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Dienstag, 10. Dezember 2019

Frankfurts süße Legenden: Bethmännchen




In meiner Kindheit war der vorweihnachtliche Einkauf selbst schon fast ein Fest! Alle Zutaten für die Weihnachtsbäckerei kaufte meine Mutter in einem Frankfurter Traditionsgeschäft für exotische Gewürze und Teesorten, das sich noch immer unweit des Römerbergs befindet;  an dieser Stelle hatte ich darüber schon einmal berichtet. Der Duft in diesem kleinen und mit allerlei Krimkrams vollgestopften Laden roch einfach unvergleichlich gut für meine noch junge Nase und stimmte auf die Weihnachtssaison ein. Jedes Jahr landete Marzipanrohmasse im Einkaufstäschchen, die meine Mutter dann zu Bethmännchen verarbeitete. Ich saß dabei am Küchentisch und rollte aus Marzipanresten kleine Marzipankartoffeln, die ich in Kakaopulver wälzte; all das gehört zu meinen frühesten kulinarischen Aktivitäten.





Auch Rom hat sein "Spezialgeschäft", in dem ich Gewürze und auch Backzutaten kaufe. Viele Zutaten finde ich nur dort; entweder im Stammsitz oder in den kleinen Filialen, deren Platz und Angebot aber nur begrenzt ist. Rosenwasser wurde gesucht, denn dieses erst verleiht der Frankfurter Spezialität ihren unverkennbaren Geschmack. Auch die Marzipanrohmasse, Bestandteil vieler, vor allem sizilianischer Süßigkeiten findet man nicht überall in den gewöhnlichen Supermärkten der Stadt. Deswegen lohnte sich mal wieder der etwas längere Fußmarsch - über den Tiber, am Vatikan vorbei - in den Stadtteil Prati. Wie viele Kilometer ich oft zu Fuß laufe, um bestimmte Zutaten zu bekommen, kann sich kaum einer vorstellen! Aber bei dem ganzen Süßkram in der Weihnachtszeit kann man dann auch ohne schlechtes Gewissen schlemmen. Ich laufe die Kalorien fast täglich auf den Strassen Roms ab.

Zu meiner Schande - als echtes Kind Frankfurts - habe ich selbst noch niemals Bethmännchen hergestellt. Dabei ist dieses rosenparfümierte Marzipankonfekt neben dem Frankfurter Kranz die wohl bekannteste und beliebteste Spezialität der lokalen Pâtisserie. Das ganz Jahr über kann man sie kaufen, für mich aber gehören sie in die Weihnachtszeit. 

Sind es betende Hände, an die die Mandeln erinnern sollen, nach denen die Marzipanteilchen benannt sind, oder geht die Bezeichnung doch eher auf die Frankfurter Bankiersfamilie Bethmann zurück? Ein französischer Pâtissier, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts für die Familie Bethmann gearbeitet hatte, soll diese Leckerei kreiert haben - mit jeweils vier (halben) Mandeln verziert, die für die vier Söhne der Familie standen. Als einer der Söhne verstarb - Simon Moritz -, wurde das Konfekt fortan nur noch mit drei Mandeln besetzt. Auch diese Legende ist aber umstritten. 







Zutaten
(für ca. 30 Stück)
  • 250 g Marzipanrohmasse
  • 65 g gemahlene Mandeln
  • 50 g Puderzucker
  • 40 g Mehl
  • 1-2 Tl Rosenwasser
  • 1 Eigelb
  • blanchierte Mandeln, möglichst halbiert

Alle Zutaten miteinander verkneten, aus der Masse zwei Rollen formen und diese in gleichmäßige Stücke schneiden und zu Kugeln rollen. Jeweils drei halbierte - bei mir ganze - Mandeln an die Seiten drücken.
Den Backofen auf 150 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.

