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Samstag, 11. November 2017

Aus dem Slowcooker: Maghrebinischer Hähnchen-Gemüse-Eintopf



Die erste - und bislang beste - Tajine meines Lebens habe ich in Orlando/Florida gegessen - in der Animal Kingdom Lodge, jenem großen Disney-Themenpark, der ganz dem afrikanischen Kontinent gewidmet ist. Wer hier die übliche Plastikwelt erwartete, wurde  positiv überrascht - auch auf kulinarischem Gebiet. Unsere beiden Aufenthalte dort liegen nun ein paar Jahre zurück, und das marokkanische Gericht mit Huhn und Salzzitronen schmeckte einfach so großartig, dass ich es bei unserem zweiten Aufenthalt ganz einfach noch einmal bestellt habe. Später dachte ich immer wieder über die Anschaffung einer Tajine nach.
Aber lohnt es sich, überlegte ich daraufhin. Noch so ein Teil, für das erst einmal Platz geschaffen werden muss in meiner arg kleinen Küche. Wie groß sollte dieser nordafrikanische Schmortopf mit seinem spitzen Aufsatz überhaupt für unseren Haushalt sein? Darüber hinaus ist so ein spezielles Kochgerät nur begrenzt einsetzbar; koche ich wirklich regelmäßig nordafrikanische Gerichte? Oder kann man auch anderes darin zubereiten?
Über diese Fragen geriet die Tajine in Vergessenheit, nicht aber jenes so ungewöhnlich aromatische Gericht, das ganz neue Geschmackswelten eröffnete.

Immer noch keine Tajine, aber ein Slowcooker ist nun seit Kurzem bei uns eingezogen. Er ist nicht nur für die unterschiedlichsten Gerichte brauchbar, sondern übernimmt beim vorliegenden Schmortopf auch die Aufgabe einer Tajine; Kenner der nordafrikanischen Küche werden es vielleicht anders sehen.
Aufmerksam auf diese Art des Kochens wurde ich durch Gabriele vom Blog "USA kulinarisch".
Mittlerweile hat ihr Blog auch einen Ableger, der ganz dem Kochen mit dem "Crocky" gewidmet ist: Er nennt sich "Langsam kocht besser" - und der Name ist wirklich Programm!
Schmunzeln musste ich, als ich am Geburtstag Ende August mein Geschenk - ich hatte mir einen Slowcooker gewünscht - auspackte und neben dem Topf noch ein Kochbuch dazu fand. Mein Mann, der sich in der Bloggerwelt nur wenig auskennt, hatte zielsicher auch das Rezeptebuch von Gabriele gleich mitbestellt! Das nennt man Intuition!

Mittlerweile habe ich schon einiges daraus nachgekocht; ganz wunderbar gelang mir gleich beim ersten Einsatz ein Schmorbraten. Auch die Basis für das vorliegende Gericht habe ich in dem Büchlein entdeckt, es aber für meinen Karnivoren noch mit ein paar Extras versehen.
Was ich besonders schätze: Dieser Slowcooker gibt mir das Gefühl, dass ich bekocht werde. Natürlich müssen auch für das Garen im Slowcooker zunächst einige "niedere" Arbeiten erledigt werden. Das Gemüseschnippeln, Anbraten und Würzen stehen auch hier am Anfang der Zubereitung. Aber dann vergisst man das Ganze erstmal für ein paar Stunden. Wir decken später den Tisch und genießen. Wer hat jetzt nochmal gekocht?




Zutaten
(für 4 Personen)


  • 500 g Hähnchenbrustfilet
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 Tl Ingwer, frisch gerieben
  • 1 mittelgroße rote Zwiebel
  • 1 Chilischote
  • 1 Karotte
  • 1 rote Paprika
  • 1 unbehandelte Zitrone (idealerweise Salzzitronen)
  • 1 Glas Kichererbsen
  • 1 Dose (400 g) stückige Tomaten
  • 300 g Schneidebohnen
  • 50 g Erbsen (Tiefkühlprodukt oder frisch)
  • 300 ml Gemüsebrühe
  • 100 g getrocknete Aprikosen
  • Salz
  • 1 Tl Zimt
  • 1 Tl Kreuzkümmel
  • 1 Tl Ras el-Hanout
  • 1 Tl Paprikapulver edelsüß
  • Olivenöl extra vergine
  • 1 Bund Petersilie
  • Couscous

