noch heute nenne -, die ich oft und gerne zubereite. Der Duft dieser langsam vor sich hin schmurgelnden Bohnen versetzt mich stets zurück in die Küche meiner Kindheit, die oft beherrscht wurde von dieser kleinen, energischen Frau.
Einen einzigen "Luxus"  leistete sich meine, Zeit ihres Lebens so bescheidene, aber anderen gegenüber stets großzügige Oma: Noch im stolzen Alter von fast Neunzig gönnte sie sich jeden Monat einen Abend in der Oper, und oft erzählte sie uns schwärmerisch, aber auch ein wenig wehmütig vom verblichenen Glanz der Alten Oper in Frankfurt, in der sie schon als ganz junge Frau regelmäßige Besucherin war. Wunderschön und sehr elegant muss sie bei diesen Opernbesuchen ausgesehen haben, umweht von einem Hauch von L'Heure Bleue, ihrem Parfum, und mit ihrer so feinen, hellen und rosigen Haut, die sie bis ins hohe Alter bewahrt hatte, ihren dunklen Haaren und den grünen Augen.
Danke für alles, liebe Oma!





Zutaten

Apfelmus

1,5 kg säuerliche Äpfel
Saft einer Zitrone
100 ml Weißwein (bei Oma ohne)
4 El Zucker (mehr oder weniger nach Belieben)
1 Vanillestange, aufgeschlitzt
1 Stück Zimtstange

Die Äpfel schälen, vierteln, Kerngehäuse entfernen, grob zerkleinern und mit allen Zutaten (Vanillestange aufschlitzen, Mark entfernen) in einen Topf geben. Apfelstücke so lange köcheln lassen, bis sie zerfallen.
Vanillestange und Zimt entfernen. Entweder mit dem Kartoffelstampfer zu einem stückigen Mus verarbeiten oder - wie meine Oma es tat - fein pürieren.
Bis zum Servieren kühl stellen.



Kartoffelpuffer

800 g Kartoffel
1 Ei
2 Frühlingszwiebeln (bei Oma eine geriebene Zwiebel)
frisch geriebene Muskatnuss
Salz, frisch gemahlener Pfeffer
hoch erhitzbares Pflanzenöl

Die Kartoffel auf einer Reibe fein reiben. Die geriebenen Kartoffeln in ein Sieb über eine Schüssel geben und etwas stehen lassen. Dann noch einmal die Kartoffelmasse zusammenpressen. In der Schüssel darunter hat sich nun Kartoffelstärke und auch Flüssigkeit abgesetzt. Die Flüssigkeit vorsichtig abgießen.
Die geriebenen Kartoffeln mit der Kartoffelstärke, dem Ei, und den in feine Ringe geschnittenen Frühlingszwiebeln vermischen. Mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss abschmecken.
Öl in einer Pfanne erhitzen und portionsweise kleine Kartoffelpuffer backen, bis sie goldbraun sind.





♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Montag, 28. Oktober 2013

Einfach, deftig, gut: Schweinefilet im Speckmantel mit Maronenwirsing



Eigentlich ist es noch viel zu warm für ein winterlich angehauchtes Hauptgericht. Die Temperaturen kletterten am Wochenende bis auf 26 Grad; das ist Ende Oktober auch für Rom recht ungewöhnlich.
Trotzdem stellen sich langsam kulinarisch-herbstliche Gelüste ein. Von meinem Winterpesto-Experiment war noch ein halber Wirsingkopf übriggeblieben. Da kam es mir ganz gelegen, dass ich  am Samstagmorgen mit halbem Ohr einer Zusammenfassung der "Küchenschlacht" gelauscht hatte. Eine Teilnehmerin bereitete darin ein Wirsing-Maronen-Gemüse zu. Ich liebe Maronen, und sie landen bei mir oft auch in deftigen Gerichten. Gerade Rosenkohl ergänzen sie perfekt, warum dann nicht auch Wirsing!
Ohne ein genaues Rezept zu haben, habe ich versucht, diese Beilage nachzubasteln. Zusammen mit dem Schweinefilet im Speckmantel ist daraus ein schlichtes und deftiges Gericht geworden, das ich als typisch deutsch bezeichnen würde.





Zutaten (für 4 Personen)


  • 2 Schweinefilets (à ca. 400 g)
  • 120 g Pancetta oder Speck in dünnen Scheiben
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer
  • 1 El Butterschmalz
  • 50 ml Cognac (ersatzweise Weißwein)
  • 150 - 200 ml Sahne
  • 100 ml Brühe oder Bratenfond
  • 1 Tl Dijon-Senf
  • Worcestershiresauce


Den Backofen auf 180 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.
Die Filets gegebenenfalls parieren, salzen, pfeffern und mit der Pancetta umkleiden. Butterschmalz in einer Pfanne erhitzen und die Filets von allen Seiten gut anbraten, dabei darauf achten, dass sich der Speck nicht von den Filets löst. Die Filets auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen und für 15 - 17 Minuten in den Ofen geben.
In der Zwischenzeit den Bratensatz in der Pfanne mit dem Cognac ablöschen. Sahne und Fond angießen und etwas einköcheln lassen. Mit Salz, Pfeffer, Senf und Worcestershiresauce abschmecken.
Die Filets aus dem Ofen nehmen und in Alufolie gewickelt noch etwas ruhen lassen. Danach in Scheiben schneiden und mit der Sauce beträufeln.


  • 800 g Wirsing
  • 80 g Maronen (vorgegart und vakuumverpackt)
  • 50 g Pancetta oder Speck in Scheiben
  • 50 ml Sahne
  • 1 El Butterschmalz
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer
  • frisch geriebene Muskatnuss


Den Wirsing fein hobeln und für fünf Minuten in kochendes Salzwasser geben. Danach abgießen und abtropfen lassen. Die Pancetta in feine Würfelchen schneiden.
In einem Topf das Butterschmalz zerlassen und die Pancetta darin anbraten. Die grob zerkleinerten Maronen und den Wirsing sowie die Sahne hinzugeben, mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss abschmecken und zugedeckt ungefähr 15-20 Minuten schmoren lassen.


♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Dienstag, 27. März 2012

Manchmal darf es gerne deutsch sein - Königsberger Klopse

Sie gehören neben den Rindsrouladen zu meinen absoluten Favoriten unter den deutschen Küchenklassikern: Königsberger Klopse. In das ursprünglich aus Ostpreußen stammende Gericht gehören auch Sardellenfilets - nun, ich habe mir die kleine Freiheit erlaubt, diese wegzulassen, denn ich mag nichts, was unter eine Wasseroberfläche lebt. Dafür habe ich noch einen Schuss Wein hinzugefügt, der zusätzlich zur Zitrone und den Kapern noch für eine spritzige Note sorgt.




Besonders fotogen ist dieses wunderbare, doch zu Unrecht unterschätzte Gericht - international ist es wohl kaum bekannt - leider nicht, und jeder hat meinen vollen Respekt, der aus diesen unscheinbaren Klößchen optisch noch etwas herausholen kann.
Aber egal wie sie auch ausssehen - schmecken tun sie allemal!


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