Zum Bestreichen

  • 1 Eiweiß
  • 1 El Puderzucker
  • etwas Rosenwasser

Die Bethmännchen auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech setzen. Das Eiweiß leicht mit einer Gabel aufschlagen und dabei den Puderzucker zugeben. Mit etwas Rosenwasser aromatisieren. Die Bethmännchen mit diesem Guss bestreichen und für ca. 20 Minuten in den Ofen geben.






Dienstag, 23. Juli 2019

Für einen ganz besonderen Tag - Confetti argento




In Italien sind besondere und auch ganz persönliche Festtage undenkbar ohne jene zuckrigen kleinen Aufmerksamkeiten, die man seinen Gästen nach einer Feier mitgibt - in Erinnerung an den besonderen Tag und die Feier. Egal ob Hochzeit, Taufe oder auch bestandenes Examen: ohne die bunten Confetti geht niemand nach Hause. Wenn man die Zuckermandeln dann nicht bald nascht, verstauben sie auch schon einmal im Schrank, bevor man den dann zu Kieselsteinen ausgehärteten Süßkram mehr oder weniger schweren Herzens entsorgen muss - und die oft kitschigen Verpackungen, die Bomboniere, gleich mit dazu. Confetti existieren in allen möglichen Farben, wobei jedem Anlass eine eigene Farbe zugeordnet ist. Natürlich Weiß zur Hochzeit und zu anderen kirchlichen Festen wie der Kommunion, Grün zur offiziellen Verlobung, Rosa oder Hellblau zur Taufe, Rot zu einem bestandenen Examen, ja sogar die Farbe Schwarz für Trauerfeiern existiert. Bunt gemischt darf es dann bei einem Geburtstag zugehen.






Confetti, Coriandoli - Konfekt, Konfetti...

Vorläufer der Confetti gab es schon in der römischen Antike. Mit Mandeln, die von einer Mischung aus Mehl und Honig umkleidet waren, feierte man Hochzeiten und Geburten. Im späten Mittelalter tauchten die Honigmandeln wieder auf. In Venedig warf man zu besonderen Anlässen wie Karneval diese Süßigkeiten von den Balkonen der Palazzi, in denen der Adel zu Hause war. Neben den Mandeln waren durch den lebhaften Handel mit dem Osten auch Gewürze wie Anis und Koriandersamen in in der Stadt bekannt. Diese wurde ebenso in Honig getaucht und bei den Festlichkeiten in die Luft geworfen. Im deutschen Karneval - und auch in Italien - lebt diese Tradition  seitdem fort: Mit Konfetti (!) wird an diesen Tagen nicht gespart, wobei man damit heute in Deutschland die Papierschnipsel meint. Diese nennt man in Italien allerdings Coriandoli, was sich wiederum auf die Koriandersamen bezieht. Die deutsche Bezeichnung Konfekt als Überbegriff für Pralinen und Schokolade geht auf die Confetti zurück. In dem Wort confetto/confetti steckt das lateinische "conficere" für "herstellen", "anfertigen", "bearbeiten". Als Confetto bezeichnete man später auch die mit einer Zuckerhülle umschlossene Medizin - Vorläufer der Tabletten.

Unzählig sind die Mythen und Anekdoten, die sich um die Confetti ranken. So soll der arabische Arzt Al Razi die Mandeln selbst als Medizin eingesetzt haben. Wiederum waren es Jahrhunderte später die Araber, die mit der Einführung von Zucker in Europa der neuen und fast aktuellen Rezeptur den Weg bereitet haben. Nicht länger eine Honigmischung, sondern Zucker umschloss nun die Mandeln.
Besonders ein Städtchen, das in den Abruzzen gelegene Sulmona, wurde zum Zentrum der Confetti-Produktion. Es ist die wohl "süßeste" und "bunteste" Stadt Italiens! Noch heute sind die Strassen gesäumt von kleinen Läden, die die bunten Zuckermandeln verkaufen. Übrigens durften sich selbst Prinz William und Kate Middleton bei ihrer Hochzeit an den weißen Confetti aus Sulmona erfreuen.






When in Rome, do as the Romans do...