Die Hähnchenbrust in Würfel schneiden.
Knoblauchzehe, Ingwer und Chilischote fein hacken. Zwiebel schälen, halbieren und in Spalten schneiden. Karotte und Paprika würfeln. Bohnen putzen und schräg in Stücke schneiden. Getrocknete Aprikosen vierteln.
Etwas Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und die Hähnchenbrust-Würfel scharf anbraten. Knoblauch, Ingwer und Chilischote dazugeben und mit anbraten. Dann nach und nach Zwiebelstreifen, Karotten- und Paprikawürfel hinzufügen. Salzen und mit den Gewürzen abschmecken (die Gewürze, bis auf das Paprikapulver, sollten auch etwas angeröstet werden, um ihr volles Aroma zu entfalten).
Den Inhalt der Pfanne in den Slowcooker geben. Bohnen, getrocknete Aprikosen, die im Sieb abgespülten Kichererbsen, die ganze geviertelte Zitrone, die stückigen Tomaten und die Gemüsebrühe hinzufügen und alles einmal umrühren.
Zugedeckt im Slowcooker auf der Stufe "Low" ca. 6-7 Stunden garen.  Eine halbe Stunde vor Ende der Garzeit die Erbsen hinzufügen.
Auf Couscous anrichten und mit Petersilienblättchen bestreuen.

Gabriele Frankemölle, Langsam kocht besser. Das Grundkochbuch für Slowcooker & Schongarer
ISBN 978-3-946398-04-2


♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Freitag, 11. November 2016

Und noch eine - nicht sehr authentische - Kürbissuppe...

Kürbisuppe, asiatisch angehaucht


Der Butternut ist schuld, die riesige Menge an Butternut-Kürbis, den ich für meine Quiche gekauft hatte und dessen Reste nun im Kühlschrank auf weitere Verwendung warten. Schuld daran, dass ich die x-te Kürbissuppe durchs Internet auf Reisen schicke. Viele werden aufstöhnen: schon wieder Kürbissuppe - alle Jahre wieder...  Das ist fast so wie Bärlauch im Frühjahr. Aber bei Letzterem muss man sich bei mir keine Sorge machen, dass ich dieses Kraut in Suppen und Pesti aller Art schmuggele; Bärlauch ist in Rom nicht erhältlich, und nach einem Versuch mit in der Kühlbox eingeschmuggelten Sträußchen aus deutschen Landen hält sich meine Begeisterung in Grenzen.
Irre ich mich oder war vor weniger als zwanzig Jahren die kulinarische Welt noch weitgehend "kürbissuppen- und bärlauchpestofrei"?
Ich gestehe, so eine Kürbissuppe in der ekligen Jahreszeit ist gar nicht so verkehrt. Im Gegensatz zu meinem Mann liebe ich Suppen und deftige Eintöpfe aller Art (Eintöpfe bekommt mein Mann nur mit ganz viel Wursteinlage herunter).
Ab und an dann gibt es also auch bei uns Kürbissuppe. Klassisch meist, mit Kürbiskernöl und gerösteten Kürbiskernen. Langweilig, nicht? Oft bereite ich aber auch die hier nun vorgestellte Version zu, denn ich liebe scharfes und pikantes Essen (etwas, was ich nie meinen italienischen Freunden vorsetzen würde). Und so findet diese Suppe endlich Platz auf meinem Blog.
Bevor jetzt Kritiker ihre Finger heben: Wie immer, wenn ich mich in der Kulinarik auf asiatisches Terrain begebe, ist das bei mir nicht authentisch -  ich weiß das und würde sie nie als "original thailändisch" verkaufen. Hier gilt: Hauptsache, sie schmeckt!






Zutaten
(für 4 Personen)

300 g Süßkartoffeln*
500 g Kürbis (Butternut)*
1 walnussgroßes Stück Ingwer
2 Knoblauchzehen
1 kleine Zwiebeln
1 Chilischote
2 El grünes Thai-Currypulver
ca. 800 ml Gemüsebrühe (Bioprodukt, 
ohne Glutamat oder selbstgemacht)
200 ml Kokosmilch zum Kochen
neutrales Pflanzenöl oder Kokosöl

Kokosmilch
frischer Koriander
Erdnüsse, grob gehackt
Chilischote

*geschält, abgewogen und gewürfelt


Zwiebel würfeln, Knoblauch, Ingwer und entkernte Chilischote fein hacken und alles in etwas Öl anschwitzen. Dann die gewürfelten Süßkartoffeln sowie den gewürfelten Kürbis hinzufügen und kurz mit anschwitzen. Dann den Thai-Curry hinzufügen (ich verwende Pulver, da in den Pasten oft Garnelen enthalten sind).

Mit der Gemüsebrühe aufgießen und ungefähr eine halbe Stunde köcheln lassen. Kokosmilch hinzufügen und die Suppe mit dem Pürierstab aufmixen. Eventuell mit etwas Salz oder auch Sojasauce abschmecken (authentischer wäre Fisch- oder Austernsauce, aber das ist ja nichts für mich).

Die Suppen auf Teller oder in Schüsselchen verteilen und mit etwas Kokosmilch, frischem Koriander, gehackten Erdnüssen und in feine Streifen geschnittener Chilischote dekorieren.




♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Dienstag, 12. August 2014

Zweifach veredelt: Tagliata mit Gorgonzola-Walnuss-Kruste und Blaubeer-Chutney


In der Ferragosto-Woche wird das Einkaufen in Italien zu einer echten Herausforderung. Ferragosto!  Während man in der katholischen Welt am 15. August den Tag "Mariä Himmelfahrt" feiert, zelebrieren die Italiener vor allem den Höhepunkt ihrer traditionellen Urlaubssaison. Noch heute fliehen die Menschen im August aus ihren heißen Städten ans Meer oder in die Berge, obwohl die Erfindung der Klimaanlage das Leben nicht mehr ganz so unerträglich in den heißesten Wochen des Jahres werden lässt. Wie wir Ferragosto oft erlebt haben, hatte ich vor zwei Jahren bereits in einem kleinen Bericht geschildert.
Nach wie vor sieht man in diesen Tagen abseits der touristischen Trampelpfade leere Gassen und vor allem geschlossene Geschäfte. Heute morgen suchte ich verzweifelt - und vergeblich - eine noch geöffnete Reinigung. Mein Metzger am Campo de' fiori macht Ferien, und der Gemüsemarkt ist zusammengeschrumpft. Im Feinkostgeschäft, das am Vormittag geöffnet ist, wartet man ungewöhnlich lange darauf, bedient zu werden, denn die Angestellten sind vornehmlich damit beschäftigt, belegte Brötchen zuzubereiten oder ausgewählte Schinken- oder Käsesorten für die Touristen in Folie einzuschweißen. Da die Kommunikation seitens der Angestellten meist in holprigem Englisch und seitens der Kunden in noch holprigerem Italienisch abläuft, muss man genügend Zeit und Geduld mitbringen.
Aber ganz so dramatisch wie noch vor Jahren, wo man in der Stadt beinahe verhungerte, wenn man sich nicht größere Vorräte angelegt hatte, ist die Einkaufsituation dann doch nicht mehr.
Trotzdem sind wir gestern Abend noch zum italienischen Spezialitäten-Kaufhaus Eataly gefahren, um dort ein paar ausgewählte Lebensmittel zu kaufen, unter anderem piemontesisches Rindfleisch aus kontrollierter Aufzucht. Den Einkauf dort haben wir wie immer auch genutzt, dort noch eine Kleinigkeit zu essen.
Ich genieße diese Besuche dort!
Noch mehr aber genieße ich eine schöne Cenetta a due ([romantisches] Abendessen zu zweit) zu Hause, besonders, wenn es so etwas Feines wie diese mit Gorgonzola und Walnüssen überbackene Tagliata mit Blaubeer-Chutney gibt.