Womit ich beim Stichwort bin. Sicher habt Ihr es schon erraten - alleine an der Farbe!
Heute, vor 25 Jahren, sagten mein Mann und ich "Ja" zueinander! Und genauso lange lebe ich nun auch schon in Rom.
Ich bin sehr dankbar und glücklich darüber, dass ich diesen Tag heute feiern kann - mit meinem Mann, unserer süßen Kringel und lieben römischen Freunden! Denn nichts ist im Leben selbstverständlich; auch das habe ich in all den Jahren erfahren müssen.
Ein zweite kleine Feier wird es im September geben, zu der auch Trauzeugen und andere liebe Freunde anreisen werden.
Damit ich nun Eure Neugier befriedigen kann: So sahen wir an unserem Hochzeitstag vor 25 Jahren aus:











Zurück in die Gegenwart! Zu unserer Silbernen Hochzeit gibt es, ganz der italienischen Tradition entsprechend, silberne Confetti. Es war gar nicht so einfach, welche zu finden. Allein ein Laden fiel mir ein, der diese bunten Zuckermandeln noch lose verkauft. In den kleinen Tüllbeutelchen werden sie zu süßen Erinnerungen an diesen Tag. Mindestens fünf Mandeln pro Person, so will es die Tradition. Das sah ein bisschen verloren in den kleinen Beutelchen aus; ich habe pro Person noch ein paar Mandeln hinzu gegeben - und dabei ausgiebig genascht... Kringel war übrigens ganz begeistert von der ganzen Aktion und hätte sich am liebsten auch so ein Säckchen mit dem glitzernden Inhalt geklaut.





Und nun greift zu, nehmt Euch ein Beutelchen und freut Euch mit uns! 














Sonntag, 14. Oktober 2018

Cotognata siciliana - das süße Quittenbrot aus Sizilien



Cotognata - zum ersten Mal aufgefallen war mir das italienische Quittenbrot in den fernen neunziger Jahren zur Weihnachtszeit. In größere Blöcke gegossen und in Folie verpackt, prangte die Cotognata  neben Pandoro, Panettone und Torrone in den Auslagen. Die deutsche Version, das sogenannte Quittenbrot, kannte ich auch nur vom Hörensagen. Meine Oma hat aus den Früchten lieber Gelee eingekocht, und der war mir neben ihrem unübertroffenen Apfelgelee der Liebste; und das sage ich als gänzlich "Unsüße" (zumindest damals)!







Rezepte für Cotognata gibt es in vielen Regionen Italiens; so bereitet man sie auch in Apulien zu, vor allem in der Gegend um Lecce.
In Sizilien aber wird die Quittenmasse in spezielle Förmchen aus Terracotta gegossen, die dem fertigen Konfekt dann unterschiedliche Prägungen aufdrücken. In Sizilien liebt man es eben hübsch und verziert, wie man an den vielen aufwendigen Süßspeisen sehen kann; der arabische Einfluss in der Küche Siziliens zeigt sich nicht zuletzt in der Vorliebe für Süßes.
Solche traditionellen Förmchen hatte ich leider nicht. Aber meine Silikonformen für Minigugls, die ich in zwei verschiedenen Größen besitze, waren ein würdiger Ersatz.




Quitten sind nicht so ganz einfach zu verarbeiten, und wenn mein Mann mir nicht Früchte aus dem Garten meiner Schwiegermutter mitgebracht hätte, niemals wäre ich auf den Gedanken gekommen, dieses buchstäblich zuckersüße Konfekt herzustellen. Da stand ich aber nun mit den Quitten - und hatte keine Wahl: Entweder koche ich jetzt Gelee oder wage mich wirklich mal an eine Cotognata. Denn bekannterweise kann man diese Früchte ja nicht unverarbeitet essen.
Allein das Zerteilen der Quitten ließ mich nicht nur um meine Finger, sondern auch um das Küchenmesser zittern.
Glücklicherweise lief es unblutig ab; die intensive Farbe kam wirklich alleine von den Quitten!




Zutaten


  • 1,2 kg Quitten
  • Zucker im Verhältnis 1:1 nach Abmessen des Pürees, bei mir 1,2 kg
  • Saft von 1-2 Zitronen
  • 1 Vanillestange oder:
  • 1 Lorbeerblatt (fakultativ)
  • Zucker zum Wenden


  • Gaze oder größeren Teefilter, Küchengarn
  • Passiergerät "Flotte Lotte"
  • Silikon- oder andere Förmchen


Die Quitten zunächst mit einen Tuch abreiben, um den Flaum zu entfernen. Dann gut waschen, vierteln, schälen und entkernen.
Die Schalen aufheben und entweder in einen Teefilter geben oder in ein ausreichend großes Stück Gaze. Mit Küchengarn verschließen.

Quittenstücke, die eingepackten Schalen, den Zitronensaft und die ausgekratzte Vanilleschote mit dem Mark in einen Topf geben. Einige Rezepte fügen anstelle der Vanille ein Lorbeerblatt hinzu. Etwas Wasser hinzufügen (die Früchte dürfen aber nicht ganz bedeckt sein) und zum Kochen bringen. Etwa 1,5 Stunden köcheln, bis die Quitten weich werden und zerfallen.

Das Schalensäckchen entfernen, Vanilleschote herausfischen und aufheben.
Die Quitten durch die Flotte Lotte pürieren und abmessen. Dieselbe Menge an Zucker hinzufügen (das Ergebnis ist sehr süß, eventuell den Zucker um 100 g reduzieren), die Vanillestange wieder hinzufügen und erneut zum Kochen bringen. Zwischendurch immer mal wieder umrühren.
Nach ca. 2 Stunden sollte ein eingedickter Brei entstanden sein.

Die Quittenmasse nun in kalt ausgespülte Förmchen geben und 12 Stunden festwerden lassen. Dann aus den Förmchen auf ein mit Backpapier belegtes Backblech drücken.
Dort sollten sie bis zur einer Woche trocknen; dabei auch einmal wenden.
Danach kann man sie in Zucker wälzen.
In einer Blechdose aufbewahren, die einzelnen Lagen durch Backpapier getrennt.








Donnerstag, 24. Oktober 2013

Süße Resteverwertung: Mendiants



Kennt Ihr das auch? Hier noch ein aufgerissenes Tütchen mit Pistazien, dort eine Handvoll Walnüsse, angebrochene Trockenfrüchte, die man irgendwann mal ins Müsli mischen wollte, und einige wenige Rosinen, die einfach nicht mehr für einen ganzen Kuchen ausreichen. Bei mir meist alles fein säuberlich in Schraubgläschen aufbewahrt, die immer mehr Platz in den Vorratsschränken beanspruchen. Besonders in der kommenden Advents- und Weihnachtszeit wird sich da wieder einiges zusätzlich ansammeln.
Heute wurde ausgemistet! "Ausgemistet" - wie hässlich dieses Wort doch klingt, schaut man sich das Ergebnis dieser Aufräumaktion an.
Mit noch zwei Tafeln Schokolade - eine davon ebenfalls angebrochen - habe ich aus diesen süßen Resten zauberhafte Mendiants hergestellt. Mendiants sind eine französische Schokoladenspezialität, die man gerne auch zu Weihnachten verschenkt.







Man braucht dazu:


weiße und dunkle (zartbitter) Schokolade
Nüsse, Mandeln, Walnusskerne, Pistazienkerne, Cashewkerne
Rosinen
gemischte Trockenfrüchte oder auch kandierte Früchte
Kokosnussraspel
Fleur de sel
...oder was Ihr sonst noch bei Euren Vorräten findet




Scbokoladensorten einzeln über dem Wasserbad schmelzen und mit einem Teelöffel kleine Taler auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech streichen.
Auf die Schokotaler Nüsse, Früchte oder auch etwas Fleur de sel geben.
Auskühlen lassen.
Fertig!



Mendiants 2018 



♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

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