Zutaten

Blaubeer-Chutney
250 g Blaubeeren
1 rote Zwiebel
15 g frischen Ingwer
1 El Sonnenblumenöl
2 El Apfelbalsam-Essig
35 g Zucker
2 Tl Stärkemehl
Salz, frisch gemahlener Pfeffer

Die Zwiebel würfeln und den Ingwer fein hacken. Öl erhitzen und die Zwiebelwürfel sowie den gehackten Ingwer darin anschwitzen, den Zucker hinzufügen und leicht karamellisieren lassen. Dann Blaubeeren und Apfelbalsam-Essig zu den karamellisierten Zwiebeln geben und fünf Minuten köcheln lassen. Das Stärkemehl mit wenig kaltem Wasser glattrühren und zum heißen Chutney geben und unterrühren. Nochmals aufkochen lassen. Chutney mit Salz und Pfeffer abschmecken und abkühlen lassen.

Tagliata mit Gorgonzola-Haube
2 Entrecôtes vom Rind (à ca. 240 g)
etwas frisches Oregano
Fleur de Sel
frisch gemahlener Pfeffer
Olivenöl extra vergine
60 g Gorgonzola piccante
30 g Walnusskerne

Das Fleisch rechtzeitig aus dem Kühlschrank nehmen. Den Backofen auf 200 Grad vorheizen.
Die beiden Entrecôtes mit Fleur de Sel, Pfeffer und etwas frischem Oregano würzen und von jeder Seite in heißem Olivenöl ungefähr zwei Minuten scharf anbraten.
Gorgonzola zerbröseln und Walnusskerne grob hacken. Käse und Nüsse miteinander verkneten und auf den beiden Entrecôtes verteilen.
Das Fleisch auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen und für ungefähr zehn Minuten in den vorgeheizten Ofen schieben.
Vor dem Anschneiden das Fleisch etwas ruhen lassen. Das Blaubeer-Chutney dazu servieren.
Reste vom Blaubeer-Chutney schmecken vorzüglich zu Käse.





♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Freitag, 11. April 2014

Fruchtig-Exotisches für den Tierfreitag: Mango-Karotten-Salat



Endlich habe ich es geschafft, auch einen ersten Beitrag zu Katharina Seisers Projekt "Tierfreitag" zu liefern! Was es damit auf sich hat, das kann der interessierte Leser  hier nachsehen; alles Kluge ist dazu an dieser Stelle gesagt.
Ich muss gestehen, dass es für mich eine echte Herausforderung war. Zwar esse ich oft und gerne fleischlos, doch versteckt sich in den von mir zubereiteten vegetarischen Gerichten meist irgendetwas vom Tier - ob es nun Eier oder Milchprodukte sind. Käse esse ich zum Beispiel für mein Leben gerne, und ohne meinen geliebten Parmigiano Reggiano ist für mich auch das vegetarischste Pastagericht unvollständig.
Auch bei Salaten schmuggelt sich bei mir oft etwas Tierisches zwischen die Blätter, ob es nun ein gekochtes Ei, Mozzarella-Kugeln, Feta-Würfel oder gebratene Speckstückchen sind. In gebundenen Gemüsesuppen verirrt sich meist ein Klecks Crème fraîche (und was bin ich selig, wenn ich die in Rom auftreibe) oder etwas Sahne, und Mascarpone peppt so manchen Sugo auf. Und wie soll ich eine Gemüse-Quiche ohne Milchprodukte und auch Eier zubereiten? Sicher gibt es dafür Rezepte und Kniffe, und vielleicht können mir die anderen Beiträge, die für dieses Projekt erstellt werden, Anregungen liefern. Trotzdem: Auf Dauer möchte ich nicht auf tierische Produkte verzichten, dabei aber aufmerksamer werden, was Herkunft oder auch Produktion betrifft.
Dafür liefert dieses Projekt Denkanstösse.
Den folgenden Salat habe ich in einer Zeitschrift gefunden, und die Kombination von Mango und Karotten gefiel mir auf Anhieb. Ich liebe dieses Zusammenspiel von Frucht und Gemüse in einem pikanten Salat, wie auch hier bei einem meiner Lieblingssalate, dem Avocado-Kichererbsen Salat, der auch zum Thema passen würde, wenn da nicht der Honig, und damit etwas vom Tier, in der Vinaigrette wäre. Es ist also wirklich eine Herausforderung!






Zutaten (für 2-3 Personen)


  • 1 Mango
  • 200 g Karotten
  • 1 Bund Radieschen (ca. 10 Stück)
  • 1 nussgroßes Stück Ingwer
  • 40 g Erdnüsse
  • 1 El frisch gepresster Zitronensaft
  • 3 El frisch gepresster Orangensaft
  • 3 El Sonnenblumenöl
  • 1 El Sesamöl (geröstetes)
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer
  • ein paar Minzblättchen (im Original: Perilla)


Die Mango schälen und in Spalten schneiden. Die Karotten putzen und mit dem Sparschäler in feine Streifen schneiden. Radieschen hobeln und Erdnüsse grob hacken.
Zitronen- und Orangensaft mit den Ölen und dem geriebenen Ingwer zusammen verrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Mangospalten, Karottenstreifen und Radieschen auf einem Teller anrichten und mit der Vinaigrette begießen.
Mit den gehackten Erdnüssen bestreuen und mit ein paar Minzblättchen  belegen.




Rezeptquelle: Beilage "D" la Repubblica, vom 5. April 2014



tierfreitag



♥♥♥
Un abbraccio
Ariane


Sonntag, 6. Oktober 2013

Dieses Sößchen...




Der eigentliche Protagonist dieses Gerichts bleibt leider auf den Fotos etwas verborgen, denn das kulinarische Aha-Erlebnis beim ersten Bissen war das Sößchen. Was macht man nicht alles, um die Komposition für ein Bild nicht durch einen vermeintlichen Störfaktor - die Sauce - aus dem Gleichgewicht zu bringen; was für ein Fehler! Auf wenn nach dem Schmoren nur eine bescheidene Menge davon übrigblieb, diesen hochkonzentrierten Tröpfchen allein gebührte ein eigenes Foto, so phantastisch schmeckte es!
Schweinefilet landet bei uns selten auf dem Teller, denn es ist nicht selbstverständlich, diesen so begehrten Teil des Schweins in den römischen Metzgereien zu finden. Allein im italienischen Edel-Supermarkt Eataly ist das zarte und fettarme Filet immer vorrätig. Also ging es am Samstagnachmittag in die "heiligen Hallen" der italienischen Feinschmecker; ein Spontanentschluss, den wir an diesem trüben Samstagnachmittag wohl mit halb Rom geteilt hatten, was den Einkauf dann etwas stressig gestaltete. Andererseits ist es interessant zu beobachten, dass viele Italiener trotz Krise Wert auf die Qualität der Materia prima, also auf die Qualität und Herkunft ihrer Zutaten und Lebensmittel achten und auch bereit sind, dafür etwas mehr Geld auszugeben.
Für ein italienisches Gericht, das es im Grunde natürlich nicht ist, spielt das folgende Rezept mit eher ungewöhnlichen Aromen. Gefunden habe ich es vor über einem Jahr in der Zeitschrift "A Tavola", die sich für mich zu einer der besten italienischen Foodmagazine entwickelt hat.




Filetto di maiale alle prugne e zenzero con verdure saltate al burro
(Schweinefilet mit Pflaumen und Ingwer und mit in Butter geschwenktem Gemüse)

Zutaten (für 4 Personen)


  • 2 Schweinefilet (à ca. 400 g)
  • 1 Walnuss großes Stück frischen Ingwer (gerne auch etwas mehr)
  • 2 Schalotten
  • 100 ml trockenen Weißwein
  • 3 El flüssigen Honig (z.B. Akazienhonig)
  • Olivenöl extra vergine
  • 6 gelbe Pflaumen
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer


  • 500 g kleine Kartoffeln
  • 400 g grüne Bohnen
  • 30 g Butter
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer


Die Kartoffeln gut waschen und in der Schale ungefähr zwanzig Minuten garkochen und abgiessen.
Die Bohnen putzen, waschen und bissfest garen. Danach mit einer Schaumkelle aus dem Wasser heben und in eine Schüssel mit Eiswasser geben, danach in ein Sieb abgiessen. Das Gemüse zur Seite stellen.
Die Schalotten fein würfeln, den geschälten Ingwer fein hacken.
In einem möglichst gusseisernen Bräter Olivenöl erhitzen. Das Fleisch gegebenenfalls parieren, mit Salz und Pfeffer würzen und von allen Seiten anbraten. Die Schalottenwürfel und den Ingwer dazugeben, kurz mit anschwitzen, dann den Honig unterrühren und mit dem Wein ablöschen. Deckel aufsetzen und die Filets ungefähr zwanzig Minuten schmoren lassen. Dabei ab und an die Filets wenden.
Die Pflaumen waschen, halbieren und entkernen. Zu den Filets in den Topf geben und zugedeckt weitere zehn Minuten mit den Filets schmoren lassen.
In der Zwischenzeit zwei Pfannen mit jeweils 15 g Butter erhitzen. Die Bohnen in der Butter erwärmen, und die halbierten Kartoffeln in der Butter anbraten. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Die Filets in Scheiben schneiden und mit den Pflaumen, diesem Sößchen, den Kartoffeln und den Bohnen servieren.



Rezeptquelle: A Tavola, September 2012




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♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Dienstag, 10. September 2013

Angriff der Killerwurzeln



Dass Sojasprossen im Jahr 2013 immer noch Aufmerksamkeit erregen können, kann man auch nur in Italien erleben. Das Land mit der nach eigenen Aussagen besten Küche der Welt interessiert sich halt immer noch herzlich wenig für die Kochtöpfe anderer Länder.
Immerhin weckten die Sprossen auf dem Laufband der Supermarktkasse die Neugier der Kassiererin und auch die der Kundin vor mir.
Was man denn daraus mache, fragte die Kassiererin. Etwa vegetarische Klößchen - sie hätte davon schon gehört. Sie meine wohl eher Tofu, der aus Sojabohnen hergestellt wird, entgegnete ich ihr, aber Tofu war ihr kein Begriff. Die Kundin spitzte ebenfalls die Ohren und wollte wissen, was ich denn nun mit diesen mysteriösen Sprossen anstellen werde.
Angesichts der Schlange hinter mir wollte ich im Schnelldurchlauf mein  - asiatisch angehauchtes - Rezept herunterrattern. Aber weit kam ich sowieso nicht.
Waaaas, Ingwer würde ich zum Gemüse geben? Das sei doch diese Wurzel, die unsagbar im Hals kratze, weil eben soooo scharf. Als ich ihr mitteilte, dass sich auch noch Peperoni in meinem Rezept dazugesellen, ergriff sie die Flucht: Da sei ja jeder Bissen tödlich!
Und weg war sie!













Asiatische Reisnudelpfanne mit Hühnchenbrust und Gemüse


Zutaten (für 4 Personen)

  • 1 Hühnchenbrust (ca. 450 g)
  • 1 El Speisestärke
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 Stück Ingwer (ca. 20 g)
  • 1 rote Chilischote
  • 200 g Stangensellerie
  • 3 Möhren
  • 1 rote Paprikaschote
  • 2-3 Frühlingszwiebeln
  • 250 g frische Sojasprossen
  • 125 g Reisnudeln
  • Pflanzenöl
  • Sesamöl, aus gerösteten Sesamsamen
  • Sojasauce
  • etwas Hühnerbrühe (ca. 200 ml)


Die Hühnchenbrust fein schnetzeln und in der Speisestärke wenden.
Knoblauch und Ingwer fein hacken, die Chilischote entkernen und in feine Streifen schneiden.
Paprikaschote vierteln, putzen und in feine Streifen, den Stangensellerie in feine Scheibchen und die Möhren in streichholzgroße Stifte schneiden.
Die Frühlingszwiebeln schräg in Ringe schneiden, das Grüne dabei etwas feiner und gesondert zur Seite stellen.
Die Sprossen in ein Sieb geben, abbrausen und mit kochendem Wasser übergießen.
Die Reisnudeln in eine Schüssel geben und ebenfalls mit kochendem Wasser übergießen Ungefähr sieben Minuten ziehen lassen, dann in ein Sieb geben (eventuell mit einer Schere etwas kleinschneiden).
In einer großen Pfanne (oder einem Wok) das Öl erhitzen und die Hühnenbruststreifen scharf anbraten.
In einer zweiten Pfanne etwas Öl erhitzen und die feingehackte Knoblauch-, Ingwer- und Chili-Mischung in die Pfanne geben, dann das vorbereitete Gemüse (bis auf das Frühlingszwiebelgrün und die Sojasprossen) hinzufügen und zwei Minuten anbraten.
Das Gemüse nun zum Fleisch in die Pfanne geben, die Sprossen hinzufügen und zusammen eine Minute braten.
Mit Sojasauce abschmecken.
Die Reisnudeln untermischen, die Hühnerbrühe hinzufügen, und nochmals mit Sojasauce und Sesamöl abschmecken.
Mit dem Frühlingszwiebelgrün bestreuen.
Perfekt wäre noch etwas frisches Koriandergrün dazu, aber das ist leider in Rom kaum aufzutreiben.





♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Sonntag, 9. Dezember 2012

Wie zarte Schneeflöckchen: Cranberry-Ingwer-Makronen


Eiweißverwertung - über was für eine hässliche Bezeichnung stolpert man da immer wieder während der Weihnachtsbäckerei. Eigentlich sollte man für diese Cranberry-Makronen, die mich so sehr an Schneeflöckchen erinnern, die Eier aus dem Kühlschrank nehmen, diese trennen - und sich dann Gedanken über die Eigelbverwertung machen.
Seltsam, dass es immer anders herum gehandhabt wird.




Das Rezept habe ich vor einigen Jahren in einem Brigitte-Sonderheft über Weihnachtsplätzchen gefunden, und seitdem kommen diese "Cranberry-Schneeflöckchen", wie ich sie getauft habe, jedes Jahr auf den Plätzchenteller.

Zutaten (für 2 Backbleche)


  • 3 Eiweiß
  • 1 Prise Salz
  • 180 g Zucker
  • 1 P. Vanillinzucker
  • 1 Tl Zitronensaft
  • 30 g kandierter Ingwer
  • 180 g getrocknete Cranberries (plus einige Cranberries zum Verzieren der Makronen)
  • 140 g gehackte Mandeln (im Original: Mandelsplitter)
  • 2 El Mehl
  • Backoblaten (5 cm Ø)


Den Backofen auf 125 Grad (Ober- und Unterhitze).
Ingwer und Cranberries grob hacken.
Das Eiweiß mit einer Prise Salz und dem Zitronensaft sehr steifschlagen, dabei Zucker und Vanillinzucker einrieseln lassen.


Alle weiteren Zutaten zu dem Eischnee hinzufügen und diese vorsichtig mit einem Rührlöffel unterheben.
Die Makronenmasse auf den Oblaten verteilen, die Makronen jeweils mit einer Cranberry verzieren und diese auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech setzen.
Die Makronen ungefähr 20 Minuten im Ofen trocknen lassen.



Allen einen wunderschönen 2. Advent!


Kochrezepte Basar -teilen,inspirieren,stöbern,entdecken- immer Freitag bis Sonntag - tobias kocht!

♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Mittwoch, 11. Juli 2012

Köstliches Gelb zum Löffeln: Zitronen-Honig-Crème mit Ingwer

Museumsbesuche bilden nicht nur, man kann darüber hinaus interessante Entdeckungen machen: neuerdings auch in den angeschlossenen Museumsläden, durch die man am Ende einer Ausstellung geschleust wird. Angeboten werden mittlerweile in diesen Shops nicht nur Literatur zu den Exponaten, Designereierbecher, die jedes Huhn zum Lachen bringen würden, oder zertrümmerte Vasen, die man dann als "Archeopuzzle" wieder zusammensetzen darf, sondern auch Kochbücher. Ja, jeder Museumshop scheint heute seine Kochbuchecke zu haben, und zwar was für eine! Nicht biedere Alltagskost zwischen Buchdeckeln steht da in den Regalen, sondern es warten hier auf ambitionierte  Hobbyköche wahre Prachtbände internationaler Küchenkunst. Aber auch unscheinbare Schätzchen, wie ein dünnes Büchlein über Crèmedesserts, das mir schon beim ersten Durchblättern sympathisch war und dem ich das folgende Rezept entnommen habe.


Diese Crème leuchtet wunderbar hellgelb und ist mein zweiter Beitrag für den Kochevent "Juli: Gelb" von Highfoodality.

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